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Perry Rhodan Nr. 2771: Pilger der Gerechtigkeit

Autor: Wim Vandemaan

Inhalt

Die LFT plant einen ebenso dreisten wie riskanten Schlag gegen das Atopische Tribunal: Den Diebstahl einer Ordischen Stele. Auf vielen Planeten wurden derartige Monumente errichtet, die im Namen der Atopischen Richter Recht sprechen, aber nur auf Allema wird es nicht von einem Kastell bewacht. Boyton Holtorrec, der zuständige onryonische Kommandant vor Ort, glaubt die Stele mit seinem Raumrudel ausreichend schützen zu können. Attilar Leccore sieht das anders und leitet den Einsatz persönlich. Mit der WARZENSCHWEIN, einem uralten Walzenraumer der Raumnomaden, bricht er auf. Unterwegs stößt die TROMMEL hinzu, ein Raumschiff der Grossarts, bei dem es sich um nichts anderes als einen Großtransmitter handelt. Mit an Bord sind die Ganschkaren Booardh und Voedoc. Die beiden Wissenschaftler haben sich von TRAITOR losgesagt, wurden von der Solaren Premier amnestiert und haben einen Stelen-Nachbau dabei. Gegen diese Kopie soll die Stele ausgetauscht werden. Die Posbi-BOX 57333 befindet sich bereits auf Allema und soll ebenfalls eine wichtige Rolle bei dem Coup spielen. Einige Swoon sind im Untergrund aktiv und bearbeiten den Sockel, auf dem die Stele steht. Die WARZENSCHWEIN wird bei ihrer Ankunft von den Onryonen gründlich unter die Lupe genommen, aber die bestenfalls sehr auf Individualität bedachten, oft aber bis zur schieren Verrücktheit exzentrischen Raumnomaden sind unverdächtig. Alles verläuft nach Plan, Leccore spricht mit seinem Kontaktmann und sieht sich in verschiedenen Gestalten auf Allema um.

Die Ordische Stele steht auf dem Raumhafen Ho-Nan und wurde bis zum April 1517 NGZ noch von niemandem aufgesucht. Erster Kläger soll der tefrodische Gesandte Keshkord Vaylender sein, der mit seiner MHAGRO nach Allema gereist ist, um für die Eingliederung des gesamten Sonnensystems ins Neue Tamanium zu werben. Vaylender bringt bei der Stele das Argument vor, dass Allema vor langer Zeit ein lemurischer Flottenstützpunkt namens Manores war und somit rechtmäßig den Tefrodern gehört. Die Stele beurteilt das anders, denn auch die Terraner sind Nachkommen der Lemurer. Nur die Hälfte der seinerzeit von den ersten Siedlern auf Allema gefundenen Raumschiffe wird den Tefrodern zugesprochen, falls sonst niemand Anspruch darauf erhebt. Die Zuschauer amüsieren sich, das brüllende Gelächter eines Haluters ist zu hören. Vaylender trägt's mit Fassung und trägt sein Angebot in einem Gespräch mit Allemat Yonuk Tanacross vor, der sich das durch den Kopf gehen lässt. Wahlmeisterin Bonnie Gontersbloom, die Kommandantin der WARZENSCHWEIN, begibt sich ebenfalls zur Stele. Sie klagt gegen onryonische Übergriffe und erhält 190 Millionen Galax als Entschädigung, woraufhin die Raumnomaden abreisen. Leccore nimmt die Gestalt eines Grossarts an und begleitet Gerzschko-2, den Kommandanten der TROMMEL, zur Stele. Gerzschko-2 fordert Gerechtigkeit für die Zerstörung des Planeten Rhaytr-Ozy durch Maahks und USO im Jahre 2408, erreicht damit aber nur, dass ein Raumrudel zum "Schutz" des Heimatsystems der Grossarts entsandt wird. Wer als Kläger auftritt, darf die Stele berühren - so auch Leccore. Mit den besonderen Fähigkeiten eines Koda Aratier erkennt er, dass sich in der Stele ein fremdes, sehr mächtiges Bewusstsein verbirgt.

Am 8. April wird die Situation kritisch, denn Boyton Holtorrec hat eine Inspektion der BOX 57333 anberaumt. In der Gestalt eines Posbis lockt Leccore den Onryonen in eine Falle, kopiert ihn und nimmt seinen Platz im Raumvater CLOSSOY ein. Die BOX startet, gerät aber scheinbar in Schwierigkeiten und droht mit der TROMMEL zu kollidieren. In diesem Moment wird ein Aagenfelt-Blitz ausgelöst, so dass alle Systeme im Bereich des Raumhafens versagen (zuvor wurde durch diverse Manipulationen sichergestellt, dass es zu keinen Verkehrsunfällen kommt) und niemand sehen kann, was wirklich vorgeht. Die Stele wird von der BOX aufgenommen und von der TROMMEL zur WARZENSCHWEIN abgestrahlt. Der Fragmentraumer und das evakuierte Schiff der Grossarts werden geopfert; sie fliehen und werden mit Linearraumtorpedos beschossen. Dabei stirbt der echte Boyton Holtorrec. Leccore bleibt auf Allema zurück. Da die Stele nur leicht beschädigt zu sein scheint, sind die Onryonen vorerst beruhigt. Sie ahnen nicht, dass ihnen eine funktionslose Kopie untergeschoben wurde. Dem Original ist aber sehr wohl bewusst, was geschehen ist. Es hat nichts dagegen, denn bald wird es bei den Verantwortlichen sein, um dort für Gerechtigkeit zu sorgen. Tatsächlich wird die Stele vom KALLISTO-Tender MAVEN JOHANNES PONCIUS übernommen und nach Ockhams Welt gebracht.

