PR 2982
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Perry Rhodan Nr. 2982: Die Vernichtungsvariable

Autor: Kai Hirdt

Inhalt

Das Staatswesen der Toshruden wird als Algorithmische Republik bezeichnet. Die drei Meter großen fragil gebauten Humanoiden mit dunkelgrüner Haut leben auf den fünf bewohnbaren Monden des Gasriesen Ponn im Bonnoch-System. Sie haben sich ganz der Mathematik verschrieben und halten Berechenbarkeit für das Fundament von Wohlstand und Gesundheit. Alle denkbaren Faktoren werden in die sich ständig weiter perfektionierende Große Gleichung einbezogen. Die Ergebnisse der Gleichung besagen, was das Beste für die Mehrheit des Volkes ist. Danach richten sich alle Entscheidungen. Wenn Störfaktoren auftreten, so dass die Prognosen der Gleichung nicht deutlich genug sind, ist es die Aufgabe des "Wohldefinierten", regelnd einzugreifen.

Im Jahre 1552 NGZ hat Sunnrod das Amt des Wohldefinierten inne. Eine unberechenbare Stelle auf dem Mond Crunnud bereitet ihm große Sorgen. Dort treten seit einiger Zeit Geistererscheinungen auf. Sie sind an sich ungefährlich, stellen aber eine Bedrohung für die Gesellschaftsform der Toshruden dar, weil sie allen Naturgesetzen widersprechen und somit von jenen, die mit der eigenen Situation unzufrieden sind, als Beweis für die Ungültigkeit der Großen Gleichung betrachtet werden. Viele Toshruden zweifeln daran, dass man sich an die Vorgaben der Großen Gleichung halten muss und stellen ihre persönlichen Interessen über das Gemeinwohl. Diese Unberechenbaren werden nach Crunnud deportiert, wo sie Zwangsarbeit leisten müssen, aber es werden immer mehr und die von den Geistererscheinungen betroffene Zone breitet sich aus. Es ist deshalb zu befürchten, dass die Prognosegenauigkeit der Großen Gleichung in diesem Jahr erstmals zurückgehen wird. Sunnrod ist bereit, den gesamten Mond zu opfern, um das Problem ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen. Die gewissenlose Waffenhändlerin Taraval aus dem Volk der Karrhae hat bereits tausende Antimaterieminen geliefert, die auf Crunnud platziert worden sind. Sobald die letzte Lieferung installiert ist, kann eine Kettenreaktion in Gang gesetzt werden, durch die der Mond vernichtet wird. Als Fremde in der Algorithmischen Republik erscheinen, die behaupten, dass sie das Chaos auf Crunnud bereinigen können, stellt Sunnrod seinen Plan zunächst zurück.

Mittels Dreieckspeilung ist es den Galaktikern Ende Juni 1552 NGZ gelungen, die Monde der Algorithmischen Republik als Standort des letzten Proto-Eiris-Silos zu identifizieren. Atlan, Sichu Dorksteiger, Fitzgerald Klem, Tamareil und Florence Hornigold sind mit der LAURIN-Jet ANNE BONNY auf dem Handelsmond Kotonn gelandet. Sunnrod bestellt sie zu einem Gespräch ein. Sichu gewinnt seine Gunst, indem sie ihr Wissen als Hyperphysikerin einsetzt, um eine Lösung für Naturkatastrophen zu liefern, durch die die Große Gleichung seit Jahrzehnten immer wieder gestört wird. Ihre Begleiter erhalten die Erlaubnis, sich zu der unberechenbaren Stelle auf Crunnud zu begeben. Dort werden sie prompt auf die Antimaterieminen aufmerksam und durchschauen Sunnrods Plan, den er bisher vor dem Volk verheimlicht hat. Der hiesige Silowächter weiß bereits über die Absichten der Galaktiker Bescheid; er wurde von seinen "Brüdern" informiert. Nachdem es den Galaktikern gelungen ist, Sunnrod davon zu überzeugen, dass ihr Vorhaben der Großen Gleichung nicht schaden, sondern zur Stabilisierung des Gleichgewichts beitragen wird, sollte dem Abtransport der Eiris nichts mehr im Wege stehen, doch der Spross PARTAMASPA erscheint vor der RAS TSCHUBAI im Bonnoch-System. Wie sich herausstellt, wurde Bhal Sdy, der sich diesmal nicht so leicht abwimmeln lassen wird, von Taraval (die über die Vorgänge auf Splandheim im Bilde ist) informiert.

