PR 2811
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Perry Rhodan Nr. 2811: Bote der Atopen

Autor: Wim Vandemaan

Inhalt

Die Ermordung des Atopischen Richters Chuv durch die Kardinal-Fraktoren Perry Rhodan und Atlan ist in der ganzen Milchstraße bekannt gemacht worden. Chuvs Tod hat die Aktionen des Atopischen Tribunals ins Stocken geraten lassen. Die Aufteilung der Milchstraße in Domänen macht keine Fortschritte, auch die Reichweitenbegrenzung aller Raumschiffe der Milchstraßenvölker wird nicht weiter vorangetrieben. Vetris-Molaud nutzt die Untätigkeit des Tribunals, um seinem Neuen Tamanium weitere Staaten anzugliedern.

Am 27. April 1518 NGZ wird Julian Tifflor, der sich noch immer in der GAUPELLAR GUZDRIN aufhält, dem Schiff des Überschweren Fenckenzer, vom Atopischen Richter Matan Addaru Jabarim ins Baagsystem eingeladen. Der Walzenraumer des Flottenadmirals landet schon am Folgetag auf dem fast vollständig von den Arkoniden verlassenen Planeten Arkon I. Matan und Tifflor haben einiges gemeinsam, zumindest kann Tifflor seit seinem Jahrmillionenmarsch ebenso wenig als menschliches Wesen bezeichnet werden wie der Richter. Im Gespräch der beiden uralten Unsterblichen äußert der Atope Besorgnis wegen der Tiuphoren, deren Erscheinen in dieser Epoche nicht dokumentiert ist. Er möchte Tifflor mit einer Atopischen Sonde als Bote in die Jenzeitigen Lande schicken. Der Terraner soll in Erfahrung bringen, ob und wann welcher Richter als Ersatz für Chuv entsandt wird, denn gemäß der Atopischen Ordo müssen immer zwei Richter pro Sterneninsel im Einsatz sein. Matan befürchtet offenbar, GA-yomaad könne in Vergessenheit geraten. Er sagt, er habe sich atopisch vergegenwärtigt (aber keine Zeitreise unternommen), um das Hier und Jetzt zu stabilisieren, denn dort existiere eine Chronogene Labilität. Durch den Eintritt der Tiuphoren in den Zeitriss sei die Chronokohärenz mindestens der Milchstraße gefährdet.

Tifflor bittet um Bedenkzeit und sucht Tormanac da Hozarius auf. Der Körper des Zarlt liegt im Sterben, doch sein Bewusstsein ist im Messingtraum aktiv wie eh und je, tatsächlich soll es mit Hilfe einiger Zhy-Famii ganz in die Messingwelt übertragen werden. In dieser virtuellen Realität findet auch das Treffen statt. Tormanac meint, Matan wolle Tifflor kaltstellen. Als der Arkonide den Terraner fragt, ob dieser der dritte Kardinal-Fraktor sei, entgegnet Tifflor, dieser müsse erst noch geboren werden, das werde aber bald geschehen. Tifflor erfährt, dass Tormanac ein neues Arkonidenreich aufbauen will. Der Zarlt und die anderen Messingträumer sollen praktisch zu Geistern in der Maschine werden und EPPRIK-Robotraumer übernehmen, die auf geheimen Werftplaneten gebaut werden. Mit Tormanac sterben 20 Feuerfrauen. Nach dem Tod seines Körpers ruft sein weiter existierendes Bewusstsein im Sender Satatron das Ewige Imperium aus. Dieses Imperium existiert überall dort, wo von arkonidischen Messingträumern beseelte Robotschiffe unterwegs sind.

