PR 2913
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Perry Rhodan Nr. 2913: Das neue Imperium

Autor: Michael Marcus Thurner

Inhalt

Gi Barr ist bereit, Perry Rhodan und Penelope Assid eine Geschichte zu erzählen, die im Zweiten Solaren Imperium zur Allgemeinbildung gehört. Jedes gäonische Kind weiß, wie es zur Gründung dieses Sternenstaates gekommen ist. Die Besatzungsmitglieder des terranischen Ultraschlachtschiffes ORION sind die Urahnen der Gäonen. Trivid-Serien, Romane, Dokumentationen und dergleichen halten die Erinnerung an ihr Schicksal wach. Die von Gi Barr wiedergegebene Geschichte basiert hauptsächlich auf dem Tagebuch der Kommandantin Maeva Aponte und den Aufzeichnungen des Raumsoldaten Pincas Nikolov. Über das Zweite Solare Imperium selbst gibt Gi Barr kaum Informationen preis. Rhodan und Assid erfahren lediglich, dass sich das Neo-Solsystem mit Gäon, der Hauptwelt des Imperiums, im Orionsland befindet, und dass eine Frau namens Cassandra Somerset zurzeit das Amt des Solastrators innehat.

Die Geschichte beginnt im Juli 3441 alter Zeitrechnung. Vor mehr als sieben Monaten haben fast alle Besatzungsmitglieder der ORION aus unbekannten Gründen schlagartig den Verstand verloren. Die Betroffenen sind verdummt, folgen nur noch ihren Instinkten und haben schwer im Schiff gewütet. Fast alle wichtigen Einrichtungen sowie die Beiboote wurden zerstört oder schwer beschädigt. Die noch zurechnungsfähigen Menschen haben sich in der Zentrale und den angrenzenden Bereichen verschanzt. Da die Hyperfunkanlage ausgefallen ist, können sie keinen Notruf absetzen und wissen nicht, ob nur ihr Schiff von dem Phänomen betroffen ist oder ob es sich um eine milchstraßenweite Katastrophe handelt. Die Verdummten können sich kaum selbst versorgen, so dass viele einfach verhungert sind. Inzwischen haben sich mehrere Gruppen gebildet, an deren Spitze zumeist abtrünnige Immune stehen. Besonders gefährlich ist eine Gruppe, die sich um einen TARA-III-UH-Kampfroboter mit gestörtem Bioplasmazusatz namens "Papa Uh" geschart hat. Die Maschine wurde manipuliert, reagiert nicht auf die Abschaltcodes und macht Jagd auf die Immunen, die sie gnadenlos tötet, wo immer sie ihr vor die Tentakelarme laufen. Auch eine von der Korvettenkommandantin Lisi Schiller angeführte Bande sorgt immer wieder für Probleme.

Die ORION treibt mit zerstörten Überlichttriebwerken, instabilen Waring-Konvertern und nicht funktionierendem Impulsantrieb auf die Sonne Curicaberis zu, in der sie schon bald verglühen wird, weil die HÜ- und Paratronschirme nicht aktiviert werden können. In dieser aussichtslosen Situation haben einige Immune Selbstmord begangen. Am 20 Juli 3441 leben noch knapp fünfzig Immune im sicheren Zentralebereich. Ihnen stehen über 4000 Verdummte gegenüber, die in verschiedenen Schiffssektionen dahinvegetieren. Oberst Aponte und Sergeant Nikolov treffen sich auf neutralem Boden mit Lisi Schiller, einer begnadeten Technikerin, die den Impulsantrieb reparieren könnte. Sie hält die Menschen für minderwertig, denn sie gehört nach eigenen Angaben zur überlegenen Gattung Homo Superior, die die Menschheit ihrer Meinung nach verdrängen wird. Um Schiller entgegenzukommen, gesteht Aponte ihr die Herrschaft über einen Teil des Schiffes zu. Während des Gesprächs kommt es zum Angriff durch eine andere Verdummtengruppe. Nikolov wird schwer verwundet. Sobald er wieder auf den Beinen ist, nimmt er an einer von Schiller geführten Expedition zur Hyperfunkanlage am Schiffsnordpol teil. Ein von Nikolovs Stellvertreterin Bibi Anaitis geführtes Team soll sich zum Impulstriebwerk durchschlagen.

