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Perry Rhodan Nr. 2293: Ein Held für alle Fälle

Autor: Horst Hoffmann

Inhalt

Die Auswirkungen des 6D-Schocks, den Gon-Orbhon erlitten hat, sind bei den Anhängern des "Gottes" geringer als erhofft. Zwar sind sie verunsichert, weil keine Anweisungen von Gon-Orbhon mehr aus dem Stock-Relais kommen, einige unterliegen auch einer aggressiv machenden mentalen Ausstrahlung und fallen übereinander her. Aber Gon-Orbhons Kontrolle ist nach wie vor wirksam. Einzelne Menschen - darunter sogar Carlosch Imberlock - finden für kurze Zeit zu sich selbst zurück, werden aber sehr bald wieder beeinflusst und sind dann wieder treue Jünger Gon-Orbhons.

Auch die wegen der Folgen der Hyperimpedanz-Erhöhung noch nicht wieder in vollem Umfang einsatzfähige lunare Hyperinpotronik NATHAN wird von Orbhonisten kontrolliert und überwacht. Mit brutaler Gewalt räumen sie jeden aus dem Weg, der auch nur ansatzweise Widerstand leistet. NATHAN unternimmt selbst etwas gegen die Orbhonisten. Er sorgt für Ablenkung, indem er mit der Herstellung geheimnisvoller (aber wohl sinnloser) Aggregate in einer stillgelegten Werft beginnt und einen Roboter ausschickt, der sich selbst "Raphael" nennt - nach dem Vorbild des "Unheimlichen", der kurz vor dem Sturz der Erde in den Schlund im Mahlstrom der Sterne aufgetaucht war.

Gleichzeitig beauftragt NATHAN den Techniker Jack C. Reuter, der sich neben seiner Erfolglosigkeit bei Frauen und einer Vorliebe für Hamster und das altterranische Frankreich vor allem durch absolute Harmlosigkeit und Unauffälligkeit auszeichnet, mit einem Geheimauftrag. Unter den Augen des komplett von Gon-Orbhon übernommenen TLD sorgt Reuter unbemerkt für eine Hyperfunkverbindung zwischen NATHAN und Perry Rhodan, der sich immer noch im Wegasystem befindet. So kann Rhodan der Hyperinpotronik den Auftrag erteilen, KRISTALLSTURM II zu initiieren. Jacks letzter Auftrag, bevor er endlich in die Arme der von ihm angebeteten schönen Mardi Dice fallen kann, besteht darin, Rhodan am 10.05.1333 NGZ die Nachricht über den erfolgreichen Start von KRISTALLSTURM II zu übermitteln - was immer das bedeuten soll, denn über die Hintergründe erfährt Reuter nichts. Fest steht nur, dass bestimmte in der Thora-Werft produzierte Fertigteile ab jetzt umgeleitet und in den Zwiebus-Krater geliefert werden, wo sich ein Technik-Komplex befindet.

Kommentar:

Wenn ich vom Nagula der letzten Woche vergleichsweise angenehm überrascht war, dann hat der Hoffmann dieser Woche mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Hat Hoffmann jetzt die Aufgabe übernommen, den "Psychopathen der Woche" zu beschreiben, wofür früher H.G. Francis zuständig war? Wenn ihr geglaubt habt, Kantiran sei eine kindische Heulsuse und Norman sei eine penetrante Nervensäge, dann habt ihr noch nichts von Jack C. Reuter gehört! Es ist ja schön und gut, dass man mal versucht, wichtige Ereignisse aus der Perspektive "kleiner Leute" zu schildern (warum Reuters Job im Zeitalter der Nanoroboter noch von einem Menschen erledigt werden muss, leuchtet mir aber nach wie vor nicht ein). Aber eine derart überzeichnete, alberne und peinliche Katastrophen-Figur wie Reuter ist mir schon lange nicht mehr untergekommen! Weniger wäre hier mehr gewesen. Reuter benimmt sich die ganze Zeit wie ein gerade erst in die Pubertät gekommener Stubenhocker - oder vielmehr wie das Klischee oder wie die Parodie einer solchen Person. Das slapstickhafte Herumstolpern von einer Zwickmühle in die nächste ist einfach nur lächerlich (oder noch schlimmer: es ist langweilig) - und dieser übertrieben humoristische Grundton ist eigentlich wegen des sehr ernsten Themas des Romans (Gnadenlose Säuberungsaktionen, totalitäre Überwachung, brutale Folterungen/Verhöre) auch eher unangemessen. Wenn Reuters tölpelhafte Ungeschicklichkeit für Auflockerung sorgen sollte, dann ist das jedenfalls gründlich daneben gegangen.

Mindestens ebenso unglaubwürdig ist Reuters Vorliebe für Frankreich. Woher hat er seine Informationen oder seine Gemälde? Noch mal zur Erinnerung: Von der ursprünglichen Erde oder der Erinnerung der Menschen an die terranische Vergangenheit kann nach dem Dolan-Angriff, der Entvölkerung nach dem Sturz in den Schlund und nach den Jahrhunderten des Simusense praktisch nichts übrig geblieben sein. Die heutigen Bewohner der Erde sind noch nicht mal "echte" Terraner, sondern Nachkommen von Menschen, die die Erde auf der Flucht vor den Laren verlassen und auf Gäa gelebt haben. Terra wurde dann erst einige Generationen später von diesen Gäanern wiederbesiedelt! Ich finde diesen Terra-Nostalgie-Schwachsinn deshalb einfach völlig an den Haaren herbeigezogen und übertrieben. Damit sollte bald mal Schluss sein.

Der betont einfache und knappe, von umgangssprachlichen Formulierungen und Pseudo-Slangausdrücken nur so wimmelnde Stil, den man als "Bildzeitungs-" oder "Bravo-Fotoroman-Stil" bezeichnen könnte, trägt ein Übriges dazu bei, den Roman geradezu unerträglich zu machen. Der Stil wurde wohl deshalb gewählt, weil die Geschichte eben aus Reuters Blickwinkel geschildert wird. Aber es wäre nicht nötig gewesen, ihn so primitiv werden zu lassen. Oder soll das Niveau noch mal ordentlich nach unten gedrückt werden, damit sich der in zwei Wochen anstehende Gastroman von Andreas Eschbach umso deutlicher von diesem Sumpf der Trivialität abhebt?

Noch ein Wort zu KRISTALLSTURM II. Unter diesem Decknamen kann sich alles Mögliche verbergen, z.B. auch eine Deus-ex-Machina-Auflösung, wie wir sie in letzter Zeit schon allzu oft gehabt haben. Ich möchte bitte nicht lesen müssen, wie die Terraner jetzt in letzter Minute doch noch irgend ein Kaninchen aus dem Hut hervorzaubern, mit dem sie die komplette Bedrohung durch Gon-Orbhon und die Kybb-Titanen mal eben beiseitefegen wie weiland die AGLAZARE durch die flugs neu entwickelten Paradim-Panzerbrecher.


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