Nach diesem Zwischenspiel fliegt Tifflor mit der GAUPELLAR GUZDRIN nach Luna. Der ehemalige Erdmond befindet sich immer noch im Orbit des zum Atopischen Konduktor umgewandelten Planeten Arkon III. Im Schwarzen Palast trifft sich Tifflor mit Matan und erklärt seine Bereitschaft, als Bote der Atopen zu arbeiten. Er fordert nur freies Geleit für die GAUPELLAR GUZDRIN. Matan ist einverstanden, erklärt aber, Tifflor benötige eine spezielle Befähigung. Er führt den Terraner zum 5. Oktober 1916, zur Schlacht an der Somme im Ersten Weltkrieg. Ein deutscher Meldegänger namens Adolf Hitler wird von einem Granatsplitter tödlich verwundet, doch die Welt sieht ohne ihn nicht unbedingt besser aus: Deutschland erstarkt im Geheimen, verbündet sich mit Japan und entwickelt neue Waffen. New York wird im Jahre 1981 atomar vernichtet, Tifflors Eltern sterben vor seiner Geburt. Würde Tifflor, unsichtbar im Schützengraben anwesend, den Granatsplitter ablenken, so dass Hitler überlebt und den Zweiten Weltkrieg sowie den Holocaust anzettelt, dafür aber einen viel schrecklicheren Krieg verhindert? Nach dieser Lektion in atopischer Moral startet Tifflor mit der walzenförmigen, aus Patronit bestehenden Atopischen Sonde. Außer ihm ist nur noch der Toloceste Aus der Lichtkluft an Bord. Die Sonde hat einen Autopiloten mit Matans Gesicht.

Währenddessen auf Luna: Boyton Holtorrec wird seit der Kaperung des Richterschiffes CHUVANC, an der er mitgewirkt hat, von den Onryonen gefangen gehalten. Die für das Verhör zuständigen Spezialisten treten mit dem Wunsch an Bonthonner Khelay (den Ryotar von Iacalla) heran, sich Holtorrecs Bewusstsein auf chirurgischem Wege zu nähern. Holtorrec hat zwar zugegeben, spontan mit den Terranern gemeinsame Sache gemacht zu haben, um die Onryonen aus der Knechtschaft des Atopischen Tribunals zu befreien, aber die Verhörspezialisten gehen davon aus, dass mehr dahintersteckt. Sie glauben, Holtorrec täusche vor, ein abtrünniger Jaj zu sein, um zu verschleiern, dass er nicht allein gehandelt hat. Khelay stimmt der Operation zu. Holtorrec soll zu einem Agenten gemacht und freigelassen werden, damit er die Onryonen zu seinen Mittätern führt. Khelay und die Verhörspezialisten wollen einen "Unfall" inszenieren, damit Holtorrecs Misstrauen nicht geweckt wird.

Die Onryonen ahnen nicht, dass der vermeintliche Raumvaterkommandant wirklich ein Gestaltwandler ist. Er ist Attilar Leccore, Chef des terranischen Geheimdienstes TLD. Er belügt seine Kerkermeister so geschickt, dass diese zu glauben beginnen, unter den Onryonen existiere Opposition gegen die Atopen. Da er Holtorrecs Gestalt schon seit Monaten beibehält, läuft Leccore allerdings Gefahr, die eigene Identität zu verlieren. Zu dem "Unfall" soll es während eines Gesprächs Khelays mit Holtorrec kommen, doch der Koda Aratier nutzt die Gelegenheit, um den Ryotar mental abzutasten und sich dann in eine Mikro-Bestie zu verwandeln. Nachdem er Khelay ausgeschaltet und dessen Pyzhurg-Statuette an sich genommen hat, nutzt Leccore die Fähigkeit der Mikro-Bestien zur Strukturverhärtung und entkommt. Für seine Flucht verwandelt er sich in einen Shukumishemu, dessen filigraner Leib selbst durch allerfeinste Fugen passt und Kontakt mit Positroniken aufnehmen kann. Dann kopiert er die Onryonin Zvou Genneryc und anschließend Khelay, in dessen Erinnerungen er die Information findet, dass eine Überschwerenwalze auf Luna gelandet ist.

Leccore/Khelay lässt sich von dessen Chauffeur, dem Terraner Aogosto Saraiva, nach Luna City bringen. Er kopiert nun auch Saraiva, denn der Lunare Widerstand hat schon zweimal vergeblich versucht, den Chauffeur anzuwerben. Leccore bietet den Widerständlern nun eine dritte Gelegenheit. Wie erwartet wird Leccore/Saraiva von einem Mitglied des Widerstands unter Drogen gesetzt, entführt und zu Pri Sipiera gebracht. Der Anführerin des Widerstands ist klar, dass sie nicht den echten Saraiva vor sich hat, denn dieser wurde zur selben Zeit anderswo gesehen. Leccore gibt sich Sipiera nicht zu erkennen, gewinnt aber ihr Vertrauen. Mit Hilfe der Widerständlerin gelingt es ihm, sich trotz der onryonischen Kontrollinstanzen an Bord von Fenckenzers Schiff zu schleichen. Zwei Flaschen Tequila Luna (nur echt mit Raupe) sowie auffällig/unauffällig umgebaute Roboter spielen dabei wichtige Rollen. Fenckenzer wundert sich zwar ein wenig über den nackten Menschen inmitten von Glasscherben, den er im Laderaum seines Schiffes vorfindet und der sich als Attilar Leccore vorstellt, ist aber gern bereit, den Mann nach Terra zu bringen.

