PR 2716
© Pabel-Moewig
Verlag GmbH,
Rastatt



Perrypedia



Archiv-Startseite
PR - Übersicht
Heftromane
Zyklus-Übersicht
« PR 2715 «
» PR 2717 »
Perry Rhodan Nr. 2716: Das Polyport-Desaster

Autor: Wim Vandemaan

Inhalt

Perry Rhodan trifft sich am 21. Juli 1514 NGZ mit Bostich auf Poschkor, einem Planeten der Sonne San im Cerkol-Sternhaufen. Es geht um die Probleme mit dem Polyport-Netz. Bostich ist gegen die von Rhodan vorgeschlagene Abschaltung des Systems. Als Präfekt der Polyport-Domäne, so Bostich, ist Rhodan stattdessen verpflichtet, das Polyport-Netz zu retten. Rhodan spricht außerdem von einer großen Vision, von einem Jahrhunderte umfassenden Projekt. Ziel ist ein intergalaktisches Verteidigungsbollwerk gegen kosmische Bedrohungen, quasi ein auf mehrere Galaxien ausgeweitetes Galaktikum.

Rhodan lässt sich den Ur-Controller bringen und reist per Polyport-Transfer zum Handelsstern JERGALL, wo er mit Verzögerung als alter Mann ankommt. Der Zellaktivator muss Schwerstarbeit leisten. Nach zweitägigem Schlaf ist Rhodan wieder ganz der Alte bzw. Junge. Trotz dieses Erlebnisses riskiert er es, sich gemeinsam mit dem Schattenmaahk Pral in dessen Kleinraumer PRECVER von JERGALL nach FATICO versetzen zu lassen. Erneut altert Rhodan rapide. Pral sagt, die "Vitalprämie" des Netzes sei exponentiell angestiegen. Rhodan hat diesen Begriff noch nie gehört und verlangt eine Erklärung. Pral behauptet, die Eiris von ES sei eine wesentliche Komponente des Netzes. Das Netz habe sich quasi entlang des Eiris-Bandes aufgebaut und werde von diesem mit Vitalenergie versorgt. Um Schwankungen in der Versorgung auszugleichen, entziehe das Netz all seinen Passagieren geringste Mengen von Vitalenergie. Mit anderen Worten: Das Netz ist lebendig, und der erhöhte Vitalenergieverbrauch kann nur bedeuten, dass es um das Überleben kämpft.

Beim Transfer der PRECVER kommt es zur "weichen" Kollision mit einem anderen Raumschiff. Es handelt sich um die WIZARD OF OZ, ein terranisches Kolonistenschiff, das am 28. August 2171 mit Ziel Gwydion im Rigel-Sektor gestartet, aber nie angekommen ist. Die 20.000 Siedler und 2000 Besatzungsmitglieder sitzen fest, denn ihr Schiff ist während einer Transition mit einem unbekannten Objekt zusammengestoßen. Es ist ein Raumschiff, das wie eine gewaltige Axt in dem 800-Meter-Kugelraumer steckt und sich in dessen Innerem wie eine keilförmige Nebelzone vom unteren Pol bis zum Deck unterhalb des Ringwulstes ausbreitet. Rhodan und Pral betreten die WIZARD, die erst nach und nach für sie materiell wird. Die Ankunft des "Großadministrators" sorgt bei der Besatzung für Jubel, doch Captain Tyrone Kilmacthomas ist skeptisch, weil sich Rhodan zurückhaltend verhält. Rhodan schenkt dem Mann reinen Wein ein und macht ihm klar, dass keineswegs erst 82 Tage seit dem Start der WIZARD vom Heathrow Space Port vergangen sind.

Rhodan erfährt, dass die Besatzung der WIZARD immer wieder von unheimlichen, nicht ansprechbaren Wesen heimgesucht wird. Diese Para-Materiellen Aktionsfiguren (PaMAks) werden als "die Weißen" oder wegen ihres unerträglichen Gekreischs als "Banshees" bezeichnet. Sie kommen aus der Nebelzone, entführen Menschen und bauen sie zu seltsamen biomechanischen Objekten um, die in der WIZARD zurückgelassen werden. Im Gegensatz zur Besatzung der WIZARD können Rhodan und Pral in die Nebelzone eindringen. Sie erhalten traumartigen Kontakt mit fremdartigen Wesen, die aus einer mindestens 5 Milliarden Jahre entfernten Zukunft kommen. Das Leben ist für die Fremden, die sich selbst als INSTANZ verstehen, äußerst kostbar. Sie wollen die Besatzung der WIZARD retten, aber es ist nicht möglich, die Menschen in ihre (oder Rhodans) Zeit zurückzubringen. Die Menschen müssen der INSTANZ in die Zukunft folgen. Außerdem muss Pral, dessen Polyport-Controller von der INSTANZ verändert wurde, mit dem Polyport-Netz verschmelzen - der Schattenmaahk hat beim Transfer schwere Schäden erlitten, sein Tod ist ohnehin nur eine Frage der Zeit.

