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Perry Rhodan Odyssee Band 1: Die Kolonisten der Zukunft

Autor: Hubert Haensel

Inhalt

16.06.1329 NGZ: Das Reich Tradom ist besiegt, in der Milchstraße herrscht relative Ruhe und im Solsystem ist vor ungefähr 17 Jahren durch unbekannte Einflüsse der Planet Mars wieder an seinen alten Platz zurückgekehrt. Allerdings ist der Aufenthalt im Arresum nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Der Mars war einst eine dicht besiedelte Welt, aber jetzt gibt es einerseits kaum noch Überreste der Städte und Einrichtungen, andererseits aber auch keine Spuren der Abruse-Kristalle mehr. Der rote Planet bietet sich dem Beobachter so dar, wie er vor der ersten Besiedlung durch Terraner ausgesehen hat. Die zweite Besiedlung des Nachbarplaneten Terras hat bereits begonnen. Viele Menschen wollen sich aus den unterschiedlichsten Gründen auf dem Mars niederlassen, um dort ein neues Leben zu beginnen. Zusammen mit einer 28-köpfigen Gruppe aus Siedlern, Wissenschaftlern und Journalisten unternehmen Perry Rhodan und Reginald Bull einen Rundflug über den Mars. Es soll ein Medienspektakel werden und als Transportmittel hat man den Mars-Liner-01 gewählt, ein Museums-Vehikel, mit dem schon die ersten Kolonisten im 21. Jahrhundert alter Zeitrechnung zwischen den weit auseinander liegenden Mars-Stationen hin und her gereist sind. Der "Bus" ist zwar nur mit primitivster Technik ausgestattet, aber bei dem Rundflug erwartet man schließlich keine Schwierigkeiten. Die lassen aber nicht lange auf sich warten. Unbekannte mehrdimensionale Energien greifen nach dem Bus und reißen ihn aus der vertrauten Umgebung heraus. Übergangslos finden die Passagiere sich mitsamt ihrem Gefährt mitten in einer gigantischen, exotischen Metropole wieder, in der ein unglaublich dichter Verkehr und ein bizarres Durcheinander unterschiedlichster Wesen herrschen - von einem babylonischen Stimmengewirr ganz zu schweigen. Die meisten Völker sind völlig unbekannt, aber es sind auch Menschen zu sehen.

Mit Müh und Not kann Bully den Bus in Handsteuerung vor einer Kollision mit anderen Fahrzeugen bewahren. Eine Masseortung bringt eindeutige Ergebnisse: Die "fremde" Welt ist der Mars! Doch warum spricht niemand hier Interkosmo? Alsbald zeigt sich ein Empfangskomitee Mit einer Flugschale nähern sich humanoide Wesen, die aufrechtgehenden Vögeln ähneln. Ihre Köpfe gleichen irdischen Kormoranen. Die Flugschale geleitet den Mars-Liner zu einem gewaltigen Turm, in dessen Innerem der Bus landen kann. Von den Vogelähnlichen erhalten Rhodan und Bully erste Erklärungen, nachdem man ihnen je einen hauchdünnen Translator auf die Wange geklebt hat. Die Vogelwesen gehören zum Volk der Tambu, dieses wiederum gehört dem Orden der Wissenschaftler von Cor'Morian an. Man befindet sich in der Stadt Mantagir auf dem Mars, der jetzt Balance B heißt, die Milchstraße trägt jetzt den Namen Vaaligo. Die Menschen wurden mehr oder weniger gezielt entführt - und zwar in eine Zeit, die eine Milliarde Jahre in der Zukunft liegt. Das war nur möglich, weil Balance B (der Mars) im Mittelpunkt einer außergewöhnlichen Raum-Zeit-Instabilität liegt. Daß von der Entführung ausgerechnet der Mars-Liner mit Perry und Bully an Bord betroffen war, ist reiner Zufall. Es ist den Tambu nur darum gegangen, Terraner zu entführen und um ihre Hilfe zu bitten. Die Hauptgegner des Ordens der Wissenschaftler von Cor'Morian sind die grausamen. Nodronen. Diese scheinen ein galaxisumspannendes Empire aufgebaut zu haben, auch in Mantagir, einer eigentlich kosmopolitischen Stadt, haben sie eine Gesandtschaft. Sie bedrohen die Existenz des Ordens in der ganzen Galaxis. Offenbar handelt es sich bei den Nodronen um eine Sammelbezeichnung für die Nachkommen der Menschen in dieser fernen Zukunft…

