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Perry Rhodan Lemuria Band 4: Der erste Unsterbliche

Autor: Leo Lukas

Inhalt

Levian Paronn, der Mann, der vor ca. 55.000 Jahren die frühlemurische Raumfahrt vorangetrieben und die Sternenarchen auf ihre lange Reise geschickt hat, lebt schon seit längerer Zeit inkognito auf Drorah, der Hauptwelt des akonischen Reiches. Paronn war zwar ursprünglich mit der letzten Sternenarche, der ACHATI UMA, von Lemur gestartet. Er hatte aber zusammen mit dem "Hüter" (dem Haluter Icho Tolot) der ja über ein lichtschnelles Schiff verfügte, nach und nach die anderen Archen besucht und sich schließlich nach Drorah abgesetzt. Anfangs war er tatsächlich davon überzeugt gewesen, das lemurische Volk nur durch eine groß angelegte Evakuierungsaktion mittels Generationsraumschiffen vor der drohenden Bestien-Invasion retten zu können. Auf einem seiner Ausflüge von Arche zu Arche war er aber auf eine früh-akonische (oder spät-lemurische) Station im Ichest-System gestoßen und hatte dort die Konstruktionspläne für eine todsicher wirkende Anti-Bestien-Waffe gefunden. Jetzt, d.h. im 14. Jahrhundert NGZ, hat sich sein Plan geändert. Vom zeitgereisten Icho Tolot hatte er ja erfahren, dass und wie dieser in die Vergangenheit gelangt war. Paronn arbeitet nun seit Jahrzehnten einerseits geschickt im Hintergrund, um alles in die Wege zu leiten, damit die Zeitschleife entstehen kann. Darüber hinaus will er Icho Tolot in die Vergangenheit folgen, um dort mit Hilfe der Anti-Haluter-Waffe die Niederlage der Lemurer zu verhindern. Würde ihm das gelingen, so wäre ein ungeheures Zeitparadoxon die Folge, denn dann müssten über 50.000 Jahre der galaktischen Geschichte neu geschrieben werden. Weder die Arkoniden noch die Terraner (vielleicht noch nicht einmal die Akonen) würden dann jemals existiert haben…

Von alldem ahnt Perry Rhodan, der wie viele andere von Paronn subtil manipuliert wird, noch nichts, als er mit der PALENQUE, der LAS-TOÓR und Tolots HALUT im "Blauen System" ankommt. Er will sich Zutritt zur ACHATI UMA verschaffen, um auf dieser Sternenarche mehr über Levian Paronn zu erfahren. Er kann ja nicht wissen, dass Paronn selbst als Wissenschaftler namens Achab ta Mentec durch angebliche neue Forschungsergebnisse dafür gesorgt hat, dass sowohl die ACHATI UMA als auch die NETHACK ACHTON schon im März 1327 NGZ von den Akonen entdeckt werden konnten - was übrigens auch erklärt, warum die siebte akonische Flotte unter Mechtan von Taklir seinerzeit bei der Entdeckung der ersten Sternenarche so schnell zur Stelle sein konnte. Die Akonen denken im Übrigen gar nicht daran, den Terraner auf die letzte Sternenarche zu lassen. So muss er sich heimlich über den Transmitter eines winzigen TLD-Stützpunkts dort einschmuggeln, während die nach peinlichem Verhör in eine "Erholungsanstalt" verbrachte Besatzung der LAS-TOÓR in Wirklichkeit fast den Status von Gefangenen hat. Von dort aus gelingt es den Akoninnen Solina Tormas und Eniva ta Drorar allerdings, brisante Dateien ins milchstraßenweite HistNet einzuspeisen und auf diese Weise einige Zugeständnisse für sich und ihre Freunde, die Terraner, zu erzwingen, unter anderem eine Einflugerlaubnis für alle Schiffe und Zugang zur Sternenarche.

