Zur Archiv-Startseite
Zur Perry Rhodan - Übersicht
Zu den Heftromanen
Weiter zu Nr. 2285
Zurück zu Nr. 2283


Perry Rhodan Nr. 2284: Die Fliegenden Rochettes

Autor: Leo Lukas

Inhalt

Am 14.03.1333 NGZ übernimmt Carlosch Imberlock als Stellvertreter Gon-Orbhons offiziell die Macht auf der Erde, der Tempel der Degression wird zum neuen Verwaltungszentrum Terras erklärt. Der Kult um Gon-Orbhon wird zur Staatsreligion und der "Gott" beginnt sofort mit der weltweiten geistigen Beeinflussung aller wichtigen Persönlichkeiten. Auch der Erste Terraner Maurenzi Curtiz fällt diesem Einfluss zum Opfer. So werden nach und nach alle Strukturen "gleichgeschaltet". Die treuen Jünger Gon-Orbhons zerschlagen gnadenlos den sich regenden Widerstand der "Gruppe Sanfter Rebell", die gerade dabei war, sich wieder zu formieren. Nicht zuletzt durch Denunziantentum werden die ersten Widerständler schnell enttarnt - und öffentlich exekutiert. Seitdem vergeht kein Tag ohne Hinrichtungen…

Die Hänge des Vesuv werden zubetoniert und in eine gigantische Begegnungsstätte für die Orbhonisten umgebaut. Ganze Stadtviertel werden in Neapel für die Jünger aus dem Boden gestampft. Imberlock scheint erkannt zu haben, dass seine früheren Verkündigungen vom Reich des Todes, das mit dem Erscheinen Gon-Orbhons kommen werde, nicht mehr stimmen. Er behauptet jetzt, der "Gott" werde die Terraner einer Prüfung unterziehen. Am 15. April werde er entscheiden, ob die Menschheit vernichtet werden müsse oder ob sie sich als würdig erwiesen habe, zu Gon-Orbhons Volk zu werden. Was die Terraner tun müssen, um das zu erreichen, verrät er aber nicht. Homer G. Adams und Mondra Diamond bleiben frei von Gon-Orbhons Einfluss und können fliehen. Sie tauchen beim jüngst pleite gegangenen Zirkus Rochette unter, der auf dem Weg nach Neapel in Wien Zwischenstation gemacht hat.

Matti di Rochette, der von vielen finanziellen und privaten Sorgen geplagte Zirkusdirektor, gewährt Homer und Mondra Unterschlupf. Mondra springt sogar für eine verletzte Seiltänzerin ein und knüpft an ihre alte Artisten-Vergangenheit an. Während sie schnell zur neuen Attraktion in der Manege wird, heckt Homer einen Plan aus, um einen Schlag gegen Gon-Orbhon zu führen. Matti di Rochette ist nämlich Hobby-Geologe und besitzt zwei "intraterrestrische Sonden". Diese torpedoförmigen Maschinen können sich durch Gestein graben und selbständig bestimmte Ziele ansteuern. Homer will sie mit Sprengstoff bestücken und einen lokal begrenzten Ausbruch des Vesuv herbeiführen, durch den der im Berghang versenkte Nocturnenstock-Splitter vernichtet werden soll. Leider fehlen die dazu benötigten Steuer-Positroniken; Matti hatte sie sich nicht leisten können. Homer will die Module besorgen und nimmt zu diesem Zweck Kontakt mit der Wiener Unterwelt auf. Matti, der die Sonden programmieren soll, beschafft sich auf einem Kongress von Wiener Hobby-Geologen Informationen über den Vesuv.

Dummerweise war einer von Mattis Artisten - Picco Lendlivé - früher Mitglied bei der "Gruppe Sanfter Rebell". Zufällig stößt der Leiter der örtlichen TLD-Sektion auf diese Information und lässt den Mann beschatten. So kommt es, wie es kommen muss. Homer trifft sich eines Nachts in einer Gondel des Riesenrads auf dem Wiener Prater mit einem Kontaktmann. Mondra folgt ihm - und sie wiederum hat ausgerechnet Picco im Schlepptau, der sich offenbar ein wenig in die schöne Staatssekretärin verguckt hat. Plötzlich bleibt das Riesenrad stehen. Homer wird von seinem Kontaktmann mit einem Strahler bedroht. Mondra schickt sich an, am Gestell des Riesenrads hochzuklettern. Da erscheinen zwei Polizeigleiter, die direkt über Homers Gondel zum Stillstand kommen…

Kommentar:

Damit der folgende Text nicht wie ein völliger Verriss klingt, will ich vorausschicken, dass ich mich bei der Lektüre des Romans durchaus nicht gelangweilt habe. Leo Lukas (LL) verzichtet dankenswerterweise fast völlig auf dämliche Kalauer. Die Leute vom Zirkus Rochette sind ein sympathisches Völkchen und ich finde es nicht schlecht, dass Gon-Orbhons Schreckensherrschaft quasi aus dem Blickwinkel "kleiner Leute" geschildert wird und nicht aus erster Hand, was vielleicht zu starker Tobak gewesen wäre. Außerdem bin ich schon auf die Fortsetzung gespannt. Aber…

Manchmal zündet LLs Humor, manchmal zündet er nicht. Und diesmal ist der Funke eindeutig nicht übergesprungen. Die ganze Geschichte hat nämlich einen großen Haken: Sie ist schlicht und ergreifend völlig unglaubwürdig und ich kann es einfach nicht leiden - jedenfalls nicht in der PR-Serie - wenn die Logik auf der Strecke bleiben muss, damit eine bestimmte Ausgangssituation geschaffen werden kann, die zu "lustigen" Szenen führen soll. Hinzu kommt, dass LL es sich nicht verkneifen kann, die ewige Nervensäge Norman wieder aus der Versenkung zu holen und ihm auch noch eine Fähigkeit anzudichten, die sogar entscheidend für das Gelingen von Homers Flucht ist: Der Schrumpfelefant bringt etwas zuwege, was den Terranern trotz aller Anstrengungen noch nicht gelungen ist. Er kann es spüren, wenn jemand von Gon-Orbhon "übernommen" worden ist. Und er ist sogar so intelligent, dass er Homer mit einem leisen Tröten vor solchen Personen warnt. Damit nicht genug! Im Zoo wird das Vieh auch noch in den Streichelzoo gesteckt, wo jeder ihn sehen kann. Ebenso gut könnte man auch gleich ein Schild mit der Aufschrift "Homer was here!" aufstellen. Gut, man weiß nicht, wie viele Leute auf Terra solche Klonelefanten besitzen. Aber wenn nach jemandem gesucht wird, der ein solches Biest dabei hat, hätte man Norman doch lieber verstecken oder zu einem leckeren Sandwich verarbeiten sollen.

"Aktive Tarnung" nennt Mondra die öffentliche Zurschaustellung des Rüsselbiests, und ihre Auftritte im Zirkus fallen wohl in dieselbe Kategorie. Hallo? Die Frau trägt noch nicht mal eine richtige Maske (anders als Homer, der gar in einem Exoskelett steckt), sie ist nur anders frisiert und geschminkt! Wir sollen jetzt glauben, dass niemand sie in dieser Aufmachung erkennt. Lächerlich. A propos: Es müsste nur mal jemand auf den Gedanken kommen, Individualtaster einzusetzen und schon wäre es aus mit dem Versteckspiel…

Homers Plan zur Vernichtung Gon-Orbhons ist mindestens genauso hirnrissig. Mal ganz abgesehen davon, dass der Zirkusdirektor - wie er selbst sagt - gar nicht die Qualifikation zur Steuerung der Untergrundsonden besitzt: Wie will er die Dinger in den Hochsicherheitsbereich am Vesuv praktizieren? Selbst wenn die Sonden sich schon von ferne unterirdisch nähern würden: Schon mal was davon gehört, dass man die Schutzschirme, Desintegratoren und Energieerzeuger, die dazu nötig sind, sehr leicht orten kann?

Der Roman spielt in Wien. Laut LL gibt es dort viele "Terra-Nostalgiker". Die haben dafür gesorgt, dass die Donaumetropole im 14. Jahrhundert NGZ noch genauso aussieht wie im 21. Jahrhundert. Ja, ist klar. Warum auch nicht? In der Zwischenzeit ist die Erde ja nur einmal großmaßstäblich von den Dolans verheert, im Mahlstrom der Sterne komplett entvölkert und während der Monos-Diktatur völlig verwüstet worden. Da ist es natürlich auch überhaupt nicht unwahrscheinlich, dass die Wiener in LL-typischen Austriazismen parlieren und auch ihren "Schmäh" nicht verlernt haben… Im Ernst: Auch hier gilt das, was ich Eingangs schrieb. LL konstruiert einfach eine völlig an den Haaren herbeigezogene Situation, um eine Kulisse zu haben, vor der er sich austoben kann. Zur Erinnerung: Wir sprechen hier von einer Epoche, die aus der Sicht der Terraner mindestens so lange zurückliegt wie das Alte Ägypten aus unserer Sicht… Der Leser soll das alles dann wohl einfach als gegeben hinnehmen. Ich finde es einfach nur ärgerlich.

Immerhin: Wenn ich mich nicht verlesen habe, dann wurde "Scorchy", Homers vorlauter robotischer Leibwächter, bei der Flucht seines Herrn vernichtet. Das gefällt mir.


Zur Archiv-Startseite
Zur Perry Rhodan - Übersicht
Zu den Heftromanen
Weiter zu Nr. 2285
Zurück zu Nr. 2283