Während des Fluges mit der Atopischen Sonde bekommt Tifflor vom Autopiloten der Sonde Gesichter gezeigt. Gesichter, die Tifflor kennt. Sie rufen Erinnerungen wach. Für Tifflor ist die Reise in die Jenzeitigen Lande wie eine Heimkehr.

Kringels Meinung:

Wenn ich Romane von Hartmut Kasper lese, mache ich mir fast immer irrsinnig viele Notizen, lasse letztlich aber nur wenig davon in die Handlungszusammenfassung einfließen. Entweder weil es sich um zwar faszinierende, aber für die Roman-/Zyklushandlung oder gar für das ganze Perryversum vollkommen irrelevante Details handelt (dass nur ein winziger Bruchteil in all den Jahren je wieder irgendeine Rolle gespielt hat oder auch nur mal erwähnt wurde, gibt meiner Einschätzung meist Recht), oder weil es durchaus interessante Informationen sind - aber nicht in Bezug auf die manchmal etwas episoden- bzw. bruchstückhaft wirkende Romanhandlung. So ist es auch diesmal. Der Roman ist randvoll gepackt mit verblüffenden Ideen und wichtigen Neuigkeiten, die Kernhandlung dagegen ist nicht so aufregend. Zum Beispiel wird Leccores Flucht lang und breit geschildert, bis hin zu der zugegebenermaßen amüsanten, im Grunde aber völlig unbedeutenden Episode mit der Raupe im Tequila. Das alles wird über viele Kapitel hinweg ausgewalzt. Dem gegenüber werden geradezu epochale Erkenntnisse in der Tifflor-Handlungsebene quasi in Nebensätzen abgehandelt. Ich muss allerdings zugeben, dass ich auch nicht weiß, wie man all diese Informationen geschickter in einen einzigen Roman hätte hineinpacken können. Außerdem hat sich Kasper erfolgreich davor gedrückt, in Sachen Atopen und Tiuphoren Klartext zu reden. Es bleibt bei Andeutungen. Fest steht immerhin, dass die Tiuphoren sowohl den Atopen als auch den Onryonen namentlich bekannt sind. Thaivva Kholleqo, die Geniferin der CLOSSOY, spricht zudem mit Bonthonner Khelay über das Unbegrenzte Imperium von Tiu. Matan scheint aber weniger wegen der konkret von den Tiuphoren ausgehenden Bedrohung besorgt zu sein als wegen der Tatsache, dass sie überhaupt in der Gegenwart auftauchen. Das hätte nach seiner Kenntnis nicht geschehen dürfen.

