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Perry Rhodan Odyssee Band 4: Die Traumkapseln

Autor: Frank Böhmert

Inhalt

Auf dem Rückweg von Pembur-Station kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen den 5.000 befreiten nodronischen Rebellen und den Quochten. Einige der ersteren wollen den quochtischen Kampfpaat übernehmen, letztere halten die Nodronen nicht nur deshalb für rechtlose Barbaren. Darracq enthauptet den vermeintlichen Rädelsführer, obwohl die Quochten den Kaperversuch bereits im Keim erstickt haben. Darracq wird deshalb vom Kommandanten des Schiffs verdächtigt, der eigentliche Drahtzieher zu sein, und kurzerhand festgenommen. Rhodan und Bull müssen vermitteln. Dabei erfahren sie, daß die Beziehungen zwischen Nodronenrebellen und Quochten schon seit langer Zeit schlecht sind. Die beiden Völker hatten vor einigen Generationen eine Allianz gegen das Empire von Nodro gegründet, in einer entscheidenden Schlacht hatten die Quochten jedoch ihre Flottenverbände zurückgezogen, so daß es zu unzähligen Opfern auf Seiten der Rebellen gekommen war. Seitdem gelten die Froschwesen bei den Rebellen als ehrlos und unzuverlässig. Die Terraner hören später zwar die quochtische Version der Geschichte (ihre Königin war überraschend gestorben, das gesamte Volk war deshalb vorübergehend wie paralysiert), diese ist für Darracq aber uninteressant. Das sind schlechte Nachrichten für die Terraner, denn es ist abzusehen, daß es demnächst zu einem weiteren Zusammenstoß mit dem Empire kommen wird und gegen diesen Machtblock müßten Rebellen und Quochten schon vereint antreten, um überhaupt eine Chance zu haben.

Auf dem quochtischen Außenposten Zapritti erhalten Darracq Mogmorgh und die Terraner eine Audienz bei der Quochtenkönigin Irn Tekkme. Sie erkennt in dem Nodronen den Sohn des Anführers aller Rebellenclans - sein wahrer Name lautet Errek Mookmher und in Gefangenschaft ist er vor drei Jahren bei dem Versucht geraten, die Völker der Galaxis Vaaligo auf die expansionistischen Umtriebe der Zwillingsgötzen aufmerksam zu machen und die Rebellen zu einer aktiveren Strategie zu bewegen. Obwohl Irn Tekkme ihm alles andere als wohlgesonnen ist, gewährt sie ihm eine Passage zu den Traumhabitaten seines Volkes. Von einer neuen Allianz mit den Rebellen, die Rhodan ihr vorschlägt, will sie nichts wissen. Ebensowenig hält Errek von Bullys Vorschlag, sich im Namen des Rebellenvolks bei der Quochtenkönigin zu entschuldigen, um eine Annäherung zu ermöglichen. Die Fronten bleiben verhärtet und es bleibt den Terranern nichts weiter übrig, als ebenfalls mit zur Heimat der Rebellen zu fliegen. Zuvor untersuchen Rhodan und Bull noch schnell die Ruine eines Ordensturms der Wissenschaftler von Cor`morian auf Zapritti. Alles was sie finden ist ein verstecktes Gemälde, auf dem Schiffe der Cor`morianer zu erkennen sind, die ein gigantisches Objekt im All untersuchen.

