PR 2619
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Perry Rhodan Nr. 2619: Planet der Formatierer

Autor: Wim Vandemaan

Inhalt

Shamsur Routh findet sich am 12. September 1469 NGZ wie alle anderen von den Auguren entführten Terraner in der Stadt Whya auf Gadomenäa wieder, einem von fünf Planeten des Weltenkranzes, die die Sonne Banteira auf derselben Umlaufbahn umkreisen. Strangeness-Effekte verwirren Routh, außerdem hat das Implantmemo Puc sein Gedächtnis zum Teil gelöscht, um ihm die Passage durch das Transitparkett zu ermöglichen. Anicee ist nirgendwo zu sehen. Alle Neuankömmlinge werden von "Junkern" und "Zofen" (möglicherweise Roboter, vielleicht aber auch Lebewesen) betreut. Sofort nach ihrer Ankunft werden sie "Zieheltern" zugewiesen. Rouths Ziehvater ist der alte Sayporaner Chourtaird, der sich allerdings nicht im Geringsten für den Terraner zu interessieren scheint. In den folgenden mehr oder weniger ereignislosen Tagen stellt Puc Rouths Gedächtnis nach und nach wieder her.

So erinnert sich Routh daran, wie er einst mit seinem Journalisten-Kollegen Jaron Peppererg einem Gerücht folgend auf dem Planeten Patralon recherchiert hat. Bei ihren nicht ganz legalen Nachforschungen sind die beiden Männer auf eine Gruppe von Aras, Swoon und Terranern gestoßen, die geheime Tierversuche an Kranichen und Truthähnen durchgeführt haben. Ziel dieser Experimente war die Erschaffung eines externen Speichers, der als Sicherungskopie für das Gedächtnis des Benutzers dienen sollte. Das gespeicherte Bewusstsein sollte nach einem Hirnschaden wiederhergestellt oder einem neuen Gehirn aufgeprägt werden können. Außerdem sollten auf die gleiche Weise ganz neue Informationen vermittelt werden, an die sich der Benutzer dann "erinnern" würde, als hätte er sie schon immer besessen. Routh und Peppererg wurden zu Versuchskaninchen wider Willen gemacht - sie waren die ersten Menschen, denen der aus Teilen ihres eigenen Hirngewebes erschaffene Speicher eingesetzt wurde. Peppererg hatte die Prozedur nicht überlebt, aber Routh hatte einen neuen Gefährten gewonnen - Puc.

Routh genießt auf Gadomenäa völlige Freizügigkeit und kann sich ungestört umsehen. Mit Pucs Hilfe findet er heraus, dass die entführten Jugendlichen auf subtile Weise manipuliert und einer Art Gehirnwäsche unterzogen werden. Durch Oxytocin, ein verhaltenssteuerndes Hormon, wird ihr Vertrauen in die Sayporaner gestärkt. Alle Neuankömmlinge erhalten Zugang zum Spainkon, das auch von den Sayporanern als Online-Lexikon, Chronik usw. genutzt wird. Den Jugendlichen wird gezeigt, welche Gräueltaten die Menschen in ihrer Vergangenheit verübt haben, gleichzeitig wird ihnen eine Historie der Sayporaner vermittelt, die wie eine modifizierte Version der terranischen Geschichte seit Perry Rhodans Mondlandung wirkt und die hohe Ethik der Sayporaner herausstellen soll. Vor allem aber beeinflussen die Sayporaner die Entwicklung des menschlichen Gehirns. Die Myelinisierung wird rückgängig gemacht, so dass die Jugendlichen alles Wissen, das ihnen von den Sayporanern vermittelt wird, wie die prägenden ersten Eindrücke von Neugeborenen aufnehmen. Die Menschen werden somit - zumindest was ihr Ich betrifft - praktisch in Sayporaner verwandelt.

Als Routh erfährt, dass sich Anicee in der Stadt Cherayba befindet, begibt er sich mit dem mehrere Kilometer großen mobilen Bauwerk Nebelschlucht dorthin - diese vertikalen Landschaften, die Onuudoy, prägen das Bild aller Städte auf Gadomenäa. Anicee erkennt ihren Vater, hat sich ihm aber bereits entfremdet. Routh muss feststellen, dass die Manipulationen der Sayporaner selbst an ihm, der von Puc geschützt wird, nicht spurlos vorbeigehen. Alles spielt sich in einer freundlichen Atmosphäre ab. Die Menschen sind offensichtlich mit ihrer neuen Situation zufrieden. Dass aber nicht alles so friedlich ist, wie es zu sein scheint, wird klar, als Routh die Aufnahmen seiner letzten Spionsonde betrachtet. Er sieht, wie Anicees Freund Benat Achiary von einer Zofe erstochen wird, nachdem diese mit Anicee geredet hat. Benat war einer der wenigen Terraner, die den Indoktrinationsversuchen der Sayporaner widersprochen haben, und kurz vor dem Mord hatte er sich mit Anicee gestritten. Routh befürchtet, seine Tochter könne in den Mord verwickelt sein, aber Anicee leugnet, etwas davon zu wissen.