Kommen wir zuerst zu den verblüffenden Ideen:
- Kasper wirft die Frage auf, ob Perry Rhodans "Gehirnodyssee" in der Galaxie Naupaum (PR 622 bis 649) überhaupt jemals stattgefunden hat. Schließlich gibt es keinen greifbaren Beweis dafür, abgesehen von der Tatsache, dass sich Rhodans Gehirn während des fraglichen Zeitraums nicht in seinem Körper befunden hat. Aber Rhodans Erlebnisse bei den Yaanztronern hätten auch Einbildung, ein Traum oder dergleichen gewesen sein können.
- Tormanac da Hozarius ruft das Ewige Imperium aus, während im Baagsystem die letzten arkonidischen Trichterbauten demontiert werden. Womöglich werden sich die Arkoniden in zwei große Gruppen aufteilen, nämlich jene, die auf Terra Zuflucht gesucht haben und andere, die sich in eine neue Existenz transzendieren, ihre organischen Körper aufgeben und als Geister in der Maschine weiterleben. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Dieses wie beiläufig eingestreute Detail könnte zur größten Umwälzung in der gesamten arkonidischen Geschichte führen.
- Ich weiß nicht, ob ich alle Puzzlestücke, die uns zum Thema Jenzeitige Lande bis jetzt in die Hand gegeben wurden, richtig zusammengesetzt habe, aber für mich sieht es so aus, als befinde sich die Atopie außerhalb aller Zeitlinien. Selbst relativ Unsterbliche wie Perry Rhodan nehmen die Zeit wahr wie jemand, der in einem durch ein tiefes Tal fahrenden Zug sitzt und nur durch ein einziges kleines Fenster schauen kann. Er bewegt sich von A nach B, sieht immer nur einen Ausschnitt der Landschaft und kann weder zu etwas zurückkehren, das er durch das Fenster gesehen hat, noch kann er dem Zug vorauseilen. Die Atopen dagegen können Vergangenheit, PR-Handlungsgegenwart und Zukunft "sehen" wie jemand, der auf einem Berggipfel steht und das ganze Tal überblickt. Anders als der Zugreisende nehmen sie die Zeit nicht als etwas wahr, das vergeht. Für sie ist jeder einzelne Moment immer gegenwärtig und somit ewig. Sie können sich an jedem beliebigen Zeitpunkt atopisch vergegenwärtigen. Wer sich jetzt an Schlachthof 5 erinnert fühlt, liegt nicht falsch. Verblüffend an dem Ganzen ist die Vorstellung, dass die PR-Handlungsgegenwart gar nicht die Gegenwart ist, sondern eben nur der Abschnitt des Tals, den wir im Perry-Regionalexpress sitzenden Leser gerade wahrnehmen - und dass man den Zug sehr wohl verlassen kann.

Jetzt die im Nebensatz vermittelten Informationen:
- Im Jahre 1150 NGZ haben die Onryonen Poycoron gegründet, die erste Präterital-Kolonie (Präterital = Präteritum, also unvollendete Vergangenheit?) im Leerraum nahe der Milchstraße. Das war kurz nach der Epoche der Monos-Diktatur. Es handelt sich durchweg um Dunkelwelten, sie werden als "Weltenrudel" bezeichnet. Von Poycoron aus soll es möglich sein, die "Altwelten" zu erreichen, eventuell sogar das legendäre On-Rayon. Auf der Mission des Atopischen Tribunals in GA-yomaad sollen die verlorenen Schläfer heimkehren ins Rudel.
- Matans Meinung nach existieren die Kosmokraten zeitlos, aber in verschiedenen Aggregatzuständen. Er sagt, früher habe ein Vorschein existiert, jetzt seien sie manifest und in der Zukunft? Das werde Tifflor sehen. Außerdem stehen sich Kosmokraten und Chaotarchen Matan zufolge nicht feindlich gegenüber. Eher stehen sie Rücken an Rücken. Die Atopen stehen auf keiner der beiden Seiten, Matan kann die Kosmokraten aber besser verstehen als die Chaotarchen.
- Ebenfalls Matan zufolge stammen die Tolocesten nicht aus der PR-Handlungsgegenwart. Ein Richter namens Skonten Prenzer habe sie mit den Technoklausen als Köder aus ihrem Chronomathematischen Labyrinth gelockt bzw. er werde das in ferner Zukunft tun.
- Der Atopischen Ordo zufolge müssen immer zwei Richter pro Galaxis aktiv sein. Chuv ist tot, Ersatz steht aus. Was ist mit Larhatoon? Saeqaer ist ja nicht mehr dort, wer also wird sie ersetzen?
- Die als Schlangenhaut bekannte Struktur des Technogeflechts auf Luna ist eine Art Plantage für Ordische Stelen.
- Die Tolocesten kümmern sich bereits um den Zeitriss.
- Im Perryversum gibt es die Beatles im Jahre 1987 noch, John Lennon wurde nicht ermordet. Alle vier Pilzköpfe geben im genannten Jahr ein Konzert auf Ferrol vor einem restlos begeisterten Publikum.

Das ist ganz schön viel Stoff zum Nachdenken und Spekulieren, nicht wahr? Letztere kleine Info ist eine von vielen sehr schönen Vignetten zwischen den Kapiteln der Haupthandlung. Das sind Erinnerungsfragmente Julian Tifflors während des Fluges mit der Atopischen Sonde. Seit seinem bizarren Jahrmillionenmarsch (siehe PR 2592) ist Tiff definitiv kein Mensch mehr. Kein Autor könnte seine Andersartigkeit besser zum Ausdruck bringen als Hartmut Kasper. Diesbezüglich übergebe ich das Wort an meinen Leser Phil, dessen Gastkommentar ich schon vor einer Woche während meines Urlaubs in Griechenland erhalten habe und erst jetzt veröffentlichen kann.

