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Perry Rhodan Lemuria Band 6: Die längste Nacht

Autor: Hubert Haensel

Inhalt

Nach der Vernichtung der Zeitmaschine verlässt Levian Paronn den Planeten Gorbas IV fluchtartig über seinen noch funktionierenden Transmitter und fliegt, nachdem er den Transmitter noch schnell unbrauchbar gemacht hat, mit den verbliebenen Schiffen seines Verbandes zurück nach Drorah. Perry Rhodan, Tolot und deren Begleiter lässt er zurück, auch die PALENQUE und die LAS-TOÓR bleiben im Gorbas-System. Allerdings hat Paronn den Gedanken, die Vernichtung des lemurischen Reichs durch eine Zeitreise zu verhindern, noch nicht aufgegeben: Er klammert sich an die trügerische Hoffnung, irgendwo oder irgendwann eine weitere Zeitmaschine in die Hände zu bekommen, immerhin haben ja sowohl die Akonen als auch die Terraner einst über die entsprechende Technik verfügt. Paronn hält die Gegenwart immer noch für eine "fiktive Zeitebene", die er durch einen korrigierenden Eingriff in der Vergangenheit zu annullieren gedenktů Unterwegs nach Drorah wird Paronn von den Erinnerungen an die Zeit des Bestienkrieges überwältigt und verliert vorübergehend das Bewusstsein. Er wird ärztlich untersucht und da bleibt es nicht aus, dass sein Zellaktivator entdeckt wird. Er gibt sich deshalb als Lemurer zu erkennen, doch das hat keine Auswirkungen auf die Loyalität seiner Mannschaft. Paronn will die Akonen vor der neu entstehenden Bestiengefahr warnen, aber seltsamerweise erhält er keinen Kontakt zu Admiral Mechtan von Taklir. Man verwehrt ihm den Einflug ins Blaue System und unterzieht ihn einem Verhör. Es stellt sich heraus, dass seine wahre Identität längst entschleiert worden ist. Ausgerechnet ein Vaterschaftstest, den seine Geliebte (die Tochter des Admirals von Taklir) veranlasst hat, hat die Wahrheit an den Tag gebracht...

Währenddessen müssen Rhodan, Tolot und die anderen vor der angriffslustigen und extrem gefährlichen mutierten Flora und Fauna von Gorbas IV in die unterirdische Bestienstation fliehen, da sie Tolots Space-Jet nicht erreichen können. Es stellt sich heraus, dass diese Anlage dazu errichtet wurde, tausende von geklonten Bestienkriegern zu erzeugen. Die Klone wurden einem beschleunigten Reifungsprozess unterzogen - möglicherweise wurde auch die Natur von Gorbas IV durch diesen Prozess beeinflusst und ist deshalb so fürchterlich außer Kontrolle geraten. Unabhängig von Rhodan und seinen Begleitern machen die Leute von der PALENQUE, zu denen Rhodan keinen Kontakt herstellen kann, weitere Entdeckungen: Auf Gorbas IV gibt es riesige Fertigungsstätten für Kampfraumschiffe, viele sind schon einsatzbereit und greifen das Prospektorschiff an. Die Bestien verwenden nicht nur eigene Technologien, sondern auch lemurische und früh-akonische Beutetechnik. Gorbas IV ist nicht die einzige Station dieser Art: Mindestens auf vier weiteren Planeten in der Milchstraße erwachen in diesen Tagen gleichartige Bestien-Arsenale zum Leben. Würde ihnen die Massenfertigung von Kämpfern und Raumschiffen gelingen, wären sie trotz rückständiger Technik allein aufgrund ihrer zahlenmäßigen Übermacht eine ernstzunehmende Bedrohung für alle Lemurerabkömmlinge. Der paranoide Hass der Bestien auf alle "Zeitverbrecher" ist ohnehin so stark wie eh und je. Offenbar wurde aber nur ein kleiner Teil aller Arsenalplaneten aktiviert und auch diese Welten arbeiten nicht mit voller Effizienz. Zwei davon werden nach einem Angriff der Bestien auf einen Arkonidenraumer von arkonidischen Flottenteilen vernichtet, eine weitere Bestienbasis befindet sich auf einer akonischen Agrarwelt und wird von akonischen Schiffen ausgelöscht.