Nikolov und Schiller haben zumindest vorübergehend Erfolg, außerdem kommen sie sich während des Einsatzes menschlich näher. Sie setzen einen Notruf ab und fangen zahlreiche Funksprüche auf, denen sie entnehmen, dass die gesamte Milchstraße vom Verdummungsphänomen betroffen ist. Dann fällt die Funkanlage endgültig aus. Anaitis und ihre Teammitglieder werden von Papa Uh ermordet. Nun versucht Schiller ein improvisiertes Nottriebwerk aus den Überresten zweier teilweise zerstörter Korvetten im Ringwulsthangar herzustellen. Die Arbeiten gehen gut voran, doch dann tauchen Fremde in der ORION auf, die einige Verdummte töten. Es handelt sich um ein Enterkommando von einem aus fünf Kugeln bestehenden Großraumschiff. Die Fremden tragen auffällige Netze auf den Köpfen, von denen sie offenbar vor der Verdummung geschützt werden. Die Terraner glauben deshalb, die Fremden seien für die Katastrophe verantwortlich. Nikolov, Schiller und andere Immune wollen einen Überraschungsangriff wagen, doch es kommt anders. Aponte meldet, dass die Berechnungen falsch waren. Die ORION wird viel früher in die Sonne stürzen als gedacht. Dann tauchen Papa Uh und seine Verdummten auf. Sie fallen sowohl über die Fremden als auch über Nikolovs Trupp her, obwohl die Terraner durch Deflektorschirme getarnt sind. Mindestens ein Fremder fällt Papa Uh zum Opfer. Der TARA wirft eine Machete auf Nikolov, doch Schiller rettet ihn, indem sie die Waffe mit dem eigenen Körper abfängt. Mit vereinten Kräften besiegen die Terraner und die Fremden die Verdummten. Papa Uh wird vernichtet.

Nach Schillers Tod sprechen Nikolov und Aponte mit den Fremden, die sich als Thoogondu vorstellen. Ihr Schiff, der Pentasphärenraumer VELLETHON, befindet sich seit zehn Jahren zu Erkundungszwecken in der Milchstraße. Kommandant Septhol hält die Superintelligenz ES für den Grund allen Übels. Die Thoogondu wollen Anhaltspunkte dafür gefunden haben, dass ES die Schuld an der aktuellen Krise trägt. Die Superintelligenz darf unter keinen Umständen erfahren, dass die Thoogondu in der Milchstraße unterwegs waren. Deshalb kommt eine Rückführung der ORION-Besatzung auf eine Welt dieser Galaxie nicht in Betracht. Die Terraner sollen die Thoogondu in deren Heimatgalaxie Sevcooris begleiten. Dort, fern von ES, können sie ein neues Leben beginnen.

So endet die Geschichte. Rhodan und Assid halten einiges davon für widersprüchlich und unglaubwürdig. Gi Barr erklärt, die Nachkommen der Menschen von der ORION hätten im Orionsland ein Sternenreich errichtet, das besser organisiert und kampfstärker sei als sein Vorbild, das Solare Imperium. An eine Rückkehr in die alte Heimat haben die Gäonen in den vergangenen 1700 Jahren angesichts des im Einflussbereich von ES herrschenden Chaos nicht gedacht. Doch mit dem Verschwinden des Wanderers haben sich die Dinge geändert. Gi Barr meint, es werde nötig sein, dass das Zweite Solare Imperium in der Milchstraße für Ruhe und Ordnung sorgt ...

Kringels Meinung:

Der Roman ist eine Mogelpackung, denn über das titelgebende Zweite Solare Imperium erfahren wir so gut wie nichts. Egal, das kommt sicher noch. Der kurze Rückblick in die Zeit der Schwarmkrise hat mir gefallen. Da werden alte Erinnerungen wach. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass die Menschen des 35. Jahrhunderts noch sehr wenig über Superintelligenzen wussten. Das wird im Gespräch der ORION-Besatzung mit den in dieser Hinsicht viel besser informierten Thoogondu deutlich. Die ganze Kosmologie mit Kosmokraten/Chaotarchen, Materiequellen und - senken, dem Moralischen Code et cetera wurde erst später eingeführt. Heute wird ja gern behauptet, diese Kosmologie sei ein unverzichtbarer Bestandteil des Perryversums. Dem kann ich nur entgegenhalten, dass das Perryversum einige Zyklen lang auch ohne das ganze Brimborium sehr gut funktioniert hat ...