Errek Mookmher lotst den alles andere als komfortablen Frachter, den die Quochten ihm zugestanden haben, in Richtung Milchstraßenzentrum und funkt von einer bestimmten Position aus mit einem Geheimcode. Es dauert nicht lange, bis ein leichter Sternenkreuzer des Empires von Nodro auftaucht - Errek kann die erschrockenen Terraner beruhigen: Der Kreuzer ist ein Beuteschiff, das von seinen Leuten geflogen wird. Man schickt einen weiteren Frachter, der die Rebellen und die Terraner übernimmt und noch weiter ins galaktische Zentrum zu den Traumkapseln bringt. Von diesen Habitaten ist im Normalraum nichts weiter erkennbar als eine Ansammlung von flimmernden Feldern. Es sind 122 Sphären mit 60 bis 80 Kilometern Durchmesser, die zu einem Cluster verbunden sind und "jenseits der Traumhaut" (eine Art paranormaler Ereignishorizont) liegen. Man kann nur mit Hilfe einer speziellen technischen Einrichtung in die Traumkapseln gelangen, und das auch nur mit der Einwilligung der von besonders begabten Nodronen - den Kühnreitern - gelenkten Traumfamnire, gigantischen Echsenwesen, die das ganze Gebilde mit ihren mentalen Kräften stabilisieren und es dem normalen Raum-Zeit-Kontinuum entziehen. In jeder Traumkapsel befindet sich ein unregelmäßig geformter Planetoid, dort haben sich die Rebellen häuslich eingerichtet. Eigentlich sind sie nur Gäste der Traumfamnire. Diese sind die eigentlichen Bewohner der Planetoiden, und nur ihren Kräften ist es zu verdanken, daß die eigentlich instabilen Gesteinskonglomerate überhaupt bewohnbar sind. Es ist zwar ein hartes Leben, aber gerade das gefällt den Nodronen. Gemäß ihrer nomadischen Lebensweise wohnen die Rebellen in Zeltsiedlungen, für zeremonielle Anlässe und als Residenz des Rebellenfürsten - Erreks Vater - erhebt sich auf einem Hügel ein teils gemauerter, teils aus Raumschiffsschrott errichteter Palast, der die Form eines auf der Seite liegenden, länglichen Schneckenhauses hat.

Die Heimkehr des Fürstensohns verläuft ein wenig anders als von ihm erwartet. Der alte Fürst ist todkrank, eigentlicher Machthaber ist inzwischen Erreks Rivale Shirkam Otmookmher. Shirkam hat auch den Platz an der Seite von Krenja, Erreks Frau, eingenommen und ist so etwas wie ein Vater für Erreks kleinen Sohn geworden. Ein Machtkampf ist unvermeidlich. Zwar wird Errek automatisch neuer Fürst, als sein Vater schließlich der Krankheit erliegt, aber Shirkam fordert ihn zu einem rituellen Zweikampf heraus, der über den Führungsanspruch beider Männer entscheiden soll. Bis es soweit ist, tut sich noch einiges bei den Terranern, die sich allmählich bei den Rebellen einleben. Bully klärt endlich sein Verhältnis mit Fran Imith. Sie läßt ihn zwar noch ein wenig zappeln, aber dann sind die beiden endgültig ein Paar. Shim Caratech freundet sich mit einer jungen Nodronin an und überläßt ihr Schikagos sechs Junge. Rhodan wird mit dem Traumfamnir zusammengebracht, der die Traumkapsel von Erreks Heimatwelt stabilisiert. Die Traumfamnire reisen mitsamt dem gesamten Traumkapsel-Cluster von Stern zu Stern, dabei werden sie von den Kühnreitern wie eine Karawane durch die Zentrumsregion von Vaaligo gelenkt. Das intelligente Echsenwesen macht Rhodan eine kryptische Prophezeiung und deutet an, daß die Cor`morianer ganz in der Nähe sind. Tatsächlich steht auf einem anderen Planetoiden einer ihrer Ordenstürme. Dort begegnet Rhodan wieder einem Wissenschaftler aus dem Volk der Tambu. Dieser sorgt dafür, daß die Terraner endlich Kontakt zu Lishget On Paz erhalten - der Priorforscher trifft wenige Tage später in den Habitaten ein, kurze Zeit danach folgt der hohe Zwölferrat der Wissenschaftler.

