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Perry Rhodan Nr. 2732: Der Hetork Tesser

Autor: Uwe Anton

Inhalt

Perry Rhodan erwacht ohne jegliches Zeitgefühl in einer fremden und doch vertrauten Umgebung - zu vertraut, denn alles wirkt so, als sei es direkt seinen Erinnerungen entnommen worden. Rhodan befindet sich in einem Haus inmitten von Wiesen und lockerem Baumbestand, das ganz im Stil der Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts alter Zeitrechnung eingerichtet ist. Von der frisch gestärkten Bettwäsche bis hin zu den Campbell-Dosensuppen im Vorratsschrank ist alles genau so, wie Rhodan es aus seiner Kindheit kennt, und alles ist absolut real. Das gilt auch für den Löwen im Garten. Rhodan kann sich nur etwa 50 Meter von dem Haus entfernen, dann wird jeder Schritt schwerer, und irgendwann greift der Löwe an, um ihm klar zu machen, dass hier Endstation ist. Rhodan erhält bei seinem ersten und letzten Ausflug einen Tatzenhieb über die Brust, von dem er ein paar Narben zurückbehält. Auch das Obergeschoss des Hauses ist für Rhodan zunächst nicht erreichbar.

Rhodan zweifelt nicht daran, dass dies der Ort ist, an dem er die vom Atopischen Tribunal verhängte fünfhundertjährige Haftstrafe verbüßen muss. Für Unterhaltung ist gesorgt. Es gibt einen Fitnessraum mit Pool, eine Bibliothek und einen Schwarzweißfernseher. In der Bibliothek sind aber nur Romane bis zum Veröffentlichungsjahr 1971 zu finden, und im Fernseher sind nur Filme und Serien gespeichert, die bis 1971 gezeigt wurden. Auf "Dallas" muss Rhodan also verzichten, "Raumschiff Enterprise" kann er sich aber anschauen. So vergeht ein Tag nach dem anderen mit demselben Ablauf. Rhodan hält sich fit, sieht fern und liest. Frische Wäsche und neue Vorräte erscheinen wie von Geisterhand, der Müll verschwindet von selbst. Es ist immer Sommer. Uhren gibt es im ganzen Haus nicht. Nur am Wechsel von "Tag" und "Nacht" kann Rhodan ungefähr die Dauer seines Aufenthaltes in dieser merkwürdigen Umgebung abschätzen.

Nach einigen Tagen klingelt das altertümliche Wählscheiben-Telefon. Soroloyn Tevvcer ist dran, der für Rhodan und Bostich zuständige Bußwart. Ein Treffen wird vereinbart. Es findet im Obergeschoss statt, zu dem sich nur bei derartigen Gelegenheiten eine Tür öffnet. Da die in die Planetenkruste eingebettete Bußklause nicht so einfach zu erreichen ist, spricht Rhodan in dem durch einen Energieschirm zweigeteilten Saal, der das ganze Obergeschoss einnimmt, nur mit einer Holo-Projektion des Onryonen. Dieser bezeichnet das als Imago-Kontakt. Tevvcer macht Rhodan klar, dass die Haftzeit nicht einfach nur abgesessen werden soll. Rhodan soll einsehen, dass er für die Ekpyrosis von GA-yomaad, die er nun voraussichtlich nicht verursachen wird, büßen muss. Hierzu ist Rhodan nicht bereit. Stattdessen versucht er in den folgenden Wochen mehr über seinen Gefängniswärter herauszufinden, denn dieser scheint von tief sitzender Trauer erfüllt zu sein. Tevvcer deutet eines Tages an, dass er beim Kaydrin-Vorfall alles verloren hat, zieht sich aber sofort zurück, als Rhodan ihn darauf anspricht, und meldet sich danach lange Zeit nicht wieder.

Stattdessen ruft ein gewisser Neacue an, der behauptet, er könne Rhodan zur Flucht verhelfen. Neacue ist einer von vielen Benetah, die vor einigen Jahrtausenden mit dem Raumschiff PA NAEL auf Bootasha gestrandet sind. Die Benetah besitzen einige erstaunliche Fähigkeiten. Unter anderem sind sie Telepathen, sind in der Lage, die Erinnerungen von Intelligenzwesen zu manipulieren, und können sich entlang der Adern aus PEW-ähnlichem Metall fortbewegen, die den ganzen Planeten durchziehen. Neacue besucht Rhodan persönlich. Er kommt in Gestalt eines Fadens durch den Telefonhörer und nimmt dann die Form eines menschlichen Kopfes an. Die Benetah sind vergnügungssüchtig und von Rhodan verspricht sich Neacue besonders viel Spaß. Rhodan erfährt, dass die Onryonen schon seit etwa 300 Jahren auf Bootasha aktiv sind, und dass es einen Gefangenen gibt, der demnächst von der Gefängniswelt fliehen wird.