Wie dem auch sei: Gi Barrs Geschichte ist meiner Ansicht nach ebenso zu misstrauen wie der Historie der Thoogondu. Rhodan bleibt zu Recht skeptisch. Gi Barr scheint an das zu glauben, was er erzählt, aber das heißt natürlich nicht, dass sich die Abenteuer der Raumpatrouille Orion ... pardon ... des Ultraschlachtschiffes ORION tatsächlich genau so zugetragen haben. Ob es wirklich stimmt, dass die Thoogondu im 35. Jahrhundert in der Milchstraße herumgeschnüffelt haben? Für unwahrscheinlich halte ich es nicht. Eher glaube ich, dass sie sowohl vorher als auch danach immer präsent waren, sich aber gut versteckt gehalten haben.

Urlaubsbedingt werden sich meine nächsten PR-Reviews um einige Wochen verzögern. Aus demselben Grund werde ich eure Gastkommentare möglicherweise erst im Juli hochladen können. Habt Geduld! Eure Texte gehen nicht verloren.

J. Kreis, 16.06.2017


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Gastkommentare


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Patrick (19.06.2017):

Eine Mogelpackung ist der Roman nicht, denn aus dem Untertitel ging hervor, dass es um die Entstehung dieses Reiches gehen würde. Zusatzinformationen sind eben das - ein Bonus.

Ich selbst schätze die frühen Zyklen. Allerdings sind diese eben das - frühe Zyklen. Diese spielen zu einer Zeit, da weite Teile der Milchstraße noch Terra Incognita waren. Die Serie hat sich, basierend auf dem, eben weiterentwickelt. Als die Milchstraße abgehakt war, kam eben Andromeda dran, und hier zeichnete sich bereits mit den MdI Gigantomanismus ab.

Auch das ist selbstverständlich. Wenn in der Milchstraße Ruhe herrscht, kann eine Bedrohung größeren Ausmaßes nur von Außen kommen; wenn diese Milchstraße gar vereinigt ist oder zumindest eng kooperiert, dann muss diese Bedrohung auch kolossale Ausmaße haben. Es ist dann übrigens auch logischer, wenn das z.B. eine SI ist. Finden Sie es logisch, dass die MdI in der Lage waren, riesige künstliche Sonnensysteme und Fallenwelten wie Horror zusammenzubauen? Die Handlung ist interessant, aber ich würde so eine Leistung eher glauben, wenn sie von einer SI erbracht wurde.

Der Moralische Kode gehört heute jedenfalls zu PR dazu. (Und übrigens ist der Schwarm selbst ja den Kosmokraten zuzurechnen.) Man kann das bedauern, aber wie will man den Kanon hier ändern, ohne sich hoffnungslos zu verrennen? Es ist schließlich der Stoff, aus dem das Universum ist. Man kann das tun, nämlich in einer Serie wie PR Neo. Leider ignorieren Sie auch, dass der Moralische Kode und das ganze Drumherum in PR eine wichtige Funktion erfüllen. Als die Serie begann war der Kosmos für die Menschen noch ein ganz großes Rätsel. Bekanntlich wusste man nicht mal, wie es unter den Wolken auf der Venus aussieht. Einerseits führte das dazu, dass man allerlei Wunderdinge ins Universum dichten konnte, angefangen bei Paragaben, die auch in den frühen Zyklen fester Bestandteil waren. Heute geht das natürlich nicht mehr. Jeder Depp kann auf Wikipedia alles nachlesen. Zum anderen geht es genau um das - um das Staunen. Perry Rhodan stand anfangs vor einer riesigen, unerklärlichen Welt voller Geheimnisse - dem Universum. Als das Universum für die Leser (nach damaligen Maßstäben) völlig begreiflich wurde und Rhodan selbst Freundschaft mit den Posbis geschlossen und Expeditionen nach Andromeda und Gruelfin unternommen hatte, musste etwas Neues her - er musste staunend vor dem Berg der Schöpfung stehen. Ein kosmischer Mensch mit kosmischen Aufgaben.

Dieses Staunen, dieses Ringen um den eigenen Platz im Großen Ganzen, das ist Perry Rhodan. Und das war so von Anfang an. Es gibt einen guten Grund, warum die Autoren damals den Schritt auf die absolut unbegreifliche Ebene der Hohen Mächte getan hatten: Sie wollten ihr Werk nicht vermurksen, sondern es retten.

