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Perry Rhodan Lemuria Band 1: Die Sternenarche

Autor: Frank Borsch

Inhalt

Im April 1327 NGZ, als der Krieg gegen das Reich Tradom schon fast vergessen ist und noch keiner (außer vielleicht Perry Rhodan) ahnt, welche Katastrophe sich mit der Erhöhung des Hyperwiderstands durch die Kosmokraten anbahnt, ist Perry Rhodan inoffiziell in diplomatischer Mission unterwegs im Ochent-Nebel. Diese weitestgehend unbewohnte und von Hyperstürmen heimgesuchte Region der Milchstraße wird hauptsächlich von Prospektoren durchflogen, die dort auf der Suche nach Reichtümern wie z.B. Hyperkristallen sind. Der Raumsektor grenzt an die Einflussbereiche der Akonen und der Blues, gilt aber als Niemandsland. Rhodan ist Gast auf dem 200-Meter-Kugelraumer PALENQUE. Er will Kontakte zu den Akonen und dem Forum Raglund knüpfen, denn in den harten Zeiten, die sich ankündigen, kann die LFT jeden Freund brauchen, den sie finden kann. Die PALENQUE wird von einem privaten Firmenkonsortium betrieben und hat die Aufgabe, Rohstoffquellen zu entdecken und auszubeuten. Sie ist deshalb nur leicht bewaffnet, könnte eine Generalüberholung (vor allem aber eine Grundreinigung) vertragen und wird von… hm… Individualisten bemannt. Die Besatzung besteht aus ca. 40 Terranern, zwei Blues und einem Gurrad.

Zunächst einmal herrscht die übliche Routine an Bord, bis plötzlich ein Beiboot verloren geht: Es ist im All mit einem Hindernis kollidiert und wurde dabei restlos vernichtet. Wie sich herausstellt, war das Objekt ein Trümmerstück von einer primitiven Raumfähre, die mit annähernder Lichtgeschwindigkeit durchs All rast. Das Wrack wird geborgen und auf der PALENQUE untersucht. Es ist ein Überlebender an Bord, ein humanoides Lebewesen, das sich beim Anblick der schwarzen Fantasie-Uniform der Kommandantin der PALENQUE mit deren Kombistrahler erschießt - die Waffe war der überforderten Kommandantin Sharita Coho zu Boden gefallen. Die Untersuchung der Leiche und des Wracks bringt ein überraschendes Ergebnis: Der Fremde muss ein Lemurer gewesen sein. Seine Fähre wurde offensichtlich mit einem Raumtorpedo oder einer ähnlich einfachen Waffe abgeschossen.

Es ist klar, dass die Fähre von einem Mutterschiff gekommen sein muss, welches sich ebenfalls mit relativistischer Geschwindigkeit bewegt hat. Auf Rhodans Rat hin wird dieses Mutterschiff gesucht - es könnte ja sein, (so macht Rhodan die Sache Kommandantin Sharita Coho schmackhaft), dass sich ein Geschäft damit machen lässt. Leider befindet sich das akonische Explorerschiff LAS-TOÓR in der Nähe, dessen Besatzung ähnliche Pläne hat. Als beide Schiffe die "Sternenarche" entdecken (was kein leichtes Unterfangen ist, weil sie über einen eigenartigen Ortungsschutz verfügt) und ihre Geschwindigkeiten angleichen, droht die Situation zu eskalieren. Der akonische Kommandant bleibt jedoch besonnen und Rhodan redet der Besatzung der PALENQUE gut zu. Man beschließt deshalb, das fremde Schiff gemeinsam zu untersuchen. Zur Sicherheit werden allerdings Gäste (= Geiseln) ausgetauscht: Ein terranischer Wissenschaftler erfreut sich deshalb für die Dauer der Expedition an der erlesenen akonischen Gastfreundschaft, während die akonische Geisel sich nach anfänglichen Ressentiments mit Alemaheyu Kossa, dem Funker der PALENQUE, anfreundet. Beide Kommandanten verheimlichen die Erforschung der Sternenarche vor ihren jeweiligen Flotten. Admiral Mechtan von Taklir, Chef der nicht weit entfernten Siebten Akonischen Flotte, scheint aber irgendetwas zu ahnen und rückt mit seinen Schiffen an, obwohl Jere von Baloy (Kapitän der LAS-TOÓR) genau das vermeiden wollte.

