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Perry Rhodan Nr. 2300 Vorboten des Chaos

Autor: Robert Feldhoff

Inhalt

Anfang 1344 NGZ (4931 n.Chr.), gut 12 Jahre nach dem Hyperschock, hat sich die Lage in der Milchstraße weitgehend stabilisiert - jedenfalls in der galaktischen Westside. In der Eastside dagegen toben schreckliche Bruderkriege unter den Blues-Völkern. Auf Terra und den anderen bewohnten Welten der Westside ist Ruhe und Normalität eingekehrt, es findet sogar wieder interstellare Raumfahrt statt. Dennoch gibt es viel zu tun, denn von einer galaktischen Gemeinschaft sind die einzelnen Völker noch weit entfernt. Perry Rhodan hat erkannt, dass die galaktischen Völker wieder enger zusammenrücken und einen gemeinsamen Weg verfolgen müssen, insbesondere wegen der noch immer nicht einschätzbaren Bedrohung, die der Milchstraße durch die in Hangay entstehende Negasphäre erwachsen könnte. Deshalb lädt Perry Rhodan Abgeordnete aller Machtgruppierungen der Milchstraße, zu denen er auch die Neue USO zählt, zur Aufbaukonferenz der Völker ein, die am 04.02.1344 NGZ in der Solaren Residenz auf Terra stattfinden soll.

Während der Vorbereitungen für die Konferenz hat Rhodan eine seltsame Begegnung: Der aus den miteinander verschmolzenen Bewusstseinen der Monochrom-Mutanten entstandene Nukleus nimmt Kontakt mit Rhodan auf. Der Nukleus tritt in Gestalt der Körperprojektion eines Mädchens namens Fawn Suzuke auf. Rhodan wird vor dem Erscheinen der Terminalen Kolonne TRAITOR gewarnt, doch der Kontakt bricht nach wenigen Minuten wieder ab. Wenig später beginnt die Konferenz und nimmt zunächst den geplanten Verlauf. Die wichtigsten Völker der galaktischen Westside sind vertreten, Imperator Bostich I. von Arkon ist sogar persönlich erschienen - mitsamt seiner neuen Thronflotte. Die Blues nehmen natürlich nicht teil (es gibt praktisch keinen Kontakt zur Eastside), die Haluter und die Akonen sind ebenfalls nicht erschienen. Erstere aufgrund ihrer bekannten Zurückhaltung, letztere vermutlich deshalb, weil das Energiekommando die Macht im Blauen System an sich gerissen hat.

Perry Rhodan hält die Eröffnungsrede. Er will den galaktischen Völkern eine gemeinsame Vision geben und gleichzeitig eine Möglichkeit, die seit dem Hyperschock viel zu lang gewordenen Wege zwischen den einzelnen Sonnensystemen drastisch abzukürzen. Zu diesem Zweck soll ein Transmitternetz aufgebaut werden, das eines Tages alle bewohnten Welten miteinander verbinden soll. Dieses unter den Bedingungen der erhöhten Hyperimpedanz eigentlich an Wahnsinn grenzende Vorhaben wäre durchaus zu verwirklichen - aber nur mit Techniken, über die zurzeit nur die Terraner verfügen. Denn nur die auf Ferrol gefundenen alten Käfigtransmitter funktionieren auch nach dem Hyperschock noch völlig fehlerfrei und ihr enormer Energiebedarf kann nur durch die von Malcolm S. Daellian neu entwickelten Methoden der Sonnenzapfung auf vernünftige Weise gedeckt werden. Rhodan ist bereit, diese Technologie allen galaktischen Völkern zur Verfügung zu stellen, aber nur unter zwei Bedingungen: Alle beteiligten Parteien sollen Friedensverträge miteinander abschließen, außerdem soll die Verteilung der ehemals in Hyperkokons versteckt gewesenen Sternhaufen, die von ihren bisherigen Bewohnern verlassen worden sind, einvernehmlich geregelt werden.

