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Perry Rhodan PAN-THAU-RA Band 1: Die Lebenskrieger

Autor: Frank Borsch

Inhalt

Am 08.04.1341 NGZ materialisiert ein Flottenverband aus über 4000 Schiffen, die so bizarr geformt sind, dass sie wie Wracks aussehen, unweit des Planeten Oxtorne im Bereich der Praesepe-Koalition. Die aus ca. 500 leichten Einheiten bestehende oxtornische Heimatflotte macht sich unter der Führung des alten Oxtorners Deshwan Jankoff sofort bereit, die Fremden abzufangen. Kampfhandlungen werden jedoch durch das Eingreifen Perry Rhodans verhindert, der mit der IMDABAN (SATURN-Klasse mit 1800 Metern Durchmesser) und einem kleinen Verband aus Begleitschiffen persönlich vor Ort erscheint. Mindestens 20 weitere "Trümmerflotten" erscheinen in verschiedenen Bereichen der Milchstraße, auch in der Nähe des Solsystems. Sie ignorieren jeden Versuch der Kontaktaufnahme und fallen umgehend übereinander her, wobei sie die bewohnten Welten, die sich in der Nähe befinden, in Gefahr bringen. Die fremden Schiffe können aus dem Stand in den Hyperraum springen und vernichten sich gnadenlos gegenseitig. Ortungen zufolge sind ihre Offensiv- und Defensivbewaffnungen denen der Terraner weit überlegen. Der oxtornische 100-Meter-Jagdkreuzer BANDIKOT, auf dem sich zufällig auch der terranische Botschafter von Oxtorne, Lifkom Tremter, befindet, gerät zwischen die Fronten und wird schrottreif geschossen. Nur Tremter, der oxtornische Kommandant Modesto und Tremters oxtornische Freundin Talina überleben - sie katapultieren sich mit einer schwer beschädigten Space-Jet aus dem Wrack und werden nach dem Ende der Schlacht von der LFT-Einheit LUCKY JIM aufgefischt.

Rhodan nimmt den Verlust mehrerer Space-Jets in Kauf, um wenigstens einen Überlebenden der Fremden aus der Kampfzone zu bergen. Es stellt sich heraus, dass es sich bei den Fremden um Loower handelt. Von dem Schiffbrüchigen ist zwar nichts zu erfahren, aber jetzt existiert wenigstens ein Ansatzpunkt für weitere Nachforschungen. Rhodan erteilt Julian Tifflor den Auftrag, mit einer Expeditionsflotte nach Alkyra II zu fliegen, denn auf diesem Planeten hatten die Loower vor ca. 1500 Jahren eine neue Heimat gefunden. Es scheint so, als wollten die Loower zum Planeten Snowflake vorstoßen. Diese Eiswelt liegt ebenfalls im Bereich der Praesepe-Koalition und wird von den Nachkommen terranischer Siedler des Schiffs ENCORE bewohnt. Die ersten drei Generationen der Siedler haben mehr oder weniger erfolglos versucht, wegen der lebensfeindlichen Verhältnisse auf Snowflake eine Umweltanpassung an sich selbst durchzuführen. Erst die vierte Generation wurde durch gezielte Eingriffe, die von Deshwan Jankoff eingeleitet worden waren, an das Leben im ewigen Eis angepasst. Während die oxtornische Heimatflotte sich den Loowern trotz Rhodans Stillhaltebefehl entgegenstellt, beginnen die Terraner mit der Evakuierung Snowflakes, denn der Planet droht durch die Schlacht, die immer noch zwischen den Einheiten der Loower tobt, vernichtet zu werden. Shon Leehan, ein Xeno-Ethnologe, der mit Hilfe des Gleiterpiloten Yun (ein "Flakie" der 4. Generation) gerade erst herausgefunden hat, dass die als Tring bezeichneten insektoiden Ureinwohner Snowflakes intelligent sind, versucht Rhodan dazu zu bewegen, auch die Tring zu evakuieren.

