Zur Archiv-Startseite
Zur Bücher-Gesamtübersicht
Zur Perry Rhodan - Übersicht
Zur Lemuria-Übersicht
Zurück zu Nr. 2
Weiter zu Nr. 4


Perry Rhodan Lemuria Band 3: Exodus der Generationen

Autor: Andreas Brandhorst

Inhalt

Bei der Suche nach Überlebenden der havarierten Sternenarche LEMCHA OVIR werden einige Besatzungsmitglieder der PALENQUE und der LAS-TOÓR (darunter auch Denetree, die junge Lemurerin aus der NETHACK ACHTON) von Transmitterfeldern erfasst und in eine Alt-Akonische Raumstation entführt, die in einem Planetoiden versteckt ist. Das gleiche Schicksal erleidet eine Gruppe von Mutanten aus der Sternenarche, die mit einer Rettungskapsel aus den Wrackteilen geflohen waren. Auch Icho Tolot, der Rhodans Bitte folgend nach Mentack Nutai hatte fliegen wollen, wird mit seinem Schiff dorthin verschleppt. Alle Entführten geraten in Lebensgefahr, weil die nicht mehr richtig funktionierende Stations-KI sie für Feinde bzw. für Kollaborateure des Feindes hält - wer der "Feind" ist, findet Denetree heraus, die beim Kampf gegen einen Roboter von ihrer Gruppe getrennt wird. Offenbar wurde die Station eigens zu dem Zweck errichtet, eine speziell gegen Haluter (oder Bestien) wirksame Waffe zu entwickeln. Denetree entdeckt Labors, in denen noch Überreste von Halutern in den Tanks von Untersuchungsanlagen schweben. Sie befreit einen weiteren, allerdings noch lebendigen Haluter, der in einem Stasisfeld gefangen ist. Der Name des Haluters lautet Torg Kaltem und er scheint hier seit der Zeit gefangen zu sein, als Icho Tolot erstmals Kontakt mit dem Solaren Imperium aufgenommen hatte. Kaltem wird von der Anti-Haluter-Waffe tödlich verletzt, kann Tolot aber noch eine Botschaft übermitteln, bevor er stirbt. Den Entführten gelingt die Flucht aus der im Atombrand eines Selbstzerstörungsprozesses vergehenden Station nur mit Hilfe der Mutanten von der LEMCHA OVIR, denen es gelungen war, sich unter Aufgabe ihrer körperlichen Existenz mit der Stations-KI zu verbinden. Die Station wiederum war schon vor längerer Zeit eine Verbindung mit einem der Energiewesen von Mentack Nutai eingegangen, das den Entführten im Gegensatz zur eigentlichen KI freundlich gesonnen ist. Die aus all diesen Verbindungen hervorgegangene körperlose Entität verlässt die explodierende Station in einem Funkimpuls, nachdem sie den Entführten die Flucht ermöglicht hat.

Auf der PALENQUE wird währenddessen mit der Untersuchung des aus der LEMCHA OVIR geborgenen Datenspeichers begonnen. Das Gerät fängt plötzlich an, seinen Inhalt auf mentalem Weg in Perry Rhodans Geist zu übertragen. Rhodan "erlebt" auf diese Weise mit, wie in der Zeit von ca. 51.900 v. Chr. bis 51.747 v. Chr. die lemurischen Sternenarchen ihren Weg ins Ungewisse antreten.

In dieser Zeit, als die "Erste Menschheit" gerade die ersten Schritte ins All hinaus wagt, tritt auf Lemur ein geheimnisvoller Mann namens Levian Paronn in Erscheinung, dessen Herkunft und Vergangenheit selbst für seinen Chronisten Deshan Apian rätselhaft bleibt. Paronn treibt das Raumfahrtprogramm energisch voran und tritt eine Zeitlang in einer zweiten Identität als "Verkünder" auf, der die Lemurer vor einem noch unbekannten Feind aus dem All warnt, der eine noch schlimmere Bedrohung sein soll als die Konos (= die von den Terranern so genannten Präbios), die das Volk der Lemurer vor langer Zeit an den Rand der Vernichtung gebracht haben. Mit dieser noch nicht namentlich genannten Gefahr aus dem All können nur die "Bestien" gemeint sein, die Vorfahren der Haluter. Als "Verkünder" schlüpft Paronn in die Rolle des unsterblichen zwölften Heroen Vehraáto und schart im Laufe der Zeit mehrere zehntausend "Sternensucher" um sich, deren erklärtes Ziel es ist, Lemur zu verlassen, damit das Volk der Lemurer im All überleben kann, wenn der "Feind" angreifen sollte.

