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K.H. Scheer - Der Konstrukteur der Zukunft
VPM 2001
223 Seiten, gebunden
Autor: Heiko Langhans

Biografie über einen der beiden geistigen Väter des Serienhelden Perry Rhodan, gewürzt mit vielen teils noch nie zuvor veröffentlichten Bildern und Dokumenten (Entwürfe, Beschreibung der Hauptpersonen der PR-Serie usw.), auch die beliebten Anekdoten kommen nicht zu kurz.

Man erfährt zwar sehr viel über die Perry Rhodan-Serie und erhält so manchen Einblick über die Geschehnisse hinter den Kulissen, aber über den Menschen, den viele, die ihn bzw. seine Romane nicht oder nicht richtig verstanden haben, als Handgranaten-Herbert abqualifizierten, erfährt man recht wenig. Jedenfalls, was Scheers Leben außerhalb und vor allem in der Zeit vor der Perry Rhodan-Serie angeht. Was vielleicht zum Teil daran liegt, daß es selbst für ihn, den immer überarbeiteten Chefdenker, kaum etwas anderes gegeben hat als seinen geistigen Sohn, den Erben des Universums.

K.H. Scheer hat die PR-Serie zusammen mit Clark Darlton alias Walter Ernsting erfunden und konzipiert. Außerhalb dieser Serie hatte er vor allem mit den sog. ZBV-Romane Erfolg, er hat jedoch auch eine Vielzahl weiterer, heute größtenteils nicht mehr beachteter SF-Romane verfaßt. Werke außerhalb der SF sind von ihm nie bekannt geworden, auf die SF-Szene hatte er jedoch - ebenfalls zusammen mit Walter Ernsting - in den Sechzigerjahren sicherlich maßgebend prägenden Einfluß.

Scheers Helden waren immer harte Alleskönner oder topqualifizierte Spezialisten. Sie hatten klare Ziele, die sie kompromißlos verfolgten und Perry Rhodan war Raucher. Alles echte Kerle eben. Bei Scheer donnern die Raumschiffskanonen im Salventakt, beim niedrigen Atmosphärenflug werden schonmal ganze Wälder abgeholzt und über Befehle wird nicht diskutiert. Ihm deswegen aber zwanghaften Militarismus oder sogar Verbreitung faschistischen Gedankenguts zu unterstellen, ist nicht etwa übertrieben, sondern schlicht falsch. Die Romane atmen ganz einfach den Zeitgeist der Sechzigerjahre, wie man ihn übrigens auch in den seinerzeit viel gewalttätigeren und chauvinistischeren James Bond - Filmen findet.

Scheer war über lange Zeit derjenige, der als Exposé-Redakteur zu bestimmen hatte, welchen Weg die PR-Handlung einschlagen sollte, wie die verschiedenen Hauptpersonen dargestellt werden durften und welche Vorgaben in der PR-typischen Technik zu beachten waren. Und als Wächter über die von ihm selbst aufgestellten Regeln war er unerbittlich, was zu manchen, teils heftigen Streitereien mit all jenen führte, die sich ein wenig mehr künstlerische Freiheiten erlauben wollten, als der penible Scheer erlauben wollte. Ihm war es immer wichtig, daß die fiktive Technik in sich schlüssig und so realistisch wie möglich verwendet wurde.

Die ganzen Interna und die Geschichten aus der PR-Entstehungszeit lesen sich recht interessant, Scheers Privatleben kommt dabei aber zu kurz. Nur wenig erfährt man über seine Ehe, seine Tochter und seine zahlreichen Krankheiten, die ihn zeitweise so stark belastet haben, daß er längere Zwangspausen als Autor einlegen und seinen Job als Chef-Expokrat ganz aufgeben mußte. Scheer war eben nie jemand, der seine privaten Angelegenheiten an die große Glocke hängt.

Das Buch ist für Nicht-PR-Fans nur bedingt lesenswert. Wer sich für die Anfänge dieser Serie oder auch für die Urzeit der SF-Szene in Deutschland interessiert, sollte aber zugreifen. Nostalgische Gefühle stellen sich bei der Lektüre jedenfalls immer wieder ein... Für PR-Fans ist das Buch natürlich unverzichtbar.


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