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Perry Rhodan Nr. 2815: Der letzte Kampf der Haluter

Autorin: Verena Themsen

Inhalt

Atlan benötigt die Hilfe der im Messingtraum gefangenen Haluter, um zur 236-COLPCOR vorstoßen und dort Ersatzteile für die Trans-Chronalen Treiber der ATLANC beschaffen zu können. An die Haluter kann er nur mit Hilfe derjenigen herankommen, die ihren Schlaf überwachen. Denetree Hosessos hat den Namen "Bahonner" genannt. Er ist ein solcher Schlafhirte und eignet sich gut als "Opfer" für Jawna Togoyas Verführungskünste, denn anders als seine Kollegen nimmt er noch am öffentlichen Leben teil und hat außerdem eine hässliche Trennung hinter sich. Die Posbi-Frau reißt den Lemurer auf, postwendend verliebt er sich in sie. Allerdings scheint die Affäre auch bei Jawna nicht ohne emotionale Folgen zu bleiben. Coiro-Karn, der kauzige alte Butler Bahonners, sieht das gar nicht gern, und begleitet seinen Herrn, als dieser Jawna in der getarnten MUTTER besucht. Bei Atlan ist der Groschen schon gefallen. "Coiro-Karn" ist ein Anagramm für "Rico Arkon". Der Butler gibt seine wahre Identität preis. Er ist niemand anderer als der uralte Begleiter des Arkoniden, der schon längst nicht mehr als normaler Roboter bezeichnet werden kann. MUTTER ist Ricos Schiff. Ch'Daarn hat Rico und Bahonner seinerzeit zusammengebracht. Bahonner ist dem Seher vor sieben Jahren begegnet. Damals hat er herausgefunden, dass seine Erinnerungen - und die anderer Menschen - verändert worden sind.

Bahonner erklärt, dass auch die Suen-Haluter infiziert sind. Die Krankheit kann nicht geheilt, sondern nur in Schach gehalten werden. Die Trennung vom APASHEMION wäre für die 95 letzten Riesen von Halut das Todesurteil, denn der Drogencocktail, den sie dort erhalten, ist gleichzeitig ein Antireagenz für Stoffe, die ihnen absichtlich eingesetzt wurden und ihre Körper innerhalb von maximal zwei Stunden zerfallen lassen würden. Atlan ist sich sicher, dass die stolzen Haluter den Tod der Gefangenschaft vorziehen werden. Man muss ihnen nur klar machen, in welcher Situation sie sich in Wahrheit befinden, denn das ist ihnen nicht bewusst. Bahonner und Rico unterstützen Atlan nach Kräften. Durch ein geschicktes Täuschungsmanöver gelingt es ihnen, die Kyber-Agentin Miuna Lathom auszutricksen, die zunächst glaubt, niemand könne ihr Netz aus Parafallen und Kampfrobotern beim APASHEMION sowie dem Richterschiff durchdringen. Sie hat Atlans Pläne durchschaut, doch Rico ist eine unbekannte Größe in der Rechnung, die nun nicht mehr zu Miunas Gunsten aufgeht. Die Agentin hält Rico für trottelig und völlig harmlos. So kann er unbemerkt schalten und walten, und daher kann Atlan problemlos in die Messingwelt eindringen.

Dort begegnet er den Halutern Hec Jannaver und Shopan Gaunot. Er verheimlicht seinen Namen nicht und wird prompt von Thani Thaburac angegriffen. Die Haluter schützen ihn, obwohl sie ihn nicht kennen - ihre Erinnerungen wurden manipuliert. Atlan wird zu Ova Rakane gebracht. Der Arkonide schenkt den Halutern reinen Wein ein. Seine Ehrlichkeit und Thanis wiederholte Mordversuche lassen in den ehrenhaften Halutern die Überzeugung wachsen, dass sie wirklich missbraucht werden und ihren Tod in Kauf nehmen müssen, um dem Matan einen empfindlichen Schlag zu versetzen. Sie lösen sich aus dem Messingtraum, was letzten Endes dazu führen wird, dass die virtuelle Welt erlischt. Damit wäre auch Thaburacs Ende gekommen, denn sie existiert nur noch als Bewusstsein, das in der Messingwelt quasi unsterblich war - so ist auch ihre unvorsichtige Attacke gegen Atlan zu erklären. Mit den Halutern an seiner Seite ist Atlan nicht aufzuhalten, allerdings hat er nur wenig Zeit, denn einer seiner vierarmigen Freunde nach dem anderen stirbt. Selbst die von der COLPCOR immer wieder neu produzierten Kampfroboter können nicht verhindern, dass die Haluter einen Transmitter bei dem Richterschiff absetzen. Miuna, ein weiterentwickeltes Modell aus derselben Baureihe, der auch Jawna entstammt, setzt Bahonner als Köder ein, um Atlan und Jawna anzulocken. Im Zweikampf mit der Agentin behält Jawna die Oberhand. Sie tötet Miuna und befreit Bahonner. Rico setzt einen Roboter der Agentin außer Gefecht und entnimmt ihm wertvolle Bauteile.