Dann aber kommt es zum Duell zwischen Errek und Shirkam. Errek hat durchaus noch eine andere Motivation außer Machtstreben und Eifersucht. Er weiß, daß die Sicherheit der Traumkapseln, auf die Shirkam vertraut und in der sich das Rebellenvolk nach seinem Willen weiter verstecken soll, eine trügerische ist, denn die Traumfamnire sterben allmählich aus. Früher oder später werden die Rebellen also ohnehin dem Empire entgegentreten müssen, und wenn sie damit zu lange warten, wird das Empire bald übermächtig sein. Diese Vermutung wird von Lishget On Paz bestätigt: Das Empire steht kurz davor, die Kontrolle über den fest fertiggestellten Schwarm zu übernehmen. Wenn das geschieht, hätten die Zwillingsgötzen ein Unterdrückungsinstrument in der Hand, gegen das kein Kraut gewachsen ist. Mit dem Schwarm könnten sie alle Zivilisationen, die sich dem Empire nicht unterwerfen wollen, ganz einfach "verdummen"! Der Zweikampf, den Errek und Shirkam ausfechten, besteht aus mehreren Disziplinen. Zuerst sieht es für Shirkam gut aus, doch dann tötet Errek ihn unabsichtlich. Somit hat er zwar die Macht über die Rebellen gewonnen, Krenja hat er aber endgültig verloren, denn sie hat Shirkam wirklich geliebt. Nach dem Duell enthüllt der Priorforscher mit Zustimmung des Zwölferrats weitere Geheimnisse. Vor 36.000 Jahren haben die Cor`morianer im Leerraum außerhalb von Vaaligo das Wrack eines riesigen Raumschiffs gefunden. Kommandant des Schiffs war ein Roboter, der sich selbst als "der Göttliche" bezeichnete. Er hatte sowohl die Pläne zur Errichtung eines Schwarms bei sich als auch eine Genbank für die Züchtung eines Hilfsvolks von Schwarm-Baumeistern. Die Cor`morianer hatten beides übernommen und sofort mit dem Bau eines Schwarms begonnen. Durch Experimente mit der Genbank entstanden seinerzeit - die Nodronen! Ob das Gigantraumschiff und der Roboter noch existieren, ist nicht bekannt. Das Problem für die Terraner, so Lishget, besteht nun darin, daß sie vermutlich nicht mehr in ihre Zeit zurückkehren können, wenn Balance B (der Mars) erst einmal in den Schwarm versetzt worden ist. Eine Zeitreise ist nur solange möglich, wie der Planet sich in der Zone der Raum-Zeit-Instabilität befindet, die vermutlich durch den Rücktransfer aus dem Arresum ins Einsteinuniversum entstanden ist.

Somit haben die Terraner und die nodronischen Rebellen gemeinsame Interessen. Rhodan bringt es auf den Punkt: Die Zwillingsgötzen müssen im Zentrum ihrer Macht, dem Planeten Nodro, angegriffen werden. Errek ist dazu bereit und unternimmt einen Schritt, der für einen Angehörigen eines so auf ehrenhaftes Handeln bedachten Volks zumindest ungewöhnlich ist: Er entschuldigt sich in aller Form im Namen seines Volkes bei der Quochtenkönigin für alles, was in der Vergangenheit an Negativem vorgefallen ist und legt damit den Grundstein für ein neues Bündnis. Im Gegenzug schickt Irn Tekkme 35.000 Schlachtschiffe zur Unterstützung von Erreks und Rhodans Plänen.

In einer Nebenhandlung erfahren wir, daß Pelmid Sulcatob von dem verhaßten Axx Cokroide permanent mißhandelt und gedemütigt wird. Eine Freundin, die kurz nach ihrem Zusammentreffen mit Pelmid einem bedauerlichen Unfall zum Opfer fällt, warnt Cokroides persönliche Adjutantin vor einer großen Gefahr, ohne näheres dazu zu sagen. In Pelmid reift der Entschluß zur Flucht. Wahrmachen kann sie diesen erst, als ihr Ausrüstung in die Hände fällt, die in den Ruinen des Ordensturms von Mantagir gefunden worden ist: Ein Translatorplättchen und ein Flugpack. Sie setzt sich in die Werftwerke von Wrischaila ab und schnappt sich dort Sneber Grax, von dem sie ja weiß, daß er mit Rhodan und dessen Leuten zusammen war. Sie verlangt von ihm, er solle sie mit den Rebellen zusammenbringen…