Kringels Meinung:

So langsam scheint sich das Blatt zu wenden. Jetzt haben die Terraner eine wirksame Abwehrwaffe gegen die Linearrautorpedos und können darüber hinaus eines der wichtigsten Objekte der Atopen genau in Augenschein nehmen. Die Stelen, d.h. der rein materielle Anteil aus Patronit, sind nur "Fassungen" für Entitäten, über die wir praktisch noch überhaupt nichts wissen. Diese Entitäten scheinen sehr mächtig zu sein, und damit meine ich nicht nur, dass sie offenbar höchste Weisungsbefugnis gegenüber den Onryonen haben. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann hat die Stele von Allema irgendwie die Möglichkeit, fremde Daten abzugreifen. Bei der Regierung ist sie an einer Art Firewall gescheitert, aber beim mächtigen Bankhaus Fracowitz (bei dem die Onryonen irgendwann mal ein Konto eröffnet haben müssen!) hatte sie Erfolg. Die Stele ist an Kundendaten interessiert, denn aus solchen Informationen kann man Profile erstellen. Wenn man auf viele Profile zugreifen kann, dann kann man gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklungen erkennen / extrapolieren. Und wenn man das kann, dann kann man sie auch manipulieren...

Der Diebstahl der Stele ist ein schöner Erfolg, ich frage mich jedoch, ob sich die LFT damit nicht etwa ein Kuckucksei ins Nest geholt hat. Außerdem kommt mir das Täuschungsmanöver etwas merkwürdig vor. Erstens kann ich mir nicht vorstellen, dass es keine Augenzeugen gegeben haben soll. Gibt es keine normaloptischen Überwachungsanlagen? Sicherheitskameras, die nicht mit Hyperenergie betrieben werden und somit nicht vom Aagenfelt-Blitz betroffen sind? Wir reden hier immerhin über einen Raumhafen, nicht über einen Supermarkt-Parkplatz! Wenn jemand beobachten konnte, wie sich die BOX auf die Stele abgesenkt hat, dann muss man nicht mehr lange rätseln, was da wohl passiert sein könnte. Bei einem Raumschiff von der Größe eines Gebirges und einem ebenfalls verdammt großen Obelisken dürfte das kaum zu übersehen gewesen sein. Zweitens ist der Aufwand, der für das Täuschungsmanöver betrieben wurde, vermutlich überflüssig. Die Original-Stele wurde bereits in Sicherheit gebracht, sie könnte jetzt überall in der Milchstraße sein. Somit ist es egal, ob die Onryonen sofort Bescheid wissen oder spätestens dann, wenn die falsche Stele vom nächsten Kläger aufgesucht wird.

Hartmut Kasper hält sich mit den für seine Romane ansonsten typischen endlos mäandrierenden - zwar kunstvoll formulierten, letzten Endes aber irrelevanten und teils sogar ermüdenden - Abschweifungen und sonstigen Eskapaden sehr zurück. Gut, schon gleich zu Beginn, als die Stelen-Entität einem Atopen begegnet, liest man was von Chronokatarakten und sich schneller als das Licht drehenden Transferspulen. Es ist von Vereisten Äonen und kristalliner Stille die Rede. Kreaturen der Unzeit werden erwähnt, welche in Panzern der Eigenzeit durch versiegelte Zonen driften. Ein Arsenal, der Urgrund, das Quantengewölk werden genannt. Und das alles auf einer einzigen Seite! Da ist es schwer, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen, aber solche Textstellen sind selten und kurz. Ansonsten konzentriert sich Kasper auf die Handlung, was dem Roman gut tut. Ich habe ihn mit größtem Vergnügen gelesen. Der Humor ist vielleicht manchmal etwas übertrieben, aber die Raumnomaden waren schon immer ein komisches Völkchen, da geht das in Ordnung.

J. Kreis, 28.09.2014


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Holger (07.12.2014):

"Die Stele ist an Kundendaten interessiert, denn aus solchen Informationen kann man Profile erstellen. Wenn man auf viele Profile zugreifen kann, dann kann man gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklungen erkennen / extrapolieren. Und wenn man das kann, dann kann man sie auch manipulieren..."

Natürlich, denn Stele kommt von "Stehlen"! ;) Für mich war diese Beschreibung von Wim ein Highlight des Romans, da er hier wunderbar treffend beschreibt, was nicht erst seit Google, Amazon & Co. gängige Praxis ist: Das Sammeln von Kundendaten, um diese zu benutzen, den Kunden im Sinne des Collectors zu beeinflussen. Viele wären entsetzt, wenn Sie wüssten, was die Onryonen unserer Zeit bereits alles über uns wissen ...


hairybird (28.09.2014):

Ich fand es gerade interessant und phantasievoll, wie Hartmut Kasper das fremdartige Denken der Stelen-Entität beschrieben hat. Es war ja gut dosiert und uferte nicht aus.
Nett auch der Tribut an die MAVEN Mars-Mission im Schiffsnamen MAVEN JOHANNES PONCIUS.
Johannes Poncius war übrigens der wirkliche 'Erfinder' von Occams Rasiermesser, d.h. er hat diesen Grundsatz zum ersten Male formuliert.
Alles in allem ein großer Lesegenuss.
Bitte schreiben Sie Bücher, Herr Kasper!



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