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Perry Rhodan Nr. 2378: Der Erste Kybernetiker

Autor: Christian Montillon

Inhalt

Sein bisheriger Bericht war für Dr. Laurence Savoire extrem anstrengend. Die Pause, die er braucht, bevor er fortfahren kann, nutzt Perry Rhodan, um Gucky und Marc London herbeizuzitieren. Gucky soll den Hypnoblock Savoires sondieren (der Block ist zwar geschwächt, aber immer noch aktiv), London soll vor Ort sein, weil er die besten Beziehungen zum Nukleus bzw. zu dessen Inkarnation Fawn Suzuke hat. Aus genau diesem Grund ist der Psi-Korresponder auch alles andere als erfreut, als Rhodan ihm eröffnet, dass der Nukleus ein sehr dunkles Geheimnis hat. Dann erhält Savoire ein Aufputschmittel und erzählt weiter:

Nach Rodin Kowas Tod übernimmt Savoire die Leitung des Projekts ESCHER - jedenfalls nach außen hin, denn ESCHER hat sich längst verselbständigt. Um herauszufinden, was in der Parapositronik wirklich vor sich geht, legt Savoire sich selbst in einen Kreuzkokon und klinkt sich ein. Er "sieht" ein Gittermuster energetischer Knotenpunkte. Einige dieser Knotenpunkte sind mit den Personen belegt, die als Prozessoren für ESCHER tätig waren und gestorben sind. Savoire begreift, dass die Bewusstseine der Toten in ESCHER "weiterleben" - und dass noch viel mehr Menschen sterben müssen, bis alle Knotenpunkte besetzt sind. Zu seiner Überraschung sieht er innerhalb ESCHERS auch Merlin Myhr und Pal Astuin, die beiden eigentlich ziemlich lebendig wirkenden Ex-TLD-Agenten, die nach wie vor mit der Rekrutierung neuer Prozessoren betraut sind. Es zeigt sich, dass die Körper der beiden Agenten nicht stofflich sind; es sind Avatare - Körperprojektionen der Parapositronik, die jedoch vom Bewusstsein der beiden Toten beseelt sind. Ihre Persönlichkeit bleibt also auch nach ihrem Aufgang in ESCHER erhalten.

Als Savoire wenig später ein zweites Mal versucht, sich mit ESCHER zu vernetzen, wird ihm dies verwehrt. ESCHER selbst meldet sich und spricht Savoire an. Es ist ein eigenständiges "Lebewesen" entstanden, das sich selbst schützt, indem es alle Projektmitarbeiter hypnotisch beeinflusst, und das unbekannte Ziele ohne irgendwelche moralischen Bedenken verfolgt. ESCHER klärt Savoire darüber auf, dass es sich bei dem Gitternetz um die so genannte Hyperdim-Matrix handelt, und dass nur ganz bestimmte Prozessoren dafür ausgewählt werden, deren Wissen und Fähigkeiten ESCHER gebrauchen kann. Savoire soll mehr oder weniger frei bleiben. Er soll ESCHERS "Erster Kybernetiker" werden. Seine Aufgabe soll darin bestehen, ESCHERS positronische Bestandteile zu verbessern und die Vernetzung zu optimieren.

ESCHER verpflichtet sich, nur Menschen als Prozessoren aufzunehmen, die todkrank sind oder sich den Tod wünschen. Jeder Kandidat soll darüber hinaus den letzten Schritt, also die Trennung des Bewusstseins vom Körper, selbst vollziehen. Dazu werden winzige Splitter des Nukleus benutzt, die das Bewusstsein eines Sterbenden binden und in die Hyperdim-Matrix überführen können. Angeblich sind die in ESCHER aufgegangenen Menschen glücklich und zufrieden mit ihrer neuen Existenz, wie Savoire erfährt, als zwei seiner einstigen Kollegen sich materialisieren und ihn aufsuchen. Savoire hat keine Wahl, als den Vorgängen bis zum Januar 1346 NGZ zuzusehen. Allerdings installiert er insgeheim ein eigenes Sensornetz, um mehr über ESCHERS Ziele herauszufinden. So bemerkt er zu seinem Entsetzen, dass die Parapositronik sich bereits mit zahlreichen umliegenden Positroniken Terranias verbunden hat und sogar mit NATHAN zusammenarbeitet.

