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Clark Darlton - Der Mann, der die Zukunft brachte
VPM 2000
224 Seiten, gebunden
Autor: Heiko Langhans

Biografie über einen der beiden geistigen Väter (bei Darlton würde ich sagen: Er ist die Mutter) des Serienhelden Perry Rhodan. Es sind viele Bilder enthalten, auch Abdrucke einiger Original-Dokumente aus der PR-Anfangszeit. Wer die Serie und ihren Helden nun wirklich erfunden hat - Scheer oder Ernsting - wird auch in diesem Buch nicht geklärt, diese Frage wird wahrscheinlich für alle Zeiten offen bleiben.

Zum Inhalt des Buchs kann ich im wesentlichen auf die Rezi zur Scheer-Biografie verweisen. Der wesentlichste Unterschied besteht vielleicht darin, daß Langhans sich für diese Biografie noch persönlich mit seinem "Objekt" unterhalten konnte. Im Gegensatz zu K.H. Scheer ist Walter Ernsting (so Clark Darltons bürgerlicher Name) ein durch und durch humoristischer Mensch, und so strotzt diese Biografie nur so vor Anekdoten und lustigen Begebenheiten aus Ernstings bewegtem Leben. Das Buch ist deshalb etwas unterhaltsamer als das Buch über Scheer, der ja eher ein trockener Typ war. Man erfährt hier auch wesentlich mehr über den Menschen, der sich hinter dem Pseudonym verbirgt. Insbesondere die Kriegserlebnisse und Ernstings Aktivitäten in der frühen SF-Fanszene sind lesenswert. Während Scheer sich am meisten für die technischen Aspekte der PR-Serie interessiert hat (deshalb auch der Titel seiner Biografie), ging es Ernsting in seinen Romanen neben dem Humor - der meist irgendwie in Verbindung mit dem Mausbiber Gucky in die Handlung eingebracht wurde - vor allem um den sogenannten Sense of Wonder, also die Faszination für die unendliche Weite des Alls, die Wunder fremder Welten und die Geheimnisse von Raum und Zeit. Am typischsten kommen diese Aspekte wohl in der von ihm erfundenen Figur des Teletemporariers Ernst Ellert zum Ausdruck, der sich als freier Geist durch den Kosmos und die Zeit bewegen kann.

Vor dem Start der PR-Serie war Ernsting maßgeblich daran beteiligt, der von ihm übersetzten und z.T. überarbeiteten englischsprachigen Science Fiction in Deutschland einen Markt zu verschaffen. Forrest (Forry) Ackerman, der SF-Fan Nr. 1 aus Amerika, war dabei sein Freund und Helfer. Eigene Romane - und mit der Zeit ist davon eine erhebliche Menge auch außerhalb der PR-Serie zusammengekommen - mußte Ernsting Anfangs noch unter Verwendung eines kleinen Tricks an den Mann (bzw. an den Erich Pabel - Verlag) bringen: Da sich niemand für deutsche SF-Autoren interessierte, mußte Ernsting ein amerikanisch klingendes Pseudonym für sich erfinden und sich selbst als Mittelsmann für diesen Autor ausgeben... Der Titel der Ernsting-Biografie dürfte denn auch auf diese Leistung zurückzuführen sein. Wer weiß, ob es in Deutschland ohne Ernsting jemals internationale SF-Literatur gegeben hätte? Oder wenigstens schon so bald nach dem zweiten Weltkrieg?

Breiter Raum wird in der Biografie auch auf die Entstehungsgeschichte des deutschen SF-Fandoms in den Sechzigerjahren verwendet. Hier war Ernsting ebenfalls eine wichtige Persönlichkeit, er hat den ersten deutschen SF-Fanclub, den SFCD, gegründet und die Szene jahrelang betreut. Es werden allerdings auch nicht die Ärgernisse und Unstimmigkeiten verschwiegen, die es im Fandom wegen Ernstings eigenwilliger Persönlichkeit in späteren Jahren gegeben hat.

Besonders die Arbeit an der PR-Serie war für Ernsting mit Reibungen und Spannungen verbunden. Persönliche (künstlerische) Freiheit war ihm immer besonders wichtig und er wollte sich nur ungern in das enge Korsett Scheer`scher Vorgaben zwängen lassen. Man kann sich ohnehin keine gegensätzlicheren Charaktere vorstellen als ausgerechnet die beiden Überväter Scheer und Ernsting. Querelen und echter Streit waren dabei vorprogrammiert.

Wer mehr wissen will, der soll gefälligst das Buch lesen! Es ist wirklich interessant, auch für Nicht-PR-Fans, und unterhaltsam geschrieben.


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