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Perry Rhodan Nr. 2295: Die Rückkehr

Autor: Andreas Eschbach

Inhalt

Im Wegasystem wird mit Hochdruck am Einbau der 24 von der Neuen USO gelieferten Dissonanzgeschütze in schwere Einheiten der terranischen Flotte gearbeitet. Neue Dissonanzgeschütze können auf Ferrol nicht gebaut werden, denn bekanntlich sind die Ferronen aufgrund ihrer mentalen Konstitution nicht in der Lage, hyperdimensionale Zusammenhänge zu verstehen - sie können die für Dissonanzgeschütze benötigten Baugruppen ganz einfach nicht nachbauen. Am 15.05.1333 leitet NATHAN eine Nachricht Reginald Bulls an Perry Rhodan weiter, der zufolge 50 Kybb-Titanen dabei sind, die Sonne Sol zu einer Nova aufzuheizen. Als Rhodan erfährt, dass dieser Prozess spätestens am 27. Mai, also in nur 12 Tagen, unumkehrbar sein wird, ordnet er einen Angriff auf das Solsystem an, der binnen 24 Stunden stattfinden soll.

Am 16. Mai trifft die terranische Flotte im Solsystem ein. Nur drei Kybb-Titanen stellen sich ihr entgegen, denn einer muss weiterhin das Stock-Relais bewachen, 50 weitere werden benötigt, um Sol aufzuheizen - offenbar kann Gon-O es sich nicht leisten, auch nur einen davon abzuziehen. Einmal mehr ist der Überraschungseffekt auf Seiten der Terraner, denn die Kybb ahnen nicht, dass es nicht nur ein einziges Dissonanzgeschütz gibt, sondern dass bereits zwei Dutzend Schiffe (plus die TRAJAN) damit ausgerüstet sind. So gelingt es, einen weiteren Kybb-Titanen abzuschießen. Die beiden anderen allerdings spielen Katz und Maus mit den terranischen Flottenverbänden, die sich über das ganze Solsystem verteilen müssen und auch nicht nahe genug an die Kybb-Titanen herankommen, die Sol aufheizen.

Doch all diese Gefechte dienen nur der Ablenkung. In Wirklichkeit geht es Rhodan nur darum, einige Tausend Aggregate zu bergen, die NATHAN heimlich produziert und in einer alten Werft im Zwiebus-Krater auf dem Mond deponiert hat. Ein Einsatzkommando holt die Bauteile ab, hat dafür aber nur ein Zeitfenster von etwa 20 Minuten. Solange nämlich befindet sich die Werft quasi im "Schatten" von Erde und Mond - der über dem Vesuv stationierte Kybb-Titan müsste durch die Erde und den Mond hindurchschießen, um sie zu treffen. Dabei würde aber auch das Stock-Relais vernichtet werden. Der Kybb-Titan kann sich auch nicht von seinem Standort über dem Vesuv wegbewegen, denn dann hätten die Terraner freies Schussfeld auf das Stock-Relais! Die Idee zu dieser Strategie der "Absoluten Fesselung" ist Rhodan bei einer Partie Fernschach gekommen, die er gegen einen einfachen Oberleutnant der Flotte geführt hat.

Der Plan droht zu scheitern, als Derek Pander, ein Techniker, der sich freiwillig zum Dienst gemeldet hatte, zu desertieren versucht. Er versteckt sich auf dem Mond, um dann still und heimlich nach Terra zu seiner Familie zurückzukehren. Würde Gon-O diesen Mann mental übernehmen, so würde er erfahren, was eigentlich im Zwiebus-Krater gelagert war. Das würde sämtliche Planungen Rhodans null und nichtig machen. Pander kommt im letzten Moment zur Vernunft und kehrt zu seinem Einsatzkommando zurück. Die Flotte zieht sich, nachdem alle Container geborgen sind, ins Wegasystem zurück. Rhodan hat sein Ziel erreicht, aber der Preis dafür ist hoch: Über 200 schwere Kampfschiffe und mehr als 1000 Kreuzer sind vernichtet worden, die menschlichen Verluste gehen in die Hunderttausende.

Jetzt eröffnet Rhodan seinen Führungsoffizieren das eigentliche Ziel der Operation Kristallsturm II. Die auf Luna vormontierten Baugruppen sind nämlich nichts anderes als genau die Bestandteile von Dissonanzgeschützen, die auf Ferrol nicht gebaut werden konnten! Mit diesen Baugruppen können insgesamt 1220 Dissonanzgeschütze montiert werden. Kann man also sagen, dass der Einsatz sich gelohnt hat? Eigentlich schon. Aber tief im Inneren hofft Rhodan, dass er nie so denken wird. Dass er die Menschen, die ihm vertrauen, nie als Figuren eines Schachspiels betrachten wird, die man bedenkenlos opfern kann…

