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Perry Rhodan Nr. 2438: Das Stardust-System

Autor: Hubert Haensel

Inhalt

Timber F. Whistler jr., Gründer und Alleininhaber der Terrania-Robotik-Retrodesigns, Multimilliardär und größter Konkurrent der Firma seiner eigenen weit verzweigten Familie, wird durch Lotho Keraetes Rede vom 19. August 1346 NGZ tief in seinem Innersten berührt. Praktisch von einer Minute auf die andere fasst er den Entschluss, nicht nur selbst ins Stardust-System auszuwandern, sondern das gesamte Vermögen der TRR in die Finanzierung eines privaten Siedlertrecks zu stecken. Es geht ihm nicht um Gewinne - er will so viele Menschen wie möglich vor TRAITOR in Sicherheit bringen. Es gelingt ihm sogar, Lotho Keraete zu einem persönlichen Gespräch zu bewegen. Der Bote von ES erkennt Whistlers gute Absichten und überlässt ihm einen Datenkristall, der Informationen über das Stardust-System und die Teletrans-Weiche enthält. Whistler macht sich sofort an die Arbeit, verkündet sein Vorhaben über den firmeneigenen Sender Gobi-Trivid, bereitet den Firmenverkauf vor und erwirbt eine große Anzahl von SKARABÄUS-Raumern. Schon nach wenigen Tagen kann TRR sich kaum noch vor Anfragen ausreisewilliger Terraner retten. Mit den Mitteln seiner Firma, die durch die Konstruktion von Robotern mit Low-Level-Technik seit dem Hyperschock des Jahres 1331 NGZ ein Buchvermögen von 250 Milliarden Galax erzielt hat, ist es ihm tatsächlich möglich, dieses ambitionierte Vorhaben zu realisieren. Homer G. Adams, der zunächst versucht, Whistlers Pläne zu hintertreiben, bietet ihm schließlich seine Kooperation an.

Derweil geht die Erkundung des Stardust-Systems weiter. Da eine permanente Funkverbindung durch die Teletrans-Weiche installiert werden konnte, ist Reginald Bull über die Vorgänge im Solsystem im Bilde und weiß, dass die ersten Umsiedler bald eintreffen werden. Reporter werden zu den vier bewohnbaren Planeten gebracht, so dass sie eine umfangreiche Berichterstattung vorbereiten können. Bull untersucht die angebliche Gefahrenzone zwischen dem zweiten Planeten Parga und der Sonne. Schon bald wird die Erklärung für die dort herrschende starke 5D-Strahlung gefunden: Der sonnennahe Raum ist eine riesige Fundstätte qualitativ hochwertiger Hyperkristalle. Die nur wenige Millimeter großen und in eine unbekannte Substanz eingebetteten Kristalle treiben frei im All - für Bull ist klar, dass es sich hierbei nicht um eine natürliche Konstellation handelt; vermutlich hat ES die Hyperkristalle hier deponiert. Bulls SKARABÄUS wird von einem seltsamen Objekt attackiert, das von Marc London später als Lebensform identifiziert wird. Die nur wenige Meter durchmessende netzartige Sphäre umschließt das Schiff und zapft ihm Hyperenergie ab. Der SKARABÄUS kann fliehen, wird aber von dem Objekt verfolgt und erneut attackiert. Bull geht das Risiko ein, den HÜ-Schirm zu deaktivieren. Tatsächlich verschwindet die Sphäre daraufhin - offenbar wurde sie nur von den Hyperenergien des Schutzschirms angezogen.

Das Ehepaar Jirinia und Franck Jarantin (Reporter von Albion 3D) ist mit der SK-PRAE-101 im Stardust-System unterwegs. Auf Zyx beobachten die beiden am 24. August ein Wasserwesen, dessen Verhalten auf Intelligenz schließen lässt. Sie gehen nicht an Bord, als der SKARABÄUS wieder startet, denn sie glauben, hier ihr Paradies gefunden zu haben. Sie sind somit die ersten terranischen Siedler im Stardust-System. Weitere folgen bald, denn nachdem die ersten Presseberichte durch die Teletrans-Weiche ins Solsystem gelangt sind, bleibt der Regierung nichts weiter übrig, als die Besiedlung freizugeben. Um alles in geordnete Bahnen zu lenken, bestellt Adams den Staatssekretär Sigurd Echnatom zum Interims-Administrator der neuen LFT-Kolonie, deren erstes Ziel nach Erlöschen der Teletrans-Weiche darin bestehen muss, den Kontakt zur Erde wiederherzustellen. Außerdem werden umfangreiche Rohstoff- und Maschinenlieferungen vorbereitet. Dazu gehören auch die Bausätze für insgesamt 100 Raumschiffe verschiedener Größenklassen. Insgesamt melden sich 100 Millionen Ausreisewillige bis Ende August. Whistler, der seine Firma zu nur 10 Prozent ihres Wertes veräußert hat, führt die erste Staffel seiner Privat-SKARABÄEN persönlich an. 15 Millionen Menschen werden ihm auf seine Kosten folgen - der Flug ist für sie gratis. Am 1. September landet er auf Aveda. Dort pflanzt er die Flagge der LFT auf und nimmt das Stardust-System für die Menschheit in Besitz. Allerdings hat diese Geste nur symbolischen Wert, denn die eigentliche Autorität liegt bei Sigurd Echnatom, der ebenfalls auf Aveda gelandet ist.

