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Perry Rhodan Nr. 2509: Insel im Nebel



Autor: Horst Hoffmann

Inhalt

Im Jahre 1377 NGZ ist Timber F. Whistler 152 Jahre alt, hat sechs aufeinander folgende Amtsperioden als Administrator der Stardust-Menschheit und der am 1. Januar 1350 NGZ gegründeten Union der Stardust-Planeten hinter sich, und macht sich Sorgen über die Weiterentwicklung seines Volkes. Zwar ist auch er der Meinung, dass ES die Auswanderer aus einem ganz bestimmten, noch unbekannten Grund ins Stardust-System geholt hat, doch er teilt keineswegs die Ansichten einer immer größer werdenden Zahl von Menschen, die davon überzeugt sind, es sei ihre Bestimmung, in ES aufzugehen. Die einstige Splitterpartei der Paradiesvögel vertritt diese Menschen und ist inzwischen zu Whistlers stärkstem Konkurrenten geworden. Ihr Vorsitzender Vorremar Corma (der einzige ins Stardust-System übergesiedelte Siganese) schreckt auch vor übertrieben pathetischen öffentlichen Auftritten nicht zurück und benutzt Huslik Valting als Galionsfigur. Valting ist der erste von mehreren Menschen, die durch den "Goldenen Funkenregen" verjüngt wurden. Die Paradiesvögel betrachten dieses Phänomen als Zeichen dafür, dass ES sich entgegen Keraetes Ankündigungen immer noch um die Stardust-Menschheit kümmert. Whistler befürchtet, dass die von den Paradiesvögeln propagierte Passivität den ohnehin schon mit Schwierigkeiten und Rückschlägen verbundenen Aufbau der Kolonien gefährden könnte.

Als Whistler und sein engster Vertrauter Duncan Legrange am 2. Juni 1377 NGZ mit einem Gleiter auf Katarakt zu einem Wahlkampftermin unterwegs sind, geraten sie am Goo-Tafelberg in einen Gewittersturm und stürzen ab. Danach wird behauptet, Whistler habe sich von der politischen Bühne zurückgezogen - somit wird Corma zum neuen Administrator gewählt. Legrange und Maximilian Lexa (letzterer ist inzwischen Oberst und Befehlshaber der Stardust-Explorerflotte) beobachten am 4. August im Schutze von Deflektorfeldern, wie Corma und Valting heimlich in die Stardust-Felsennadel eindringen und vergeblich versuchen, die nach wie vor ungelösten Rätsel in der Halle der 1000 Aufgaben zu entschlüsseln. Rikoph Furtok kommt hinzu. Er hat ebenfalls Wind von der Sache bekommen und wirft Corma vor, er habe sein Amt missbraucht, um sich die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Rätsel anzueignen. Auch Furtok begehrt offenbar die Unsterblichkeit und zwingt Corma dazu, mit ihm gemeinsame Sache zu machen. Immer noch getarnt folgen Legrange und Lexa den beiden nach Katarakt. Dort haben die Rokinger inzwischen neue Siedlungen gegründet und mit dem Aufbau einer Hyperkristall-Veredelungsindustrie begonnen. Sharud Thurbund ist ihr neues Oberhaupt.

Corma und Furtok bringen Thurbund dazu, ihnen mehr über eine alte Legende der Rokinger zu erzählen, die sich um eine Insel im Nebel rankt. Auch die Indochimi von Zyx haben, wie die Terraner wissen, eine solche Legende. Als Thurbund von Corma unter Druck gesetzt wird, geben Legrange und Lexa ihre Tarnung auf und schreiten ein. Da dem Rok völlig klar ist, dass die Terraner sich notfalls mit Gewalt holen werden, was sie haben wollen, gibt er die Koordinaten der Insel im Nebel preis. Das ungleiche Quartett fliegt mit einem Gleiter zu dieser Position. Unterwegs beobachten sie gewaltige Meereslebewesen, die sich auf Schwingen in die Lüfte erheben können, und stoßen schließlich auf ein 2650 km durchmessendes, 100 km hohes Nebelfeld, das Angst in ihnen hervorruft und jegliche Ortung verhindert. Lexa steuert den Gleiter mitten in den Nebel hinein, danach wird die Maschine von einer unbekannten Kraft auf einer 2000 Kilometer durchmessenden, paradiesischen Insel gelandet. Wenige Kilometer vor der Nordküste des ovalen Eilands erhebt sich eine Kuppel im Wasser. An den bewaldeten Hängen eines Berges sind zentaurenähnliche Wesen und unzählige Schmetterlinge zu sehen. Ein Vojaride - ein "Geburtshelfer von ES" tritt den Ankömmlingen entgegen. Er verkündet, sie seien "nicht die Richtigen", und schickt sie weg, nachdem er ihnen zu einer Art Selbsterkenntnis verholfen hat - zum Beispiel hat er Corma vor Augen geführt, dass dessen einzige Motivation darin besteht, in die Milchstraße und zu seiner Familie zurückkehren zu können. Als die Eindringlinge sich auf Aveda wiederfinden, sind vier Monate vergangen - man schreibt den 10. Dezember.

