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Perry Rhodan Nr. 2273: Der gefallene Schutzherr

Autor: Horst Hoffmann

Inhalt

In der Zeit vor der Blutnacht von Barinx, als Tagg Kharzani noch nicht völlig dem Wahnsinn verfallen war, wurde sein Verhältnis zu den anderen Schutzherren bereits durch ein krankhaftes Geltungsbedürfnis und Neid vergiftet. Er war der Meinung, man verweigere ihm die ihm zustehende Anerkennung und begann deshalb damit, sich selbst ein gigantisches Denkmal zu setzen: Einen gigantischen Schlosskomplex aus prachtvollen Palästen und anderen Prunkbauten auf dem Planeten Kherzesch. Mit der Zeit entwickelte Kharzani, der im Gegensatz zu den anderen Schutzherren ein sterbliches Wesen ist, eine übersteigerte Furcht vor dem Tod und einen damit verbundenen Verfolgungswahn. Zwar wurde sein Alterungsprozess durch Enkrine, einen intelligenten Symbionten, der wie eine zweite Haut um Kharzanis Körper lag, stark verlangsamt. Doch das genügte Kharzani nicht, außerdem war der Symbiont ihm wegen seiner ständigen mahnenden Einflüsterungen lästig. Kharzani ließ als Bestandteil seines Schlosses das Stellare Spital errichten, in dem die besten Mediker Arphonies (einige davon waren von Kharzanis Schergen entführt worden) nur zu dem einzigen Zweck arbeiteten, Kharzanis Gesundheit zu erhalten. Auch ein Hofstaat musste her, denn Kharzani lechzte nach Huldigungen. Zwölf mächtige Kybb aus dem Volk der Rodish sollten seine Gefährten sein, sie stiegen zu seinen Stellvertretern auf.

Besonderes Misstrauen und sogar Hass empfand Kharzani stets für Carya Andaxi, die diese Empfindungen noch anstachelte, indem sie den Planeten Graugischt in unmittelbarer Nähe von Kherzesch zu ihrem Domizil machte. Für Kharzani war klar, dass Andaxi ihn von dort aus überwachen und ihm eines Tages alles nehmen wolle, was er sich auf Kherzesch aufgebaut hatte. Nach der verheerenden Schlacht gegen STROWWANs Hilfsvölker wurde Kharzani von der Wesenheit, die aus Gon-Orbhon und dem Nocturnenstock Satrugar hervorgegangen war, nach Parrakh eingeladen. Gon-Orbhon bot ihm die durch den Aufenthalt im Nocturnenstock garantierte Unsterblichkeit an, wenn Kharzani ihm gegen die Schutzherren beistehen würde. Doch dazu kam es nicht mehr, denn ES beendete den Konflikt durch die Verbannung aller Schutzherren-Machtzentren in Hyperkokons - dummerweise befand Kharzani sich zu diesem Zeitpunkt in Jamondi, konnte sein Schloss also nicht mehr erreichen. Zusammen mit den anderen Schutzherren begann er deshalb mit der Arbeit am Projekt DISTANZSPUR, denn selbst sein Porter wurde bei dem Versuch, den Hyperkokon zu verlassen, vernichtet.

Kharzani wollte jedoch auch in Jamondi nicht auf die absolute Macht, die allein ihm das Gefühl der Sicherheit vermitteln konnte, verzichten. Deshalb führte er mit seinen Kybb-Völkern den entscheidenden Schlag gegen die Schutzherren und vernichtete den Orden in der Blutnacht von Barinx. In der folgenden Zeit entdeckte er, dass er zwar in dem abgestorbenen Nocturnenstock Antallin nicht die Unsterblichkeit erlangen konnte, dass es aber möglich war, dem Stock etwas von der lebensverlängernden Kraft zu entnehmen: Den zu Opalziegeln weiterverarbeiteten Schaumopal. Je mehr er von dieser Substanz in dem Kybb-Titanen, der ihm als Domizil diente, um sich herum aufschichtete, desto stärker wurde seine Alterung gehemmt, bis sie schließlich praktisch nicht mehr messbar war. Nach Inbetriebnahme der DISTANZSPUR konnte Kharzani wieder in sein Schloss einziehen, die Opalziegel wurden dorthin verfrachtet. Nur Carya Andaxis in dieser Zeit entstehender Schattenstaat sowie die Hyperdimos konnten Kharzani in seinem Verfolgungswahn jetzt noch Kopfzerbrechen bereiten. Er schuf sich eine persönliche Leibgarde, die Dunklen Polizisten, und installierte eine Staubwolke aus acht zertrümmerten Planeten um das Kher-System herum, die aufgrund ihrer Hyperkristallanteile als "Kher-Diamant" bezeichnet wurde und jegliche Ortung von außerhalb verhinderte.