Kommentar

Endlich, endlich kommt man in diesem Taschenbuchzyklus wenigstens ansatzweise zur Sache. Nach zwei Romanen, die man für das Verständnis der Miniserie eigentlich überhaupt nicht gelesen haben muß, erfahren wir ein paar Hintergründe und merken allmählich, in welche Richtung die Story sich entwickeln soll. Das Vorhaben der Tambu-Wissenschaftler, das zur Entführung der Terraner geführt hat, erscheint mir zwar recht unmotiviert und vor allem ziemlich sinnlos - warum gehen sie nicht gleich die Rebellen um Hilfe gegen das Empire an, wenn sie doch schon einen Stützpunkt in den Traumkapseln haben - aber das könnte man darauf schieben, daß Lishget On Paz ganz einfach Mist gebaut hat. Und Schwächen des Exposés kann man diesem Roman schwerlich anlasten. Im Gegenteil - Frank Böhmert hat um die vermutlich recht mageren Vorgaben der Expokraten herum einen wirklich gelungenen Roman gestrickt.

Besonders gefallen hat mir gleich zu Anfang die Darstellung der Quochten und später der Klingonen - Pardon! - Nodronen. Leo Lukas hat die Quochten schon ganz gut eingeführt, aber erst jetzt wirken sie so richtig überzeugend mit ihrem Wechsel von Lethargie - zack! - zum Explosivmodus. Den Nodronen wird ebenfalls eine lebendige Kultur verpaßt, wenn diese auch ein wenig an das vorgenannte Volk aus einem anderen Franchise erinnert. Ich habe den Verdacht, daß es sich bei dem von den Tambu entdeckten Gigantraumer um ein Sporenschiff gehandelt haben könnte und daß der Kommandant ein Kosmokratenroboter aus der Laire/Samkar-Baureihe war. Stellt sich noch die Frage, was das für ein Genpool war, den er dabeihatte. Terraner? Cynos? Querionen?

Es gibt in dem Roman zwar immer noch viele Stellen, die mir nicht ganz behagen, vor allem dann, wenn Bully sich allzusehr wie ein verliebter Teenager benimmt und auch so redet. Okay, verliebt ist er definitiv, aber er ist viele hundert Jahre alt. Wie denkt, fühlt und handelt ein Mensch, der Jahrtausende erlebt hat, und zwar Jahrtausende, die mit alles andere als alltäglichen Erlebnissen angefüllt waren? Ist es glaubhaft, daß jemand mit dieser Lebenserfahrung dummes Zeug redet, sich wie ein schüchterner Schuljunge aufführt oder mit Fran herumalbert? Wir können es nicht wissen, also gehen wir einfach mal davon aus, daß Bully von Zeit zu Zeit hauptsächlich hormongesteuert handelt - das entschuldigt dann vielleicht einiges. Dann gibt es in diesem Roman aber auch wieder Passagen, die sind richtig großes Kino. Beispielsweise ein kurzes Kapitel, in dem Axx Cokroide ein grausames und eiskaltes Spielchen mit einem Subalternen treibt. Der Mann bewahrt jedoch seine Würde und wird schließlich umgebracht. Das fand ich bei aller Kürze eindringlicher als z.B. den ganzen dritten Roman dieses Minizyklus. Hut ab!

Frank Böhmert kann prima Geschichten erzählen. Warum nicht auch in der Heftromanserie?

Der wissenschaftliche Anhang von Rüdiger Vaas beschäftigt sich diesmal mit den Theorien über die Entstehung des Universums und möglichen anderen Universen, die parallel zu unserer Realität existieren mögen.


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