Neacue bringt Rhodan per Imago-Kontakt mit dem anderen Gefangenen zusammen. Rhodan steht einem Laren namens Avestry-Pasik gegenüber, der seit zwanzig Jahren auf Bootasha wegen eines Verbrechens einsitzt, das er noch gar nicht begangen hat. Larhatoon wurde schon vor geraumer Zeit vom Atopischen Tribunal okkupiert. Es gibt eine Widerstandsbewegung (die Proto-Hetosten), wahrscheinlich ist Avestry-Pasik der Anführer. Eine larische Robotflotte ist bereits seit Jahren unterwegs nach Bootasha, wird schon bald eintreffen und durch einen Angriff für Ablenkung sorgen. Die Benetah kommunizieren mit den Laren und werden Avestry-Pasik mittels eines Vae-Transmitters in ein Onryonenschiff versetzen. Für den Laren ist Rhodan der verhasste Hetork Tesser - der Vernichter des Konzils der Sieben - trotzdem muss er mit dem Terraner zusammenarbeiten, denn Neacue will es so, und Rhodan nutzt seinen Ruf als Bösewicht, um den Laren unter Druck zu setzen. Auf Rhodans Wunsch hin wird auch Bostich in die Planung einbezogen. Neacue will die Flüchtlinge obendrein begleiten. Der Benetah besticht Tevvcer, indem er ihm verspricht, dem Onryonen die Erinnerungen an den Kaydrin-Vorfall zu nehmen. So kommt der Benetah an tt-Progenitoren heran, mit denen Zellaktivator-Imitate hergestellt werden können, so dass die Flucht der Fraktoren nicht gleich auffallen wird. Neacue sorgt außerdem dafür, dass Tevvcer in der nächsten Zeit nicht versuchen wird, mit Rhodan, Bostich und Avestry-Pasik zu sprechen.

Als die Laren angreifen, holen die Benetah die drei Flüchtlinge durch die Vae-Kapillaren aus den Bußklausen heraus. Zunächst läuft alles planmäßig, doch durch den Absturz eines Larenraumers werden die Vae-Kapillaren beschädigt. Einige Benetah sterben während der Passage und Bostich verliert den rechten Arm. Die Flüchtlinge finden sich im onryonischen Raumvater GYUDOON wieder. Rhodan muss seine Hoffnung auf Rückkehr ins galaktische Geschehen allerdings begraben. Die GYUDOON ist unterwegs zu einem Forschungsplaneten des Atopischen Tribunals, auf dem das Vae-Metall untersucht wird. Dieser Planet befindet sich in Avestry-Pasiks 20 Millionen Lichtjahre entfernter Heimatgalaxie. Und in Larhatoon ist niemand gut auf den Hetork Tesser zu sprechen...

Kringels Meinung:

Ich finde den Beginn des Romans sehr interessant, denn Perry Rhodan befindet sich in einer für PR-Romane nicht unbedingt typischen Situation. Er muss sich fragen: Was ist das Wesen der Realität, die ich wahrzunehmen glaube? Ist der Kühlschrank wirklich ein Kühlschrank, oder etwas völlig anderes, das ich nur für einen Kühlschrank halte? Oder erlebe ich das alles gar nicht? Wird mir diese Umgebung nur vorgegaukelt? Ist alles nur eine Simulation, wird mein Bewusstsein manipuliert? Es geht ihm also sehr ähnlich wie den Protagonisten in den Geschichten Philip K. Dicks. Das ist so offensichtlich, dass Uwe Anton uns nicht mit der Nase darauf stoßen musste, indem er seitenlang über die Werke der US-amerikanischen Schriftsteller in Perrys Bibliothek - vor allem eben Dick - referiert.