Auf der ACHATI UMA hat Rhodan wenig Erfolg. Zwar hat sich dort aufgrund der im Vergleich zu älteren Sternenarchen stark verbesserten Technik eine weitgehend intakte, wenn auch militaristisch geprägte Gesellschaft erhalten, die jener der alten Lemurer in fast allen Punkten gleicht. Levian Paronn ist aber natürlich nirgends zu finden. Da taucht eine vierte Sternenarche auf - die NEANN OCIS. Diese Arche ist fast ein Geisterschiff, denn außer der Naahkin ist die gesamte Mannschaft einem geheimnisvollen Krankheitserreger zum Opfer gefallen, der auch schon auf anderen Sternenarchen gewütet hat. Als "Ersatz" hat die wegen ihres Zellaktivators gesund gebliebene Kommandantin Klone aus ihren eigenen Körperzellen hergestellt, kleinwüchsige Menschen, die in der eigenwillig geformten Arche (das Schiff erinnert an einen amerikanischen Football, aus dem der Länge nach Segmente herausgeschnitten wurden) eine primitive Kultur entwickelt haben. Eines jener Klonwesen, ein psi-begabter Junge namens Boryk, hat die Naahkin während einer Pilgerreise mit seinen hypnosuggestiven Kräften dazu gebracht, ihm den Zellaktivator zu überlassen, woraufhin sie natürlich gestorben ist. Jetzt entkommt Boryk von der NEANN OCIS, flieht per Transmitter nach Drorah, und nimmt dabei auch noch Paronns persönliches Tagebuch mit. Da Boryk Überträger der Seuche ist, wird alles darangesetzt, ihn dingfest zu machen. Rhodan hilft dabei, nimmt den unfreiwillig Unsterblichen tatsächlich fest und bringt somit Paronns Tagebuch in seinen Besitz - oder das, was davon übrig ist, denn Paronn hat es (immer noch unbemerkt) fast geschafft, es zu zerstören. Leider breitet sich die Seuche jetzt auch bei den Akonen aus…

Währenddessen erwacht in einer Howalgonium-Mine auf Gorbas-IV eine uralte Anlage der Bestien zum Leben, wahrscheinlich aufgrund der von den Sternenarchen abgestrahlten Hyperfunkimpulse. Die hier gefundene seltene Howalgonium-Variante eignet sich besonders für die Konstruktion für ATG-Felder und so ist es kein Wunder, dass die dort seit Jahrzehntausenden im Kälteschlaf liegenden 20 Bestien nicht nur umgehend darangehen, 250.000 weitere Krieger ihrer Art zu züchten, sondern auch eine Zeitmaschine in Betrieb zu nehmen. Durch eine von Levian Paronn geschickt platzierte Botschaft werden Rhodan und seine Leute - auch Icho Tolot - ins Gorbas-System gelockt. Seinen neuen Freund Boryk nimmt Rhodan ebenfalls mit. Paronn folgt ihm in Achabs Rolle mit fünf Schlachtkreuzern. Er will erst abwarten, was Rhodan genau auf Gorbas-IV vorfinden wird. Achabs Vorsicht zahlt sich aus, denn als die PALENQUE, die LAS-TOÓR und die HALUT den Planeten anfliegen, werden sie von den Bestien angegriffen und in arge Bedrängnis gebracht, fügen aber auch den Bestien schwere Schäden zu. Die HALUT stürzt ab. Rhodan, Tolot, Boryk und einige Begleiter müssen sich mit der durch Biowaffen monströs veränderten Tier- und Pflanzenwelt herumschlagen, bis sie endlich vor der Zeitmaschine stehen. Dass sie überhaupt so weit kommen, verdanken sie Icho Tolot - und zwar dem zweiten, aus der Vergangenheit "zurückgekehrten" Tolot, der auf Mentack Nutai eine terranische Space-Jet gekapert hatte (nennen wir ihn den "älteren"). Der andere, noch nicht zeitgereiste Tolot schreitet mehr oder weniger freiwillig durch den Zeittransmitter und verschwindet. Die Space-Jet landet und heraus tritt der "ältere" Tolot…

Jetzt hält Levian Paronn den Moment für gekommen, sich zu erkennen zu geben und die Früchte seiner Bemühungen einzuheimsen. Er behauptet im persönlichen Auftrag Veéhratos zu handeln, nimmt eine Geisel und schickt sich an, ebenfalls den Zeittransmitter zu betreten. Da greift auf Rhodans Wunsch Boryk ein und macht Paronn per Hypnosuggestion unschädlich. Der "ältere" Tolot paralysiert die letzte Bestie und vernichtet den Zeittransmitter. Somit wurde ein Zeitparadoxon noch einmal verhindert, denn offenbar hat alles, was bis jetzt geschehen ist, geschehen müssen...