Jetzt sieht Sunnrod keine andere Möglichkeit mehr - Crunnud soll gesprengt werden. Taraval soll die letzten Minen platzieren und zünden. Die Karrhae ist hierzu nur zu gern bereit, denn sie hat noch eine alte Rechnung mit Florence Hornigold offen. Die Bergung der Eiris-Ballons ist bereits in vollem Gange, verläuft aber nicht schnell genug. Sichu Dorksteiger warnt: Wenn die Antimaterieminen explodieren, wird ein fünfdimensionaler Impuls freigesetzt, der sämtliche Eiris vernichten wird, auch die in den an der RAS angedockten Ballons befindliche. Die Gemeni glauben immer noch, Taraval sei mit ihnen verbündet und reagieren nicht, als Atlan sie um Hilfe bittet. Taravals Schiff kann abgeschossen werden, doch die Karrhae hat den Zündimpuls schon abgesetzt. Die Kettenreaktion beginnt. Auf Klem, den Tribarträger, hört der Bhal. PARTAMASPA positioniert sich so, dass er die RAS vor dem 5D-Impuls abschirmt. Der Omniträger und die Eiris-Ballons sind gerettet, doch der Spross geht unter.

Die Vernichtung Crunnuds ist der Beweis für Sunnrods Machenschaften sowie für die Inkompetenz der Regierung und somit für die Ungültigkeit der Großen Gleichung. Das Ende der Algorithmischen Republik ist vorhersehbar. Sichu Dorksteiger schickt Sunnrod Submodule zur Kompensation extremer Bedingungen für die Gleichung. Sunnrod sieht ein, dass er allein die Schuld für die Katastrophe trägt. Er legt sein Amt nieder.

Am 11. Juli tritt die RAS TSCHUBAI die Heimreise an… ohne die ANNE BONNY, die Florence Hornigold zum Lohn für ihre Hilfe überlassen wurde. Es stellt sich heraus, dass die von der Eiris veränderte und nun intensiv blau leuchtende Außenhülle des Omniträgers als Schutz vor der mit dem Hypertransflug verbundenen Strahlung dient. Künftig muss also kein Besatzungsmitglied mehr in Suspension versetzt werden.

Kringels Meinung:

Erwartungsgemäß liegt diesem Roman genau dasselbe Handlungsgerüst zugrunde wie den beiden vorherigen. Vorhersehbar = langweilig. Schade, denn einiges finde ich gut. Zum Beispiel, dass Fitzgerald Klem etwas mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. Der Mann ist schließlich irrsinnig weit von der Heimat entfernt und hat in den letzten Monaten die unglaublichsten Wunder erlebt. Wie geht man mit sowas um? Fitz weiß nicht, ob er je nach Hause zurückkehren kann. Inzwischen fragt er sich, ob er das überhaupt will. Ausgerechnet Tamareil tröstet ihn. Die Frau mag einen Robotkörper haben, aber ihr Herz sitzt offensichtlich doch noch am rechten Fleck. Der arme Fitz hat für die Serie im Grunde nur die Bedeutung einer lebenden Kompassnadel oder eines Türöffners. Ansonsten wissen die Autoren meist herzlich wenig mit ihm anzufangen.

