PR 2801
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Perry Rhodan Nr. 2801: Der Kodex

Autor: Uwe Anton

Inhalt

Bei der Verfolgung der LARHATOON macht die RAS TSCHUBAI am 21. November 1517 NGZ (Bordzeit) einen Zwischenstopp im Achalabat-System, der Heimat der Chemebochavi. So werden die Galaktiker zufällig Zeuge eines weiteren Angriffs der Tiuphoren. Ein Sterngewerk wartet am Rand des Systems, während eine aus Sternspringern bestehende Staffel den Planeten Chemeb anfliegt. Perry Rhodan geht davon aus, dass die Tiuphoren die völlig hilflosen Bewohner dieser Welt genauso ausrotten werden, wie sie es schon mit den Joppachio getan haben. Das kann Rhodan nicht zulassen. Er gibt den Angriffsbefehl. Die RAS TSCHUBAI und ihre Beiboote nutzen das Überraschungsmoment, machen das Sterngewerk kampfunfähig und vernichten alle Sternspringer bis auf einen, der entkommen kann. Die Galaktiker haben allerdings nicht mit der Mentalität der Tiuphoren gerechnet. Sie sterben lieber, als eine Niederlage zu akzeptieren, und lösen die Selbstzerstörung des Sterngewerks aus.

Die Chemebochavi - menschengroße Wesen mit knöchernem Exoskelett, spitz zulaufendem Schädel und aus der Brust wachsendem Wurmfortsatz, ansonsten aber humanoidem Körperbau - empfangen Rhodan und dessen Begleiter zunächst auf einer Raumstation, danach auf dem Planeten. Rhodan fliegt mit dem MARS-Kreuzer BJO BREISKOLL dorthin. Er erhält erste Informationen über den Kodex, eine in den Alten Sternenlanden entstandene Gemeinschaftszivilisation, die gegen das Imperium der Empörer kämpft. An der Spitze des Kodex stehen drei Völker: Die Ziquama (überragende Techniker), die Rayonen (erforschen den von ihnen On-Raum genannten Linearraum) und die Eyleshioni. Von letzterem Volk hat Rhodan schon gehört. Auch die Rayonen sind ihm bekannt, wie er feststellt, als er sich mit den Vortrefflichkeiten Vees'Chasd und S'chahod trifft. Die beiden Regierungsmitglieder bringen ihre Dankbarkeit zum Ausdruck und ermöglichen Rhodan ein Gespräch mit einem auf Chemeb weilenden Kundgeber des Kodex namens Goyro Shaccner. Der Mann ist ein Rayone und sieht genauso aus wie ein Onryone des Jahres 1517 NGZ!

Das Gespräch muss unterbrochen werden, denn der letzte Sternspringer rast auf Chemeb zu. Was zunächst nach einer Selbstmordaktion aussieht, entpuppt sich als gewagter Schachzug, mit dem die Tiuphoren die Niederlage in einen eleganten Sieg verwandeln wollen. Es geht ihnen um Shaccner, denn er ist ein hochrangiges Mitglied des Kodex. Der Sternspringer kann nicht mehr abgefangen werden. Es kommt zu einem Bodenkampf zwischen den Tiuphoren und dem in der BJO BREISKOLL stationierten Raumlandebataillon. Die von TARA-Kampfrobotern unterstützten Terraner behalten die Oberhand und besiegen die Angreifer unter vergleichsweise geringen eigenen Verlusten. Erneut begehen die Tiuphoren lieber Selbstmord, als dem Feind in die Hände zu fallen - es gibt keine Überlebenden. Rhodan muss sich den Gebräuchen der Chemebochavi beugen und gestatten, dass die toten Raumlandesoldaten auf dem Stück Land bestattet werden, zu dessen Schutz sie gestorben sind.

Bei der Bestattungszeremonie bringt Gucky telepathisch in Erfahrung, wo sich Shaccners Raumschiff, die TICCNYT, befindet. Rhodan und Sichu Dorksteiger lassen sich von Gucky in die TICCNYT teleportieren, um die Rayonen auszuspionieren. Rhodan hat ein schlechtes Gewissen, denn er findet Shaccner sympathisch und würde ihn gern als Verbündeten gewinnen. Auffällig ist, dass sich die Technik der Rayonen kaum von jener der Onryonen unterscheidet. Sie verwenden lediglich kein Patronit. Sichu erbeutet Daten, in denen die Hüter der Zeiten erwähnt werden. Rhodan vermutet, dass diese Hüter etwas mit den Atopen zu tun haben. Die Rayonen bemerken nichts von der Spionageaktion.

