PR 2795
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Perry Rhodan Nr. 2795: Ockhams Welt

Autor: Wim Vandemaan

Inhalt

Bei der Entführung der Ordischen Stele von Allema hat der Onryone Boyton Holtorrec, Kommandant des Raumvaters CLOSSOY, sein Leben verloren. Doch niemand weiß etwas davon, denn TLD-Chef Attilar Leccore, ein Koda-Aratier-Gestaltwandler, hat seine Identität angenommen. Nachdem das Atopische Tribunal das terranische Täuschungsmanöver durchschaut und festgestellt hat, dass auf Allema ein Stelen-Nachbau steht, erhält ausgerechnet Holtorrec/Leccore den Auftrag, das Original wiederzubeschaffen. Ihm ist klar, dass er diese Aufgabe erfüllen muss, denn zu seiner Überraschung ermittelt das Atopische Tribunal ausgerechnet Ockhams Welt als eines von drei möglichen Verstecken der Stele, und dort wurde sie inzwischen vom KALLISTO-Tender MAVEN JOHANNES PONCIUS abgeliefert. Alles, was Leccore den Wissenschaftlern von Ockhams Welt verschaffen kann, ist Zeit. Er entsendet Findar Hospallen, einen als Wertschätzer des Bankhauses Fracowitz auftretenden TLD-Agenten, um Cai Cheung zu bitten, den amtierenden Maven Bacoon Jicarilla zu warnen. Hospallen macht sich mit einem zivilen Frachter auf den Weg, doch er fliegt auf. Der Tesqire Ayqoy stellt ihn persönlich zur Rede. Hospallen wehrt sich und wird von einem Kampfroboter erschossen. Somit erreicht das von Holtorrec/Leccore kommandierte Raumrudel Ockhams Welt am 29. September 1517 NGZ ohne Vorwarnung.

Auf Ockhams Welt im als Sperrgebiet geltenden System von Peuerbachs Stern arbeitet eine kleine Kolonie der Wissenschaftler an verschiedenen Geheimprojekten der LFT. Wichtigstes Objekt auf dem Planeten ist JASON, einer der letzten Dolans. Er ruht unweit von Kap Babbage, der einzigen menschlichen Ansiedlung auf der von insektoiden Lebensformen dominierten Welt. Der halutische Mediker Troven Lanc hat das halbtote bioorganische Raumschiff vor Jahrhunderten im Halo der Milchstraße entdeckt, verlassen vom Schwingungswächter und mit toten oder im Sterben liegenden Exekutoren. Unter Verwendung seiner eigenen Stammzellen hat Lanc den Dolan gerettet. Vor 200 Jahren hat er die Zusammenarbeit mit der LFT gesucht. So ist JASON nach Ockhams Welt gelangt. Er wurde mit synthetischen Pseudo-Bewusstseinen bestückt, die die Rolle der Exekutoren übernommen haben. Es gibt nur fünf davon; die für den Raumflug erforderlichen Exekutoren Nr. 1 und 2 fehlen. Lanc und die ockhamgeborene Kybernopsychologin Yemaya Shango sind "Ankerpersonen" des Dolans. Den Exekutoren wurde eine Inhibition aufgepfropft, die dafür sorgt, dass sie sich nicht von ihren Ankerpersonen lösen können. Ab einer Entfernung von einigen zehntausend Kilometern würden die synthetischen Bewusstseine erlöschen und der Dolan müsste zugrunde gehen. So wird sichergestellt, dass JASON auf Ockhams Welt bleibt.

Die Wissenschaftler bemühen sich seit Monaten mehr oder weniger vergeblich, eine vernünftige Unterhaltung mit der Stele zustande zu bringen. Die Stele ist den Menschen gegenüber nicht feindlich eingestellt, gibt aber hauptsächlich kryptische Bemerkungen von sich. Sie erlaubt den Wissenschaftlern jedoch schließlich eine vorsichtige Probebohrung mit Nanogenten. So kann festgestellt werden, dass es in der Stele einen Hohlraum gibt. An die Patronithülle schließt sich eine ungleichmäßige, nur einige Millimeter dicke Schicht aus tt-Progenitoren mit eingelagerten Hyperkristallen an. Diese fünf- und sechsdimensional strahlende Schicht versetzt ein im Hohlraum befindliches Kondensat aus Hyperkristallen und sechsdimensional schwingendem Metall in einen unbekannten Aggregatzustand. Dieses Sextadim-Kondensat benötigt ein auf minus 271,2 Grad Celsius abgekühltes Umfeld und ist höchstwahrscheinlich der Träger des Stelen-Bewusstseins.

