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Perry Rhodan Nr. 2437: Die immaterielle Stadt

Autor: Uwe Anton

Inhalt

Der 18. August 1346 NGZ beginnt für Homer G. Adams eigentlich überaus positiv, denn er erhält die Nachricht, dass Roi Danton lebt und bereits mit einem USO-Konvoi unterwegs nach Quinto-Center ist. Außerdem hat Reginald Bull einen SKARABÄUS durch die Teletrans-Weiche zurückgeschickt, dessen Besatzung berichtet, dass auf der anderen Seite alles in Ordnung ist. Bald gibt es jedoch neuen Ärger. Lotho Keraete, der sich nach wie vor extrem zugeknöpft gibt und sich nicht aus der Reserve locken lässt, verkündet eigenmächtig in aller Öffentlichkeit, was es mit dem Stardust-System auf sich hat. Die Presse verbreitet diese Information natürlich sofort. Um eine Massenpanik zu verhindern, muss Adams Keraetes Angaben in einer Pressekonferenz bestätigen. Er kann immerhin Pluspunkte sammeln, als er bekannt gibt, dass das Stardust-System bereits von Bull persönlich untersucht wird, und dass einige ausgewählte Vertreter der Presse beim Flug des nächsten SKARABÄUS-Verbands teilnehmen dürfen.

Nicht alle Menschen sind von Keraetes Angebot, das Solsystem komplett zu räumen, auf Anhieb begeistert. Vor allem unter den Globisten regt sich Widerstand, denn sie sehen nicht ein, warum sie aufgeben sollten, was sie in all der Zeit so hart verteidigt haben. Da zieht Keraete einen neuen Trumpf aus dem Ärmel und präsentiert jene Holobotschaft, die Perry Rhodan im April, kurz nach dem Kontextsprung, mit einer Silberkugel auf den Weg geschickt hatte. Rhodan überlässt den Terranern die Entscheidung über das Angebot der Superintelligenz und sagt im übertragenen Sinne, er würde keinem die Flucht verübeln. Adams ist erzürnt darüber, dass ES diese Botschaft offenbar abgefangen und monatelang zurückgehalten hat. Es kommt aber noch schlimmer. Am 24. August erhält er die Nachricht, dass Roi Dantons Konvoi von Traitanks abgefangen und fast völlig aufgerieben worden ist. Niemand weiß, ob Rhodans Sohn entkommen konnte...

Auf der anderen Seite der Teletrans-Weiche erkunden Reginald Bull und seine Gefährten die bewohnbaren Planeten des Stardust-Systems: Die paradiesische Welt Aveda, Zyx, Trondgarden und den relativ unwirtlichen Planeten Katarakt. Letzteren nimmt Reginald Bull sich vor, denn hier soll sich laut Keraetes Angaben eine verbotene Zone befinden: Der Kontinent Aumark. Bull nimmt an, dass ES mit dieser Angabe die Neugier der Terraner wecken wollte. Auf Katarakt sind überall Ruinen zu finden. Offensichtlich hat es hier einst eine hoch entwickelte Zivilisation gegeben. Durch einen Hinweis Marc Londons entdecken die Terraner fünf immaterielle Städte, die nur optisch wahrgenommen werden können. Jede Stadt hat eine andere Farbe, und jede strahlt eine Art Lockruf aus, wenn man sie betritt. Die Erfüllung aller Wünsche wird versprochen. In der fünften Stadt, die eine perlweiße Farbe hat, liegen die Dinge anders. Hier gibt es eine Passage, die so genannte Schattenschleuse, durch die man die Stadt wirklich betreten kann. Bull, London und Dr. Carapol durchqueren diese Passage und finden sich plötzlich zwischen Lebewesen aus verschiedenen Völkern wieder, die alle einen lethargischen Eindruck machen.

Ein katzenähnliches Wesen, das sich als Aru Khaltaaquee vorstellt, gibt den Terranern einige Erklärungen. Die Stadt trägt den Namen Prymtuor, und sie scheint ein Eigenbewusstsein zu besitzen. Sie befindet sich auf einer ewigen Rundreise über 321 Planeten, durch ihren mentalen Lockruf wirbt sie neue Bewohner an. Bull wird hellhörig, als Khaltaaquee sagt, die Stadt sei von Wesen erbaut worden, die länger als die Sonne leben. Zu seinem Entsetzen erfährt er, dass die Stadt ihren Bewohnern zwar Frieden und ein langes Leben verheißt, gleichzeitig aber auch dafür sorgt, dass sie alle Ambitionen verlieren - und vor allem, dass sie stets zum nächsten Zielort weiterreist, wenn sie neue Bewohner aufgenommen hat, wie im Fall von Bull, London und Carapol! Tatsächlich befindet Prymtuor sich bereits auf einem anderen Planeten, möglicherweise auch in einer anderen Zeit oder einem fremden Universum. Bull erfährt, dass die Stadt von der Zeitzentrale aus gesteuert wird, dass von dort aber noch nie jemand zurückgekehrt ist. Es gelingt den drei Terranern problemlos, die Zeitzentrale zu betreten. Und hier, so vermutet Bull, beginnt ES wieder einmal damit, Spielchen mit den Menschen zu spielen. Sie müssen drei beschädigte Käfigtransmitter für den Bau eines funktionsfähigen Transmitters zerlegen, und diese Geräte gleichen denen des "Galaktischen Rätsels" bis ins Detail. Gleichzeitig werden die Terraner durch einen mentalen Einfluss gestört. Schließlich erreichen sie über den Transmitter die eigentliche Steuerzentrale, wo es dem parabegabten Marc London gelingt, die Stadt wieder nach Katarakt zu lenken. Die Terraner müssen sich beeilen, Prymtuor zu verlassen, bevor sie wieder weiterreist - zum Glück legt die Stadt ihnen dabei keine Hindernisse in den Weg.

