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Perry Rhodan Nr. 2604: Die Stunde der Auguren

Autor: Wim Vandemaan

Inhalt

Am 5. September 1469 NGZ erlöschen die Sterne am Himmel Terranias. Das gesamte Solsystem wurde in ein Energiefeld gehüllt und vermutlich an einen anderen Ort versetzt. Es kommt zu unerklärlichen Energieausfällen, Großrechner wie NATHAN und LAOTSE reagieren nicht mehr und müssen sich erst neu konfigurieren. Alle Transmitterverbindungen zu anderen Systemen brechen zusammen, die Transferkamine im Polyport-Hof GALILEO erlöschen. Doch das sind nicht die einzigen Hiobsbotschaften, mit denen sich die Erste Terranerin Henrike Ybarri und der Terranische Resident Reginald Bull beschäftigen müssen. Die Versetzung des Solsystems war mit Raumbeben verbunden, die zu Müdigkeitsattacken bei den Menschen führen. Viele Menschen leiden darüber hinaus unter einem zeitweisen Erinnerungsverlust und Wahrnehmungsstörungen. In völlig unvorhersehbarer Weise löst sich Materie in Nichts auf - das so genannte Nirvana-Phänomen. Hinzu kommen Effekte, die als Gravospaltung und Gravoerratik bezeichnet werden. Es handelt sich um lokal begrenzte Schwerkraftschwankungen, manchmal hängen Gegenstände wie festgefroren mitten in der Luft. Gesteinstrümmer aus dem Kuiper-Gürtel und der Oortschen Wolke regnen auf die Planeten nieder. Nicht alle Trümmer können von den Raumschiffen der LFT-Flotte rechtzeitig abgefangen werden, und so kommt es zu schweren Zerstörungen - auch in Terrania City.

Der in Terrania lebende Journalist Shamsur Routh, Henrike Ybarris ehemaliger Ehemann, findet sich in einer veränderten Welt wieder. Er macht sich auf die Suche nach seiner und Ybarris Tochter Anicee. Sie ist verschwunden und meldet sich nicht. Ihre Spur führt nach Hamburg, wo sie gemeinsam mit ihrer Freundin Auris den Verkündungen der Auguren lauscht. Die Auguren leben seit einiger Zeit auf Terra. Niemand scheint etwas über diese humanoiden Wesen zu wissen. Sie wirken hermaphroditisch und haben identitätslose, mal weiß und mal wie Perlmutt schimmernde Gesichter, in denen vor allem die goldfarbenen Augen mit Schlitzpupillen und das ständige Lächeln auffallen. Sie leiten ihre seltsamen Predigten stets mit einem Lied ein, das sie auf ihren Musikinstrumenten, den Phenuben, spielen. Vor allem junge Menschen sind von ihren Reden fasziniert. Es scheint so, als würden sie suggestiv beeinflusst. Routh nimmt an einer solchen Veranstaltung auf der Reeperbahn teil. Der Augur Stradnaver spricht von einer Zeitenwende, die zur baldigen "Neu-Formatierung" der Menschheit führen werde. Es seien nur noch wenige Prüfungen zu bewältigen, dann sei das Ziel erreicht - die Freiheit. Am 8. September, so kündigt er an, werde der große Augur Stradhaird in Terrania eine entscheidende Rede halten.

Bevor Routh nach Terrania zurückkehrt, folgt er Stradnaver zu einem siebenstöckigen Pagodenzelt auf dem Gelände eines Hamburger Friedhofs. In diesem Gebäude, dem Gnauplon, scheint es weitere Auguren zu geben. Routh schickt eine Spionsonde hinein, die zwar sofort vernichtet wird, aber noch ein Bild senden kann. Der Torso einer frischen menschlichen Leiche ist zu sehen. Sind die Auguren also Leichenfledderer? Stradhaird spricht am 8. und 9. September zu mehreren zehntausend jungen Menschen. Er redet ihnen Unfreiheit ein und warnt sie vor "dem Alten". Das Alte, so behauptet er, werde stürzen und jeden mit in den Untergang reißen, der sich daran klammert. Routh spricht Anicee und Auris nach Stradhairds erster Rede an, doch seine Tochter will nichts von ihm wissen. Plötzlich kommt es infolge des Nirvana-Effekts zu einer Katastrophe. Ein Gebäude stürzt ein und begräbt viele Menschen unter sich. Anicee überlebt mit lebensgefährlichen Verletzungen. Auris, die sich schützend über sie geworfen hat, stirbt vermutlich. Routh bringt seine Tochter in die nächste Klinik. Am nächsten Tag hört er sich Stradhairds zweite Rede an. Routh glaubt, dass die Auguren auf Terra eine Art Stellvertreterkrieg ausfechten wollen.

Nachdem sich die Verhältnisse zumindest ein wenig normalisiert haben, entsendet Reginald Bull die BOMBAY, einen 1500-Meter-Raumer der Explorerflotte unter dem Kommando von Oberst Nuruzzaman, zu einer Expedition in die nähere Umgebung des Solsystems. Wie es scheint, befindet sich das System in einem fremden Raum, der nur 150 Lichtjahre durchmisst und in dem sich die Naturgesetze umgestalten. Mehrere Dutzend Sonnen wurden geortet. Die nächste ist 17 Lichtjahre entfernt. Bull gibt ihr den Namen Next Stop und legt sie als Ziel der BOMBAY fest. Offenbar ist der fremde Raum nicht unbewohnt. Drei Raumschiffe mit 2600 Metern Länge, die entfernt an gigantische Nägel erinnern, dringen ins Solsystem ein. Sie reagieren weder auf Funkrufe noch auf Transformschüsse vor den Bug. Sie tauchen am 9. September in die Sonne ein, wo sie offensichtlich mit irgendwelchen Manipulationen beginnen, denn am selben Tag verspüren alle Menschen im System einige Sekunden lang schreckliche Schmerzen.