Als die Oxtorner das Feuer auf die Loower eröffnen, stellen diese die Kampfhandlungen untereinander ein und greifen stattdessen den gemeinsamen Feind an. Perry Rhodan entscheidet sich - möglicherweise wegen des leidenschaftlichen Appells von Shon Leehan - entgegen jeglicher Logik, den Oxtornern beizustehen, und greift mit seinen Schiffen in den Kampf ein. Doch es ist zu spät: Die Oxtorner werden aufgerieben, der Planet wird vernichtet. Leehan und Yun gehören zu den letzten Menschen, die von Snowflake entkommen. Die IMDABAN wird von den Loowern vernichtet und Perry Rhodans Schicksal ist ungewiss…

Die Loower sind auch anderswo im Universum aktiv geworden: Sie versuchen, das Sporenschiff PAN-THAU-RA zu erobern und an einen anderen Ort zu versetzen. Millionen von Loower-Soldaten, unterstützt von ihren modular aufgebauten Helk-Robotern, durchbrechen die Hülle des Sporenschiffs und arbeiten sich von außen nach innen vor. Dabei töten sie gnadenlos jeden, der sich ihnen in den Weg stellt (ihr Hauptgegner dabei sind Wesen, die sie als "Flachaugen" bezeichnen), ihr Kampfrausch wird durch Drogen, die vom Oberkommando ausgegeben werden, noch angeheizt. Bei ihrem Vormarsch öffnen die Loower jene Bereiche, die sie hinter sich lassen, dem Vakuum. So wird jegliches Leben, das sich eventuell noch in diesen Bereichen befindet, restlos vernichtet. Zunächst kommen die Loower gut voran, doch dann erleiden sie schwere Verluste, als sie scheinbar von Artgenossen angegriffen werden. Sie nehmen jedoch an, dass es sich nicht um echte Loower, sondern um von den Flachaugen hergestellte Biophore-Wesen handelt.

An-Keyt ist eine Soldatin, die am Vorstoß der Loower teilnimmt. Zunächst ist sie überzeugt davon, dass ihr Volk einen gerechten Kampf führt, doch wegen der von ihren Artgenossen verübten Grausamkeiten und der vom Oberkommando vertuschten eigenen Verluste erwachen allmählich Zweifel in ihr. Als sie einem Feind begegnet, der sie wiederholt verschont, glaubt sie an die Möglichkeit einer friedlichen Beilegung des von ihrem eigenen Volk ohne Grund angezettelten Konflikts. Als sie ihre Kameraden zu überzeugen versucht, wird sie jedoch von diesen erschossen. Der Vormarsch der Loower geht ungebremst weiter…

Kommentar:

Für einen gut 500 Seiten langen Roman ist obige Zusammenfassung eigentlich recht kurz. Das ist aber kein Wunder, denn eigentlich geschieht gar nicht so viel in diesem Roman und es werden auch kaum echte Informationen vermittelt. Die Loower haben sich in den letzten Jahren offenbar als Missionare und als Söldner betätigt. Außerdem scheinen sie etwas aufgebaut zu haben, das als "Trümmersphäre" bezeichnet wird. Das ist aber auch schon alles, was es an Neuem über sie zu berichten gibt. Man kann zwar noch annehmen, dass es mindestens zwei verfeindete Gruppen von Loowern gibt (möglicherweise hängt eine dieser Gruppen der "Neo-Entelechie" an - was immer man sich darunter auch vorstellen soll), aber welche Ziele sie eigentlich verfolgen, bleibt unklar. Man erfährt nicht, warum die Loower die PAN-THAU-RA überhaupt in Besitz nehmen wollen, warum sie mit so großen Flotten in der Milchstraße erscheinen und warum eine Hauptstoßrichtung ihres Angriffs auf den Planeten Snowflake zielt. Auch die Verhältnisse im Inneren der PAN-THAU-RA bleiben sehr verschwommen. Es muss dort doch noch andere Wesen als die "Flachaugen" geben?