Nachtrag vom 16.07.2015: Ein anonymer Gast hat heute Tifflors Erlebnis mit Hitler und dem "anderen" Zweiten Weltkrieg moniert. Gut, Hartmut Kasper hätte zur Veranschaulichung irgendeine andere Epoche der Weltgeschichte nehmen können, aber diese ist nun einmal besonders eindrucksvoll - und meiner Meinung nach auch nicht so weit hergeholt. Nach meinen rudimentären Geschichtskenntnissen hat Hitler den Nationalsozialismus nicht erfunden (zumindest nicht allein), er hat lediglich sein Erstarken vorangetrieben. Ohne Hitler wäre die NSDAP vielleicht eine unbedeutende Splitterpartei geblieben. Dann hätte es vermutlich keinen Krieg gegeben. Oder die Nazis wären wesentlich später an die Macht gekommen, und auch dann wäre ein neuer Krieg meiner bescheidenen Meinung nach nicht unwahrscheinlich gewesen. Hitlers Überzeugungen und Ziele sind ja nicht aus dem Nichts gekommen, vieles davon ist schon vor seinem Auftreten postuliert worden. Und dann hätte Deutschland sicherlich als erste Weltmacht Atomwaffen besessen... Kasper macht hier ein Gedankenspiel, wie es in der Science Fiction gang und gäbe ist. Vielleicht könnte man es sogar als Verneigung vor dem großen Philip K. Dick betrachten, der ein ähnliches Szenario im Roman "Das Orakel vom Berge" entwirft. Ich finde, mit "Nestbeschmutzung" hat das nichts zu tun.

J. Kreis, 11.07.2015


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Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


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Jonas Hoffmann (18.08.2015):

Zeitgedöns. Ich mag Zeitreisen nicht. Ganz einfach weil sie von Grund auf auf der Unlogik basieren, das Handlungsträger Dinge tun, von denen Sie wissen, dass sie nichts ändern. Auch wenn Sie denken genau dies bewirken zu können. Weswegen ich auch die Motivation der Atopen nicht verstehe. Sie müssten Wissen, dass der Weltenbrand stattfindet, denn würde er nicht stattgefunden haben, dann wäre die ganze Geschichte ad absurdum geführt. Von daher geht mir der Roman einfach nicht am, er ist langatmig, zumindest der Teil mit Tiff und Matan. Lecorres Flucht dagegen fand ich ganz gut geschrieben.

Was die Hitlersache angeht, ich denke die hat Wim aufgegriffen, da sie hier einfach am bekanntesten ist. Mit ihr kann m.E. jeder Leser etwas anfangen. Bei anderen Diktaturen würden einfach nicht so viele Leser eingefangen werden.


Patrick (12.08.2015):

@Anonymus (16.07.2015)

Ich finde nicht, dass der ganze Rest der Welt (heute noch) auf Deutschland rumhackt. Auf globaler Ebene ist Deutschland Erhebungen zufolge ein sehr gemochtes Land. Es sind v.a. wir selbst, die uns die "Nazikarte" gefallen lassen, insbesondere von heimischen Akteuren. Ich kann Ihnen versichern dass man auch in den USA auf Weißen rumhackt und behauptet, die seien an allem schuld, oder in England auf dem Britischen Empire.

Dass der Autor hier Hitler aus dem Hut gezogen hat fand ich trotzdem plump. Es ist so ziemlich das Banalste, was einem da einfallen kann, und auch historisch unbedarft, die komplexen Ursachen der NS-Dikatur auf eine Person zu reduzieren. Es gab so viele kreativere Möglichkeiten, wie etwa durch eine Zeitreise in guter Absicht die Kolonisation Amerikas durch Europäer zu unterbinden - worauf dann Russland oder China zugegriffen hätten. Oder: Atomangriff auf Moskau 1945 zwecks Verhinderung der Ostblockdikatur. Oder: Was wäre gewesen, wenn nicht Rhodan das Schiff auf dem Mond entdeckt hätte, sondern jemand anderes? Dass der Autor gerade dieses Gedankenspiel wählte hängt vielleicht mit dem Weltkriegsjubiläum zusammen. Ich halte das nicht für "Nestbeschmutzung", aber für literarisch dürftig, und die Leserschaft hat finde ich Besseres verdient.

