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Perry Rhodan Andromeda Band 3: Der schwerelose Zug

Autor: Leo Lukas

Inhalt
An Bord der JOURNEE stehen, solange keine unmittelbare Bedrohung durch die Brennenden Schiffe vorhanden ist, kleine private Probleme im Vordergrund: Zwischen Tess Qumisha und Benjameen da Jacinta kriselt es schwer, Zim November verzehrt sich in Sehnsucht nach Raye Corona. Doch der wirkliche Ärger beginnt erst, als man einen automatischen Notruf auffängt und die TALLEYRAND entdeckt. Dieses Schiff gehörte zu den wenigen, denen die Flucht vom Botschaftsplaneten Chemtenz gelungen war, bevor die Kastuns dort alles dem Erdboden gleich machten. Rhodan und einige Begleiter betreten das Schiff, das von der gesamten Besatzung verlassen zu sein scheint. Im Hydroponium finden sie jedoch 119 bizarr arrangierte Leichen (fast die gesamte Besatzung wurde mit den Köpfen voran in einen riesigen Blumenkübel gestopft, wo sie sich im wahrsten Sinne des Wortes die Radieschen von unten ansehen können) und einen übel zugerichteten Körper, dem bis auf einen Arm alle Gliedmaßen fehlen, dem das Gehirn entfernt worden ist - und der trotzdem noch lebt!

Das Ganze ist nichts anderes als eine Falle, die ganz auf Perry Rhodan zugeschnitten ist: Kurz nach ihrer Flucht ist die TALLEYRAND nämlich von den Kastuns, genauer gesagt von Takegaths KHOME TAZ, geentert worden. Die Besatzung ist gezwungen worden das Schiff zu verlassen, und zwar nicht nur ohne Ausrüstung, sondern nackt und völlig hilflos. Die meisten Menschen sind von Takegaths Kopfjägern sofort getötet worden, einige wurden in der Gefangenschaft unter unmenschlichen Bedingungen entwürdigt, gefoltert und verhört - alles zu dem Zweck, mehr über Perry Rhodan herauszufinden. Takegath hat nämlich erkannt, daß Rhodan ihm als einziger in Andromeda noch gefährlich werden kann. Nur zwei Terraner von der TALLEYRAND haben die grausame Behandlung überlebt. Der Rest ist AMBULANZ zum Opfer gefallen (so nennt sich ein Sektor der KHOME TAZ, in dem die Kopfjäger sich selbst zu Cyborgs modifizieren, der offenbar über ein eigenes Bewußtsein verfügt und sich immer mehr ausbreitet), die eine Vorliebe dafür hat, die Gehirne ihrer Opfer in sich zu integrieren. Einige sind aber auch auf dem Speisezettel der Gy Enäi gelandet…

Die beiden Überlebenden sind Aldus Chamberlain, offiziell Kulturattaché (in Wirklichkeit aber Geheimagent) und Lui Dallapozza, ein Funker. Den beiden bleibt nichts übrig als zu kooperieren, sie entwickeln eine genau auf Rhodans Persönlichkeit abgestimmte Falle, die dem unsterblichen Terraner zum Verhängnis werden soll. Er wird zur TALLEYRAND gelockt, wo Dallapozza, der weniger Glück hat als sein Kollege Aldus Chamberlain, als besonderer Köder dient. AMBULANZ hat sich längst Dallapozzas Gehirn einverleibt, seine Leiche wurde cybertechnisch verkabelt und mit einer Art Bewußtseinsspeicher versehen, der Dallapozzas Identität simulieren kann. Die Falle schnappt zu: Rhodan und seine Begleiter halten sich ein bißchen zu lange mit der Bergung von Dallapozzas Torso auf, sie werden mit einem Fesselfeld festgesetzt und die TALLEYRAND aktiviert ihre Schutzschirme - Rhodans Space-Jet befindet sich innerhalb dieser Schirme und ist somit ebenfalls gefangen. Die Flucht gelingt, wenn auch in letzter Sekunde: Der Techniker Bruno Thomkin kann sich innerhalb seines Schutzschirms noch bewegen und hat über ein simples Kabel Kontakt zu seiner Werkzeugkiste. Mit Hilfe dieses Geräts koppelt er das Hydroponium von der Energieversorgung ab, sodaß auch die Fesselfelder zusammenbrechen. Die Epsalerin Vorua Zaruk verschafft sich von der Space-Jet aus Zugang zur TALLEYRAND und unterstützt Rhodans kleine Gruppe mit einer noch von Ratber Tostan entwickelten, überschweren Waffe im Kampf gegen die Roboter, die der von den Gy Enäi umprogrammierte Schiffsrechner der TALLEYRAND auf sie hetzt. Man flieht zur Jet, die sich in die Hülle des Kugelschiffs bohrt. Unterwegs wird der Arzt Mimo Serleach, der zu Rhodans Gruppe gehört, von Trümmern eingeklemmt und muß sich selbst ein Bein mit einem Desintegrator abtrennen, um sich befreien zu können.