Das terranisch-lemurische Team, angeführt von Perry Rhodan, erkundet das ca. fünf Kilometer lange und 500 Meter durchmessende, zylinderförmige Lemurerschiff. Es besteht aus drei rotierenden Decks, auf denen wegen der Rotation unterschiedliche Schwerkraftverhältnisse herrschen. Man entdeckt einen Altar, der zur Verehrung eines geheimnisvollen "Hüters" errichtet wurde - und dieser "Hüter" hat die Gestalt eines Haluters! Rhodans Leute begegnen in der Sternenarche der jungen Denetree. Sie ist die Schwester des Manns in dem Raumfähren-Wrack. Der Name der Sternenarche lautet NETHACK ACHTON. Sie ist ein lemurisches Generationenraumschiff, das im Dilatationsflug durch den Ochent-Sektor rast. Sofern es seinen Kurs in der Zwischenzeit nicht geändert hat, lässt sich der Ausgangspunkt eindeutig bestimmen: Es kommt von der Erde. Wegen der relativistischen Geschwindigkeit sind auf dem Generationenraumschiff "nur" 500 Jahre vergangen, während es in Wirklichkeit schon seit über 50.000 Jahren unterwegs ist. Die NETHACK ACHTON muss schon vor der Gründung des Großen Tamaniums der Lemurer gestartet sein, ihr Ziel ist unbekannt.

Auf der NETHACK ACHTON ist wegen der begrenzten Ressourcen und der immer mehr zerfallenden Anlagen alles auf Low-Tech, Energieersparnis und Robustheit ausgelegt. Es gibt praktisch keine Roboter, alles wird in Handarbeit von Lemurern erledigt. Auf dem äußeren Deck wird hauptsächlich Ackerbau mit vermutlich genetisch veränderten Pflanzen betrieben, während das mittlere Deck vorwiegend als Wohnbereich dient. Überall herrschen vergleichsweise primitive, beengte und vor allem stets schlechter werdende Bedingungen vor. Kommandant der Sternenarche ist der Naahk Lemal Netwar. Er führt ein strenges Regime und trägt einen eiförmigen Zellaktivator, der aber entweder fehlerhaft ist oder gar nicht arbeitet, denn der Naahk leidet unter schwerer Gelenkarthrose. Besonders unbarmherzig geht er gegen alle vor, die die Sicherheit des Schiffes gefährden. Dabei wird er vom Rechner-Netzwerk der Sternenarche unter Druck gesetzt, welches er selbst modifiziert hat; seitdem hat es ein bedenkliches Eigenleben entwickelt. Für die Sternenarche gilt das Gebot der Unauffälligkeit, d.h. der jetzt eingetretene Fall, dass sie nämlich von Fremden entdeckt wird, ist die schlimmste denkbare Katastrophe. Deshalb wurde auch die von den Terranern aufgefundene Fähre abgeschossen. Ihr Passagier (Denetrees Bruder) hatte zu einer Gruppe von Träumern gehört, die aus der Enge und der starren Hierarchie des Generationenschiffs ausbrechen und die Sterne sehen wollten. Alle Mitglieder dieser Gruppe - bis auf Denetree - werden hingerichtet.