Dass die von den Sternenarchen ausgesandten Hyperfunksignale den Arsenalplaneten als Aktivierungsimpuls dienen, erfahren Rhodan und seine Leute, als sie von den bereits erwachten Bestienkriegern in der Station von Gorbas IV gefangen genommen werden. Tolot war an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig, denn erst durch seine Aktivitäten sind die Bestien in der Vergangenheit auf die Idee gekommen, die Sternenarchen mit Hypersendern zu versehen. Selbst Boryk kann die Gefangennahme mit seinen hypnosuggestiven Kräften nicht dauerhaft verhindern, denn seine schwere Verletzung beeinträchtigt ihn. Außerdem haben einige Bestien die Zeit seit dem Krieg gegen die Lemurer im Kälteschlaf überdauert und einer davon erkennt in Tolot jenen Haluter, der sich im 97. Kriegsjahr zum Schein mit dem Flottenkommandeur Hork Nomass verbündet hatte (vgl. Lemuria 5). Die Bestien hatten seinerzeit die Flugdaten der Sternenarchen rekonstruiert und einige davon mit Hypersendern ausgestattet. Als allmählich klar wurde, dass der Krieg gegen die Lemurer trotz des militärischen Siegs in einer Niederlage enden würde - die Bestien wurden allmählich durch die Einwirkung des Psychogen-Regenerators zu friedlichen Halutern umgewandelt - hatten die Bestien mit der Einrichtung von Arsenalplaneten begonnen. Das Wiederauftauchen von Lemurern in der Milchstraße sollte diese Arsenale dann aktivieren. Darüber hinaus haben die Bestien den Zeittransmitter repariert und nach Gorbas IV gebracht, um zu beobachten, ob die Lemurer versuchen würden, ihn zu benutzen und damit ein Zeitverbrechen zu begehen.

Per Transmitter werden Rhodan und seine Leute zum Bestienstützpunkt Paggosh gebracht. Eine 20 Einheiten starke terranische Sonderflotte, die zur Unterstützung Rhodans angerückt ist (Rhodan trägt seit dem ersten Tag auf der PALENQUE einen Peilsender und die Sonderflotte war immer in der Nähe), kommt also zu spät über Gorbas IV an, aber für die unter schwerem Beschuss stehende PALENQUE und die LAS-TOÓR ist sie natürlich eine mehr als willkommene Hilfe. Der Transmitterdurchgang kann jedoch geortet werden und bald rollt der Angriff auf Paggosh an, bei dem sich auch akonische Einheiten beteiligen. Der zum einfachen Militärdienst degradierte Levian Paronn macht den Einsatz mit und dringt allein in den Stützpunkt vor. Dort erhält er unerwartete Hilfe von dem Bestien-Klon Ion Lissos beim Kampf gegen eine andere Bestie. Lissos gehört zu den neu gezüchteten Kriegern und hat zweierlei erkannt: Er und seinesgleichen sind für die Bestien, die sich im Tiefschlaf befunden haben, nur entbehrliches Kanonenfutter. Über die Jahrtausende hinweg sind permanent Klone erzeugt worden, damit die Schläfer jederzeit auf einen Grundstock von Kriegern zugreifen konnten - bis jetzt hatte man die jeweils fertiggestellten und nicht benötigten Klone einfach in ihren Tanks verrotten lassen. Zum anderen begreift Lissos, dass eigentlich die Bestien die wahren Zeitverbrecher sind, und nicht die Lemurer, denn wenn die Bestien den Zeittransmitter nicht repariert und nach Gorbas IV gebracht hätten, wäre es nie zu einem Zeitverbrechen gekommen. Außerdem scheinen zumindest Lissos und zwei weitere Klon-Bestien der Wirkung des Psychogen-Regenerators zu unterliegen. Sie verhalten sich eigentlich überhaupt nicht wie typische Bestien, eher wie Haluter, und schlagen sich auf Rhodans Seite.

Paronn, Rhodans Leute und die drei "geläuterten" Bestien fliehen mit einem Schiff aus den Arsenalen des Bestienstützpunkts von Paggosh, während dieser von den Terranern und Akonen zerstört wird. Paronn sieht allmählich ein, dass die Zeit, in der er schon so lange gelebt hat, tatsächlich zu seiner Realität geworden ist und dass er sich der Vergangenheit, die er immer wiederherstellen wollte, entfremdet hat. Deutlichstes Zeichen für diesen Sinneswandel ist die Tatsache, dass er die drei einzigen überlebenden Bestien (oder besser: Haluter) als Freunde bezeichnet. Jetzt endlich rückt auch Perry Rhodan mit der ganzen Wahrheit heraus. Er war keineswegs inoffiziell in diplomatischer Mission mit der PALENQUE unterwegs, sondern wegen Geheimdienstinformationen über Funde der Arkoniden im galaktischen Zentrum, die irgendetwas mit den Lemurern und den Bestien zu tun hatten. Dieser von den Arkoniden entdeckte Bestienstützpunkt ist einer von vermutlich sehr vielen, die dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen sind - Imperator Bostich wird also keinen Nutzen daraus ziehen können. Da die fünf aktiviert gewesenen Bestienstützpunkte vernichtet werden konnten, dürfte jegliche Gefahr gebannt sein.