Leider lässt der Roman schnell nach. Und damit meine ich nicht die ermüdend langen Abhandlungen über die Geschichte des Konzils der Sieben und der Laren in Larhatoon sowie in Ambriador (siehe Der Posbi-Krieg), die in dieser Ausführlichkeit selbst für Neuleser nicht nötig gewesen wären. Vielmehr finde ich es schade, dass Perry doch schon wieder in die Handlung zurückkehrt, und dann auch noch auf so fadenscheinige Weise. Irgendwelche komischen, in aufgesetzter Umgangssprache faselnden Fremdwesen mit diversen Superkräften müssen aus dem Hut hervorgezaubert werden, damit Rhodan und Bostich viel zu schnell wieder aus der Gefangenschaft befreit werden können. Und warum? Weil die Benetah das witzig finden. Es hätte mir besser gefallen, wenn die Flucht tatsächlich - wie Rhodan zunächst annimmt - ein Trick der Gefängniswärter gewesen wäre, mit der Rhodans Gehirnwäsche (und nichts anderes ist das, was man auf Bootasha mit ihm veranstalten wollte) auf noch perfidere Weise fortgesetzt werden sollte.

Stattdessen wird Rhodan jetzt wohl bald Gelegenheit haben, sich ein Bild von einer Galaxie zu machen, die schon viel länger vom Atopischen Tribunal beherrscht wird als die Milchstraße. Im schlimmsten Fall wird er sich mit den Proto-Hetosten verbünden, die ja nun auch schon länger Gelegenheit hatten, Mittel und Wege gegen die technische Überlegenheit der Atopen zu entwickeln. Mit diesem Wissen, einer neuen Superwaffe und vielleicht noch der Hilfe der Benetah könnte er dann in der Milchstraße gegen die Atopen vorgehen und diese besiegen oder vertreiben, wie er es bis jetzt mit jedem Feind gemacht hat. Das wäre wirklich enttäuschend. Ich hoffe, dass es dazu nicht kommen wird! Immerhin finde ich die Idee, die Laren in die Handlung einzubauen, und an ihrem Beispiel zu zeigen, was die Atopen so alles anrichten, nicht schlecht. Mich würde außerdem mal interessieren, welches zukünftige Vergehen man Avestry-Pasik vorgeworfen hat. Ich halte es aber nicht für glaubwürdig, dass Perry sich keine Gedanken über die Konsequenzen seiner Taten gemacht haben soll, wie in diesem Roman behauptet wird. Gut, dass die Autoren nicht immer darüber nachdenken, was es für die betroffenen Völker wohl bedeuten mag, wenn über Jahrtausende hinweg gewachsene Strukturen zerschlagen werden, wie Perry das immer wieder gern macht, das glaube ich gern. Aber Perry soll nie einen Gedanken daran verschwendet haben, was - in diesem speziellen Fall nach der Zerschlagung des Konzils - geschehen sein mag?

Jetzt wissen wir, dass die Onryonen schon seit mindestens 300 Jahren in der Milchstraße unterwegs sind. Kein Wunder, dass sie sich dort so heimisch fühlen. Und so wird die Stärke ihrer Flotten sowie das Ausmaß ihrer Kenntnisse über die Milchstraßengeschichte zumindest ein bisschen plausibler. Die Frage, warum die Onryonen bzw. die Atopen nicht schon früher offen aufgetreten sind, lässt sich leicht beantworten. Wenn sie wirklich wissen, was in der Zukunft geschieht, dann wussten sie, dass erst diverse Bedrohungen kommen und gehen mussten, bevor sie selbst aktiv werden konnten. Aber sie müssen sich in all der Zeit wirklich extrem gut versteckt haben. Selbst TRAITOR hat die Onryonen entweder nicht bemerkt oder sich nicht für sie interessiert! Dabei wären die onryonischen Basen doch hervorragende Ressourcen für VULTAPHER gewesen!

J. Kreis, 27.12.2013


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hairybird (30.12.2013):

"Deus ex machina" nennt man das, glaube ich, wenn in einer verfahrenen und eigentlich ausweglosen Situation plötzlich Hilfe durch einen völlig unplausiblen Zufall kommt.
Ich hätte es mir auch ein wenig glaubhafter gewünscht, aber es ist natürlich schwierig, wen man auf der einen Seite ein völlig ausbruchssicheres Gefängnis beschreibt, gerade dort nachvollziehbar eine Flucht zu ermöglichen. Na gut, die ganze Weltgeschichte besteht aus Zufällen! Wäre Kaiser Barbarossa nicht zufällig im Saleph ertrunken...
Und trotzdem, das Lesen der Erstauflage macht wieder viel Spass, grosses Lob an Expokraten und Autoren!



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