Gerade noch rechtzeitig können Rhodan und seine Begleiter (das zombieartige Überbleibsel von Lui Dallapozza nehmen sie mit) in den Hyperraum verschwinden, um sich wieder mit der JOURNEE zu treffen. 45 Kastuns sind ihnen schon auf den Fersen, können aber abgehängt werden. Das Dallapozza-Fragment entwickelt unerwarteterweise ein echtes Bewußtsein und trifft eigene Willensentscheidungen: So verzichtet es z.B. darauf, eine Bombe zu zünden, die die Gy Enäi ihm für den Fall eingepflanzt haben, daß Rhodan entkommen sollte und bastelt sich einen zentaurenähnlichen Unterleib aus diversen kybernetischen Abfällen, um sich wieder bewegen zu können. Außerdem berichtet er Rhodan alles, was er über die Invasoren in Erfahrung bringen konnte. Rhodan erkennt, daß derjenige, der ihm die Falle gestellt hat, ihn gleichzeitig warnen wollte: In dem verlassenen Schiff waren ihm verschiedene Titel einer im 20. Jahrhundert populären Bluesrock-Band vorgespielt worden, durch die Auswahl der Titel sollte Rhodan eine Botschaft übermittelt werden. Im Namen der Band ist auch ein Hinweis verborgen, der die Galaktiker zum einzigen Raumsektor in ganz Andromeda führt, in dem noch keine Kastuns aufgetaucht sind. Dieser Raumsektor heißt Jessytop, was so ähnlich klingt wie ZZ Top…

Während die JOURNEE sich auf den Weg in den Sektor Jessytop macht, entfremdet Aldus Chamberlain sich bei den Gy Enäi mehr und mehr von seiner ehemaligen menschlichen Existenz, bis er sich selbst als als zu den Kopfjägern gehörig betrachtet.. Er wird mit Implantaten ausgerüstet, die seine Sinneswahrnehmungen und seine körperliche Kraft enorm steigern. Um seinen unberechenbaren neuen Herrn Takegath milde zu stimmen, verrät er ihm die Existenz des Sektors Jessytop. Er hatte diese Informationen bei seiner Spionagetätigkeit auf Chemtenz in Erfahrung gebracht. Chamberlain erfährt einige interessante Details über die Invasoren: Die große Masse der Truppen und Kastun-Besatzungen besteht aus den Gorthazi, Echsenwesen, deren Schädel an Triceratops-Saurier erinnern. Diese sind anspruchslose Befehlsempfänger, dummes Fußvolk sozusagen. Eine Ausnahme bilden die Gy Enäi an Bord der KHOME TAZ. Dies ist der einzige Kastun, auf dem die Gy Enäi, die sich selbst auch als Kopfjäger bezeichnen und die aus zahlreichen verschiedenen Völkern stammen, eingesetzt sind. Nur sie sind nicht abhängig vom Schattenspiegel des Gelben Meisters. Der Schattenspiegel ist eine mentale Matrix, die der noch nicht gänzlich erwachte Gelbe Meister über ganz Andromeda ausgebreitet hat und durch die er seinen neuen Machtbereich wie mit einem Scanner erfasst. Nur was er so erfasst hat, können die Gorthazi wahrnehmen. Nun ist aber der Sektor Jessytop durch einen Einfluß, den die Gy Enäi sich nicht erklären können, für diese Matrix praktisch nicht existent - und deshalb könnten die Gorthazi ihn selbst dann nicht sehen, wenn sie direkt hindurchfliegen würden! Nur die Gy Enäi können außerhalb der mentalen Reichweite des Gelben Meisters agieren.