Der Naahk tritt Rhodans Gruppe mit einigen Sicherheitskräften entgegen, kann aber nichts ausrichten, denn die Bewaffnung der Terraner und Akonen ist der seinen weit überlegen. Rhodan überzeugt ihn, dass der NETHACK ACHTON keine Gefahr droht. Da tauchen überraschend Tausende von Raumsoldaten auf, an ihrer Spitze Mechtan von Taklir. Der Admiral erklärt die Sternenarche zum Eigentum Akons und vertreibt die Terraner. Solina Tormas, akonische Historikerin von der LAS-TOÓR und Mitglied der kleinen Gruppe, die die Arche zuerst betreten hat, überzeugt den Admiral davon, dass Denetree eine terranische Spionin sei - so kann die junge Frau mit auf die PALENQUE genommen werden. Sie besitzt einen Speicherchip, auf dem möglicherweise mehr Informationen über die Sternenarche zu finden sind. Wenig später fängt Alemaheyu Kossa einen Hyperfunkimpuls auf, der von der Sternenarche gekommen sein muss - was eigentlich völlig unmöglich ist. Es gibt also noch einige Geheimnisse im Zusammenhang mit den Alt-Lemurern zu erforschen.

Zunächst einmal feiern jedoch die Besatzungen der PALENQUE und der LAS-TOÓR in einer Kneipe auf Maahkora Verbrüderung. Es wird eine lange, feucht-fröhliche Nacht, in der die Akonen den alten terranischen Brauch des Karaoke lernen…

Kommentar:

Na, das war doch mal ein ganz erheblich besserer Auftakt als der erste Odyssee-Roman. Es war eine gute Entscheidung, Frank Borsch dieses Buch schreiben zu lassen, denn im ersten Roman eines neuen Zyklus entscheidet es sich, ob die Hauptfiguren überzeugend eingeführt werden, ob sie sympathisch sind, ob man sich mit ihnen identifizieren kann und ob man ihre Schicksale auch in den nächsten Romanen weiterverfolgen möchte. Und in der Charakterzeichnung seiner Protagonisten hat Frank Borsch schon in der Heftromanserie öfters ein gutes Händchen bewiesen. So auch hier. Die bunt zusammengewürfelte Mannschaft der PALENQUE ist ein interessantes Sammelsurium skurriler Typen, die alle ihre eigenen Persönlichkeiten mit Ecken, Kanten und Macken haben, auch wenn sie zumeist doch nur gängige Klischees bedienen. Dieses Szenario hat mich manchmal an die frühen Geschichten um die BASIS erinnert. Am besten gefällt mir "Mama" Alemaheyu Kossa, der ein begnadeter Luftgitarren-Spieler ist und Völkerverständigung der besonderen Art betreibt: mit einem Sixpack Bier, einem ordentlich gebauten Joint und guter Musik.

Okay: Die Vorurteile und Missverständnisse zwischen Terranern und Akonen werden vielleicht etwas zu übertrieben dargestellt und die Verbrüderung am Schluss kommt vielleicht etwas zu überhastet und zu unmotiviert. Wenigstens müssen die Akonen aber nicht als eindimensionale Finsterlinge und unmotiviert herumballerndes Kanonenfutter herhalten. Im Gegenteil: Sie handeln ruhig, durchdacht und eigentlich genau so, wie die Terraner es auch tun. Schön fand ich auch die Art und Weise, wie Perry Rhodan hier auftritt. Er bleibt meist im Hintergrund, wir "sehen" ihn hauptsächlich durch die Augen der PALENQUE-Besatzung und erfahren einiges über ihn durch ihre Reaktionen. Wenn ich da an die Nervensägen zurückdenke, mit denen wir zu Beginn des Odyssee-Zyklus konfrontiert wurden, dann bin ich für einen Roman wie diesen doppelt dankbar! Auch die Situation auf der NETHACK ACHTON (komischer Name übrigens) wird sehr überzeugend vermittelt. Gute Geschichten wie diese handeln eben immer noch von Menschen und nicht von doch immer abstrakt bleibenden kosmischen Ereignissen, großen Kriegen oder Technik-Exzessen.