Die Handlungsarmut des Romans und der sehr knauserige Umgang mit Informationen wären an und für sich noch nicht schlimm. Leider hat das Buch darüber hinaus aber einige gravierende andere Schwächen. Frank Borsch nimmt sich zwar wie immer viel Zeit, die Gefühls- und Gedankenwelt der Hauptpersonen zu schildern, aber im Fall der Loowerin An-Keyt ist das rückschauend betrachtet ziemlich sinnlos, oder wenigstens zu sehr in die Länge gezogen, denn die Loowerin hat nichts bewirkt und muss am Schluss sowieso sterben. Ihre Reaktion auf das Grauen der sinnlosen Schlacht und ihre beginnenden Zweifel hätte man auch in deutlich weniger Kapiteln ebenso gut vermitteln können. Wie konnte An-Keyt eigentlich so naiv sein zu glauben, das Oberkommando werde den Kampf abbrechen, nur weil ein einziger Feind zu einem friedlichen Dialog bereit war? Zumal sie selbst beobachtet hat, dass beim Oberkommando einiges nicht mit rechten Dingen zugeht? Die Szene mit dem Kampf Loower gegen Loower in der PAN-THAU-RA habe ich nicht so ganz verstanden. Hat es sich wirklich um Biophore-Wesen gehandelt? Aber wie sollten die Flachaugen solche Wesen so schnell hergestellt haben - ein kontrollierter Einsatz der Biophore dürfte Nicht-Kosmokraten wohl kaum möglich sein? Oder waren es doch echte Loower, vielleicht solche von der Fraktion, die auch in der Milchstraße gegen andere Loower kämpft? Wenn ja: Warum wussten die Loower in der PAN-THAU-RA nichts von der Existenz dieser Gruppe? Dabei fällt mir ein, dass im Roman an keiner Stelle erwähnt wird, wann der Angriff der Loower auf das Sporenschiff eigentlich stattgefunden hat. Möglicherweise liegt dieses Ereignis schon weit in der Vergangenheit, irgendwann nach der "Einlagerung" des Sporenschiffs zwischen den Dimensionen…

Eine weitere Schwäche sind Stil und Fehlerhäufigkeit. Umgangssprachliche Ausdrücke sind okay, wenn sie als Stilmittel eingesetzt werden. Der Autor macht davon aber für meinen Geschmack zu exzessiven Gebrauch in den Szenen des Verhörs, dem Yun sich nach der Schlacht stellen muss; das fängt irgendwann an zu nerven. Außerdem schleicht dieser Stil sich auch in Textpassagen ein, wo er nichts verloren hat. Und leider stechen immer wieder recht krasse Fehler ins Auge. Der Autor bringt zum Beispiel ungewöhnlich oft die Zeitformen durcheinander, verwechselt Vokabeln und so weiter. Einen lustigen Fehler, der auch mehrmals vorkommt, will ich einfach mal zitieren. So heißt es zum Beispiel in einem Dialog: "…dann kommt noch 'nen Blitz…" Das ergibt keinen Sinn. Wenn schon, dann müsste es heißen: "…dann kommt noch'n Blitz…" Leider schafft Frank Borsch es in diesem Roman nicht in allen Fällen, die handelnden Personen zu Individuen zu machen. Besonders die Loower wirken nicht wie nichtmenschliche Wesen mit einer Denkweise, die uns völlig unverständlich sein müsste. Sie könnten ebenso gut Terraner sein - sie sprechen, denken und handeln nicht anders als diese.