Außerdem hat mir die Beschreibung der ganz auf Algorithmen basierenden Kultur der Toshruden gefallen. Ich erlebe in meinem Arbeitsumfeld ähnliches. Alle möglichen Prozesse sollen automatisiert ablaufen, was nur leider nicht funktioniert, weil einfach nicht alles berücksichtigt werden kann - vor allem nicht der menschliche Faktor. Trotzdem werden Algorithmen überall drübergestülpt. Alles soll bis ins Detail geregelt, durchgeplant und dokumentiert sein. Ergebnis: Diejenigen, die damit arbeiten und im Extremfall nur noch Checklisten abhaken müssen, verlernen die Fähigkeit zum selbständigen Denken oder sind schlicht nicht mehr motiviert, kreativ tätig zu werden. Manche Leute, vor allem Vorgesetzte, finden es toll, wenn es klar definierte abzuarbeitende Punkte gibt, egal ob diese auf jeden Einzelfall passen oder nicht. Schließlich hat man dann etwas zählbares zur Hand, Messgrößen, die es ermöglichen, Mitarbeiter in Schubladen zu stecken. Aber ich schweife ab.

Letzte Woche habe ich vergessen zu erwähnen, dass Sichu Dorksteiger eine Theorie entwickelt hat, die die Kosmologie des Perryversums in neuem Licht erscheinen lässt. Hans hat es in seinem Gastkommentar zu PR 2981 angesprochen. Dem "Dorksteigerschen Konversionstheorem" zufolge lässt sich Eiris in Biophore umwandeln. Sobald sich eine Superintelligenz zu einer Materiequelle weiterentwickelt hat, wird sie praktisch zu einem Tor, durch das die Kosmokraten auf das Eiris-Gewebe der ehemaligen SI zugreifen können, um dieses abzuernten. Daraus stellen sie Biophore her, die sie zur Verbreitung von Leben und Intelligenz im Universum einsetzen. Aus den so "ausgesäten" Intelligenzvölkern entstehen irgendwann neue SIs und der Kreislauf beginnt von vorn. Ohne Superintelligenzen keine Eiris, ohne Eiris kein intelligentes Leben? Das wohl nicht. Die Kosmokraten haben diesen Prozess sicher nicht in Gang gesetzt (hier kommt das Henne-Ei-Problem ins Spiel), sondern lediglich beschleunigt.

J. Kreis, 13.10.2018


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Hans (14.10.2018):

Zunächst möchte ich auf die LKS hinweisen. Mit dem Satz "Inzwischen ist er ja ausgelöst, und es bleibt die Frage, wie kann man ihn aufhalten." auf der zweiten LKS-Seite li.Sp.o. bestätigt sich endgültig, daß das Hyperlicht-Phänomen tatsächlich der Weltenbrand ist, der seit Band 2700 angekündigt wurde.

Auf der ersten LKS-Seite re.Sp.o. findet sich der Halbsatz "- so wir denn eine ganz neue Geschichte anfangen -" in Bezug auf den Band 3000. Vermutlich gibt Michelle Stern hier den ersten verlagsinternen Hinweis darauf, daß wir uns mitten in einem Großzyklus befinden, der nach Nr. 3000 relativ nahtlos weitergeht. Das wäre dann analog zum damaligen Thoregon-Zyklus um Band 2000 herum. Ein weiteres Indiz dafür ist m.E., daß normalerweise um die 80er Heftnummern herum bereits ein neuer Zyklus zumindest dem Namen nach angekündigt wird und das ist bis dato nicht passiert. Ich habe so etwas ja seit vielen Monaten in meinen Gastkommentaren vermutet bzw. befürchtet. Sollte es nicht ein gezielt falscher Hinweis sein dann geht es weiter wie bisher und die beiden Throne der Expokraten wackeln nicht ein kleines bißchen.

