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2223: Die Gotteskriegerin

Autor: Michael Nagula

Inhalt

Während Carlosch Imberlock seinen Adjunkten mehr oder weniger eindeutig gesteht, dass die Anschläge der Selbstmordattentäter tatsächlich von ihm bzw. Gon-Orbhon nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern eigentlich sogar initiiert worden sind, stellen Myles Kantor und seine Kollegen mit Hilfe der "Ultra-Giraffe" fest, dass gewisse Peaks der veränderten sechsdimensionalen Strahlung der Sonne praktisch identisch mit der Ausstrahlung des METANU-Nukleus, also mit dem Leichnam der Superintelligenz KABBA, sind. Daraus schließt man, dass sich im Inneren von Sol ebenfalls eine SI-Leiche befinden muß, und das wahrscheinlich schon seit Millionen von Jahren. Mehr noch: Dieses Energiefeld ist nicht gleichmäßig. Von der Sonne geht eine Art Jetstrahl aus, der genau auf die Große Magellansche Wolke zeigt. Myles nimmt deshalb an, dass irgend etwas oder irgend jemand, der sich in der GMW befindet, die noch vorhandene 6D-Energie der toten Superintelligenz anzapft. Leider ist die GMW viel zu weit entfernt - was früher ein Katzensprung gewesen wäre, ist jetzt aufgrund des erhöhten Hyperwiderstands ein unüberbrückbarer Abgrund. Wer immer also von dort aus Sol beeinflussen mag, kann von den Terranern daran nicht gehindert werden. Möglicherweise ist schon ES von dieser Ausstrahlung angelockt und in seiner Entstehung begünstigt worden. Auch die junge Superintelligenz SEELENQUELL hatte ja bemerkt, dass Sol etwas Besonderes ist. Julian Tifflor stellt die Hypothese auf, dass die Schohaaken inkarnierte Bewusstseinselemente der (toten?) Superintelligenz sein könnten - so wie damals die ES-Konzepte.

Bré Tsinga wandelt sich inzwischen von einer "normalen" Anhängerin der Kirche von Gon-Orbhon zu einer "Gotteskriegerin". Diese Entwicklung wird begünstigt durch die Botschaften, die Bré aus dem "Buch Gon" herausliest. Den letzten Anstoß erhält sie, als sie erneut von ihrem Gott träumt. Einen Selbstmordanschlag auf ein Fusionskraftwerk bricht sie im letzten Moment ab, denn das wäre ihrer Ansicht nach kein ausreichend harter Schlag. Sie entschließt sich, die Gegner ihrer Kirche mit Gewalt aus dem Weg zu räumen, und zwar will sie gleich an der Spitze der Machtpyramide anfangen - Homer G. Adams soll ihr Opfer werden, denn der Unsterbliche ist die treibende und koordinierende Kraft, die hinter dem Wiederaufbau Terras steht. Adams nimmt derzeit an einem Wirtschaftsgipfel in Irland teil, er wohnt dort in einem Haus, zu dem früher auch Bré Zugang hatte. Das Haus wird natürlich bewacht, aber sie gibt den TLD-Agenten durch die Blume zu verstehen, sie habe ein Verhältnis mit dem Unsterblichen und wird eingelassen. Als einer der beiden Wächter doch Verdacht schöpft, erschießt sie ihn kurzerhand, auch den anderen ermordet sie, um zu verhindern, dass dieser Alarm schlägt. Während sie in Irland ist, nimmt eine Freundin ihre Stelle bei einer Kundgebung ein, doch Mondra Diamond erkennt die Täuschung gerade noch rechtzeitig und kann Adams warnen. Der Unsterbliche macht die Attentäterin unschädlich, sie wird inhaftiert. Man kann nicht vernünftig mit ihr reden und natürlich wird sie wegen Mordes vor Gericht gestellt werden. Mondra Diamond und Tifflor sind aber davon überzeugt, dass Bré unter einem fremden Einfluß gehandelt hat und wollen in ihr keine Feindin sehen.

Kommentar:

Man höre und staune: In der Sonne befindet sich eine tote Superintelligenz, die von der GMW aus angezapft wird, wo sich, wie wir wissen, das Imperium Orbhon befindet. So langsam wird das Bild klarer… Könnte es sein, dass die in Sol befindliche SI gar nicht tot ist, sondern nur schläft - und dass sie den Namen GON-ORBHON trägt? Könnte es sein, dass der Jetstrahl gar nicht von Sol ausgeht, sondern von der GMW aus auf die Sonne gerichtet wurde, um die schlafende SI zu wecken?