Sie betrachten die Serie aus einem eher technokratischen Blick, der diese künstlerischen Bedürfnisse und ihre Attraktivität auf die Leser übersieht. Es steht ihnen frei, die teilweise entgleisten Eskpaden i.S.v Kosmokraten etc als Brimborium zu bezeichnen; aber ich habe lieber Brimborium als Gute Zeiten, Schlechte Zeiten im Weltall. Oder Die Mumins im Weltall, wobei bei den Mumins ja immerhin noch etwas Rätsel und Zauber gegeben wären. Gleichzeitig argumentieren Sie gegen Ihre eigenen Interessen. Sie selbst haben deutlich gemacht - und wenn ich mich falsch erinnern sollte, dann ziehe ich das zurück - dass es Ihnen am liebsten wäre, in der Milchstraße kämen alle oder zumindest fast alle miteinander klar. Wenn dem so ist, wo soll dann irgendeine Bedrohung entsprechenden Ausmaßens herkommen? Wie soll dann noch "bodenständige" Science Fiction möglich sein? Und wie erklärt man die Überlegenheit des Gegners, wenn keine SI dahinter steckt, angesichts der Ausmaße? Man kann es Ihnen eigentlich kaum Recht machen, so oder so haben Sie etwas, um sich zu beschweren. Ich unterstelle Ihnen keine Böswilligkeit, nur glaube ich, dass Sie einerseits nicht anerkennen, dass sich die Autoren irgendetwas bei der Zeugung ihres geistigen Kindes gedacht haben, und andererseits Ihre Sichtweise nicht gut genug durchdacht haben, wahrscheinlich weil Sie Besseres zu tun haben. Und natürlich sind Szenarien denkbar. Ich würde mir schon wünschen, einmal etwas von einer entlegenen menschlichen Kolonie weit weg im Universum zu lesen, die ganz auf sich allein gestellt ist. Das wäre wieder wie in den alten Tagen - es würde mir gefallen. Oder wie wäre es, wenn alle Unsterblichen aus der Milchstraße verbannt würden, um den Weltenbrand zu verhindern? Das könnten sehr interessante Geschichten sein, aber sie tragen nur je einen Zyklus.

Gleichzeitig ist es enttäuschend für mich, dass die durchaus interessante Kritik der Gäonen an ES diesen von den Thoogondu eingetrichtert wurde und wahrscheinlich bloße Gehirnwäsche ist - langweilig. Außerdem sehen wir natürlich - und ich hatte das prophezeit - wie sich laut PR-Lehre die bzw. eine Menschheit ohne SI-Bevormundung verhält: militärische Gewalt und Großmannsgetue.

Mir bleibt nur noch, Ihnen ebenfalls einen angenehmen Urlaub zu wünschen.
Sehr interessanter Kommentar von Hans übrigens. Übrigens bzgl. Abruse: Damals hatte man eine völlig bizarre Idee mit einer anderen Seite des Universums bemüht, um doch noch eine Bedrohung aus dem Zylinder "Universum" zu ziehen; danach war dann dieses Feld bestellt erschöpft und man musste sich endgültig ins Transzendete wagen. (Ich habe die Geschichte um die rätselhaften Sampler-Planeten gemocht, auch wenn einige der Bände eklatante Schwächen hatten.)


Hans (19.06.2017):