Es gibt auch einige inhaltliche Ungereimtheiten, die ich dem Roman ankreide. So halte ich die Darstellung der Oxtorner für völlig übertrieben. Ihre seltsamen Vorstellungen von Wettkämpfen und dergleichen könnte ich ja noch hinnehmen. Dass sie aber zuerst mal unter sich auskämpfen, wer als Besatzungsmitglied an Bord eines Raumschiffs gehen darf und dass auch die Verteilung der Positionen in den Schiffen durch Zweikämpfe geregelt wird, halte ich für totalen Schwachsinn. Mal ganz abgesehen davon, dass die Körperkraft nichts über die Qualifikation als Kommandant, Funker, Techniker und so weiter aussagt, dürften solche Kämpfe im Alarmfall viel zu lange dauern. Außerdem ist danach die Hälfte der Besatzung womöglich verletzt und daher weniger effektiv. Was soll das also? Doch damit nicht genug: Die Oxtorner schmeißen erstmal alle Medoroboter und Schutzanzüge aus den Schiffen, bevor sie starten. Angeblich, damit mehr Leute Platz an Bord haben und weil sie damit rechnen, entweder gar nicht in Bedrängnis zu geraten, oder - wenn doch - sofort vollständig vernichtet zu werden. Herr, schmeiß Hirn vom Himmel! So dumm kann doch auch ein Testosteronmonster von Oxtorne nicht sein!

Wundern muss ich mich auch über einige Behauptungen, die einfach mal so in die Geschichte eingebaut werden. Das betrifft vor allem den Umgang mit den ach so furchtbaren Auswirkungen der erhöhten Hyperimpedanz. Beispiele: Selbst die leichten Kreuzer der Oxtorner haben Transformkanonen, auf der IMDABAN wird Formenergie verwendet, die Transmiterm-Antriebe der Loower funktionieren völlig fehlerfrei. Zur Erinnerung: Es wurde bisher immer betont, Transformkanonen würden seit dem Hyperschock nicht mehr richtig funktionieren, Objekte aus Formenergie könne man wegen des exorbitanten Energiebedarfs nicht mehr erzeugen. Und eine Erklärung dafür, warum die Loower-Antriebe von der erhöhten Hyperimpedanz nicht beeinträchtigt werden, bleibt der Autor uns natürlich schuldig - man muss es, wie so vieles andere, wohl einfach hinnehmen. Zu guter Letzt soll es im 14. Jahrhundert NGZ noch Geldscheine geben. Auch das ist kaum glaubhaft, aber über solche Details regt man sich nach all den anderen Klöpsen gar nicht mehr auf.

"Neuleser", die aus Neugier zu diesem Buch gegriffen haben und für die das der erste Kontakt mit dem Perryversum ist, haben mit diesen inhaltlichen Widersprüchen ("Fehler" will ich dazu nicht sagen, vielleicht gibt es ja doch plausible Erklärungen) wahrscheinlich keine Probleme. Für diese Leute dürfte der Roman allerdings wegen der Schwächen in Dramaturgie / Charakterzeichnung eher langweilig sein, denn die Bezugnahme auf alte PR-Zyklen ist für sie ja nicht interessant. Da recht viele Kenntnisse früherer Ereignisse vorausgesetzt werden, ist der Roman für Neuleser womöglich sogar unverständlich.

Insgesamt bin ich ziemlich enttäuscht von diesem Buch, muss allerdings zugeben, dass meine Erwartungshaltung nach dem fulminanten Lemuria-Taschenbuchzyklus sehr hoch war. Bis jetzt kann der neue Zyklus seinem Vorgänger aber definitiv nicht das Wasser reichen.

Das Buch enthält einen Anhang mit dem Titel "Die Welt ist bunt - Ein Streifzug durch das Perryversum". Dieser Titel sagt eigentlich schon alles aus: Rüdiger Schäfer erläutert kurz die Grundzüge der PR-Kosmologie und lässt einige der wichtigsten Geschehnisse aus der Serie Revue passieren. Vielleicht hilft das den Neulesern ja, den Roman besser zu verstehen. Für PR-Fans bietet er jedoch nichts Neues.


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