Zurück in seinem SKARABÄUS erfährt Bull von Lotho Keraetes "Pressekonferenz". Ihm ist klar, dass ein Exodus der Menschheit ins Stardust-System nun nicht mehr verhindert werden kann, und dass er bei der weiteren Erkundung ab sofort noch mehr unter Zeitdruck steht als bisher.

Kommentar:

Die beiden letzten Hefte waren endlich wieder einmal ein Doppelroman, den ich nur so verschlungen habe. Uwe Anton schafft hier mehrere Dinge gleichzeitig, die diese beiden Romane zu einem echten Genuss machen. Vor allem gefallen mir seine Charakterzeichnungen: Man hat den Eindruck, dass hier reale Personen handeln, und keine Schablonen. Das gilt vor allem für Adams, der (wie im letzten Roman Bully) wohl jedem Leser aus dem Herzen spricht, wenn er Keraete dessen Geheimniskrämerei vorhält, diverse Fragen stellt (die natürlich nicht beantwortet werden) und ES der Lüge bezichtigt. Diese Kapitel sind richtig klasse. Außerdem weckt Anton mit der Erkundung des Stardust-Systems tatsächlich so etwas wie "Sense of Wonder", eine Art Aufbruchsstimmung, die einfach Lust auf mehr macht. Auch die nur nebenbei erwähnte Rettung Rois, die dummerweise offenbar schief gegangen ist, macht neugierig auf die nächsten Hefte. Ich finde, diese beiden Romane sind so gut geschrieben, dass man merkt: Der Autor hatte selbst Spaß daran. Er baut sogar einen kleinen Seitenhieb auf die PR-Action-Serie ein (Seite 14). Das wirkt deshalb besonders gut, weil dieser Doppelroman ein sehr schöner Beweis dafür ist, dass Spannung und der bereits erwähnte "Sense of Wonder" auch und gerade in der Erstauflage und vor allem ohne hohles Geballer möglich sind.

Man versteht nach wie vor nicht, was ES und Lotho Keraete wirklich beabsichtigen. Angeblich soll es allen Terranern, die das wollen, ermöglicht werden, ins Stardust-System auszuwandern. Bei denen, die innerhalb des TERRANOVA-Schirms leben, mag das möglich sein, obwohl ich selbst das bezweifle. Aber was ist mit den Terranern und den Terraner-Abkömmlingen wie den Siganesen, Ertrusern und Epsalern außerhalb des Schirms? Wie sollen die wohl in Massen an TRAITORS Blockade vorbei durch den TERRANOVA-Schirm geschafft werden? In jetzt nur noch ca. 80 Tagen? Selbst wenn man sich auf die Bewohner des Solsystems beschränken würde, so wären die logistischen Anforderungen an so einen Exodus praktisch nicht zu bewältigen. Wer soll überhaupt entscheiden, wer gehen darf und wer zurückbleiben muss? Was dürfen die Menschen beim Exodus mitnehmen? Erwartet ES wirklich, dass die Menschen ihre gesamte Existenz aufgeben, um irgendwo bei Null anzufangen? Im Stardust-System gibt es nichts - die Menschen würden vermutlich in die Primitivität zurückfallen.

Dann verkündet Keraete dieses Vorhaben auch noch öffentlich. Einen besseren Beweis dafür, dass er und sein Meister nicht das geringste Verständnis für die menschliche Natur haben, könnte er gar nicht liefern. Dass es nicht sofort zu Ausschreitungen und Massenpanik kommt, ist sowieso ein Wunder. Wie können ES und Keraete eigentlich so überzeugt davon sein, dass das Stardust-System Sicherheit vor TRAITOR bietet? Die Terminale Kolonne ist eine seit Jahrmillionen in verschiedenen Universen aktive Organisation, deren Größe jeder Beschreibung spottet. Gut - vermutlich hat TRAITOR derzeit einfach kein Interesse am Stardust-System, aber das könnte sich vermutlich jederzeit ändern. Und schließlich stellt Adams die berechtigte Frage: Was ist aus der damaligen Forderung ("Terra darf nicht fallen") geworden? Ist es jetzt plötzlich egal, ob das Solsystem der Terminalen Kolonne preisgegeben wird? Wie ich in meinem letzten Kommentar schon schrieb: Das kann nicht alles sein. Da muss noch irgendetwas anderes dahinterstecken. ES treibt hier mit Sicherheit wieder irgendein Doppelspiel. Wäre ich Perry Rhodan, ich hätte diesem Arsch (O-Ton Adams! Das war ein Zitat aus dem Roman!) schon längst den Krieg erklärt. Dass ES Rhodans Botschaft monatelang zurückgehalten hat, ist auch so ein Ding. Warum konnte er die Terraner nicht sofort informieren? Dann hätten sie viel mehr Zeit für die Vorbereitungen gehabt.

Dass man sich als Leser so über ES und Keraete aufregen kann, ist übrigens auch ein Verdienst des Autors, es ist also ein Lob, keine Negativkritik! Gut, dass Bully und Adams keine Duckmäuser sind, sondern mal klar sagen, was sie von den Ränken der Superintelligenz halten.

Übrigens: Städte, die einen mentalen Lockruf ausstrahlenů das kommt mir irgendwie bekannt vor. War nicht Alaska Saedelaere auch mal in so einer Stadt? Bei den Querionen oder so? Müsste mal in der Perrypedia nachschlagen...

J. Kreis, 04.05.2008


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