Nach einiger Zeit, als sein Einfluss groß genug ist, gibt Paronn die Doppel-Identität auf. Unter seiner Leitung unternimmt das Volk der Lemurer enorme Anstrengungen, um insgesamt 47 Generationenraumschiffe zu bauen, mit denen die Sternensucher Lemur verlassen wollen. Antrieb und Ortungsschutz dieser riesigen Schiffe basieren auf der Annihilationsreaktion von Neutrinos und Anti-Neutrinos, welche von besonders psi-begabten Lemurern gesteuert werden kann. Die entsprechende Technik wurde von Paronn maßgeblich mitentwickelt - überhaupt scheint der rätselhafte Mann über ein Wissen zu verfügen, das weit über den aktuellen technologischen Entwicklungsstand der Lemurer hinausgeht. Deshan Apians Frau ist eine der ersten, die bemerken, dass Paronn außerdem nicht altert. Quelle seiner ewigen Jugend ist ein eiförmiges Gerät, das er immer trägt - ein Zellaktivator. Paronn ist in der Lage, diese Geräte nachzubauen (wenn auch nicht perfekt) und er stattet die Kommandanten der Sternenarchen mit Aktivatoren aus, denn wenigstens einer an Bord muss die Erinnerung an Lemur lebendig erhalten.

Vor dem Start der ersten Sternenarche erreicht tatsächlich ein Schiff des Feindes, vor dem Paronn immer gewarnt hat, den Planeten Lemur. Zu Deshans Überraschung versteht Paronn die Sprache der Fremden! Das zwar kleine, aber mit überlegener Bewaffnung ausgestattete Kugelschiff kann nur vernichtet werden, weil es bereits beschädigt ist. Paronn befürchtet, er selbst habe den Feind nach Lemur gelockt. Nach dieser Episode brechen die 47 Sternenarchen über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten hinweg zum Dilatationsflug auf. Eines der Generationenraumschiffe wird von Deshan Apian befehligt, dem Paronn im hohen Alter ebenfalls einen Zellaktivator verliehen hat. Als letztes Schiff startet die ACHATI UMA mit Paronn selbst als Kommandanten. Ironischerweise steht beim Start von Paronns Arche die Entwicklung des ersten lemurischen Überlichtantriebs kurz bevor.

Als Perry Rhodan aus der Trance erwacht, trifft die Nachricht über die Entdeckung einer weiteren Sternenarche auf der PALENQUE ein. Das Generationenraumschiff wurde vor Akon aufgebracht - es ist die ACHATI UMA…

Kommentar:

Andreas Brandhorst - das ist ein Name, bei dem alte SF-Fans wie ich aufhorchen. Unter dem Pseudonym Andreas Weiler hatte er in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts maßgeblichen Anteil an der leider recht kurzlebigen Heftromanserie "Die Terranauten", die später in Taschenbuchform weitergeführt worden war. Lemuria 3 ist sein erster Beitrag zum Perryversum - und was für einer! Der definitiv einzige Kritikpunkt, der mir nach langer Suche aufgefallen ist, besteht darin, dass die Figuren seines Romans ständig nach irgend etwas "trachten". Man hätte auch einfacher schreiben können, dass sie etwas "versuchen" oder so. Ansonsten ist dieser Roman sprachlich und inhaltlich um Lichtjahre besser als Kneifels Beitrag zum Lemuria-Zyklus. Er lässt auch Lemuria 1 noch hinter sich, da er außer der spannenden Story voller Rätsel auch noch andere Qualitäten hat, die man zwischen den Zeilen herauslesen kann. Besonders gut gefallen haben mir die Schilderungen der frühlemurischen Gesellschaft, die solange wie aus einem Guss wirkt, bis Levian Paronn sie mit seinen ehrgeizigen Zielen spaltet. Solidarität steht in dieser Gesellschaft an erster Stelle und in der Hierarchie (wenn man überhaupt von einer Rangordnung in dieser Form sprechen kann) steigt man nur auf, wenn man sich um das Wohl des lemurischen Volkes verdient gemacht hat. Der Roman bietet somit einen interessanten Blick in einen Abschnitt der lemurischen Kultur lange vor der Entstehung des Großen Tamaniums, über den wir noch nichts wussten. Ein äußerst unterhaltsamer Roman, hervorragend geschrieben - ein einziger Genuss, der unbedingt wiederholt werden sollte. Sprich: Andreas Brandhorst muss schnellstens Perry Rhodan - Stammautor werden!