Kommentar:

Ich hatte so sehr gehofft, dass Leo Lukas sich endlich auf seine alten Qualitäten zurückbesinnen und auf den übertriebenen Klamauk, der mir seine letzten Perry Rhodan - Heftromane verleidet hat, verzichten würde. Und ich wurde nicht enttäuscht! Genauer gesagt: L.L. hatte mich schon nach den ersten vier Seiten dieses Romans fest im Griff. Formulierungen, wie sie in dieser Einleitung zu lesen sind, versöhnen mich mit allen Stentral/Oltran-Eskapaden oder Agent 707-Peinlichkeiten und ähnlichen Ärgernissen, die L.L. sich in der Heftromanserie geleistet hat. Der Rest des Buchs ist hervorragende Unterhaltung mit einer Prise Humor und Ironie, die nur in wenigen Passagen ein bisschen arg ins allzu-lockere abdriftet und deshalb nicht weiter stört. Der Lemuria-Taschenbuchzyklus bleibt (bis auf den Ausreißer des 2. Taschenbuchs) auf überdurchschnittlich gutem Niveau und wenn ich daran denke, dass der nächste Band von Thomas Ziegler geschrieben worden ist, kann ich es vor Erwartung kaum noch aushalten!

Ganz frei von Austriazismen ist dieser Roman leider nicht. Dafür ist er fast völlig frei von Schreibfehlern, was ihn noch mehr zu einer angenehmeren Lektüre macht als so manches andere Buch, das in letzter Zeit neu erschienen ist. Übrigens darf man sich auch diesmal wieder als Spurensucher betätigen, denn L.L. baut immer wieder Anagramme von Namen bekannter Personen in seine Romane ein. Am auffälligsten dürfte diesmal ein Talkshow-Gastgeber namens Dahilm Drschat sein, in dem man unschwer Harald Schmidt erkennen kann. Überhaupt zeichnet L.L. ein sehr interessantes Bild der akonischen Gesellschaft, wenn auch nicht so detailgenau wie Andreas Brandhorst es im letzten Roman mit den alten Lemurern gemacht hat. Wenn man liest, wie extrem die Akonen der Prä-Hyperschock-Ära in allen Bereichen des täglichen Lebens auf die Benutzung von Transmittern setzen, dann kann man nur das schlimmste befürchten - seit der Erhöhung des Hyperwiderstands dürfte auf Drorah und anderen akonischen Welten das reine Chaos herrschen…

Ich liebe es, wenn Rätsel nur nach und nach aufgelöst werden, und zwar auf eine Art, die eigene Spekulationen bis zuletzt ermöglicht. So auch hier. In diesem Zyklus war eigentlich von Anfang an ziemlich klar, dass wir es wieder mit einer Zeitschleife zu tun haben würden, aber was es damit wirklich auf sich hat, ist auch nach dem vorliegenden Roman noch nicht sicher. Eine der beiden großen Fragen, nämlich wie Tolot in die Vergangenheit geraten ist, wurde beantwortet. Die zweite große Frage: Wie ist Paronn an einen Zellaktivator gekommen? bleibt noch offen. Aus den fragmentarisch erhaltenen Tagebucheinträgen Paronns glaube ich entnehmen zu können, dass auch er in der Zeit gereist sein muss. Und damit meine ich jetzt nicht seine Quasi-Zeitreise durch den Dilatationsflug mit der ACHATI UMA. Ich glaube eher, er ist ein Lemurer aus der Zeit des Kriegs gegen die Bestien. Der Zeittransmitter von Gorbas-IV wird Tolot wohl mitten in diesen Krieg geschleudert haben, dort hat der Haluter Kontakt mit Paronn aufgenommen. Gemeinsam sind sie dann noch weiter in die Vergangenheit gereist (vielleicht auch nur Paronn allein) und dort hat Paronn dann das Sternenarchen-Programm ins Leben gerufen. Natürlich kann alles auch ganz anders sein… Übrigens: Welche Rolle hat Veéhrato, auf den Paronn sich bezieht, in diesem Spiel???

Der Anhang zu diesem Roman beschäftigt sich mit dem Thema "Unsterblichkeit" bzw. damit, wie dieses Thema in der Science Fiction verarbeitet wird. Es werden einige Beispiele aus der SF-Lilteratur gebracht - und die klingen so interessant, daß ich mir eins der Bücher sogleich gekauft und die anderen auf meine "Wunschliste" gesetzt habe…


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