Am 18. Dezember erwacht Whistler aus einem sechsmonatigen Koma im Stammsitz seiner Firma. Er wird medizinisch betreut und erfährt, dass er bei dem Gleiterunfall tödliche Verletzungen erlitten hat. Sein Körper war nicht zu retten und ist durch eine Vollprothese ersetzt worden. Vom ursprünglichen Whistler ist nur noch das Gehirn übrig, es befindet sich in einem Robotkörper. Die Haut und bestimmte Körperteile wurden durch genetisch verbesserte Nachzüchtungen ersetzt. Whistler leidet unter der Vorstellung, nicht mehr als ein Cyborg zu sein - auch deshalb, weil in der Öffentlichkeit schon seit langer Zeit das Gerücht kolportiert wird, die Mitglieder der Whistler-Familie seien nichts anderes als Roboter der eigenen Firma. Immerhin hat er auf diese Weise eine Form von Unsterblichkeit gewonnen. In einer Presseerklärung vom 1. Januar 1379 NGZ gibt Whistler bekannt, dass er sich endgültig aus dem öffentlichen Leben zurückziehen wolle. In der folgenden Zeit sinkt Cormas Stern rapide. Neuer Administrator wird im Jahre 1382 NGZ Telmach Istban von der Arbeitsgemeinschaft Lokaler Friede. Maximilian Lexa, seit 1385 NGZ Admiral, ist Ende Mai 1388 NGZ mit der ARGOS (dem Flaggschiff seiner aus 20 Kreuzern der PHOENIX-Klasse bestehenden Explorerflotte) unterwegs im Randbereich des Sternhaufens Far Away. Am 27. Mai begegnet er Rikoph Furtok, der inzwischen eine kleine Handelsflotte betreibt. Eines dieser Schiffe hat eine sensationelle Entdeckung gemacht: Eine seit 345.000 Jahren mit Unterlichtgeschwindigkeit durchs All reisende unbemannte Raumsonde wurde gefunden. Dies ist - abgesehen von den Ruinenstädten von Katarakt, den Rokingern und den Indochimi - das bislang einzige Zeichen für die Anwesenheit anderer intelligenter Wesen in Far Away.

Der Kurs der Sonde, die in all der Zeit nur 32 Lichtjahre zurückgelegt hat, wird zurückgerechnet. Ihr Ausgangspunkt ist einer von drei Planeten einer namenlosen Sonne. Dort werden 180.000 Jahre alte Ruinen gefunden, unter denen die degenerierten Nachkommen der einstigen Raumfahrer leben. Es sind affenartige Wesen mit Löwenköpfen, die in die Primitivität zurückgefallen sind. Es wird nur eine einzige Energiequelle geortet. Dabei handelt es sich um eine Struktur in Form eines Schneekristalls, die nicht aus "normaler Materie" besteht - Huslik Valtings Team hatte genau so eine Struktur seinerzeit im Irthom-Tafelberg auf Katarakt entdeckt.

Anfang Januar 1389 NGZ erhält Whistler Besuch von Sigurd Echnatom. Der einstige Finanzminister ist seit einiger Zeit Spitzenkandidat der Partei Bruderhilfe und somit aus der Regierung ausgeschieden. Echnatom übergibt Whistler einen Speicherkristall mit Filmaufnahmen, die eindeutig belegen, dass Duncan Legrange den Gleiter, mit dem Whistler verunglückt ist, manipuliert hat. Vier Wochen später stellt Whistler seinen Freund zur Rede, der streitet jedoch alles ab. Es kommt zu einem Zerwürfnis zwischen den beiden, aber Whistler fragt sich, ob Legrange überhaupt jemals ein wirklicher Freund war...

Kommentar:

...eine Einstellung, die ich für ein wenig voreilig halte. Schließlich könnte Echnatom die Aufnahmen auch gefälscht haben. Gut, anscheinend hat auch die mit der Untersuchung des Unfalls betraute Kommission Indizien für Legranges Schuld gefunden, aber echte Beweise scheint es nicht zu geben. Es kann natürlich gut sein, dass Legrange alles genau geplant hat. Vielleicht wollte er Whistler eine spezielle Form der Langlebigkeit verschaffen, weil er der Meinung war, Whistler solle noch möglichst oft zum Administrator gewählt werden?