Den Anfang des Hefts bis zur Explosion des Großgeschützes durch den Drogensüchtigen Potty hab ich nur quergelesen, wollte die Gewaltexzesse überspringen. Da mir dadurch Infos entgangen sind, hab ich das nachgeholt sobald ich Ihren Kommentar gelesen habe. Dabei fällt mir jetzt auf, dass Pincas Nikolov im weiteren Verlauf fast nur noch mit Paralysator auf die Verdummten schießt während er am Anfang einem Verdummten mit Desintegrator den Fuß abtrennt (S.18r.Sp.o.) und Potty den Unterarm mit Thermostrahl fast komplett 'entfernt' (S.21r.Sp.o) in der Absicht, die Zündung der Sprengladung zu verhindern, was aber misslingt. Liegt das nun daran, daß in dem Soldaten danach eine innere Wandlung einsetzt, er es satt hat die Verdummten zu verletzen oder zu töten, oder will der Autor hier schon inkonsistente Elemente in der Erzählung Gi Barrs andeuten?
Auf S.23r.Sp.m. erfahren wir ein Datum: 22. Juli 3441 - vom 14.-28. Juli ist Perry Rhodan mit der GOOD HOPE II in der Milchstraße unterwegs und befreit Icho Tolot von der Verdummung, Heft 503; lt. perrypedia mithilfe von Eupholyten, Kristallen, die zehn Jahre wirksam sind und nur auf dem Planeten der Digger gefunden werden. Da die Thoogondu im aktuellen Heft Kopfnetze mit Kristallen tragen wäre es interessant ob die Kristalle evtl. von dort stammen? Auf S.54 sagt Septhol, daß es Hooris-Kristalle aus Sevcooris seien, er sei schon seit mehr als 10 Jahren in der Peripherie der MS unterwegs, also bereits vor der Verdummung. Sagt er die Wahrheit? Falls die Erzählung Gi Barrs überhaupt stimmt? Das Rätselraten in diesem Zyklus geht munter weiter. Das Aussehen der Kristalle wurde in PR 503 wahrscheinlich beschrieben. Da mir meine erste PR-Heftsammlung mit Anfang 20 verlorenging (ca. 1000 Hefte, die bei meiner Mutter lagerten als ich schon eine eigene Wohnung hatte, landeten im Müll, weil meine Schwester ohne mich zu fragen 'aufräumte'...) kann ich das nicht nachprüfen, leider oder zum Glück hab ich kein photographisches Gedächtis, Nr. 503 hatte ich damals in einer der Nachauflagen gelesen, an das Titelbild erinnere ich mich definitiv. Rhodan ist ebenfalls gedächtnismäßig überfordert, wünscht Atlan wäre bei ihm damit er Gi Barrs 'Infos' besser einordnen kann. Grins.
In Gi Barrs Erzählung gibt es einige Ungereimtheiten. Auf S.27 wird von Verdummten berichtet, die auf Anweisung Lisi Schillers (bei Jim Knopf und die Wilde 13 gibt es eine Prinzessin Li Si) unter einer kochendheissen Dusche stehen bleiben und das nicht überleben. Andererseits wird von den Instinkten der Verdummten gesprochen, die noch funktionieren sollen. Auch hier stellt sich mir die Frage, ist das 1. Andeutung von Inkonsistenz der Erzählung Gi Barrs? 2. Anlehnung an die widersprüchliche Beschreibung der Verdummten im Originalzyklus (an die ich mich noch erinnere)? 3. Lapsus des Autors oder Spaß an skurillen Todesarten?
Auf S.41r.Sp. wird versucht mithilfe eines aus- und zusammengebauten Korvetten-Impulstriebwerks das Ultraschlachtschiff ORION aus der Flugbahn in Richtung der Sonne zu bringen. Dieser Versuch kann eigentlich nur darauf hindeuten, daß die Erzählung des Gäonen unglaubwürdig klingen soll, denn wie soll dieses ca. 5m durchmessende Triebwerk, die 2500m-Kugel auch nur minimal bewegen? Rhodan zweifelt das ja auf S.48r.Sp.u. auch an. Daß er an dieser Stelle jedoch "Die Brücke ins Licht" anzweifelt, finde ich etwas seltsam, denn es ist m.E. sehr gut nachvollziehbar, daß Besatzungsmitglieder in einer solchen Situation nicht mehr weiterleben wollen, nach sieben Monaten Chaos in der beschriebenen Form, auch wenn sie gar nicht wissen, daß in der gesamten Galaxis das blanke Chaos herrscht. Der gesamte Schwarm-Zyklus ist voll mit solchen Tragödien absolut verzweifelter Lebewesen. Nach meinem Empfinden ist der Schwarm der absolute Horror-Höhepunkt der gesamten Serie. Wenn ich jetzt einfach mal annehme, daß die Expokraten den Autoren nahelegen, sich an diesem ultra-düsteren Szenario von damals zu orientieren, dann macht vieles Sinn was in den letzten 14 Wochen zu lesen war, auch wenn mir das nicht gefällt. Die okkulten und eschatologischen Anspielungen in Zusammenhang mit dem blauen Pflanzenschiff erinnern mich dann an die Schwarmgötzen und alles andere, was ich schon damals als extrem unheimlich und verstörend empfand als ich den Schwarm-Zyklus als Jugendlicher gelesen habe.