Als ESCHER von NATHAN erfährt, dass eine Transmitterstrecke nach Hangay etabliert werden soll, nehmen die Ereignisse eine dramatische Wendung. ESCHER behauptet, er stehe unter Zeitdruck, und nimmt nun auch gesunde junge Menschen in sich auf. Mit anderen Worten: ESCHER begeht dutzendfachen Mord. Jetzt ist für Savoire das Maß voll. Er nimmt eine Überdosis tödlicher Drogen, die sein Bewusstsein zerrütten. So wird der Hypnoblock wenigstens teilweise außer Kraft gesetzt und es gelingt ihm, bis zu Perry Rhodan vorzudringen.

Perry Rhodan zögert nicht und befiehlt den bereits aufmarschierten Truppen, das ESCHER-Gebäude zu stürmen. Da tauchen die Avatare Myhrs und Astuins auf, die beiden suchen nach Savoire. Rhodan erkennt sie und befiehlt LAOTSE, die Solare Residenz in den Verschlusszustand zu versetzen.

Kommentar:

Klasse Fortsetzung eines tollen Romans. Endlich geschieht mal etwas, und zwar etwas Neues, das vom üblichen Invasions-Szenario abweicht. Terra wird diesmal nicht von irgendwelchen dahergelaufenen bösen Feinden bedroht. Die Bedrohung (wenn es denn wirklich eine ist) kommt von innen, sie wurde vielleicht erst von den Terranern selbst erschaffen. So wie in der Geschichte mit dem Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, nicht wieder loswird. Dass die Guten (in diesem Fall der Nukleus) nicht immer nur uneingeschränkt gut sind, sondern auch ihre dunklen Seiten haben, liest man in der PR-Serie ja nicht so oft.

Montillon bringt die Zwiespältigkeit ESCHERS gut rüber. ESCHER handelt einerseits völlig emotionslos und ohne jede Ethik - wie auch, er ist ja eine Maschine - aber andererseits zeigt er immer wieder positive Seiten. Etwa wenn er sich bereit erklärt (jedenfalls für eine gewisse Zeit) den potentiellen Prozessoren die letzte Entscheidung selbst zu überlassen. Außerdem töten Myhr und Astuin eine junge Frau nicht einfach, als diese die beiden belauscht. Es bleibt aber immer die Frage, wie viel Zwang ESCHER wirklich ausübt und ob die Prozessor-Kandidaten den letzten Schritt wirklich selbstbestimmt tun.

ESCHER zeigt die typischen Allüren "höherer Mächte". Er verfolgt seine Ziele ohne größere Rücksichtnahme auf "niedere Wesen" und ohne irgendjemanden über seine Absichten zu informieren. Rhodan wurde natürlich nicht informiert, denn er hätte niemals zugelassen, dass ESCHER Hunderte von Menschen tötet, um ihre Bewusstseine in sich aufzunehmen. Aus bislang unbekannten Gründen glaubt ESCHER offenbar, seine Genese sei über das Wohl einzelner Menschen zu stellen. Die Frage ist: Warum glaubt er das? Was könnte so wichtig sein, und warum ist die Information über die entstehende Transmitterstrecke nach Hangay für ihn so brisant? ESCHER kann die Sonnentransmitter ja vermutlich kaum selbst benutzen. Erwartet er vielleicht die Ankunft von etwas, das über diese Transmitter kommen könnte? Ich musste in diesem Zusammenhang an die Sphero denken - siehe PR 2371.

Man kann sich auch fragen, ob der Nukleus noch im Interesse der Terraner handelt - oder ob deren Interessen ihm je wichtig waren. Vielleicht haben die Terraner für ihn nur den Stellenwert von Batterien? Braucht er sie nur als Lieferanten von Mentalenergie, um den TERRANOVA-Schirm stabil zu halten - aber nicht zum Schutz der Terraner? Schützt der Nukleus etwa nur ESCHER und sich selbst?

Gut gefallen an diesem Roman hat mir auch, dass Rhodan nicht zögert und zaudert, sondern sofort zuschlägt. Jetzt sollte er auch so konsequent sein und dem Nukleus einige unangenehme Fragen stellen. Dummerweise gibt es keine Möglichkeit, den Nukleus loszuwerden - ohne ihn wäre das Solsystem schutzlos. Verzwickte Situation…

J. Kreis, 18.03.2007


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