In einem Vieraugengespräch mit Shaccner gibt Rhodan so viel von der Wahrheit preis, wie er verantworten kann, als der Rayone durchblicken lässt, dass er die Terraner für Zeitreisende hält. Shaccner spricht Rhodan auf den Zeitriss an. Nicht nur der Kodex hat den Riss bereits entdeckt, sondern auch die Tiuphoren. Rhodan gibt zu, dass die Terraner von der Existenz des Risses wissen, aber nicht für seine Entstehung verantwortlich sind. Er zeigt Shaccner ein Holo Avestry-Pasiks, den er als den wahren Schuldigen bezeichnet, und bittet den Rayonen um Hilfe bei der Jagd nach ihm. Shaccners Reaktion zeigt, dass er die Laren kennt. Offenbar vertraut er den Laren mehr als den Terranern.

Nachdem die BJO BREISKOLL zur RAS TSCHUBAI zurückgekehrt ist, meldet sich Shaccner noch einmal. Rhodan wird zu einem Treffen mit den Oberhäuptern der Rayonen zur Sternenmark-Bastion Vennbacc eingeladen.

Kringels Meinung:

Mehr als die Hälfte des Romans besteht aus der Beschreibung von Kampfhandlungen und Perry Rhodans Gedanken. Also im Prinzip dasselbe wie letzte Woche. Uwe Anton geht aber etwas anders an die Sache heran als Michelle Stern. Perry greift ein, weil es ihm aufgrund seiner moralischen Überzeugung nicht möglich ist, bei der Vernichtung Chemebs einfach zuzusehen. Hinterher meint er, der Sieg sei eigentlich eine furchtbare Niederlage. Er fragt sich, ob er überhaupt noch derselbe Mensch ist wie früher, oder ob die harten Entscheidungen, die er wegen des Kampfes gegen das übermächtige Atopische Tribunal schon treffen musste, etwas anderes aus ihm gemacht haben. Er denkt dabei an das bekannte Nietzsche-Zitat: "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." Das kann ich akzeptieren! Perrys Selbstzweifel hätten vielleicht etwas weniger ausführlich oder mit etwas weniger Pathos behandelt werden können, aber einen solchen Umgang mit dem zugegebenermaßen nicht leichten Thema hätte ich mir für den Jubiläumsband gewünscht.

Leider betreibt auch Uwe Anton recht viel Schwarzweißmalerei. Die Tiuphoren werden nach wie vor als Bösewichte dargestellt, deren Motivation nicht hinterfragt wird, während bei den Chemebochavi einfach deshalb davon ausgegangen wird, dass sie die Guten sind, weil sie angegriffen werden und heillos unterlegen sind. Was hätte wohl ein über die Hintergründe nicht informierter Beobachter bei der Beinahe-Vernichtung Naatsdraans gedacht (PR 2797)? Dass die wahnsinnigen Heerführer Perry Rhodan und Bostich ohne jeglichen Grund die armen lieben Naats ausrotten wollten, daran zum Glück aber vom guten Atopen Chuv gehindert worden sind? Gucky betätigt sich als Mahner - zu Recht, wie ich finde. Die Galaktiker haben noch keinerlei Informationen über die Verhältnisse in der Milchstraße des Jahres 20.103.191 v. Chr., wie können sie es dann wagen, jetzt schon Partei zu ergreifen? Natürlich sind die von den Tiuphoren angerichteten Massaker mit menschlichen Augen gesehen unfassbar grausam, zumal sie ihre Taten genuss- und kunstvoll zelebrieren. Aber einfach mal zuschlagen, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben, was wirklich dahintersteckt? Das Sterngewerk kampfunfähig schießen, weil darin auch Zivilisten leben, die Sternspringer aber völlig vernichten, weil "nur" Soldaten drin sind (was übrigens lediglich eine Annahme ist - groß genug für Familienunterkünfte und Kitas wären die Schiffe), die offenbar nach Perrys Ansicht nicht geschont werden müssen? Das passt nicht zu dem Perry Rhodan, den ich zu kennen glaubte. Dass er selbst genau dieselben Gedanken hat, versöhnt mich aber ein wenig.