Der Sektor Jessytop ist der letzte Rückzugsbereich der Tefroder nach dem Verlust ihrer Heimatwelt. Eine beachtliche Flotte ist dort stationiert und auf dem Planeten Attorua sind zahlreiche Flüchtlingsschiffe gelandet. Die Flüchtlinge werden von den Ureinwohnern des Planeten (Gestaltwandler, bei denen es schick ist, möglichst oft eine neue Form anzunehmen, was für einige Verwirrungen sorgt, weil sie sich ihre Anregungen vor allem von ihren Gästen, den Flüchtlingen usw. holen), der vor der Invasion eine Art Urlaubsparadies für gut Betuchte gewesen ist, versorgt und gepflegt. Die JOURNEE ist willkommen, zumal die Terraner umgehend darangehen, die Tefroder beim Flüchtlingstransport zu unterstützen. Gute Nachrichten für Zim November: Auch Raye Corona hat es nach Attorua verschlagen, sie hilft bei der Versorgung von Verletzten. Nach kurzer Suche kann der Emotionaut seine Geliebte wieder in die Arme schließen. Perry Rhodan hat derweil eine unerwartete Begegnung ganz anderer Art: Auf Jessytop hat sich das Kollektiv-Geistwesen versteckt, das aus 34.000 Monochrom-Mutanten nach Morkhero Seelenquells Ende entstanden ist (die Vorgeschichte ist nachzulesen in der PR-Serie vor Heft 2100) und damals die Erde mit unbekanntem Ziel verlassen hatte. Kiriaade ist eine Manifestation dieses Kollektivwesens. Der Grund für das Versagen des Schattenspiegels im Sektor Jessytop sind die Fähigkeiten der ehemaligen Mutanten: Mit ihren Geisteskräften können sie den Raumsektor quasi aus dem Wahrnehmungsbereich des Gelben Meisters ausblenden. Weiter reichen ihre Kräfte nicht - und sie lassen allmählich nach… Trotzdem entschließt sich das Geisteswesen auf Rhodans Appell hin, aktiver zu werden. Es verleiht Kiriaade einen materiellen Körper (was Rhodan in arge Bedrängnis bringt, denn jetzt hat er das Ziel seiner Sehnsüchte in greifbarer Nähe), der einen Teil des geistigen Potentials des Geisteswesens in sich vereinigt und in der Lage ist, einen Bereich von gut 50 Metern Durchmesser vor dem Gelben Meister und damit auch vor den Gorthazi zu verbergen.

Diese Fähigkeit nutzt Rhodan für seinen nächsten Einsatz. Die Terraner haben herausgefunden, daß die Invasoren den Planeten Lertix, ein ergiebiges Howalgonium-Abbaugebiet, vollständig abgeriegelt haben. Das Howalgonium wird mit großen Raumfrachtern zu einem unbekannten Ziel abtransportiert. Mit Hilfe der terranischen Hyperraumspürer ist es kein Problem, einem solchen Frachter zu folgen. Zu diesem Zweck verwendet Rhodan mit einer kleinen Einsatzgruppe die Space-Jet SPIRIT, die über einen besonders wirkungsvollen Ortungsschutz verfügt. Zu Rhodans Truppe gehört auch ShouKi, einer der gestaltwandlerischen Atto, mit dem Grek sich angefreundet hat. Man schmuggelt sich mit Hilfe eines Excalibur-Transmitters auf einen Frachter, dieser fliegt von Lertix nach Taupan. Dieser Planet liegt im Zentrumsbereich von Andromeda und Rhodan nimmt zu Recht an, daß dort der Gelbe Meister residiert. Mehr als das: Auf der erdähnlichen Welt Taupan finden die Galaktiker eine ungeheure Kriegsmaschinerie vor. Zehntausende von Raumschiffen sind dort gelandet, mehr als 100.000 kreisen im Orbit - eine erdrückende Übermacht! Ein schon aus dem Weltraum erkennbares Band zieht sich in neun Kilometern Höhe über den ganzen Planeten und verbindet die Pole. Dies ist der schwerelose Zug, über den man in diesem Roman noch nicht viel Neues erfährt. Als erstes findet das Einsatzkommando heraus, was mit dem Howalgonium geschieht: Daraus werden Tausende von 30 Meter hohen Statuen hergestellt, die einen Insektoiden darstellen, der wie eine Gottesanbeterin aussieht - und gelb ist. Sind dies Darstellungen des Gelben Meisters? Und wozu werden sie gebraucht?? Weiterhin gibt es auf Taupan mehrere riesige Gebilde, die an Kühltürme von Atomkraftwerken erinnern und von denen Temporalfelder erzeugt werden. In einem solchen Feld fängt sich ShouKi, wird aber von Dallapozza gerettet. Nächstes Ziel: Der Nordpol. Dort befindet sich der einzige nicht von Raumhäfen, Fabriken, Heerlagern usw. bedeckte Bereich, den es auf Taupan noch gibt. Mit dieser Gegend muß es also etwas ganz Besonderes auf sich haben. Als Transportmittel nehmen Rhodan und seine Begleiter den Schwerelosen Zug.