Positiv ist auch zu vermerken, dass von der Thematik her mal kleinere Brötchen gebacken werden. Da muss nicht gleich zu Anfang das gesamte Universum gerettet werden, man reist nicht in eine andere Galaxis, die gerade erobert wird, oder in eine Jahrmilliarden entfernte Zukunft, sondern erstmal nur in eine etwas hinterwäldlerische Gegend der Milchstraße. Trotzdem werden schon wieder genug Fragen aufgeworfen, die mir Appetit auf die folgenden Romane gemacht haben. Bisher haben wir im Perryversum auch noch kaum etwas (oder gar nichts) über die lemurische Geschichte aus der Zeit vor den Haluterkriegen erfahren - vielleicht ergeben sich da in diesem Zyklus ganz neue Aspekte. Ich vermute ja schon mal, dass die Meister der Insel oder ihre Zeitagenten irgendwie ihre schmutzigen Finger im Spiel haben. Außerdem scheinen die Akonen, wenigstens die höhergestellten, mehr über die Sternenarche zu wissen, als Rhodan zurzeit ahnt.

Es gibt aber auch ein paar Negativpunkte, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Als erstes fällt die überdurchschnittlich große Anzahl teils sehr krasser (Schreib-)Fehler ins Auge. Ein oder zwei Sätze ergeben überhaupt keinen Sinn, andere sind etwas umständlich formuliert. Teilweise wurden Worte doppelt gedruckt, in anderen Sätzen fehlen wieder welche. Dazu kommt die übliche "dass-das-Problematik" und manch anderer Patzer. Da muss ich mich doch allmählich fragen, ob hier das Geld für einen Redakteur (oder wie man die Person nennt, die ein Manuskript korrekturlesen muss) gespart wurde oder ob die WORD-Rechtschreibprüfung nicht eingeschaltet war…

Das größte Problem ist jedoch die Ausgangssituation der Story. Die Idee, Rhodan mit einem privaten Prospektorenschiff auf eine inoffizielle Mission zu schicken, die das Ziel hat, das Verhältnis zu den Akonen zu verbessern, halte ich für total an den Haaren herbeigezogen. Warum inoffiziell? Warum Rhodan (es gibt doch einen LFT-Außenminister)? Warum er allein? Warum auf einem privaten Schiff? Warum fliegt er nicht gleich ins Blaue System, wenn er Akonen treffen will? Für nichts davon wird im Roman ein vernünftiger Grund genannt. Es wurde wohl lediglich eine Ausrede dafür gesucht, Rhodan ohne Unterstützung durch die Flotte in diesen abgelegenen Raumsektor zu befördern. Wenn er schon so vorgehen musste: Warum dann an Bord eines Schiffes, das von der Inkompetenz in Person kommandiert wird? Die Kommandantin der PALENQUE hatte bis jetzt keine andere Aufgabe, als den Leser zu nerven, ein Missgeschick nach dem anderen zu provozieren und ungünstige Situationen noch weiter anzuheizen. Aber ich will nicht meckern: Auf einem Schiff voller Verrückter sticht sie gar nicht so sehr hervor, die Kontinuität der Handlung bleibt also gewahrt…

Insgesamt trotzdem ein sehr schöner erster Roman für den neuen Zyklus, wenn auch mit Abzügen in der "B-Note" wegen der vielen störenden Fehler.

Wie bereits in den letzten Taschenbuchzyklen gibt es wieder eine Sonderausstattung: Eine Risszeichnung der PALENQUE und einen 20-seitigen Anhang von Hartmut Kasper, der sich mit dem Konzept der Generationenraumschiffe in der SF allgemein und mit derartigen Schiffen in der Perry Rhodan-Serie speziell beschäftigt. Dabei darf natürlich auch das berühmteste Generationenschiff der Perry Rhodan - Serie nicht fehlen: Die SOL.


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