Doch dann schlug die erhöhte Hyperimpedanz zu. Die Opalziegel verloren ihre Wirkung, neue konnten erst nur noch spärlich und nach dem Zusammenbruch der DISTANZSPUR gar nicht mehr herangeschafft werden. Kharzani war somit wieder auf seinen Symbionten Enkrine angewiesen. Der ehemalige Schutzherr gab jedoch nicht auf, sondern begann mit der Umstellung auf Technologien, die den veränderten Umständen angepasst waren. Er schöpfte neue Hoffnung aus dem Gedanken, dass die Hyperkokons sich auflösen würden, so dass er den Planeten Parrakh - und damit die Unsterblichkeit in Satrugar - erreichen könnte. Dabei wurde er bereits unmerklich über einen Splitter des Nocturnenstocks, den er bei seinem ersten Besuch auf Parrakh erhalten hatte, von Gon-Orbhon beeinflusst. Dann wurde ein Giftanschlag auf ihn verübt, den er seinen 12 Prim-Direktoren zuschrieb. Sie ließ er töten, doch sein Plan, den gesamten Planeten Kherzesch zu sterilisieren, konnte ihm von Enkrine ausgeredet werden.

In der Gegenwart erhält Tagg Kharzani von Deitz Duarto die Nachricht, dass die Schlacht um Graugischt zu einer Niederlage für die Kybb geführt hat. Außerdem stürzen seine wichtigsten Rüstungsplaneten aus dem Hyperkokon heraus…

Kommentar:

Schon wieder mal eine "Lebensgeschichte". Eigentlich erfahren wir bis auf den wahren Verwendungszweck der Opalziegel kaum etwas, das nicht schon längst bekannt gewesen wäre oder das man sich nicht selbst hätte zusammenreimen können, siehe vor allem PR 2248 und PR 2249. Bösen Zungen könnten diesen Roman daher als "Lückenfüller" bezeichnen - ich würde das natürlich nie tun… Zumal der Roman mir wirklich gefallen hat. Er ist eine schöne Charakterstudie des total verkorksten Tagg Kharzani. Hoffmann lässt die bekannte Historie aus der Sicht des gefallenen Schutzherren noch einmal ablaufen, so dass man seine Handlungsweise und seine sich endlos im Kreis drehenden Gedanken nachvollziehen kann. Wie in einer enger werdenden Spirale konzentriert Kharzani sich immer mehr auf sich selbst, seine Todesangst und seine Paranoia. Am Ende ist er so in seiner verqueren Vorstellungswelt gefangen, dass er gar nicht mehr anders handeln kann...

Leider wird einiges nicht geklärt, was ich mir von einer Lebensgeschichte Kharzanis erhofft hätte: Wie sind eigentlich die Kybb-Titanen in Kharzanis Hände gefallen? Wie ist es dazu gekommen, dass die Motana auf die verschiedenen Arten, die wir inzwischen kennengelernt haben, missbraucht werden (Schaumopal-Sklaven und Föten-Mißbrauch, Kyber-Neutros, Biodim-Antrieb)? Woher kommt Kharzani überhaupt? Wenn die DISTANZSPUR in Jamondi entwickelt worden ist: Wie sind dann ihre Gegenstationen nach Arphonie gelangt? In Der ewige Gärtner wurde zwar ein Kontakt zwischen beiden Sternhaufen erwähnt, wenn ich mich recht erinnere, aber wie ist der dann wiederum zustande gekommen?

Nette Ironie, dass einerseits ausgerechnet die ewig moralisierende Carya Andaxi durch ihren Umzug nach Graugischt sozusagen der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Wahrscheinlich wäre Kharzani früher oder später sowieso durchgedreht, aber Andaxi hat seiner Paranoia erst so richtig Futter gegeben. Andererseits hat Kharzani einen Teil der von ihm als Bedrohung empfundenen Vorgänge selbst eingeleitet, denn die Hyperdimos dürften wohl von der Ausstrahlung der Massen von Opalziegeln angelockt worden sein und wären sonst vielleicht gar nicht in Arphonie aufgetaucht.


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