Nachdem alle Menschen von der WIZARD ins Schiff der INSTANZ übergewechselt sind, spricht Rhodan ein letztes Mal über den Controller mit Pral. Der ehemalige Schattenmaahk hat festgestellt, dass das Polyport-Netz nicht mehr synchron mit dem Normalraum ist. Xenochronien wie jene, in denen die WIZARD gefangen ist, treiben durch das Netz und blockieren die Routen. Innerhalb einer solchen xenochronen Blase verlieren Zeitablauf und Kausalität ihren Sinn. Eine Macht, die stärker und völlig anders ist als die Onryonen, ist hierfür verantwortlich. Rhodan flieht mit der PRECVER zum Polyport-Hof GALILEO. Er hat nun keine Wahl mehr. Er deaktiviert das Polyport-Netz mit seinem Ur-Controller.

Rhodan kommt erst am 26. August in GALILEO an. Er hat unterwegs vier Wochen verloren. Sichu Dorksteiger bringt ihn auf den aktuellen Stand der Dinge. Rhodan erfährt, dass Luna verschwunden ist. Die Onryonen interessieren sich neuerdings weniger für das Solsystem und mehr für Arkon.

Kringels Meinung:

Hut ab. Hartmut Kasper schafft es doch immer wieder, mich mit seinem Ideenreichtum zu verblüffen. Unter der INSTANZ muss man sich etwas vorstellen, das sich so unfassbar weit von uns wegentwickelt hat, dass man es nicht mehr als "Leben" bezeichnen kann. Es gelingt Kasper meisterhaft, die Fremdartigkeit der INSTANZ zu vermitteln, ohne sie genauer zu beschreiben. Ich glaube allerdings nicht, dass wir jemals wieder etwas von der INSTANZ lesen werden. Sie ist das jüngste Beispiel für die genialen Tricks, die Kasper gern anwendet, um sich von den Vorgaben des Perryversums lösen und völlig frei fabulieren zu können.

Noch besser als die bizarre Welt der INSTANZ gefällt mir der Hauch von Nostalgie, verbunden mit etwas Grusel, den die aus Sicht von Captain Kilmacthomas erzählten Kapitel verbreiten. Man glaubt den von Kasper beschriebenen Geruch nach Plastik, erhitztem Metall und menschlichen Ausdünstungen im Kolonistenschiff fast selbst zu riechen, und das Zusammentreffen der Menschen aus dem 22. Jahrhundert mit dem aus einer ganz anderen Epoche kommenden Rhodan ist besonders reizvoll. Für Rhodan führt es zu einer äußerst interessanten Erkenntnis. Er überlegt, was wohl geschehen würde, wenn es ihm gelänge, mit der WIZARD OF OZ ins 22. Jahrhundert zurückzukehren. In eine Zeit also, in der es noch nicht zum Konflikt mit den Meistern der Insel gekommen ist, in der die Bedrohung durch die Dolans, den Schwarm und andere Gefahren noch weit in der Zukunft liegt. Wie würde er sein Wissen einsetzen? Wäre er nicht in einer ähnlichen Position wie das Atopische Tribunal, weil man ihm vielleicht nicht glauben würde? Vielleicht müsste er - ebenso wie die Onryonen - unpopuläre Entscheidungen treffen, um seine Pläne durchzusetzen...

Nun ist das Polyport-Netz also nicht mehr benutzbar. Somit ist die Stardust-Menschheit wieder einmal vom "Mutterland" abgeschnitten. Und nicht nur sie! Ich mag mir gar nicht vorstellen, welche Auswirkungen der Ausfall dieses Transportsystems haben mag - menschlich und wirtschaftlich - und ich fürchte, die Autoren werden es sich auch nicht vorstellen. Will sagen: Das Ganze ist für die PR-Serie schlicht bedeutungslos. Das Netz ist halt abgeschaltet, na und? Abgesehen davon, dass Rhodan und Konsorten nicht mehr wie in diesem Roman fröhlich von A nach B springen und dabei Millionen von Lichtjahren fressen können, wird wahrscheinlich gar nichts geschehen. Abgesehen davon natürlich, dass es jetzt sehr viel schwieriger sein wird, Rhodans Vision von einem intergalaktischen Verteidigungssystem zu realisieren.

Wer aber steckt hinter den Störungen des Netzes? Die Onryonen wohl nicht. Aber die sind ja vermutlich nur Handlager der Atopen, über deren wahre Absichten wir noch nichts wissen. Wird womöglich gar nicht das Netz selbst angegriffen, sondern das Eiris-Band, auf dem es Prals Angaben zufolge basiert? Schließlich entzieht das Netz den Benutzern nur dann Vitalenergie, wenn die Versorgung durch das Eiris-Band schwankt. Jetzt braucht das Netz viel mehr Vitalenergie, ergo muss es erhebliche Probleme mit dem Eiris-Band geben. Ist also nicht das Netz das Angriffsziel, sondern die Eiris und somit ES?

J. Kreis, 08.09.2013


« PR 2715 «
» PR 2717 »






Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


hairybird (10.09.2013):

Hartmut Kasper ist für mich der interessanteste aktuelle SF-Autor im deutschsprachigen Raum. Kaum jemand kann es mit ihm an Einfallsreichtum, Phantasie und handwerklichem Können aufnehmen. Viele seiner Romane im Perryversum könnten auch ausserhalb der Serie als eigenständige Werke stehen, wie zum Beispiel der dritte Band der Trilogie "Das rote Universum" oder auch der vorliegende Roman. Hat er eigentlich schon einmal ein Doppelheft verfasst?



Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)