Rhodans Vorschlag stößt auf Interesse, aber auch auf Ablehnung. Die Springer sind zum Beispiel alles andere als begeistert, denn sie sehen ihre seit dem Hyperschock enorm angewachsene wirtschaftliche Macht bedroht. Bostich allerdings ist hellhörig geworden, denn eine Transmitterverbindung würde es ihm ermöglichen, die Kontrolle über sein zerfallendes Imperium zurückzugewinnen. Hunderte Systeme haben sich bereits vom Imperium losgesagt und souveräne Machtblöcke gebildet - und die arkonidische Flotte kann wegen der erhöhten Hyperimpedanz nicht überall rechtzeitig zur Stelle sein, um derartige Rebellionen zu ersticken. Die Konferenz wird für die Nacht unterbrochen. Da erscheint die Projektion Fawn Suzukes zum zweiten Mal. Diesmal ist Mondra Diamond bei Rhodan, und sie zeichnet alles auf. Der Nukleus verkündet, der Krieg um die Negasphäre von Hangay habe bereits begonnen. Die Kosmokraten seien durch massive Attacken der Chaosmächte anderweitig gebunden, Hilfe für die Milchstraße sei dennoch unterwegs. Bis diese eintreffe, müsse das Solsystem um jeden Preis gehalten werden, denn es werde noch "gebraucht". Die Terminale Kolonne TRAITOR, eine riesige Flotte, die am ehesten mit der Endlosen Armada verglichen werden könne, habe sich bereits in Marsch gesetzt, um die Negasphäre für die Chaotarchen zu erobern. Ein Vorposten TRAITORS befinde sich bereits ganz in der Nähe des Solsystems. Bevor Fawn Suzuke endgültig verschwindet, verrät der Nukleus noch, er habe die Menschheit im Auftrag von ES gewarnt. Er selbst sei in großen Schwierigkeiten und könne den Terranern nicht helfen, auch ES könne im Umkreis von Hangay nicht eingreifen.

Am Folgetag geht die Konferenz weiter. Rhodan ahnt nicht, dass der Feind schon in unmittelbarer Nähe ist. Vom Kolonnen-Fort TRAICOON 0098 aus, das an der Schwelle des Solsystems stationiert wurde und im Schutz eines Dunkelfelds für alle Ortungsgeräte der Terraner unsichtbar ist, wurden die Assassinen des Chaos nach Terra entsandt. Ein Trupp dieser Assassinen ist mit nicht ortbaren Dunkelkapseln bei der Solaren Residenz gelandet und unsichtbar in diese eingedrungen. Der Trupp legt mit einem so genannten "Suprapuls-Imponder" alle aktiven Geräte innerhalb der Residenz lahm, schaltet alle Sicherheitskräfte aus und greift die unbewaffneten Konferenzteilnehmer an. Das erste Opfer ist Maurenzi Curtiz, der Erste Terraner. Bostich und Roi Danton werden schwer verletzt, hunderte von Abgeordneten werden getötet. Erst als es Gucky gelingt, Waffen und Schutzanzüge zu verteilen, kann dem Angriff der unsichtbaren Fremden entgegengetreten werden. Rhodan bringt Bostich in Sicherheit. Gemeinsam locken sie einen der Fremden in eine Falle. Überraschenderweise gleicht das Wesen einem Haluter, aber es ist nur ca. 20 Zentimeter groß! Ansonsten hat es alle Eigenschaften, die man von den Halutern (oder von deren Vorfahren, den Bestien) kennt. Es ist ein furchterregend aggressiver Kämpfer und kann seinen Körper bis zur Festigkeit von Stahl verhärten.

Inzwischen haben die Sicherheitskräfte außerhalb der Solaren Residenz reagiert, zu allem Überfluss nähern sich auch die Riesenschiffe der arkonididschen Thronflotte. Die überlebenden Mikro-Bestien müssen fliehen. Sie haben trotz aller Informationen über die Terraner, die sie seit geraumer Zeit durch Spione erhalten haben, nicht mit so heftigem Widerstand und vor allem nicht mit dem Einsatz paranormal begabter Wesen gerechnet. Ihr Anführer, Zon Facter, der in Rhodans und Bostichs Falle gelaufen ist, aber schwer verletzt entkommen konnte, schleppt sich zur letzten Dunkelkapsel. Er bemerkt nicht, dass er von drei Siganesen verfolgt wird. Das Volk dieser kleinwüchsigen Menschen hat sich wieder auf Siga angesiedelt und eine Delegation zur Aufbaukonferenz entsandt. Jetzt schmuggeln Regierungschef Demetrius Luke (ein Ex-USO-Spezialist), Minister Ashlon Fogel und Assistentin Dani Queenz sich in Zon Facters Dunkelkapsel, die prompt abhebt, um zum Kolonnen-Fort zurückzukehren.

Perry Rhodan ruft den Fall Mandelbrot aus - den Angriff der Chaosmächte. Die Pläne für den Aufbau eines galaxisumspannenden Transmitternetzes müssen zunächst einmal auf Eis gelegt werden. Obwohl zwei Drittel der gut 2400 Konferenzteilnehmer getötet worden sind, haben die Mikro-Bestien ihr Ziel, einen "Enthauptungsschlag" gegen die galaktischen Völker zu führen, nicht erreicht. Bostich ist schon wieder auf dem Damm, Roi Danton hat zwar den linken Fuß verloren, wird aber bald wiederhergestellt sein. In einer letzten Versammlung führt Rhodan den Abgeordneten Mondras Aufzeichnungen vor. Jetzt wissen alle, mit welchem Gegner sie es zu tun haben. Rhodan lässt alle verfügbaren Schiffe nach der Basis der Terminalen Kolonne suchen und wünscht sich, die neue TERRANOVA-Flotte sei schon einsatzbereit. Denn eines steht fest: Es wird Krieg geben…