Weitere Erklärungen sollen die unfreiwilligen Zeitreisenden von dem Prior-Forscher Lishgeth On Paz erhalten, der sich inkognito im Anflug auf Balance B befindet. Sollten die Terraner es wünschen, so versichern die Tambu, so wird man sie sofort wieder in ihre eigene Zeit zurückbringen. Zunächst einmal sollen sie aber an einen sicheren Ort gebracht werden, denn der Ordensturm ist akut gefährdet. Wie akut, zeigt sich leider sogleich, denn die Nodronen greifen ohne Warnung mit rochenförmigen Schiffen an und schießen den Turm, der nur über schwache Schutzschirme verfügt, Stück für Stück zusammen. Daß sie dabei abertausende intelligente Wesen töten, scheint sie nicht zu stören. Die Zeitreisenden werden getrennt und müssen versuchen sich in mehreren Gruppen, teils unterstützt von den Tambu, in Sicherheit zu bringen. Einige schaffen es unter Bullys Führung bis zum Mars-Liner, eine andere Gruppe von 19 Personen wird mit zwei Tambu-Gleitern ausgeflogen - aber die Nodronen schießen die kleinen Schiffe gnadenlos ab. Erst als Rhodan und die zwei letzten noch Vermißten auftauchen, lenkt Bully den Bus ins Freie. Er nutzt die gigantische Schutt- und Staubwolke des zusammenbrechenden Turms, um sich vor den Ortungseinrichtungen der Nodronenschiffe zu verbergen. Man landet den Bus und begibt sich auf Erkundung. Erstes Ziel muß es sein, irgendwie mit den Tambu oder mit dem Prior-Forscher Kontakt aufzunehmen. Bull und einer der Journalisten sehen sich in der pulsierenden Metropole Mantagir um, wobei sie von allen Wesen respektvoll gemieden werden, weil man sie für Nodronen hält. Sie geraten dennoch in Schwierigkeiten, als einige echte Nodronen die Flug-Optiken des Reporters abschießen und als sie zu allem Überfluß noch von Wesen angegriffen werden, die mit den Nodronen noch eine Rechnung offen haben. Nur knapp entgehen sie der Verhaftung oder schlimmerem. Währenddessen stirbt im Mars-Liner eine schwer verletzte Frau - da waren's nur noch zehn. Unter dem bunt zusammengewürfelten Häuflein von Terranern werden die Spannungen immer stärker, denn mit dieser Situation sind die zumeist einfachen Leute völlig überfordert. Rhodan und Bull haben die größten Probleme zu verhindern, daß die Leute sich gegenseitig an die Gurgel gehen oder sich selbst in Schwierigkeiten bringen.

Mit Hilfe des öffentlichen Transportsystems finden die Terraner das Hotel, in dem sie eigentlich hätten untergebracht werden sollen, denn dort wartet man schon auf 30 Humanoide. Irgend jemand, der auf der Seite der Terraner steht, muß mitbekommen oder zumindest einkalkuliert haben, daß sie auf der Flucht sind, denn in ihren Hotelzimmern findet jeder einzelne eine gute Ausstattung: Universaltranslatoren, Creditchips, Deflektoren und Handwaffen. Fran Imith, eine rothaarige Schönheit, die sich als Mars-Nostalgikerin ausgegeben hatte, läßt jetzt die Maske fallen. In Wirklichkeit ist sie TLD-Agentin und sie hatte den Auftrag, Rhodan und Bull unauffällig zu schützen. Sie verfügt über eine umfangreiche, getarnte High-Tech-Ausrüstung in Mikrobauweise. Dieses Geständnis hindert Reginald Bull nicht daran, weiterhin ein Auge auf sie zu werfen - die junge Frau hat ihm von Anfang an gefallen und imponiert. Zwischen den beiden knistert es laut und vernehmlich. Man richtet sich zunächst einmal im Hotel häuslich ein. Einer allerdings hält es hier nicht lange aus: Quartodezimus Filidor Edlervon Homphé, genannt Quart, ist ein Künstler, extrem übergewichtig und vollgestopft mit Neurosen. Er glaubt, die anderen wollten ihn nicht mehr bei sich haben, und setzt sich heimlich ab. Er wird aber von Shim Caratech, genannt Shimmi, beobachtet, die ihrer wieder einmal ausgebüxten Ferrol-Katze gefolgt war (auf die Quart übrigens allergisch reagiert). Das Mädchen, ein ziemlich ausgeflippter Teenager mit einer Vorliebe für laute Musik und schrilles Styling, folgt Quart bis zu dessen Ziel, am Mars-Liner verliert sie ihn jedoch. Gut gelaunt schaut sie sich die Wunder der Metropole an, während Quart nach einem Schwächeanfall in einer Krankenstation behandelt wird. Der tölpelhafte Künstler bestreitet, ein Nodrone zu sein, aber das hätte er nicht tun sollen, denn die insektoiden Wesen, die ihn behandelt haben, melden ihn umgehend an das Oberhaupt der Nodronen weiter.