Kommentar:

Wenn sich Hartmut Kasper auf die Geschichte konzentriert, die er erzählen soll, dann können - wie diesmal - richtig unterhaltsame Romane dabei herauskommen. Es gibt zwei Handlungsebenen: Bull und Ybarri, die sich in permanenter Krisensitzung mit den veränderten Verhältnissen im Solsystem auseinandersetzen müssen, wodurch diese dem Leser nähergebracht werden auf der einen, der Privatmann Routh und die Suche nach seiner Tochter auf der anderen Seite. Ich kann mir keinen Autor vorstellen, der die merkwüdigen Veränderungen im Solsystem besser hätte beschreiben können. Aber auch hierbei hält sich Kasper bemerkenswert zurück und verfällt nicht in seine sonst übliche, etwas nervende Fabulierwut.

Die Routh-Ebene gefällt mir jedoch besonders gut, weil sie endlich mal wieder einen Blick "von unten" ermöglicht, d.h. wir sehen die Geschehnisse nicht aus dem etwas abgehobenen Blickwinkel der Unsterblichen und es geht nicht um irgendwelche kosmischen Verwicklungen, sondern um ganz alltägliche Dinge - wenn man angesichts der Katastrophen, von denen die solaren Planeten heimgesucht werden, überhaupt noch von "Alltag" sprechen kann. Wie man es von Kasper nicht anders erwartet, ist der Roman in einem eloquenten Stil gehalten und wartet immer wieder mit geschliffenen Formulierungen und netten Bonmots auf. Beispiel: Routh sagt, das Altern sei seine Art, dem Tod aus dem Weg zu gehen...

Weniger gut gefällt mir der Inhalt des Romans, bzw. das Szenario, das uns jetzt vermutlich geraume Zeit erhalten bleiben wird. Wie oft war Terra, vor allem Terrania, schon in schröcklicher Gefahr? Wie oft wurde das Solsystem in irgendwelche undurchdringlichen Schirme gehüllt oder irgendwohin versetzt? Wie oft haben Fremde schon die Sonne manipuliert, angegriffen oder etwas Gefährliches darin versteckt? Zu "guter" Letzt jetzt auch noch die Auguren, die sich wie Rattenfänger mit inhaltsleerem Geschwätz bei der Jugend Terras einschmeicheln. Sie reden den Kids Unfreiheit ein - angesichts des unglaublichen Wohlstands, in dem die Menschen des 15. Jahrhunderts NGZ auf Terra leben, wirkt das kaum glaubwürdig. Aber gut - wahrscheinlich ist ja eine hypnosuggestive Beeinflussung oder dergleichen im Spiel. Leider weckt das in mir ungute Erinnerungen an die Orbhonisten im Sternenozean-Zyklus. Mit Sektierern haben sich die Autoren schon einmal die Finger verbrannt. Ich hoffe, dass sie diesen Fehler nicht ein weiteres Mal begehen.

Jetzt müssen wir 95 Wochen warten, bis die Autoren uns verraten, dass das Solsystem natürlich doch nicht vernichtet wird. 95 Romane, bis die Terraner die Invasoren besiegen und vertreiben. Wann werden die Autoren endlich einsehen, dass es völlig sinnlos ist, das Solsystem in Gefahr zu bringen? Es steht doch von Anfang an fest, dass am Ende des Zyklus alles wieder in bester Ordnung sein wird. Ich könnte mir vorstellen, dass das Solsystem gar nicht wirklich räumlich versetzt wurde, d.h. dass es quasi immer noch am alten Ort steht, nur in eine andere Dimension entrückt oder so, von wo aus es wieder "zurückstürzen" kann. Übrigens: Wie kann es sein, dass niemand etwas über die Auguren weiß? Können Fremdwesen jetzt einfach so auf Terra erscheinen und sich dort häuslich einrichten? Kann ich mir nicht vorstellen.

J. Kreis, 17.07.2011


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Gastkommentare


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Gastkommentar von Joe (17.07.2011):

Das ist mal wirklich ein spannendes Setting. Etwas völlig anderes. Aber das Setting allein garantiert keine dauerhafte Spannung! Sehr schön auch die Rolle der Auguren als Demagogen und Menschenfischer. Nur zu aktuell. Und vielleicht ist im Team nur WiVa in der Lage, solche Szenen ohne Plattheiten und Klischees zu schreiben.

Aber was mir nicht einleuchtet, ist die Ignoranz der Regierung gegenüber den Auguren. Zur Zeit des SI hätte die Solare Abwehr schon längst ihre Leute auf sie angesetzt - und dann hätte man auch über die Abenteuer eines dieser Agenten schreiben können, statt irgendwelche Privatpersonen zu bemühen (auch wenn WiVa die Gelegenheit nutzt, uns ein paar interessante Einblicke ins Alltagsleben zu geben).

Was ist nur los in jüngster Zeit? In jedem Heft eine Abteilung für allgemeinmenschliche Pudelgeschichten - ist die Redaktion draufgekommen, dass plötzlich massenhaft Frauen PR lesen?

Abschließend gesagt: Auch WiVa könnte einen aufmerksamen Schlusskorrektor vertragen...



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