Dass Deutschland ohne Hitler an Atomwaffen gekommen wäre, ist zudem etwas zweifelhaft. In dieser gewagten Schilderung wird letztlich dem NS-Regime und dem Holocaust etwas Positives zugesprochen (hätte noch viel schlimmer kommen können!), und das ist ein weiterer Missgriff. Und warum gerade New York? Das ist auch Kitsch.


Anonymus (16.07.2015):

Also, dass seit 70 Jahren von allerlei Nationen auf Deutschland ohne Unterlass rum gehackt wird ist ja schon schlimm genug.

Dass aber jetzt auch schon Deutsche Autoren das Deutsche Volk mit Dreck bewerfen finde ich nicht nur unverschämt, sondern einfach nur traurig.

Deutschland hätte also auch ohne Hitler eine - noch viel übleren - Krieg angezettelt.

Liebe Autoren: Im Thema SF seit ihr zwar unschlagbar, aber was reale Geschichte angeht habt ihr noch viel zu lernen.

Und dieses Nestbeschmutzertum kommt nicht gut an.

Sicher werdet ihr mich jetzt gleich in die rechtsradikale Ecke stellen. Aber wäre ich Franzose, Amerikaner oder wer auch immer, dann würdet ihr mit sicher sofort beipflichten. Denkt mal darüber nach.

Meinen Namen behalte ich für mich, die ich in der heutigen Zeit mit Repressalien für die Äußerung der freien Meinung rechne.


Jörg Scheffler (12.07.2015):

Hartmut Kasper hat in der Dokumention "Perry Rhodan - Unser Mann im All" in einem Antiquariat mit einem Fan über die "Gehirnodyssee" diskutiert. Ich frage mich dieses mehrere Jahre alte Gespräch ein Anlaß war dieses Motiv in seinen aktuellen Roman aufzubauen. "Die Odyssee" hat sich vielleicht seit diesem Gespräch in seinem "Hirn" festgesetzt.


Phil (05.07.2015):

Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, ohne pathetisch zu werden, aber Wim Vandemaan ist oft so gut, dass ich regelrecht Angst bekomme. Dieses Mal wieder.
Diese mysteriös-melancholische Atmosphäre, die diesen Roman durchweht, dieser Hauch des Großen, Kosmischen... Diese ausgefuchsten Szenenaufbauten, diese Satzmeisterwerke... dieses furchterregende Wissen, das WV an manchen Stellen einfließen lässt... die perfekte Balance zwischen Erklärungen und Auslassungen... okay, okay, ich höre schon auf.
Jedenfalls ist nun klar, dass wir einen Saedelaere 2.0 haben: Die Art und Weise, wie Vandemaan Julian Tifflor beschreibt, erinnert an das große Duo William Voltz und Alaska in den 700ern, mit dieser Kombi aus Weltschmerz und kosmischen Hauch, vielleicht mit dem einzigen Unterschied, dass bei Tifflor noch etwas Erhabenes, leicht Überirdisches mitschwingt (was ja auch sein muss nach dem Millionenmarsch). Lasst Alaska also in seinem Kosmokraten-Kahn herumschippern, wo der Pfeffer wächst, gebt mir mehr Tifflor! (bzw. mehr Vandemaan!)
Über all die wichtigen Infos, die im Roman schon beinahe nebensächlich daherkommen, will ich jetzt gar nicht reden, jedenfalls gefällt mir das bigger picture, das um die Atopen gewebt wird, immer mehr. Und schön, dass ein für allemal klar gemacht wurde, dass sie nichts mit den Kosmokraten zu tun haben...
Die einzige Stelle, die ich nicht ganz begriffen habe, ist die, als Tifflor dem Atopen erklärt, auf dem Springerschiff seien mehr Passagiere als nur der Überschwere -und zwar lange BEVOR Leccore an Bord geht, ja überhaupt den Plan entwickelt, an Bord zu gehen. Bei den meisten anderen Autoren würde ich jetzt schlicht und einfach einen Logikfehler vermuten, aber bei WV... Woher wusste Tifflor das? Kann er -Achtung -in die Zukunft sehen? Ich hoffe, da kommt noch was ...



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