Axx Cokroide, Oberhaupt seines Clans und offizieller Botschafter des Zwillingsgötzen, hat längst herausgefunden, daß jemand der Vernichtung des Ordensturms entkommen ist. Er läßt mit allen Mitteln nach dem Mars-Liner und seiner Besatzung fahnden, denn er verwechselt die Terraner ihres Aussehens wegen mit nodronischen Rebellen. Wer von seinen Untergebenen Mißerfolge melden muß, der bekommt die Peitsche von Nodro zu spüren, eine Art Desintegratorwaffe, mit der man sein Opfer in dünne Scheibchen schneiden kann… Als Shim und Quart sich in der Nähe des Landeplatzes wiedertreffen, auf dem der Mars-Liner gestanden hat, ist der Bus verschwunden. Die Nodronen haben ihn bereits abgeholt. Rhodan, Bull und Fran entdecken währenddessen einen Park, in dem Skulpturen von allen möglichen Wesen stehen. Sie lotsen Shim und Quart per Funk zu diesem "Platz der ewigen Wissenschaft". Nähert man sich einer Statue, erscheint ein Hologramm des jeweiligen Wesens und beginnt, Wissen zu vermitteln. Die Terraner klappern eine Statue nach der anderen ab. So machen sie die erste wirklich bedeutsame Entdeckung. Eines der Hologramme berichtet, daß Leben und Intelligenz im gesamten Universum im Schwinden begriffen sind. Das Vielvölkergemisch in Mantagir täuscht, in Wirklichkeit geht die Vielfalt immer weiter zurück bzw. es entwickeln sich keine neuen intelligenten Völker. Durch Rückprojektion einer Darstellung der Galaxis Vaaligo kann festgestellt werden, daß es sich wirklich um die Milchstraße handelt. Ein Stern namens Tazmai ist identisch mit SOL, aber dort, wo die Erde sein sollte, ist… nichts! Balance B (der Mars) ist jetzt der dritte Planet des Tazmai-Systems. Zurück im Hotel begibt man sich zur Ruhe. Fran kann nicht schlafen und beobachtet zwei Nodronen, die beim Hotel herumschnüffeln. Sie verliert keine Zeit, weckt die anderen und flieht mit ihnen - Rhodan und Bull sind nicht da. Tatsächlich plätten die eiskalten Nodronen rücksichtslos das ganze Hotel, dabei schmilzt die Gruppe der Zeitreisenden weiter zusammen: Ein Ehepaar und der Reporter kommen um. Fran und die anderen retten sich in ein Nebengebäude, Rhodan und Bull stoßen bald dazu. Die beiden waren noch einmal am "Platz der ewigen Wissenschaft". Sie haben von einem großen Vorhaben erfahren, das durch die Wissenschaftler von Cor'Morian eingeleitet wurde. Einige zehntausend wichtige Welten und Sonnen - darunter auch Terra/Balance A - wurden aus ihren alten Positionen entfernt. Aus ihnen soll ein neuer Schwarm entstehen, durch den das Leben wieder neue Impulse erhalten soll. Die Wissenschaftler gelten als höchste moralische Instanz in Vaaligo, sie verfügen wohl auch über die am höchsten entwickelte Technologie. Was die Nodronen gegen dieses Vorhaben einzuwenden haben, bleibt zunächst unklar.