Kommentar:

Diese Handlungsebene mausert sich wirklich zum Besten und Interessantesten, was man in der letzten Zeit in der PR-Serie lesen konnte. Mir scheint, das Stardust-Szenario hat auch die Autoren inspiriert. Haensel hält das hohe Niveau, das Uwe Anton mit dem vergangenen Doppelroman vorgelegt hat, aber er schildert die Geschehnisse aus einer anderen Perspektive. So wird ein interessanter Blick auf Aspekte ermöglicht, die außen vor bleiben, wenn "die da oben" (also Leute wie Adams oder Bull) im Zentrum der Ereignisse stehen. Und so bekommt man ein bisschen was über die Wirtschafts- und Alltagswelt des Perryversums zu lesen. Das hätte leicht langweilig werden können, aber Haensel verpackt es in eine gute Geschichte mit einer sympathischen, wenn auch ziemlich unrealistischen Hauptfigur.

Unrealistisch? Ja, genau. Zum Wirtschaftsmagnaten wird man nicht durch Charaktereigenschaften wie Altruismus. Gerade jemand wie Whistler müsste eigentlich der letzte sein, der alles hinter sich lässt, sein eigenes Lebenswerk zerschlägt und irgendwo im Nichts von Null anfängt. Ein Imperium wie die TRR aufzugeben… hm. Man stelle sich Menschen wie Ackermann oder Mehdorn (Deutsche Bank, Deutsche Bahn) vor. Würden die so etwas tun, ganz abgesehen davon, dass sie es gar nicht könnten? Was mich zu dem Gedanken bringt, dass ein Firmengigant wie die TRR eigentlich nicht in einer einzigen Hand sein dürfte. Auch das ist unrealistisch. Gibt's im 14. Jahrhundert NGZ eigentlich noch Aktiengesellschaften? Zum Glück ist die TRR keine, sonst hätte Whistler ganz schlechte Karten gehabt.

Egal. Wir befinden uns schließlich im Perryversum, da ist so was wohl möglich. Der Roman enthält übrigens auch einige köstliche Szenen wie z.B. die mit Echnatoms Reaktion, als Adams ihm das Administratoren-Amt anträgt. Man merkt richtig, wie sich in seinem Kopf die Zahnräder zu drehen beginnen. Er macht sich über künftige Gesetze und Verordnungen Gedanken, nicht zuletzt aber auch über seine Vergütung...

Keraete und ES bleiben weiterhin ein Reizthema. Keraete deutet gegenüber Whistler an, er werde intervenieren, wenn das terranische Parlament den Beschluss fassen sollte, die privaten Umsiedlungspläne zu stoppen. Was bitte meint er mit "intervenieren"? Er würde sich also gegen die gewählte Regierung der Terraner stellen? Wie weit würde er dabei gehen? Haben die Menschen also im Grunde keine Wahl, d.h. würde Keraete eine Umsiedlung ins Stardust-System notfalls sogar erzwingen?

Das Paradies des Stardust-Systems wirkt so perfekt, dass man sich fragt, wo denn wohl die Schlange versteckt sein mag. Man kann nur hoffen, dass es kein böses Erwachen für die Siedler gibt.


Meine Zählung für das Haensel'sche Moment-O-Meter beträgt jetzt:

7 x "In dem Moment" in diesem Heft (einmal gleich im ersten Absatz, juhu), insgesamt 35 Treffer in vier Heften seit PR 2415 (vgl. auch dortigen Kommentar zur Bedeutung des Moment-O-Meters).

J. Kreis, 08.05.2008


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