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Perry Rhodan Nr. 2335: Das Geheimnis der Enthonen

Autor: Leo Lukas

Inhalt

Die Vollversammlung der Friedensfahrer ist im Grunde eine Farce, denn die Enthonen sind nicht bereit, ihr altes Dogma der Nichteinmischung in Angelegenheiten der Hohen Mächte zu brechen. Das scheint den meisten Friedensfahrern auch bewusst zu sein - nur Kantiran ist jung und ungestüm genug, einen leidenschaftlichen Appell an Borgin Sondyselene, den Patron der Friedensfahrer, zu richten. Natürlich wird er zurechtgestutzt, die Petition wird durch das Veto der Enthonen abgelehnt. Nach einer Mission, in deren Verlauf ein weiteres kriegerisches Volk mit etwas fragwürdigen Mitteln befriedet wird, treffen sich einige Friedensfahrer in einer alten Burg in der Nähe eines Friedensfahrer-Bahnhofs. Hier wähnen sie sich unbeobachtet (tatsächlich ist der Revisor stets mitten unter ihnen, ohne dass sie es ahnen - es ist der wortkarge Kämpfer Polm Ombar) und gründen die Aktionsgemeinschaft Negasphäre, einen Geheimbund im Geheimbund der Friedensfahrer. Kantiran wird Koordinator der AGN, und in den folgenden Jahren schließen sich etwa 300 Friedensfahrer der Gemeinschaft an, darunter auch Alaska Saedelaere. Sie verfolgen zwei Ziele: Alles zu unternehmen, um die Entstehung der Negasphäre zu verhindern und zu versuchen, das Patronat doch noch umzustimmen.

Kantiran geht noch einen Schritt weiter. Er programmiert einen Transmitter so um, dass er auf diesem Weg zum verbotenen Mond Rosella Enthon reisen kann. Diese Welt ist für normale Friedensfahrer tabu, er ist den Enthonen und ihren Dienern, den Varia, vorbehalten. Kantiran schaut sich um und begegnet einem alten, geistig verwirrten Varia, der unverständliches Zeug vor sich hinbrabbelt. Kantiran versteht nur weniges, aber ein bestimmtes Wort lässt ihn aufhorchen: Kazzenkatt. Dieser Name ist mit kosmischer Geschichte verbunden, denn Kazzenkatt war ein Diener der Chaotarchen. Als "Element der Lenkung" war es vor einigen Jahrhunderten Kazzenkatts Aufgabe gewesen, für den Herrn der Elemente und dessen Negasphäre zu kämpfen. Zusammen mit der Gestaltwandlerin Ejdu Melia, die ihm zuliebe die Gestalt einer Arkonidin angenommen hat, reist Kantiran wenig später noch einmal auf den verbotenen Mond. Obwohl er sie zurückgewiesen und ihre Gefühle verletzt hat, hilft Ejdu ihm, das Gestammel des alten Varia zu verstehen. So wird das Geheimnis der Enthonen entschleiert.

Die Enthonen haben bis vor ca. 2500 Jahren zu den Hilfsvölkern einer Superintelligenz namens LICHT VON AHN gehört und zusammen mit ihr gegen den Herrn der Elemente gekämpft. Die Hilfsvölker wurden vom Dekalog der Elemente besiegt, die Superintelligenz wurde tödlich "verletzt". Nur 329 Enthonen und einige hundert Varia entgingen der vollständigen Vernichtung ihrer Völker, LICHT VON AHN selbst zog sich in die Sonne Rosella Rosado zurück und starb dort. Das Trauma dieser vernichtenden Niederlage grub sich tief in die Psyche der letzten Enthonen ein. Die ehemalige "psionische Garde" der Superintelligenz erklärte sich bereit, ihren Korpus (und damit das ganze Sonnensystem, welches das Refugium einer Verbündeten der Superintelligenz war) gegen Feinde zu verteidigen, und wurde zur heute so genannten Heißen Legion. Die Verbündete des LICHTS VON AHN, die später als "Gründermutter" bezeichnet wurde, beauftragte die Enthonen mit der Verwaltung des gemeinsamen Erbes, wozu auch die OREON-Kapseln gehörten.

Auf diese Weise entstand mit der Zeit die Organisation der Friedensfahrer. Oberstes Ziel der Enthonen war und blieb es jedoch, sich vor den Hohen Mächten zu verbergen. Sie selbst sowie die Varia starben allmählich aus. Heute leben nur noch zwanzig Enthonen, diese bilden das Patronat der Friedensfahrer. Kantiran gibt diese Erkenntnisse an die AGN weiter. Am 13. Januar 1344 NGZ ist er zugegen, als der Nukleus der Monochrom-Mutanten in der Burg erscheint und die Friedensfahrer nachdrücklich auf die Terminale Kolonne TRAITOR aufmerksam macht. Die Friedensfahrer sollen alle Völker in den Galaxien der Universalen Schneise vor dieser Bedrohung warnen. Einen Monat später sucht Kantiran den verbotenen Mond zum dritten Mal auf, um einer kryptischen Bemerkung des geistig verwirrten Varia zu folgen. Diesmal wird er allerdings vom Revisor verfolgt. Kantiran entdeckt einen Altar, auf dem Samburi Yura abgebildet ist. Patron Borgin Sondyselene scheint an diesem Ort zu trauern.