Der Dolan registriert die Ankunft des Raumrudels rechtzeitig, so dass Kap Babbage getarnt werden kann. Leccore spielt sein gefährliches Spiel weiter. Er landet persönlich auf Ockhams Welt, wobei er von Cythor Govveryd begleitet wird, dem Sicherheitsberater der CLOSSOY. Leccore und Govveryd begegnen einem aus unzähligen Honwayden-Käfern zusammengesetzten intelligenten Kollektivwesen. Dieses erkennt, dass mit Leccore etwas nicht stimmt, was nun auch Govveryd klar wird. Er greift seinen Kommandanten an, doch der Kampfgleiter, mit dem die beiden gelandet sind, hat keinen Grund, an "Holtorrecs" Echtheit zu zweifeln und schützt ihn, indem er Govveryd erschießt. Gegenüber den anderen Onryonen stellt Leccore es so dar, als sei der Sicherheitsberater ein Verräter und er müsse allein nach der Stele suchen, weil er niemandem vertrauen könne. In seiner Abwesenheit übernimmt Khellden Occaryos, Kommandantin des Raumvaters WICCNOOD, den Oberbefehl. Leccore befürchtet, dass sie seine Absichten durchkreuzt, und hat nur wenig Zeit, um die Situation noch zu retten. Er kopiert das Honwayden-Kollektivwesen und nimmt in dieser Gestalt Kontakt mit den Bewohnern von Port Babbage auf, ohne seine wahre Identität preiszugeben. Da er Dinge weiß, die nur ein hochrangiges TLD-Mitglied wissen kann, vertraut der Maven ihm.

Die Stele hat den Tod Govveryds bemerkt. Um weiteres Leid zu vermeiden, ist sie bereit, bei einem neuen Täuschungsmanöver mitzumachen. Zu diesem Zweck muss allerdings auch Yemaya Shango sterben. Ihr Bewusstsein sowie das der Stele sollen in den Dolan überwechseln. "Holtorrec" könnte dann seine Mission erfüllen, trotzdem wäre ausgeschlossen, dass das Stelen-Bewusstsein vom Atopischen Tribunal befragt wird. Shango leidet am unheilbaren Morbus Neverland und würde sowieso bald einen schrecklichen Tod erleiden. Nach dem Transfer ihres Bewusstseins (sie übernimmt die vakante Stelle des Exekutors für Navigation und Kosmonautik) wird ihre Leiche so präpariert, dass es für die Onryonen so aussehen muss, als habe "Holtorrec" sie gefoltert, um zu erfahren, wo sich die Stele befindet. Der Hohlraum im Inneren der Stele wird aufgeheizt, was dazu führt, dass auch ihr Bewusstsein in den Dolan übergeht. Die Stele wird während eines besonders heftigen Sonnenausbruchs unbemerkt per Transmitter zur MAVEN JOHANNES PONCIUS versetzt, die sich bis jetzt im System versteckt gehalten hat. Die Besatzung verlässt den Tender, der daraufhin startet und plangemäß von den Onryonen vernichtet wird. Somit gewinnt "Holtorrec" die Stele zurück, wofür er später von Matan Addaru Jabarim zum Stellvertreter des neuen Oberbefehlshabers des Baagsystems befördert wird. Die Stele ist "leer", aber da die Onryonen praktisch nichts über Ordische Stelen wissen, können sie sich ihr Schweigen nicht erklären. Sie soll den Sganshanum auf Luna übergeben werden.

Da sich eine Ankerperson an Bord befindet, ist der Dolan frei. Er verlässt Ockhams Welt, was von den Onryonen nicht verhindert wird. New Babbage bleibt unentdeckt.

