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Perry - Unser Mann im All Nr. 130 (Neue Reihe #0): Das Versteck im Hyperraum

PERRY - Unser Mann im All 130

Verlag Alligator Farm
32 Seiten, Format ca. 17 x 24 cm, erschienen im April 2006
Story: Karl Nagel
Titelbild: Swen Papenbrock
Zeichner: Wittek, Annik Lazar, Inge Förtsch, Mischa Bernauer, Philip Cassirer, Simone Kesterton, Arne Peters, Vincent Burmeister, Henrik Fetz, Christian Ehlers, Jesper Jürgens, Till Felix, Sarah Buhk

Story:

Perry Rhodan, Atlan und ihre Gefährten sind mit der CREST II unterwegs. Das Schiff war in Stillstand-Feldern gefangen - niemand weiß, wie viel Zeit währenddessen vergangen ist. Die CREST ist auf der Spur des so genannten Gralmutanten, der intelligente Wesen mit Hypnokäfern versklavt. Plötzlich wird das Schiff von einer gewaltigen Kraft unaufhaltsam zu einem gigantischen pilzförmigen Dom gezogen, der auf einem Planeten steht. Eine unbekannte Strahlung versetzt die Besatzung der CREST in Tiefschlaf. Nur Perry Rhodan bleibt verschont. Mit einem Beiboot fliegt er zu dem seltsamen Gebilde und wird ins Innere gesaugt.

Im Inneren des Pilzdoms begegnet Rhodan der Galornin Kaif Chiriatha, die ihm die Brücke in die Unendlichkeit zeigt und ihm von Thoregon berichtet. Sie übergibt ihm den blauen Galornenanzug und verkündet, der Milchstraße stehe ein Jahrtausend der Kriege bevor. Damit wird er wieder entlassen. Währenddessen ist die Besatzung der CREST wieder erwacht und hat vergeblich versucht, den Pilzdom zu knacken, aber selbst die Bemühungen Guckys sind erfolglos geblieben. Als Rhodan wieder auftaucht, ist die CREST schon von 29 Raumschiffen eingekreist worden. Zu ihrer Überraschung stellen die Leute von der CREST fest, dass es sich um eine Explorerflotte handelt, die vor tausend Jahren verschollen ist. Allerdings war diese Flotte einst 30 Schiffe stark.

Per Funk fordern die Unbekannten Rhodan auf, ihnen die Kristalle zu übergeben, die er vom Zeitplaneten geholt hat. Atlan würde am liebsten sofort die Waffen sprechen lassen, aber Rhodan lässt zu, dass die Fremden die Steuerung der CREST übernehmen. Es handelt sich um Menschen, die durch Hypnokäfer des Gralmutanten beeinflusst werden. Die CREST wird in den Hyperraum versetzt, wo sich das dreißigste Explorerschiff in einer stabilen Hyperraumblase befindet. Der Gralmutant - oder besser: Die Gralmutantin, denn es ist ein weibliches Wesen - meldet sich und lädt Rhodan zu sich ein. Rhodan hat keine Wahl, als dieser "Einladung" Folge zu leisten, er nimmt Atlan und Don Redhorse mit.

Entsetzt stellen die drei Männer fest, dass die Gralmutantin kaum noch etwas menschliches mehr an sich hat: Der Oberkörper ist zwar der einer Frau, aber der Unterleib ist der einer gewaltigen Spinne. Insektenflügel entspringen ihrem Rücken und ihr Schädel ist länglich deformiert. Das Wesen berichtet, die Explorerflotte sei einst in der Hyperblase gestrandet und dort jahrelang gefangen gewesen. Sie sei das einzige dort geborene Kind, das überlebt habe. Die Hypnokäfer sind die Brut der Mutantin, und mit ihnen konnte sie die Menschen sowohl geistig übernehmen als auch unsterblich machen. Mit jedem Übernommenen wuchs ihre Macht, bis sie eine Verbindung zum Normalraum schaffen konnte. Jetzt will sie alle Völker des Universums versklaven, doch dazu braucht sie Rhodans Zellaktivator.

