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Perry Rhodan Nr. 2274: Motoklon Hundertneun

Autor: Michael Marcus Thurner

Inhalt

Das Paragonkreuz prüft Perry Rhodan und Atlan auf ihre Eignung und hat danach eine gute und eine schlechte Nachricht: Beide wären durchaus würdig, die Schutzherrenweihe zu empfangen, aber leider kann das Paragonkreuz ihre Ritteraura nicht modifizieren. Würde es die Weihe dennoch vornehmen, so würde das mit hoher Wahrscheinlichkeit Rhodans und Atlans Tod bedeuten…

Zwei Tage später infiltrieren Lyressea und der Motoklon Hundertneun Schloss Kherzesch. Hundertneun lässt sich von Kybb-Truppen aus einem der vielen Wracks "retten", die nach der Schlacht um Graugischt durchs All treiben und behauptet, seine Gefangene (Lyressea) müsse sofort Tagg Kharzani vorgeführt werden. Da Motoklone in der Hierarchie der Kybb eine hohe Position haben, werden Hundertneuns Anweisungen nicht in Frage gestellt. Auf Kherzesch sorgt Hundertneun für Ablenkung, indem er den Motoschock auslöst und das Schiff, mit dem er und Lyressea gekommen sind, vernichtet. Dann machen die beiden sich auf zu ihrem Ziel: Sie wollen eine der Kontrollstationen für die BLENDE-Forts, mit denen Korridore durch die Staubmassen des ansonsten undurchdringlichen Kher-Diamanten geschaffen werden können, unter ihre Kontrolle bringen, um Zephydas Streitkräften den Einflug ins Kher-System zu ermöglichen. Sie müssen direkt durch die Glut des explodierten Schiffs gehen - dabei wird Hundertneun beschädigt.

Natürlich bleiben diese Aktivitäten den Dunklen Polizisten nicht verborgen. Da Tagg Kharzanis Leibgardisten mindestens genauso paranoid sind wie ihr Herr, vermuten sie zunächst, dass Kharzani selbst das Ziel der Eindringlinge sei und suchen deshalb an der falschen Stelle nach ihnen. Gezielte Ablenkungsmanöver Hundertneuns sorgen für weitere Verwirrung. Als die Dunklen Polizisten versuchen, Hundertneuns Programmierung mit Überrang-Befehlscodes wieder "umzudrehen" und zu diesem Zweck eines seiner Redundanz-Systeme fernsteuern, haben sie Pech: Hundertneuns Beschädigungen waren so schwer, dass einige seiner dezentralen Gehirne ausfallen, und eines davon ist ausgerechnet jenes, das auf die Überrangscodes angesprochen hat. Weitere Attacken dieser Art schlagen fehl, denn jetzt ist Hundertneun gewarnt.

Der Ausfall seiner Redundanzsysteme bedeutet für den Motoklon mehr als nur eine Einschränkung seiner Kampfkraft. Da er nach und nach seine maschinenhafte Fähigkeit zur Datenanalyse verliert, muss er sich mehr auf eigene Gedankengänge und vor allem auf so etwas wie Gefühle verlassen, zu denen er mit seinem Androidenbewusstsein fähig ist. So entwickelt Hundertneun sich zu einem Wesen, das in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu treffen, unabhängig von jeder Programmierung. Hundertneun stellt sich die Frage, worin Tagg Kharzani und die Allianz der Moral sich eigentlich unterscheiden. Gehen nicht beide rücksichtslos vor und töten so viele ihrer Gegner wie möglich, um zu gewinnen? Erst als Lyressea dem Motoklon, den sie von Anfang an verabscheut hat, seine früheren Untaten verzeiht und bereit ist, in ihm ein denkendes, fühlendes Wesen zu sehen - wozu ein Kybb nie fähig gewesen wäre - begreift Hundertneun, wofür es sich zu kämpfen lohnt, oder besser: zu sterben. Als die beiden nämlich die Schaltzentrale BLENDE NULL erobern und die BLENDE-Forts so steuern, dass riesige Lücken im Kher-Diamanten entstehen, rücken die Dunklen Polizisten mit einer Übermacht von 43 Motoklonen an. Während Lyressea ihre Fähigkeit der Para-Modulation nutzt, um in der Gestalt eines Kybb-Kommandanten zu fliehen, bringt Hundertneun das Fusionskraftwerk von BLENDE NULL zur Explosion. Er opfert sich nicht für die Allianz der Moral, sondern für Lyressea.

Lyressea versteckt sich in einer Lagerhütte und wartet auf die Ankunft der bereits in Marsch gesetzten Truppen ihrer Freunde…

Kommentar:

In diesem Roman wird das Potential, das in einem "Wesen" wie Hundertneun steckt, ordentlich ausgeschöpft. So muss man einen derart überlegenen Kämpfer wie den Motoklon darstellen! Thurner macht aber mehr als nur das: Hundertneun erhält eine eigene Persönlichkeit und wird so zum Leben erweckt, und das ist schon mehr, als viele Autoren zuwege bringen, selbst wenn sie über Hauptpersonen wie Rhodan und Atlan schreiben. Thurner schildert Hundertneuns "Innenwelt" und seine Wandlung so überzeugend, dass ich mir schon gar nicht mehr die Frage stelle, was Motoklone denn nun eigentlich sind: Roboter? Dann könnten sie niemals Emotionen haben, egal wie sehr sie "verblöden". Oder, wie der Name vermuten lässt, organisch-kybernetische Mischwesen? Warum werden sie dann als Androiden bezeichnet und nicht als Cyborgs? Wie gesagt: Solche Überlegungen vernachlässigt man gern (ebenso wie man gern bereit ist, über die zahlreichen Schreibfehler hinwegzusehen), wenn ein Roman so gut geschrieben ist wie dieser. Hundertneun und Lyressea sind ein gutes Team, nur schade, dass der Motoklon schon nach so kurzer Zeit wieder abtreten musste.

Lyressea, die in den letzten Romanen eigentlich nur noch schmückendes Beiwerk war, bekommt endlich mal eine richtig gute Rolle und auch sie wird sehr einfühlsam charakterisiert. Selbst eine Nebenperson wie der Dunkle Polizist Julcen, der nur in ganz wenigen kurzen Kapiteln auftritt, wird sehr effektvoll vorgestellt. Übrigens kann ich mir die bizarre Welt Kherzesch mit all ihren von einem geisteskranken Herrn ersonnenen Seltsamkeiten jetzt besser vorstellen als bisher. Interessant zu wissen, dass es so etwas wie eine Widerstandsbewegung im Untergrund gibt. Aber das ist ja auch kein Wunder, wenn man bedenkt, dass wohl niemand freiwillig auf Kherzesch lebt…

Wie immer, wenn ein paar Helden im Alleingang solche Aktionen durchziehen wie in diesem Heft Hundertneun und Lyressea, bleibt natürlich ein etwas fader Beigeschmack zurück. So einfach geht das? Warum ist es dann nicht schon viel früher gemacht worden? Mussten da erst solche Typen wie Rhodan und Atlan aufkreuzen, um eine derartige Entwicklung in Gang zu setzen? Aber wir wollen nicht zu kritisch sein, schließlich muss es ja mit der Handlung mal weitergehen und nach einer langen Durststrecke sieht es ja jetzt so aus, als würde der Zyklus endlich einen Zahn zulegen. Jedenfalls ist das schon der dritte richtig gute Roman in Folge. So macht die Perry Rhodan - Serie wieder Spaß!


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