Kommentar:

…und genau diese Gedanken, diese im Grunde ganz kurzen Schlaglichter, die Andreas Eschbach auf die Innenwelt seiner Hauptfiguren wirft, sind es, die diesen Roman nicht nur aus der Masse herausheben, sondern ihn zu einem der ganz wenigen echten Highlights des Sternenozean-Zyklus machen. Wenn nicht gar zum besten Roman des gesamten Zyklus - aber so weit will ich nicht gehen, denn es hat doch schon ein paar sehr gelungene Geschichten gegeben, die sich auf dem gleichen Level bewegen. In wenigen Sätzen bringt Eschbach die Charakterisierung der Protagonisten auf den Punkt. Da braucht es keine ellenlangen inneren Monologe und keine ausufernden Beschreibungen. Die von ihm verwendete Sprache passt immer genau zur Situation bzw. zu der Person, um die es gerade geht. Da schleichen sich keine deplazierten umgangssprachlichen Formulierungen ein, Fehler findet man sowieso nicht. Hinzu kommt eine spannend erzählte Geschichte, die zumindest mich so gefesselt hat, dass ich das Heft gar nicht wieder aus der Hand legen wollte. Was ich denn auch nicht getan habe. Einfach toll!

Fast könnte man auf den Gedanken kommen, diesen Roman mit frühen Werken von K.H. Scheer zu vergleichen, aber das wäre zu kurz gegriffen. Auch bei Eschbach kommen Klischees wie ölverschmierte Techniker vor. Die Soldaten verwenden im Einsatz eine knappe Befehlssprache, in der Freizeit werfen sie sich Machismo-Sprüche an den Kopf. Rhodan hält eine Ansprache voller Pathos. Transformkanonen feuern im ohrenbetäubenden Salventakt, Schiffe explodieren in einer schrecklichen Raumschlacht. Soweit die Scheer-Eschbach-Parallelen. Aber Eschbach übertreibt es nicht und er belässt es nicht dabei. Bei ihm werden solche Szenen immer wieder gebrochen; hauptsächlich durch die Figur des Derek Pander, der eben kein Held ist, sich am liebsten absetzen würde und den Soldatenjargon seiner Kameraden lächerlich findet. Rhodans Gedanken nach der Schlacht im Solsystem tragen ebenso wie die in einer Kantine ausgehängten provisorischen Verlustlisten dazu bei, dass man nicht vergisst, was die Vernichtung auch nur eines einzigen Kampfschiffs wirklich bedeutet - Scheer hätte sich bei solchen Überlegungen nicht lange aufgehalten, wenn überhaupt.

Einen kleinen Haken habe ich aber doch noch gefunden. Da wird immer wieder betont, welche extremen Geheimhaltungsmaßnahmen erforderlich sind, damit Gon-O nur ja keinen einzigen Blick auf das werfen kann, was NATHAN unter seinen Augen für Rhodan hergestellt hat. Es darf ihm nicht einmal ermöglicht werden, Derek Pander die Erinnerungen an das zu nehmen, was der Mann im Zwiebus-Krater gesehen hat. Was hat der Knabe denn gesehen? Ein paar Module, mehr nicht. Nun - auf den letzten Seiten des Romans heißt es, man habe 86 Container zurücklassen müssen. Was ist damit? Gon-O weiß doch jetzt ganz genau, dass die Terraner irgendetwas für sie eminent Wichtiges aus der verlassenen Werft geholt haben. Was hindert ihn daran, dort nachzusehen? Könnte er vom Inhalt der Container nicht auf Rhodans Pläne schließen? Ich frage mich übrigens, ob es Gon-O nicht gelingen könnte, das Wissen um den Bau der Dissonanzgeschütze aus dem Mondgehirn herauszuquetschen.

Wenn Gon-O konsequent wäre, würde er jetzt sofort seine zwei frei verfügbaren Kybb-Titanen ins Wegasystem schicken, solange die terranische Flotte sich noch nicht wieder konsolidiert hat. Er würde zwar riskieren, beide Titanen zu verlieren, aber sie dürften immer noch in der Lage sein, den größten Teil der Flotte zu vernichten. Dann hätte Rhodan keine Schiffe mehr, in die er die Dissonanzgeschütze einbauen könnte. Handelt er nicht so, dann ist Rhodan wiederum gar nicht mehr auf den Überraschungseffekt angewiesen, d.h. eigentlich kann es ihm egal sein, ob Gon-O weiß, was Rhodan mit den auf Luna erbeuteten Geräten vorhat. Denn gegen 1244 mit Dissonanz-Geschützen ausgerüstete Schiffe, die eine größere Reichweite haben als die Titanen, hätten auch alle 53 dieser Giganten keine Chance! Eigentlich stehen die Dinge jetzt also sehr gut für Rhodan - wenn Gon-O denn stillhält…


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