Zurück zum Heft. Auf S.42 werden die eindringenden Thoogondu geschildert, noch ohne ihren Schuppenpanzer (der auf S.50 mal als "Hornbewuchs" und dann als "Knochenpanzer" beschrieben wird) und sie töten "erbarmungslos" einen Verdummten. Ab S.47re.Sp.u verwenden sie nur noch Paralysatoren. Warum? Ab S.52 geht es dann zur Sache. Septhol klagt ES an, er hält es sogar für möglich, daß dieser den Schwarm in die MS eingeladen hat. Er stellt der Kommandantin Aponte die wohl für ihn rhetorische Frage, ob sie sich nicht darüber wundert was alles für Katastrophen in der Milchstraße geschehen (sind)? -------------------------- Fast könnte man meinen, er weiß bereits was noch alles in den nächsten 16 Jahrhunderten über die Mächtigkeitsballung von ES hereinprasseln wird: Konzilsherrschaft, Weltraumbeben, Seth-Apophis/Dekalog der Elemente, Ewige Krieger, Monos/Cantaro, Tote Zonen/Abruse, Goedda, Tolkander, Gon-Orbhon, TRAITOR, Frequenzmonarchie usw.
Denn was ist zum Zeitpunkt der erzählten Geschichte Gi Barrs denn schon viel passiert im Solaren Imperium??? Grins (bitte ggf. nicht allzu ernst nehmen) Dolan-Invasion, dann für tausend Jahre relative Ruhe bevor die Takerer angriffen, die Urmutter Pluto platt gemacht hat und dann der Schwarm. Von allem davor hat Otto-Normal-Terraner doch recht wenig wahrgenommen, da das meiste ausserhalb des Sol-Systems stattfand, möchte ich mal sagen. Man kann bei allen militärischen Auseinandersetzungen die das Solare Imperium vor 3441 hatte m.E. nicht von galaxisweiten Katastrophen sprechen. Der Schwarm war die erste wirklich galaxisweit spürbare Katastrophe und die rund 40 Immunen der ORION erfahren davon erst durch den Thoogondu Septhol, davor war Ihnen unklar warum die meisten Crew-Mitglieder plötzlich verdummt sind. Gi Barr spricht ja selbst davon, daß dies alles den "Gründungsmythos" des NSI beschreiben soll. Das von mir vermutete Wissen über die späteren Katastrophen legt dann evtl. nahe, daß das Gondunat spätestens ab 3441 seine Spione in der Milchstraße hatte, u.U. sogar über 15 Jahrhunderte lang, und dieses Wissen floß dann retrograd in den Mythos ein, den Gi Barr zu kennen glaubt und von dem er erzählt. Klingt vlt. etwas weit hergeholt, das gebe ich gerne zu. Dem Aspekt von potentieller Geschichtsveränderung/-fälschung kann ich dann sogar positives abgewinnen (falls es die Autoren denn am Ende des Zyklus so gemeint haben, nämlich als unterschwellige Kritik an unserer eigenen Realität).
Meine Spekulation über ANTI-ES von letzte Woche war übrigens Unsinn, der auf meiner Unwissenheit beruhte. In der alten Atlan-Serie (die ich nur sehr bruchstückhaft seit 2008 gelesen habe als Blaubände, antiquarisch erworbene Hefte und zwei Zyklen als eBook) mutierte ANTI-ES über Umwege zur positiven SI KING. Eine Neuauflage des Duells wäre also völlig absurd, mea culpa.
Fazit des Hefts: es droht (angeblich) eine Invasion der MS durch durch das NSI. Kleinere Brötchen wollen die Expokraten offenbar nicht backen. Weitere Lücken in der PR-Historie sollen wohl gefüllt werden bzw. es wird wieder mal an relativ alte Sachen angeknüpft wie den Schwarm. Mangels fehlender Kreativität für wirklich neues wird eben aufgebraten. Wirklich Neues ohne Anknüpfung an alte Zyklen gab es das letzte Mal mit der Abruse und das war Anfang der 90er Jahre. Meine Erwartungen an den Zyklus schraube ich deshalb leider noch weiter runter. Ich hoffe jetzt nur noch, daß einige gutgeschriebene Hefte dabei sein werden.
Ansonsten wünsche ich Ihnen einen erholsamen Urlaub!



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