Kringels Meinung:

Wenn sich Hartmut Kasper nicht in Details verliert, sich nicht zu sehr auf die Beschreibung eines zwar farbigen, ungewöhnlichen, bizarren, für die Story aber unwichtigen Hintergrundes konzentriert, sich nicht an der eigenen Ideenvielfalt berauscht, nicht allzu viele allzu gedrechselt wirkende Dialoge einbaut und stattdessen der Handlung die gebührende Aufmerksamkeit widmet, dann kommen dabei immer wunderbare Romane heraus - wie dieser hier. Über kleine Ausrutscher wie den Auftakt, in dem sich Leccore mit einer herrenlosen Antigrav-Frisbeescheibe unterhält, sehe ich dann gerne hinweg. Schließlich kann man nicht ausschließen, dass der frühere Besitzer des jetzt freischaffenden Sportgerätes auf die verrückte Idee gekommen ist, eine leistungsfähige Positronik in die Scheibe einzubauen und diese so zu programmieren, dass sie pseudophilosophischen Quark von sich geben kann...

Egal! Ansonsten wird eine gute Mischung aus verblüffenden Ideen (z.B. die Honwayden-Käfer), einem sehr schönen Katz-und-Maus-Spiel (Leccore bei den Onryonen), Erinnerungen an längst vergangene Zeiten (der Dolan - das könnte derselbe sein, der in PR 2459 erwähnt wurde), Informationen zu aktuellen Fragen (das Innenleben der Stele) und höchst interessanten Andeutungen (dazu gleich mehr) geboten. Neben Spannung und ein wenig Action nimmt sich Kasper immer wiede Zeit für ruhige Momente. Etwa für den letzten Abend, den Findar Hospallen und seine Freundin Chea Ayre miteinander verbringen. Oder das Gespräch Yemaya Shangos mit einem Käferkollektiv, bei dem dessen Fremdartigkeit überzeugend rüberkommt. Die Figurenzeichnung ist gut gelungen, und das gilt insbesondere für die Onryonen. Es ist den Autoren hoch anzurechnen, dass die Onryonen nicht als zerstörungswütige, abgrundtief böse und hässliche Widerlinge beschrieben werden, die man bedenkenlos ausrotten kann - mit Schaudern denke ich an die hasserfüllten Reaktionen der Protagonisten in PR 2500 und den im selben Zyklus folgenden Genozid an den Vatrox zurück. Dass jemand wie Bostich nicht gut auf die Onryonen zu sprechen ist und seine Gefühle mit deutlichen Worten zum Ausdruck bringt (siehe PR 2792) ist in diesem Zusammenhang meiner Meinung nach in Ordnung. Es kommt immer darauf an, wer etwas sagt, warum und in welcher Situation er es sagt und was der Autor damit erreichen will.

Nein, die Onryonen sind keineswegs die üblichen Bösewichte. Im aktuellen Roman werden ein paar sehr wichtige Informationshäppchen geliefert, durch die das Bild, das ich mir von diesem Volk gemacht habe, stimmig weiter abgerundet wird. Es war ja schon bekannt, dass die Onryonen seit langer Zeit in der Milchstraße leben. Ihre Basen befinden sich auf Dunkelwelten, aber die meisten Onryonen sind "missionsgeboren", das heißt, sie verbringen praktisch ihr gesamtes Leben in Raumschiffen. Jetzt erfahren wir, dass die Onryonen ihre eigenen Welten nicht einfach so besuchen können. Das ist nur möglich, wenn man von dort abgeholt wird. Die Onryonen sind davon überzeugt, dass sie einst vom Atopischen Tribunal gerettet worden sind. Sie wissen zwar nichts Genaueres darüber, fühlen sich aber verpflichtet, den Atopen als "Hände" zu dienen. Die Stele macht ein paar Bemerkungen, die ein wenig Licht ins Dunkel der onryonischen Vergangenheit bringen. Vor Jahrmillionen, lange vor dem Wüten der Horden von Garbesch, gab es in der Milchstraße Kriege gegen die Empörer (auch diesen Namen kennen wir) und das Unbegrenzte Imperium von Tiu. Das Atopische Tribunal schützt die Opfer dieser Konflikte noch immer - und das sind vermutlich die Onryonen, die den Atopen dabei helfen wollen, ähnliche Katastrophen zu verhindern. Somit wären die Onryonen im Grunde gar keine Invasoren, sondern eines der ältesten Völker der Milchstraße!

J. Kreis, 15.03.2015


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