Kantiran konfrontiert den entsetzten Patron mit seinen Erkenntnissen über die Vergangenheit und versucht, ihn davon zu überzeugen, dass die Friedensfahrer aufgrund dieser Vergangenheit eigentlich dazu verpflichtet wären, aktiv gegen die neue Negasphäre vorzugehen, oder zumindest gegen die Terminale Kolonne, die eine weit akutere Bedrohung darstellt. Das beeindruckt den Enthonen immerhin so sehr, dass er Kantiran die Wahrheit über Samburi Yura verrät, obwohl der Revisor schon eingetroffen ist und Kantiran festnehmen will. Sie ist das einzige Kind, das nach der Flucht der Enthonen je geboren wurde - sie ist Sondyselenes Tochter. Viele Enthonen glaubten seinerzeit, die Essenz des LICHTS VON AHN sei in ihr wiedergeboren worden. Eines Tages waren die Kosmokraten jedoch auf die Friedensfahrer aufmerksam geworden. Cairol der Zweite war erschienen und hatte einen Handel vorgeschlagen: Die Kosmokraten würden die Friedensfahrer nicht behelligen, aber die Enthonen müssten eine Person opfern, nämlich Samburi Yura. Sie sollte quasi als Tribut oder Geisel in den Dienst der Kosmokraten treten. Der Handel war auf Samburis eigenen Wunsch hin tatsächlich abgeschlossen worden. Die Enthonen hatten aber endgültig alle Hoffnung verloren.

Der Patron überantwortet Kantiran dem Revisor. Polm Ombar ist den Argumenten des Sternenbastards gegenüber allerdings weit aufgeschlossener als der uralte Enthone. Als Kantiran dem Revisor in Erinnerung ruft, dass es ja schon einmal gelungen ist, eine Negasphäre zu "entschärfen", woran Perry Rhodan, sein eigener Vater, entscheidenden Anteil hatte, stellt der Revisor sich auf die Seite der AGN. Damit bricht eine neue Zeit für die Friedensfahrer an. Da sie nicht mehr befürchten müssen, aufgrund ihrer Aktivitäten geächtet zu werden, vergrößern sie die AGN erheblich. Im Oktober 1344 NGZ überbringt Alaskas Lamuuni-Vogel eine Botschaft des Nukleus, der zufolge eine Schlacht um Terra drohe. Damit verschwindet der Vogel und taucht nicht wieder auf - er war dem Nukleus schon im Januar zu nahe gekommen und hatte sich davon nicht mehr erholt. Kantiran und Alaska brechen zur Milchstraße auf, womit sie ein weiteres Tabu der Friedensfahrer brechen.

Damit endet die Erzählung der beiden Friedensfahrer. Es ist der 3. Januar 1345 NGZ. Da trifft eine neue Schreckensnachricht ein: Außerhalb des TERRANOVA-Schirms sind ca. 1400 weitere Traitanks aufgetaucht…

Kommentar:

Mit den Informationen dieses Romans wird das Bild, das ich bisher von den Friedensfahrern hatte, viel klarer. Die eigentliche Aufgabe der Enthonen bestand lediglich darin, ihr "Erbe" zu verwalten und den Korpus der Superintelligenz zu schützen. Vermutlich wollten sie ihrer Existenz etwas mehr Sinn geben und haben dieses Erbe deshalb an alle möglichen hilfsbereiten Individuen verliehen, ohne selbst so recht zu wissen, was damit eigentlich erreicht werden sollte. Da sie sich selbst zu keiner Aktion aufraffen konnten, nicht in der Lage waren, sich für irgendetwas zu begeistern, und gleichzeitig immer unter einer Art Verfolgungswahn litten, blieb es dabei. Es gab keine Regeln und keine festen Ziele. Jeder, der wenigstens gute Absichten hatte, konnte die Technologie der Enthonen innerhalb etwas nebulöser Grenzen nach Gutdünken für alle Ziele einsetzen, die er selbst für erstrebenswert hielt. Da mich diese Konstellation ein ganz klein wenig an eigene Erfahrungen erinnert (wer jemals innerhalb eines großen Arbeitsteams mit einer schwachen oder nicht in Erscheinung tretenden Leitung gearbeitet hat, der weiß, wovon ich spreche), kann ich sie akzeptieren.

Allerdings frage ich mich, was die Friedensfahrer wohl in den vergangenen 2500 Jahren überhaupt ausrichten konnten, wenn sie immer so unkoordiniert vorgegangen sind. Kleine Konflikte beilegen? Den einen oder anderen Gewaltherrscher beseitigen? So toll klingt das nicht. Jetzt haben sie sich zwar endlich dazu durchgerungen, etwas gegen die Negasphäre zu unternehmen und insbesondere den Terranern beizustehen. Aber welche Hilfe können sie denn leisten? Kantiran und Alaska können vermutlich die Chaos-Geschwader, die sich jetzt wohl anschicken, Terra anzugreifen, mit dem LICHT-Generator bis auf weiteres matt setzen. Aber sonst? Die Friedensfahrer haben, soweit wir bis jetzt wissen, keine größeren Machtmittel und können keinen ernst zu nehmenden Beitrag im Kampf gegen TRAITOR leisten. Mit ihren schnellen Schiffen können sie die Verbindung nach Charon aufrechterhalten und damit den Salkrit-Nachschub für den TERRANOVA-Schirm sichern. Mehr dürfte nicht drin sein - es sei denn, die Enthonen haben noch ein anderes "Erbe", von dem wir bis jetzt noch nichts wissen.

Wieder einmal wird eine Brücke zu längst vergangenen Geschehnissen geschlagen. Solche Querverbindungen gefallen mir immer gut. Kantiran macht jetzt einen wesentlich besseren Eindruck als früher und wird sinnvoll eingesetzt. Auch das gefällt mir, Kantiran wird mir sogar richtig sympathisch. Leo Lukas setzt seinen Humor gut dosiert ein und übertreibt es nicht. Das gefällt mir an diesem Roman am besten.

J. Kreis, 21.05.2006


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