Pech für Rhodan: Die Gy Enäi können Dallapozza über dessen Bewußtseinsspeicher orten und treffen bald darauf auf Taupan ein. Gleichzeitig lassen Kiriaades Kräfte immer mehr nach, je näher man dem Nordpol und damit auch dem Gelben Meister kommt. Kiriaade ist der mentalen Ausstrahlung des Meisters nicht gewachsen, bricht zusammen und ihr Schutzfeld versagt. Die Galaktiker müssen ein Segment des Schwerelosen Zuges zum Entgleisen bringen, um überhaupt davon wegkommen zu können, gleich darauf werden sie von Takegath, Aldus Chamberlain und mehreren anderen Gy Enäi entdeckt und angegriffen. Dallapozza, der Fast-Zombie, zeigt mehr Menschlichkeit als sein Leidensgenosse Chamberlain und vollbringt eine letzte Heldentat: Er rast auf die angreifenden Kopfjäger zu und zündet nun doch noch die in ihn eingebaute Bombe. In der anschließenden Verwirrung setzen die Galaktiker sich ab, nur einer bleibt zurück, um die Kopfjäger aufzuhalten: Perry Rhodan! Die Gy Enäi konzentrieren sich ganz auf ihn. Er wird gestellt. Aldus Chamberlain tötet ihn mit bloßen Händen. Er trennt seinen Kopf ab und legt ihn Takegath zu Füßen. Doch dann zerfällt der abgetrennte Kopf zu Staub: Selbstverständlich ist der Tote nicht Rhodan, sondern ShouKi, der die Gestalt des Terraners angenommen hat! Mittlerweile sind der wirkliche Rhodan und seine Begleiter natürlich über alle Berge. Nur Kiriaade schafft es nicht: Sie löst sich auf und verschwindet, als hätte sie nie existiert. Die SPIRIT zieht sich nach Attorua zurück…

Meine Meinung:
Mittlerweile freue ich mich richtig auf jedes neue Andromeda-Buch! Und dieses hier ist wieder fast genauso gut wie das erste - es strotzt nur so vor ausgefallenen Ideen und die Abartigkeit der Gy Enäi wird überdeutlich dargestellt. Allerdings haben manche Szenen, in denen unser Freund Takegath und seine perversen Kollegen auftauchen, einen für meinen Geschmack allzu humoristischen Touch, d.h. die fiesen Cyborgs verhalten sich manchmal eher wie Comedians, die es auf Pointen abgesehen haben. Romane von Leo Lukas sorgen bei mir immer wieder mal durch die stellenweise absonderliche Wortwahl, den künstlerisch freien Umgang mit der Rechtschreibung und die eigenwillige Auffassung von Grammatik für Kopfschütteln. Hier stört das alles aber nicht weiter, im Gegenteil, meist sorgt gerade der ausgefallene Stil für die rechte Würze. Auch ein paar logische Ungereimtheiten können den guten Gesamteindruck nicht nachhaltig stören. Außerdem endet fast jedes Kapitel mit einem kleinen Cliffhanger und die Überleitungen führen den Leser meistens absichtlich in die Irre - macht Spaß, mal was anderes als die PR-Alltagskost zu lesen. Der Roman verliert etwas an Schwung, sobald die JOURNEE auf Attorua landet. Den Aufenthalt der Terraner auf diesem Planeten nutzt Lukas denn doch ein wenig zu ausgiebig, um seine blühende Fantasie spielen zu lassen und verschiedene absonderliche Szenen einzubauen. Das stört den Handlungsverlauf merklich. Der Showdown auf Taupan kommt dann irgendwie nicht mehr richtig in Gang.

Mit dem Kollektivwesen, das aus den Monochrom-Mutanten entstanden ist, begegnen wir in diesem Roman einem weiteren alten Bekannten. Leider ist das Geheimnis um Kiriaade dadurch jetzt schon entzaubert worden. Es wäre auch schade, wenn der Gelbe Meister uns wirklich bereits in Gestalt der Howalgonium-Statuen begegnet wäre, denn seien wir ehrlich: Bösartige Insektenwesen hat es in der PR-Serie jetzt schon so oft gegeben, daß man dem kaum noch was abgewinnen kann.

Egal: Der Roman macht Spaß und weckt den Appetit auf die nächsten drei Bücher!

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