Bei einem seiner Streifzüge durch die Stadt verspürt Routh eine mächtige fremde Präsenz. Möglicherweise handelt es sich um Feinde der Auguren. In der Nacht zum 3. Oktober gesteht Routh seinem Ziehvater die ganze Wahrheit. Zu seiner Überraschung erklärt sich Chourtaird bereit, ihm zu helfen. Von Puc erfährt Routh, dass nicht nur Peppererg durch die Operation geschädigt worden ist. Auch bei Routh ist es zu einer beginnenden geistigen Zerrüttung gekommen. Puc konnte den Prozess aufhalten - zumindest bis jetzt. Durch die partielle Gedächtnislöschung wurde die Sache aber verschlimmert. Routh beginnt sich zu fragen, ob die Ereignisse der letzten Tage vielleicht nur Einbildung infolge einer psychischen Störung waren...

Kommentar:

Neulich hat jemand behauptet, ich würde Hartmut Kasper verabscheuen. Ein völlig abwegiger Vorwurf - ich kann mich nicht erinnern, je eine Zeile geschrieben zu haben, in der so etwas auch nur angedeutet wird. Natürlich verabscheue ich Hartmut Kasper (bzw. seine Romane) nicht! Dass ich seine Romane manchmal etwas anstrengend und manchmal nicht so ganz gelungen finde, ist etwas völlig anderes. Ich glaube, ich habe schon oft genug ausgeführt, warum das so ist. Mit "Abscheu" hat das nichts zu tun. Feedback schön und gut, aber man sollte doch bitte bei der Wahrheit bleiben und nicht irgendwelche haltlosen Behauptungen verbreiten.

Man kann Hartmut Kasper für seinen unglaublichen Ideenreichtum und seine geschliffenen Formulierungen nur bewundern. Er ist genau der richtige Mann, wenn es um die Einführung fremdartiger Kulturen und exotischer Schauplätze geht. So entwirft er auch diesmal wieder das schillernde Bild einer faszinierenden Welt und eines vermutlich uralten, müde gewordenen Volkes. Kasper beschreibt alles so eloquent, dass man ein lebendiges Bild vor Augen hat. Schade ist dabei nur der immer gleiche Ablauf: Kasper liefert viele (manchmal vielleicht zu ausufernde) Beschreibungen, unzählige Details usw. in einem Schlüsselroman - aber schon bald spielt das alles keine Rolle mehr, will sagen: Die anderen Autoren gehen gar nicht auf diese Details ein oder ignorieren sie, so dass die von Kasper so facettenreich vorgestellten Völker / Orte bald quasi ihre Identität verlieren oder ganz in Vergessenheit geraten. Diesmal wird's vermutlich genauso sein - nächste Woche wechselt ja sowieso schon wieder die Handlungsebene.

Jetzt wissen wir, was die Sayporaner unter "Neu-Formatierung" verstehen. Gut dabei finde ich, dass sich nicht alle Jugendlichen alles widerspruchslos gefallen lassen, dass die Sayporaner nicht als "die Bösen" dargestellt werden, und dass nicht einfach nur irgendeine Psi-Strahlung oder ähnlicher Hokuspokus zum Einsatz kommt, sondern ein ganzes Bündel nachvollziehbarer Maßnahmen. Nur: Wozu der ganze Aufwand? Was bezwecken die Sayporaner damit, Terraner in ihre geistigen Ebenbilder zu verwandeln? Wollen sie ihrem Volk frisches Blut zuführen? Vermutlich müssen wir wieder 12 Wochen warten, bis wir zumindest einen Teil der Antwort erhalten...

J. Kreis, 30.10.2011


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Gastkommentare


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Gastkommentar von Joe (31.10.2011):

WiVa vermag es wie kein Zweiter unter den Autoren, den Leser in den Bann einer eleganten Erzählung zu ziehen, selbst wenn die Handlung des Romans auf einem Teelöffel Platz hätte. Ich habe, glaube ich, noch nie, nicht einmal in der "hohen" SF-Literatur eine Invasionsgeschichte von so hintergründiger Bedrohlichkeit und so enormer, wenn auch unterschwelliger Bosheit, nein, Bösartigkeit gelesen. Gegen die Sayporaner ist jeder Meister der Insel ein bloßer Schurkenpraktikant. Und doch wird der Ziehvater Routh helfen: Das ist das wirkliche Leben! Bravo, bravo, bravo!

Alle Bemerkungen, die ich zur orthographischen, grammatikalischen und technisch-handwerklichen Unvollkommenheit (z.B. sind Pucs Bemerkungen nicht durchgängig kursiv, was durchaus stört) machen wollte, müssen angesichts dieser Leistung verschämt die Klappe halten.

Schade, dass nun schon wieder vier dürre und sinnlose Wochen mit Alraska folgen...



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