Dieses Heft beginnt mit einem so gravierenden Logikbug, daß es mir fast die Schuhe ausgezogen hätte, hätte ich welche angehabt... Man kann keine Laurin-Jet in eine Korvette einschleusen. Eine Spacejet dieser Art ist lt. Perrypedia 30m hoch und 34m breit (in manchen Heften der jüngsten Vergangenheit wurde schon allein der Stiel des Pilzes mit 35m Höhe beschrieben wenn ich mich recht erinnere) - eine Korvette hat nur 60m Durchmesser. Einen so großen Hangar besitzt so ein Schiff definitiv nicht. Sowas turnt mich extrem ab, da verblasst sogar der damalige Lapsus eines Autors, ich glaube es war Verena Themsen im Sternengruft-Zyklus, die die RAS TSCHUBAI als "Superschlachtkreuzer" bezeichnete. Bei einem relativ neuen Autor wie Kai Hirdt könnte man das als verzeihbar einordnen aber fällt das keinem Lektor auf?????

Ansonsten ist das mal wieder eine schriftstellerisch ausgelebte dystopische Fantasie. Ein totalitärer Staat der mit mathematischer Präzision "unpassende" Elemente sprich Lebewesen über die Klinge springen lässt. Einigermaßen erträglich ist das nur weil Atlan und Klem dem in Opposition gegenüberstehen. Die Serie ist voll mit unserem realen Zeitgeist. Zum Ende des Hefts bricht diese berechnete Gesellschaft aber fast zusammen und der Oberste Bonze legt seinen Mantel ab - aber es kommt so, daß einfach die Große Formel von Sichu Dorksteiger upgedatet wird. Eine wirkliche Befreiung von einem inhumanen System findet also wohl nicht statt. Bleibt also Stoff für ein Taschenbuch falls die Galaxis Cetus irgendwann in der Zukunft einmal wieder thematisiert werden sollte...

In den 2000er Bänden hat sich die damalige Carit-Hülle der SOL umgewandelt in Solonium, was einen Verlust darstellte. Hier haben wir erlebt, daß sich die Ynkalkrit-Hülle der RAS TSCHUBAI durch Kontakt mit den Eiris-Ballons so umwandelt, daß jetzt ein vollwertiges Fernraumschiff zur Verfügung steht ohne die Notwendigkeit der Suspensions-Alkoven. Was also eine echte Verbesserung bedeutet. Das ist die Cocktailkirsche auf der Sahnehaube eines Heißgetränks. Dieses Schiff dürfte somit vermutlich noch sehr lange zur Verfügung stehen.

Die Gemeni opfern einen Spross um die Eiris-Ballons und das terranische Schiff zu beschützen, eine überraschende Wendung mit der ich nicht gerechnet habe. Wobei das leicht unlogisch erscheint: Antimaterie-Minen sind doch bei Perry Rhodan eher Low-Tech und der daraus resultierende 5-D-Impuls soll einem technisch so hochwertigen Spross gefährlich werden können? Aber seis drum, das war schließlich das zweite wirklich überraschende an diesem Roman, neben der Umwandlung der Schiffshülle.

Ich wage mal zu spekulieren: Die RAS TSCHUBAI wird nach Band 3000 zu einem Fernflug nach Sashpanu aufbrechen, da der Themenkomplex der Gemeni im Rest des Teil-Zyklus Genesis nicht mehr aufgeklärt werden kann. Mehr als drei Monate dürfte das nicht dauern bei einem ÜL-Faktor von 500 Mio. Vorher noch ein Besuch in Gruelfin um Tamareil nach Hause zu bringen inclusive...

Falls es so kommt, dann würde ich mir wünschen, daß uns das Team Atlan/Fitz Klem noch möglichst lange erhalten bleibt. Die Figur Klem ist durchaus noch ausbaufähig :-). Florence Hornigold dürfte ja jetzt auf und davon sein mit der ANNE BONNY. Schade. Atlan könnte tatsächlich mal wieder eine starke Frau an seiner Seite gut tun.