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Kosmos-Chroniken 1: Reginald Bull
VPM 2000
496 Seiten, gebunden
Autor: Hubert Haensel

Was lange währt wird endlich gut - das Sprichwort stimmt nicht immer, auf dieses Buch trifft es nur bedingt zu. Der Veröffentlichungstermin des zugegebenermaßen schön dicken Bands wurde immer wieder verschoben, kein Wunder bei einem Projekt, das kein geringeres Ziel zum Inhalt hat, als die ersten 700 Perry Rhodan - Heftromane noch einmal aus der Sicht von Reginald Bull nachzuerzählen. Oder wenigstens eine komprimierte Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse aus dieser Zeit zu bringen. Oder doch zumindest die echten Meilensteine der Serien-Anfangsphase ganz kurz abzuhandeln. Oder...

Was das heißen soll? Wie gesagt: In dem Buch soll es irgendwie um die Geschehnisse von PR-Heft 1 bis 700 gehen. Irgendwie. Aber wie? Das war offensichtlich auch die große Frage, die den Autor daran gehindert hat, sein Manuskript rechtzeitig abzugeben und die er sich letztlich auch selbst nicht beantworten konnte. Denn herausgekommen ist ein an vielen Stellen ziemlich zusammengestoppelt wirkendes Buch, das sich redlich bemüht, alle serienrelevanten Aspekte zumindest anzusprechen. Natürlich werden Schlüsselereignisse wie die Mondlandung mit Perry Rhodan und die Begegnung mit den Arkoniden auch ausführlicher vorgestellt, aber insgesamt ist es doch sehr uneinheitlich (die knappen Zeitraffer-Passagen stören etwas), nicht in sich geschlossen, ohne roten Handlungsfaden. Die zahlreichen, relativ berührungslos aneinandergepappten Mini-Erzählungen werden zumindest von einer Rahmenhandlung eingefaßt, in der es hauptsächlich um Bullys Flucht aus der Gefangenschaft der Aphiliker geht, während der er sich an seine Vergangenheit erinnert.

Eigentlich kann man die Schwächen des Buchs dem Autor gar nicht zum Vorwurf machen. Es ist einfach unmöglich, diese Masse an Informationen, die schon in den berühmten Silberbänden ganze Regalbretter füllt, auf knapp 500 Seiten zusammenzuquetschen und dann noch einen spannenden, gut lesbaren Roman daraus zu machen. Es wäre sicher besser gewesen, wenn Haensel sich auf die ersten 300 oder höchstens 500 Hefte hätte beschränken dürfen. Allein in den ersten fünf Zyklen der PR-Serie verbirgt sich genug Potential, um ganze Bände für jede Hauptperson zu füllen. Die Zeitspanne bis Heft 700 ist einfach zu lang - wir reden hier immerhin über einen Zeitraum von insgesamt über 1.500 Jahren! Die Kosmos-Chronik 1 ist daher genaugenommen auch gar kein richtiger Roman, eher so etwas wie ein Episodenführer...

Haensel hat versucht, einige der wohlbekannten Episoden aus der Serienvergangenheit in einem neuen Licht erscheinen zu lassen - eben aus der Sicht des leicht cholerischen Ewigen Zweiten Manns Reginald Bull. Wie geht ein Unsterblicher damit um, wenn Freunde ohne Zellaktivator altern und sterben? Was geht in Bully vor, wenn er wieder mal auf Terra die Stellung halten muß, während sein Kumpel Perry die Weiten des Universums unsicher macht - und was hat er in solchen Zeiten überhaupt getrieben? Hatte Bull auch mal eine Liebesbeziehung (er hatte) und was wurde aus seiner Angebeteten? Leider werden diese Aspekte auch nur angesprochen, aber nicht richtig vertieft. Da Bully hier die Hauptperson ist, erhält die Persönlichkeit dieses Charakters trotz aller Kürze natürlich doch wesentlich mehr Tiefe, als ihm über lange Zeit in der PR-Serie zugebilligt worden ist. Es gibt auch einige neue Facetten an ihm zu entdecken, vor allem seine wirkliche Gefühlswelt wird ausführlich dargestellt.

An wen richtet sich das Buch eigentlich? Wer PR noch nicht kennt, wird kaum etwas damit anfangen können. Zu wenig zusammenhängende Handlung wird geboten, zu viel an Vorkenntnissen wird durch die z.T. äußerst knappen Zusammenfassungen verlangt. PR-Fans, die die hier zusammengefaßte Handlung sowieso schon kennen, werden enttäuscht sein, weil insgesamt doch zu wenig Neues rüberkommt. Wer ein Nachschlagewerk erwartet hat, dürfte das Buch nach der letzten Seite ein wenig ratlos zuklappen und sollte vielleiht besser zur Archiv-CD greifen. Immerhin - ein Buch ganz aus der Sicht von Reginald Bull, das ist mal was anderes! Und (um nochmals auf den einleitenden Satz zurückzukommen) das Buch ist zwar nicht gerade ein literarischer Hochgenuß, aber wirklich schlecht ist es auch nicht. Ich werde mir jedenfalls auch Chronik Nr. 2 zulegen.


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