Mit diesem Heft stellt Horst Hoffmann unter Beweis, dass eine meiner Annahmen richtig war: Wenn er über ein etwas dankbareres Thema schreiben darf und sich nicht mit durchgedrehten Waldgebieten, überkandidelten Problemfamilien oder zickigen Vibra-Kartanin herumschlagen muss, dann kann Hoffmann durchaus akzeptable Romane abliefern. Wie man an der langen Handlungszusammenfassung erkennen kann, hat Hoffmann einiges zu berichten. Die Geschehnisse im Stardust-System bleiben rätselhaft, d.h. man ich kann mir immer noch keinen Reim auf die Absichten von ES machen. Die Superintelligenz hat einen großen Aufwand betrieben, die Menschen in ihren neuen Lebensraum zu bringen und diesen mit diversen geheimnisvollen Dingen wie der Halle der tausend Aufgaben, dem "goldenen Funkenregen", der Insel im Nebel und den Schneekristall-Strukturen zu füllen. Vorausgesetzt, dass all das wirklich auf dem Mist der Superintelligenz gewachsen ist. Aber vielleicht haben die "Schneekristalle" ja gar nichts mit ES zu tun? Gibt es womöglich noch mehr, was ES den Siedlern verschwiegen hat - oder wovon ES selbst gar nichts weiß? Jedenfalls frage ich mich mal wieder: Was bezweckt ES wirklich und warum hat ES sich nicht die Mühe gemacht, den Menschen im Solsystem mit ähnlich großem Aufwand gegen TRAITOR zu helfen? Dass das Angebot der "Komplett-Evakuierung" Unsinn, weil undurchführbar war, hatte ich ja früher schon mal erwähnt.

Na, egal, jedenfalls bleibt der Sternhaufen Far Away ein hoch interessanter Schauplatz und wir dürfen uns in die alten Zeiten des Aufbaus des Solaren Imperiums (oder so) zurückversetzt fühlen. Jetzt wissen wir auch, wie Whistler noch im Jahre 1463 NGZ Administrator sein kann - er ist ein Cyborg wie einst Sinclair Marout Kennon und als solcher vermutlich sehr langlebig oder gar relativ unsterblich. Die Entwicklung geht mir allerdings fast ein bisschen zu schnell; über 40 Jahre werden in diesem Roman quasi im Schnelldurchlauf abgehandelt. Die allmähliche, mit Schwierigkeiten verbundene Ausbreitung der Menschen über die Stardust-Planeten und den Rest des Sternhaufens, ihre Entdeckungen dort usw. - das hätte bestimmt Stoff für viele abenteuerliche Romane geboten. Aber vielleicht kommt ja noch so einiges.

Hoffmann verwendet zwar auch in diesem Roman ab und zu merkwürdige Formulierungen und übertriebenes Pathos, außerdem neigt er zu überdurchschnittlich vielen Schreibfehlern, dennoch kann man den Roman nicht mit den grausigen Machwerken vergleichen, die er sich zuletzt geleistet hat. Im Gegenteil: Ich fühlte mich richtig gut unterhalten. Und das nicht zuletzt deshalb, weil schon der zweite Roman in Folge ohne Krieg und Grausamkeiten auskommt. Leider wird Hoffmann vermutlich keine Gelegenheit mehr haben, diese gute Leistung zu wiederholen, denn er hat angekündigt, aus dem Autorenteam ausscheiden zu wollen. Aber wer weiß? Wenn er ab und zu mal einen Gastroman schreibt, könnte das vielleicht sogar besser für ihn - und für die Leser - sein.

Hier noch eine Kleinigkeit für Freunde von Beckmessereien: Hoffmann schreibt, Echnatom sei wegen der Gründung seiner eigenen Partei - der Bruderhilfe - aus der Regierung ausgeschieden. Das kann nicht stimmen. Nach PR-Extra 8 hat Whistler Echnatom am Wahltag, dem 18. Juni 1347 NGZ zum Minister gemacht. Zu diesem Zeitpunkt muss es die Bruderhilfe aber schon gegeben haben, denn sie war lt. PR 2508 in der konstituierenden Sitzung von Regierung und Parlament am 25. Juni vertreten. Da war die Bruderhilfe jedoch keine Regierungspartei, sondern nur eine Splittergruppe. Hätte Echnatom die Bruderhilfe also gegründet, dann hätte Whistler ihn gar nicht ins Amt des Finanzministers berufen dürfen. Es sei denn, Whistler habe mit der Bruderhilfe koaliert, aber dafür finden sich keinerlei Anhaltspunkte (wäre ja auch Unsinn). Überhaupt kommen mir die politischen Verhältnisse der Stardust-Menschheit etwas seltsam vor: Es gibt zwar Parteien, aber man muss keiner davon angehören, um Administrator oder Minister werden zu könnenů Na, schieben wird das einfach mal auf die besonderen Verhältnisse der Gründerjahre. Da war wohl manches möglich, was eigentlich nicht sein dürfte.

J. Kreis, 19.09.2009


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