Rhodan beugt sich scheinbar dem Willen der Mutantin und übergibt ihr seinen Zellaktivator. Auch Atlan soll ihr sein lebensverlängerndes Gerät übergeben. Rhodans Plan geht auf: Die Energie zweier Aktivatoren ist zuviel für die Mutantin - sie verbrennt und zerplatzt. Auch die Hyperblase bricht zusammen, so dass alle ehemaligen Explorerschiffe vernichtet werden. Gucky und das Sternenmädchen Shira teleportieren Rhodan und seine Gefährten in Sicherheit, der Emotionaut Mentro Kosum steuert die CREST durch ein Gewaltmanöver aus der Gefahrenzone.

Kommentar:

Die neuen PERRY-Comics sind eine Fortsetzung der gleichnamigen Serie, die in den Siebzigerjahren zwar sehr populär, aber auch umstritten war. Das italienische Zeichnerteam hatte einen ganz eigentümlichen, grellbunten Pop-Art-Stil eingeführt und barbusige Damen waren damals praktisch auf jeder Seite vertreten. Das in den Comics dargestellte Universum hatte herzlich wenig Ähnlichkeit mit dem "echten" Perryversum aus den Romanen. Die Namen der Hauptfiguren, Schiffe und Schauplätze stammten zwar aus dem Perryversum, aber die Geschichten waren wilde Mixturen aller möglichen Elemente, die im eigentlichen Handlungsverlauf der Perry Rhodan - Serie oft gar nichts miteinander zu tun hatten.

Genau diesen Stil greift die neue Serie auf, die sich inhaltlich und auch von der Nummerierung her nahtlos an die alte Serie anschließt. Schlägt man das Heft auf, weiß man sofort, was die Stunde geschlagen hat: Ein psychedelischer Farbenrausch, eine halbnackte Auris, ein Pilzdom, der wie ein Penis aussieht (und auch etwas Sperma-ähnliches zu ejakulieren scheint)... Die Story verbindet fröhlich Handlungselemente, die in der Heftserie Hunderte von Jahren voneinander entfernt sind und es agieren Personen nebeneinander, die sich eigentlich niemals hätten begegnen dürfen. Personen und Objekte ähneln zwar dem, was man aus der Heftromanserie kennt, stimmen aber doch nicht wirklich damit überein. Da wären die bereits erwähnten Damen in ihren unzweckmäßigen Kleidungsstücken, oder auch Kugelraumer mit Antriebsdüsen im Ringwulst, die ihre Partikelströme seitwärts in alle Richtungen abstrahlen, so dass die Schiffe sich eigentlich gar nicht vom Fleck bewegen können dürften. Atlan wird zum hirnlosen Haudrauf reduziert, Auris mutiert zu einem anschmiegsamen Sexpüppchen, Gucky zum busengrapschenden Sprücheklopfer.

Der Zeichenstil wurde ebenso bewusst gewählt wie das unbeschwerte Durcheinander in der Handlung und die Verfälschung der Personen: Die neue PERRY-Serie soll an die alten Comics erinnern, und das schafft sie auch sehr gut. Das letzte Heft der alten Serie, das ich besitze, ist Nr. 122. Seinerzeit hatten die Hefte noch etwas mehr Inhalt, aber das kann ja noch werden. In der aktuellen Ausgabe sind immerhin ein paar kurze Leserbriefe aus den Siebzigern abgedruckt. Ein pragmatisch denkender Leser schlägt zum Beispiel vor, man solle den armen Mädels auf den Raumschiffen doch etwas zweckmäßigere Bordkombis gönnen. Recht hat er! Bei so viel nackter Haut wäre ein plötzlicher Druckverlust gleichbedeutend mit dem Ende.

Egal: Mir gefällt das neue Comic, aber ich muss sagen, dass das ausschließlich nostalgische Gründe hat. Wer die alten Comics aus den Siebzigern nicht kennt, sondern vielleicht gerade erst vor wenigen Jahren in die Perry Rhodan - Heftromanserie eingestiegen ist, der dürfte angesichts des doch etwas arg merkwürdigen Stils mindestens irritiert, wenn nicht gar abgestoßen sein. Vielleicht wäre es besser, die nächsten Comics (falls es denn welche geben sollte, sicher scheint das noch nicht zu sein) etwas mehr der heutigen Zeit anzupassen. Und ein klein wenig mehr Übereinstimmung mit dem "echten" Perryversum wäre auch nicht schlecht.

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