Atlan und Jawna betreten die COLPCOR. Der Arkonide leidet unter der negativen Strangeness, aber die Posbi bleibt handlungsfähig. Die COLPCOR überlässt ihnen das benötigte Ersatzteil samt Transportbehälter freiwillig. Rico und Bahonner setzen sich mit Miunas Schiff ab, während sich Atlan, Jawna und Germo Jobst mit MUTTER zum Kristallschirm begeben. Der wird gerade von der ATLANC durchdrungen, die vermutlich ein Signal von der COLPCOR erhalten hat. Ziel ist die ehemalige Venus, denn nur über diesen Atopischen Konduktor kann die ATLANC in die Synchronie zurückkehren. Metis Veron, Kommandant der Systemflotte von Apsu, lässt nicht mit sich reden und bläst bereits zum Angriff, doch da erscheint die ZEITWEIDE. Sie verkündet im Auftrag des Atopen Veirdandi, ein Kampf im System des verriegelten Sterns sei nicht erwünscht. Der Konduktor wird aktiviert, die ATLANC kann einfliegen. In der Synchronie trennt sich MUTTER von der ATLANC. Germo Jobst und Jawna Togoya haben den Auftrag, sich zum mit Perry Rhodan vereinbarten Treffpunkt bei Hyperon Gal-Süd zu begeben und die Ankunft der RAS TSCHUBAI abzuwarten. Man geht davon aus, dass Rhodans Schiff per Dilatationsflug ins 16. Jahrhundert NGZ zurückkehren wird. Allerdings kann die Zielzeit für MUTTER wegen des Zeitrisses nicht genau bestimmt werden. Atlans Reise geht weiter in die Jenzeitigen Lande. Noch immer zehrt der Prozess an seinen Energien. Ob das selbst für ihn irgendwann nicht mehr zu ertragen sein wird?

Kringels Meinung:

Ich bin immer noch der Meinung, dass es der Handlung dieses mehr oder weniger in sich abgeschlossenen Minizyklus gut getan hätte, wenn ihr mehr Platz eingeräumt worden wäre. Dann wäre es vielleicht auch nicht nötig gewesen, die ZEITWEIDE als Deus ex machina zu bemühen. Ohne ihr Eingreifen wäre es für die ATLANC verdammt schwer geworden, in die Synchronie zurückzukehren. Das ist nur über einen atopischen Konduktor möglich und der wiederum kann nur von der Steuerwelt aus aktiviert werden... Veirdandi spricht vom "verriegelten Stern". Wir wissen, dass sich ein Siegel in Sol (Apsu) befindet, und dass es viele Millionen Jahre alt ist. Welches Interesse kann ein Atope daran haben, dass hier nicht gekämpft wird? Auch sonst kam mir der Abschluss des Vierteilers etwas überhastet vor. Ricos Auftritt hätte besser vorbereitet werden können. Die Haluter lassen sich zu schnell überzeugen und finden allzu bald ihr endgültiges Ende. Miuna wird fast schon nebenbei entsorgt.

Mit dem Ende der Haluter dürfte der Matan Schwierigkeiten haben, die totale Kontrolle im Tamanium aufrecht zu erhalten. Seine Macht dürfte derart gefestigt sein, dass das im Moment nicht allzu viel ausmacht, aber es könnte sein, dass sich nun doch Widerstand regt. Apropos: Wenn der Matan per Materieprojektion überall sein kann, warum ist er Atlan dann nicht persönlich gegenübergetreten? Und wo wir schon bei den Fragen sind: Warum fragt Atlan Rico nicht danach, woher er MUTTER und den Psi-Induktor hat? Oder geht das aus dem Roman hervor und ich habe die Anspielung nur nicht verstanden?

Egal. Insgesamt bin ich mit dem Vierteiler schon deshalb zufrieden, weil ich es toll finde, dass das PR-Team überhaupt so mutig war, ein solch interessantes Gedankenspiel zu wagen. Und ich sehe ein, dass die Einbettung in die laufende Handlung gut war. Der Vierteiler hat für die herbeigesehnte Abwechslung im Tiuphorenzyklus gesorgt und wir wissen jetzt, was geschehen wird, sollten Perry Rhodan und Atlan im Kampf gegen das Atopische Tribunal und Vetris-Molaud keinen Erfolg haben. Germo Jobst könnte als Indikator dafür dienen, ab wann sich dieser Erfolg abzeichnet. Solange er in der Handlungsgegenwart existiert (also im 16. Jahrhundert NGZ), wird sich alles so entwickeln, wie es nötig ist, damit Germo Jobst geboren wird, den Psi-Induktor erhält und so weiter. Sobald etwas erreicht wurde, wodurch sich der weitere Verlauf der Geschehnisse entscheidend verändert, müsste er spurlos verschwinden. Vielleicht gilt das sogar für MUTTER. Da wäre es schön blöd, wenn sich jemand im Schiff befinden würde - der könnte dann in die dumme Situation geraten, sich plötzlich ohne Raumanzug im All wiederzufinden...