Im vorliegenden Roman wird auch GONDARAK (oder GONDORAK?) erwähnt - die hätte ich fast vergessen! In der GMW befindet oder befand sich tatsächlich diese Kosmische Fabrik, die vor 2 Millionen Jahren schwer beschädigt und später von den Gurrads übernommen worden war. Die Terraner hatten dort anno 1217 NGZ einen Speicherkristall der Porleyter entdeckt. Auf GONDARAK sollte vor 2 Mio. Jahren im Auftrag eines Ritters der Tiefe eine Apparatur gebaut werden, welche die Schwächung des Raum-Zeit-Kontinuums zwischen Arresum und Parresum aufheben konnte. Damals haben die humanoiden Shuwashen auf dem Mars gelebt. Welche Zusammenhänge es da wohl geben könnte, ist mir noch unklar.

Abgesehen von diesen interessanten Informationen fand ich den Roman - na ja - durchwachsen. Genaugenommen haben sich mir des Öfteren die Haare gesträubt. Da werden immer wieder Anschläge gerade auf Fusionskraftwerke verübt und dennoch gelingt es einem prominenten Sektenmitglied wie Bré Tsinga fast, einen Gleiter in so ein Kraftwerk zu lenken? Ja gibt es denn da keine Luftabwehr? Dann spaziert diese allseits bekannte Fanatikerin zur Privatwohnung eines führenden LFT-Politikers, die von zwei (!) Agenten bewacht wird (Kameras, Scanner oder sowas kennt man beim TLD wohl nicht?), wird von den beiden Abwehrspezialisten ohne weiteres hineingelassen - obwohl sie Bré erkennen! - und schaltet die Jungs dann im Alleingang aus. Scheinbar hat die Hyperimpedanz auch fatale Auswirkungen auf die Gehirnströme von TLD-Agenten, anders kann ich mir diesen blühenden Unsinn nicht erklären. Hoffentlich begreifen Adams, Tifflor und Co. jetzt endlich, dass die G.O.-Sekte wirklich gefährlich ist und dass man zumindest Imberlock und seine Adjunkten rund um die Uhr mit allen Mitteln, die den Geheimdiensten zur Verfügung stehen, überwachen muß…

Ein anderes Problem, das aber mehr im Exposé begründet liegt und nicht dem Autor angelastet werden kann, ist der derzeitige Umgang mit einem aktuellen Thema aus der realen Welt in der PR-Serie. Ich meine natürlich den religiösen Fanatismus und die Reaktionen der Regierung auf Terror. Da macht man es sich in der Serie nämlich zu einfach, wenn man die Sektenmitglieder, vor allem aber die Attentäter, auf (vermutlich) hypnosuggestiv oder sonstwie fremdbeeinflußte Marionetten reduziert, die nicht aus freiem Willen handeln. Gut, Fanatiker handeln vermutlich auch in der realen Welt selten so, wie sie es ohne die Anstachelung durch ihre Führer tun würden und logische Überlegungen spielen auch bei ihnen wohl eher untergeordente Rollen, am Ende verbleibt ihnen aber immer ihr freier Wille und die letzte Entscheidung trifft jeder Mensch selbst. Bei den G.O.-Jüngern ist das ja vermutlich nicht so. Die G.O.-Fanatiker also zu hilflosen Opfern einer fremden Macht werden zu lassen, die für ihre Taten eigentlich nicht verantwortlich gemacht werden können, erscheint mir vor dem Hintergrund der aktuellen Terror-Weltlage nicht ganz angemessen.

In diesem Zusammenhang vielleicht noch ein paar Worte zu Bré Tsinga. Es wäre wirklich interessant gewesen mitzuerleben, wie die Dame sich von einer derjenigen, die zum innersten Zirkel der Macht gehören, zu einer Außenseiterin entwickelt - wenn es sich denn wirklich um eine innere Entwicklung gehandelt hätte und nicht um einen von außen aufgezwungenen Prozeß. Am Ende, so befürchte ich, wird die ganze Geschichte um die G.O.-Sekte einfach zerplatzen, nämlich dann, wenn die ominöse Macht besiegt ist und ihr Einfluß über die Menschen verschwindet. Dann werden diejenigen, die noch übriggeblieben sind, vermutlich reumütig in den Schoß der LFT zurückkehren.


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