Kommentar:

Neuer Zyklus, neues Glück! Bis auf die typisch Feldhoff'schen Schwächen in Satzbau und Wortwahl, die mich diesmal nicht so sehr gestört haben und auf die ich deshalb nicht weiter eingehe, hat mir sowohl der Roman als auch der Auftakt zum neuen Zyklus richtig gut gefallen. Natürlich fällt unangenehm auf, dass uns zum x-ten Mal in Folge eine Invasionsgeschichte vorgesetzt wird: Ein übermächtiger Gegner hat sich wie immer ausgerechnet die Erde als Angriffsziel ausgesucht und jetzt muss zunächst einmal ein Mittel gegen seine technische Überlegenheit (in diesem Fall: Die Dunkelfelder) gefunden werden. Die Terminale Kolonne wird mit der Endlosen Armada verglichen. Soll damit wieder einmal ein Mythos aus vergangenen Zeiten aufgewärmt werden? Ein wenig irritiert war ich auch, weil in diesem Roman mit keinem Wort auf all die offenen Handlungsstränge des vergangenen Zyklus eingegangen wird. Aber noch ist es viel zu früh, den neuen Zyklus wegen diesen Dingen abwertend zu beurteilen. Wir wollen erstmal abwarten, wie es weitergeht. Und die Neugier darauf hat dieser Roman definitiv geweckt.

Ich finde es gut, dass man so einiges über die Entwicklung erfährt, die bei verschiedenen Milchstraßenvölkern stattgefunden hat - und dass die kleinen Leute von Siga nicht ausgestorben sind. Seit dem Ende der Monos-Ära hat man von den Siganesen ja kaum mehr etwas gehört - schön, dass sie wieder mitmischen dürfen! Ihre überkorrekte Art, ihre Vorliebe für höfliche Umgangsformen und ihre Schwierigkeiten mit den "Riesen" werden gut dargestellt. Rhodans Vision eines interstellaren Transmitternetzes ist an und für sich nicht schlecht, wirft aber einige Fragen auf. Vor allem: Warum funktionieren die Käfigtransmitter noch, wenn alle anderen praktisch ausfallen? Worin unterscheiden sie sich zum Beispiel von Torbogentransmittern? Das zugrunde liegende Prinzip ist doch überall das gleiche! Ich hoffe, dass das noch geklärt wird und dass es sich nicht einfach wieder um einen inkonsequenten Umgang mit der erhöhten Hyperimpedanz handelt.

Außerdem müssten die Transmitterstationen streng bewacht werden, wenn verhindert werden soll, dass ihr "Geheimnis" ausspioniert wird. Schließlich sollen nur die Vertragspartner diese Technologie nutzen dürfen. Was passiert eigentlich, wenn z.B. ein Angehöriger eines Volks, das nicht zu den Vertragspartnern gehört, auf Terra weilt und gern mit einem dieser Transmitter weiterreisen möchte? Dürfte er einen solchen Transmitter dann nutzen oder müsste er abgewiesen werden?

Zum Dritten muss man sich die Frage stellen, ob man mit einem Verbrecher paktieren darf, weil man seine Hilfe gegen einen gemeinsamen Feind braucht. Damit meine ich: Rhodan weiß ganz genau, dass Bostich das Transmitternetz hauptsächlich zur Aufrechterhaltung seines diktatorischen Regimes nutzen würde. Rhodan würde Bostich also die Mittel an die Hand geben, um die vom arkonidischen Imperium abgefallenen Systeme "heim ins Reich" zu holen - und dass Bostich dabei bestimmt nicht zimperlich vorgehen würde, dürfte klar sein. Darf Rhodan das in Kauf nehmen, weil er meint, die Gewaltherrschaft eines größenwahnsinnigen Diktators sei für die Milchstraße immer noch besser als die Kriege, die einem Totalzusammenbruch des arkonidischen Imperiums zweifellos folgen würden? Ich spare mir jetzt erst einmal jeden weiteren Kommentar hierzu - die Parallelen zur aktuellen Weltpolitik unserer Zeit sind ja deutlich genug…

Noch ein paar interessante Details am Rande:
Die Mikro-Bestien können auf detailgenaue Geheimdienstinformationen zurückgreifen - offenbar wurden zumindest die Terraner schon seit längerer Zeit beobachtet. Seltsam ist dabei nur, dass die Fremden nicht mit dem Eingreifen von Mutanten gerechnet haben.
Mondra Diamond altert nicht, obwohl sie keinen Zellaktivator hat. Das könnte daran liegen, dass sie die Erinnerungen von Torr Samaho und Kintradim Crux in sich trägt. Wer weiß, was sie sonst noch von beiden "übernommen" hat - und ob diese innige Verbindung zu Dienern der Ordnungs- und Chaosmächte im aktuellen Zyklus noch eine Rolle spielen wird…


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