Die Zeitreisenden wagen die Flucht nach vorn. Es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig, denn die Nodronen rufen sie zur Fahndung aus. Sie dringen bis zu einem Raumhafen vor, von dem sie richtigerweise annehmen, daß dort der Mars-Liner in ein Nodronenschiff verladen werden wird. Mit Frans Ausrüstung überwinden sie die Energiesperren des Hafens, finden tatsächlich den Mars-Liner und verstecken sich darin. Problem: Die Einstiege sind versiegelt. Man könnte sie zwar problemlos öffnen, aber nicht wieder schließen, was sofort auffallen würde. Da gesteht Ron Dyke, einer der Mars-Kolonisten, daß er lieber in Mantagir bleiben würde, denn die fremde Welt fasziniert ihn. Er hofft, daß die Nodronen sich ganz auf die Verfolgung seiner Kameraden konzentrieren und ihn nicht bemerken werden. Er verschließt die Siegel von außen. Der Liner wird auf ein kleines nodronisches Schiff verladen. Als es sich im All befindet, überwältigen die Terraner die Besatzung und übernehmen die Kontrolle. Bully ist nicht begeistert: Der Kahn verfügt nur über Linearantrieb und Positroniken. Wenigstens hat er keine Schwierigkeiten, das Schiff in den Linearraum zu bringen, denn die Nodronen haben schon mit der Verfolgung begonnen. Außer Rhodan, Bull, Fran, Quart und Shim ist noch Pratton Allgame mit von der Partie, ein Winzer, der außer Kenntnissen im Weinbau noch über andere Qualitäten zu verfügen scheint. Mit ungewissem Ziel setzen die Zeitreisen sich in dem gekaperten Schiff gerade noch rechtzeitig ab.

Kommentar

Das Buch ist schön ausgestattet mit Zeichnungen des Mars-Liners-01 und einem mehr als 30 Seiten starken Anhang von Rüdiger Vaas über mögliche zukünftige Mars-Missionen und eine Besiedelung des roten Planeten. Der Roman selbst hat mich als Zyklusauftakt aber nicht hundertprozentig überzeugt. Ganz langsam und schleppend quält sich die Geschichte durch die Kapitel. Ein Großteil der Handlung besteht nur aus der Flucht aus dem Ordensturm - mehr als 40 Seiten macht dieser Teil aus. Über weite Strecken muß man dann das endlose Generve der unsympathischen Hauptpersonen über sich ergehen lassen, die nichts besseres zu tun haben, als sich gegenseitig anzugiften, wegzulaufen und sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen. Dabei ist jeder Charakter entweder viel zu klischeehaft gezeichnet (Der neurotische, lebensunfähige Künstler und das verantwortungslose Partygirl) oder blaß und zweidimensional (das betrifft vor allem jene, die nach und nach ins Gras beißen müssen). Daran ändert sich auch nichts dadurch, daß Haensel ihre Gedankengänge ausführlich wiedergibt, denn die sind austauschbar wie Abziehbilder. Dieses Schicksal teilen sogar Rhodan und Bull, die wahrscheinlich nur deshalb mit von der Partie sind, damit man das Buch als Perry Rhodan - Roman verkaufen kann.

So, genug der Negativkritik. Es gibt ja auch positive Aspekte. Mit dem Schwinden des Lebens im Universum erleben wir die Auswirkungen der kosmokratischen "Eindämmungspolitik". Es ist schon irgendwie beruhigend zu wissen, daß diese Auswirkungen sich erst eine Milliarde Jahre nach der PR-Handlungsgegenwart so richtig zeigen. Anders sieht es bei der Technik aus. Sind die nodronischen Schiffe deshalb so lahme Enten, weil höherwertige Technologie wegen des erhöhten Hyperphysikalischen Widerstands einfach nicht mehr funktioniert? Dann noch die Idee, daß die intelligenten Völker einer Galaxis sich zusammenschließen, um einen Schwarm zu erbauen - und zwar ohne den Auftrag der Kosmokraten! Das hat was. Bringt nur nichts, wenn es keine Sporenschiffe mehr gibt, denn ohne On-/Noon-Quanten gibt es auch kein neues Leben…



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