Wer ist Levian Paronn? Ist er überhaupt ein Lemurer - und wenn ja, aus welcher Zeitepoche stammt er? Ich danke da an die MdI, die ja ihre schmierigen Finger in der lemurischen Vergangenheit hatten… Sicher scheint mir zu sein, dass Paronn eine Begegnung mit dem (zeitgereisten?) Icho Tolot hatte, über die wir vermutlich in einem der nächsten Taschenbücher mehr erfahren werden. Vermutlich hat er von ihm irgend etwas über die Bestien-Invasion gehört. Aber wenn das zutrifft: Müsste er dann nicht auch wissen, dass die Lemurer sich durch Flucht nach Andromeda vor der Ausrottung retten können und dass viele Lemurer auf der Erde bleiben, aus denen sich dann die Terraner entwickeln werden? Von den Akonen ganz zu schweigen? Warum dann also seine Überzeugung, die Lemurer könnten als Volk nur überleben, wenn sie ihr Heimatsystem mit Sternenarchen verlassen? Man könnte natürlich denken, die Akonen seien die Nachkommen von Lemurern aus einer dieser Archen. Das kann aber nicht stimmen, denn die Vorväter der heutigen Akonen waren schon ins Große Tamanium der Lemurer eingegliedert und die Archen waren ja während all dieser Zeit immer noch unterwegs. Ein noch größeres Rätsel scheint mir Paronns Zellaktivator zu sein. Wohlgemerkt: Er trägt keinen ZA-Chip, sondern eines der "alten" eiförmigen Geräte. Ich kann mir kaum vorstellen, dass er den von Tolot erhalten hat. Besonders erstaunlich finde ich, dass Paronn in der Lage ist, Zellaktivatoren mehr oder weniger gut nachzubauen. Es wurde ja nie wirklich geklärt, woher die MdI ihre ZAs bezogen haben. Man sollte auch Ermigoa nicht vergessen, die auch vor ungefähr 50.000 Jahren gelebt hat und im Besitz eines ZA war. Vielleicht gibt es da Zusammenhänge? Paronn gibt sich als Vehraáto aus. Da fällt mir natürlich gleich "Vhrato, der Sonnenbote" ein, dessen Kult sich bei vielen Intelligenzvölkern der Milchstraße findet und den die Gäa-Menschheit in der Zeit der Laren-Invasion von den Vincranern übernommen hatte. An eine zufällige Namensähnlichkeit glaube ich nicht…

Mir ist immer noch schleierhaft, welche Rolle die Akonen in dieser ganzen Geschichte spielen. Warum taucht z.B. die ACHATI UMA ausgerechnet vor Akon auf? Jetzt begegnet Tolot in einer alten akonischen Station auch noch einem Haluter, der dort Jahrtausende in einem Stasisfeld überdauert hat und der Tolot eine Botschaft überbringt, die - wenn ich mich nicht sehr irre - letztlich dazu führen wird, dass Tolot in die Vergangenheit gerät.

Im Anhang von Hartmut Kasper geht es diesmal um das Phänomen der Zeitdilatation in Wissenschaft und SF, ein kurzes Interview mit Andreas Brandhorst gehört auch dazu.


Zur Archiv-Startseite
Zur Bücher-Gesamtübersicht
Zur Perry Rhodan - Übersicht
Zur Lemuria-Übersicht
Zurück zu Nr. 2
Weiter zu Nr. 4