J. Kreis, 02.08.2015


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Gastkommentare


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metrancya (03.08.2015:

@Felix Zufall: Mit "John Maynard" ist wahrscheinlich Rico gemeint, der sich in einer Köpenickiade opfert, um seinem Kapitän Atlan den Durchflug in die Synchronie zu sichern.


Felix Zufall (02.08.2015:

Da ja Eschbach ein renommierter 'guter' Autor ist, habe ich diesen Viererblock ebenfalls gelesen. Und die Themsen als Nichtrenommierte konnte sogar passabel mithalten; was dem Umstand geschuldet sein kann, daß sie sich, als nominell schlechtere Schriftstellerin, mit ganzer Kraft ins Zeug legte, während der 'Meister' sich nicht groß abmühte, auf seine Routiniertheit vertraute (warum sollte er auch sein ganzes Herzblut an eine Kolportage-Produktion hingeben, die Wochen später schon nicht mehr verfügbar, gar vergessen ist).

"Miuna wird fast schon nebenbei entsorgt.", schreibst Du, aber mir hat Themsens Terminator-Showdown schon gefallen; was mir dagegen nicht gefiel: waren die Kampfszenen der Haluter gegen diese mechanischen Maschinen (in 2814 - warum die als 'Dämonen' bezeichnet werden, ist mir völlig unverständlich).

Logische Löcher gibts natürlich viele, was mich nicht verwundert, nachdem die Handlung des Mini-Subzyklus mit einer tausendjährigen Erstellung einer Raumschiffsfalle beginnt (1000 Jahre Produktionszeit - was für ein lächerlicher Gedanke), das Ende ist dann nur folgerichtig dementsprechend holprig.

Der Seherspruch "Such das Grab auf. Nur die Begrabenen können dir helfen." (2812, S. 56) - Die nachfolgende Miuna-Spekulation (2815, S. 10), es sei das Haluter-Grab gemeint, ist zwar korrekt, nichtsdestoweniger kommt der Seher zeitgleich mit Atlan zu Rhodans Grab, wobei der einzig logisch glaubwürdige Grund hierfür nur der sein kann: einen toten Perry Rhodan vorzuführen. 'Die falsche Welt' ist es dann genau deswegen: eine Romanhelden-Welt ohne den titelgebenden Romanhelden muß falsch sein!

"Was wohl aus ihm [Rico] geworden ist?" (2813, S. 22) Noch nichtsahnend was folgt, fand ich diese Stelle von Eschbach höchst witzig - weil einst Atlan, der Einsame der Zeit, bzw. sein Autor K.H. Scheer, den Roboter Rico, samt Unterwasserkuppel, als unwichtig beiseite legte. Es war auch damals nur eine sehr simple Robotmaschine, kaum sprachbegabt. Nach dem Auftritt von Super-Rico war ich dann aber enttäuscht, damit hat diese Textstelle ihren (Meta-)Witz verloren.

Zwei grobe Patzer bei Eschbach sind mir noch aufgefallen: "Nicht geheimer Schlüssel, sondern Sprung in der Schüssel" (2812, S. 33) Da konnte er einem Wortspiel nicht widerstehen (das im Kern bloß ein dummer positivistischer Witz ist), obwohl es weder zur Roman-Handlung noch zum Charakter der Figur Atlan paßte. / "Landwirte, die ihre Ernteroboter schmierten" (2813, S. 60) Würde das in einem satirischen Kontext stehen, wäre es ganz in Ordnung, doch das tut es nicht, so ist es stattdessen eine peinliche Laxheit.

Der m.E. beeindruckendste Text-Teil von Eschbach ist mit 'Intermezzo' überschrieben (verteilt in 2813), eine psychologisch wohltemperierte Geschichte von ideologischer Indoktrination. Schade, daß er sich wiederum 'Widerstreit' nur als Dualismus oder Reduktionismus vorstellen konnte (2812, S. 65).

"Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand / hielt er das Steuer fest in der Hand, / er hat uns gerettet, er trägt die Kron, / er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn. / John Maynard." (Theodor Fontane: John Maynard) Der Schluß-Akt der Themsen ist zwar hübsch formuliert, inhaltlich aber wohl unwahrscheinlich. Auch wenn das Schiff stranden sollte, Steuermann Atlan wird's sicherlich überleben. Oder?



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