Allerdings hätten die Galaktiker noch einen anderen Grund, die Füße schön still zu halten. Tatsächlich frage ich mich inzwischen, warum sie sich überhaupt noch die Mühe machen, die Proto-Hetosten zu verfolgen. Schließlich hat Perry Rhodan jetzt entweder selbst schon ein Zeitparadoxon unvorstellbaren Ausmaßes angerichtet, oder es gilt immer noch das Prinzip "Es geschieht, weil es geschah". Dann dürfte auch Avestry-Pasik alles machen was er will, denn es kann sowieso nichts passieren - oder vielmehr: Alles, was Rhodan oder Avestry-Pasik im Jahre 20.103.191 v. Chr. noch anstellen werden, muss geschehen, weil es bereits geschehen ist... Aber da ist ja noch der Zeitriss. Welche Auswirkungen dieses Phänomen auf die Gesetzmäßigkeiten des Perryversums hat, wissen wir nicht.

Die Begegnung mit einem Onryonen in tiefer Vergangenheit kommt nicht überraschend. Sichu Dorksteiger bemerkt jedoch ganz richtig, dass sich ihr Erscheinungsbild und erst recht ihre Technik in 20 Millionen Jahren eigentlich signifikant verändert haben müssten. Nun, wir wissen ja inzwischen, dass die Onryonen glauben, vom Atopischen Tribunal vor dem Untergang bewahrt worden zu sein (PR 2795). Da liegt die Vermutung nahe, dass das Atopische Tribunal die Synchronie genutzt hat, um die Onryonen in eine näher an der Relativgegenwart gelegene Zeitepoche zu evakuieren. Ein weiteres Haupt-Kodexvolk kennen wir auch schon. Die Eyleshioni existieren ebenfalls noch im Jahre 1517 NGZ. Einer war für gewisse Zeit Vetris-Molauds Leib- und Magenarzt, ein anderer hat die Posbiviren für die Tefroder erschaffen. Bleiben noch die Ziquama. Man darf gespannt sein, ob das womöglich ebenfalls alte Bekannte sind!

J. Kreis, 25.04.2015


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Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


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11.05.2015 (Jonas Hoffmann):

Ein typischer Perry-Rhodan-Roman. Keiner an den man lange zurückdenken wird, aber auch kein schlechter. Einfach die erwartete wöchentliche Dosis Rhodan.


27.04.2015 (NAN):

Interessant wie subjektiv unterschiedlich Wahrnehmung ist: aus meiner Sicht waren die Sachen, die Dich hier versöhnen durchaus auch schon im Vorgängerband enthalten. Aus meiner Warte aus gesehen war das dort sogar deutlicher und differenzierter, mit mehr Graustufen und mit mehr "wir dürfen die Tiuphoren nicht vorschnell verurteilen" gestaltet.
Bei Deiner letzten Romanbesprechung hat Felix Zufall da interessantes zu geschrieben. Das Handeln der Tiuphoren ist absolut nicht akzeptabel. Aber werden sie als böse dargestellt oder bis jetzt nicht eher als in Verblendung unglaublich grausam handelnde Wesen?
Ist natürlich die Frage, ob man da einen Unterschied sehen mag oder nicht. Ein Unterschied wäre meiner Meinung nach, dass verblendete Leute - theoretisch, ist bei einem eine gesamte Gesellschaft durchdringendem Weldbild sicher nicht leicht - aufgeklärt werden können. Bei Leute, die bewusst Böses um des bösen willen tun würde das dagegen nichts bringen.
Nenne mich einen unverbesserlichen Optimisten, aber ich hoffe, dass nach dem doch etwas arg auf Action ausgerichteten Start auch noch auf friedliche Lösungsversuche eingegangen wird. Wäre doch schön, mal eine Geschichte zu lesen, bei der es zunächst so aussieht, als gäbe es neben Gegengewalt keine Option und dem Leser dann aus der Geschichte heraus nahe gebracht wird, dass eine Figur wie Perry Rhodan doch immer noch mehr Optionen in der Hinterhand hat. :-)
Der Roman hat mir persönlich übrigens insgesamt nicht so gut gefallen wie PR 2800. Mein Eindruck war der von vielen für sich genommen gar nicht schlechten Einzelstücken, die der Autor aber nicht zu einem guten Gesamten zusammenfügen konnte.



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