Den Lemurern von den bisher entdeckten Sternenarchen sollen von den Akonen eine oder zwei Welten, deren Koordinaten niemand erfahren wird, zur Besiedlung überlassen werden. Es gibt aber noch mindestens 40 weitere lemurische Generationenschiffe, die noch nicht entdeckt worden sind. Levian Paronn übernimmt die Aufgabe, sich um sie zu kümmern - unterstützt wird er dabei von Ion Lissos und den beiden anderen ehemaligen Feinden, die zu Freunden geworden sind.

Kommentar:

Zwar kommt dieser abschließende Roman nicht an die Klasse von Andreas Brandhorst, Thomas Ziegler und Leo Lukas heran, aber er bildet dennoch ein würdiges Schlusskapitel. Haensels Hauptfigur ist Levian Paronn und wie immer gelingt es ihm, die Gedanken- und Gefühlswelt dieser Figur anschaulich und nachvollziehbar zu schildern. Positiv zu vermerken ist auch, dass die Möglichkeit von Zeitparadoxa weiterhin nicht ausgeschlossen wird - das ist ein interessanter Gegensatz zu der ansonsten im Perryversum herrschenden Doktrin des "es geschieht, weil es geschah".

Nicht so gut gefällt mir - auf den gesamten Zyklus bezogen - der Umstand, dass die Sternenarchen in dieser Geschichte eigentlich nur Beiwerk oder Appetitanreger waren und dass ihr weiteres Schicksal am Ende des Romans nur in wenigen Sätzen angerissen wird. Wer weiß - vielleicht könnte man um die Sternenarchen und Levian Paronn herum eine neue Geschichte stricken? Schön finde ich übrigens, dass Paronn das Zyklusende überleben darf. Er ist nämlich eine der interessantesten Nebenfiguren der letzten Zeit.

Für meinen Geschmack wird auch die Bestiengefahr ein wenig zu flott "abgehandelt". Eigentlich werden die Bestien aufgrund ihrer rückständigen Technik nie zu einer wirklichen Gefahr und so verpufft dieses Spannungselement letzten Endes recht wirkungslos. Wie es sein kann, dass einige der erst jüngst erzeugten Bestien-Klone in Haluter verwandelt werden, ist mir übrigens nicht völlig klar geworden. Es scheint wohl so zu sein, dass von Anfang an immer das gleiche Zellmaterial für die Aufzucht verwendet worden ist - und das könnte dann durchaus vom Psychogen-Regenerator beeinflusst worden sein. Die Idee der Bestien, die Lemurer mit dem Zeittransmitter anzulocken und zu einem Zeitverbrechen zu verführen, um somit die Errichtung der Arsenalwelten und das Weiterführen des Kampfs nachträglich zu legitimieren, fand ich dagegen ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Kein Wunder, dass Ion Lissos sich dabei die Fußnägel hochgeklappt haben!

Noch ein Wort zu den "neuen" Zellaktivatoren: Rhodan nimmt an, dass ES den Lemurer Levian Paronn nur deshalb mit einem solchen Gerät ausgestattet hat, um es ihm zu ermöglichen, das Sternenarchen-Projekt ins Leben zu rufen und somit Rhodan in letzter Konsequenz in der Gegenwart vor der fortbestehenden Bestiengefahr zu warnen. Dass diese Gefahr ohne die Sternenarchen vermutlich nie akut geworden wäre, hat ES (oder Rhodan) dabei offenbar nicht bedacht. Paronns Zellaktivator muss irgendwie anders funktionieren als Rhodans Modell, denn weder Paronns Gerät noch die Nachbauten waren vom Gencode-Destruktionsfeld der Laren betroffen! Wahrscheinlich werden wir nie mit Sicherheit erfahren, woher Paronns ZA nun wirklich stammt und ob tatsächlich ES die Finger im Spiel hatte. Übrigens: Rhodan will zwar eine Aufklärungskampagne starten, aber eine neue Hetzjagd auf die Zellaktivatoren, die sich vermutlich an Bord der noch unentdeckten Sternenarchen befinden, dürfte er dadurch nicht abwenden können. Paronn und seine drei neuen vierarmigen Freunde werden also wahrscheinlich alle 14 Hände voll zu tun haben, um das zu verhindern!

Die Zusatzausstattung des Buchs besteht in einer Risszeichnung eines Bestienraumschiffs und in einem Anhang von Hartmut Kasper über die "Ursprünge" des mythischen Kontinents Lemuria und dessen Verwendung in diversen SF-Romanen.

Als Schlusswort kann ich nur sagen: Mit dem Lemuria-Zyklus bin ich mehr als zufrieden. Besser gesagt: Ich finde ihn spitze (*indielufthüpf*)! Er bietet Unterhaltung auf bestem Niveau und sollte in keiner Sammlung fehlen!


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