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2194: Der vierte Inquisitor

Autor: Leo Lukas

Inhalt

Außer dem Souverän der Vernunft ist nur noch ein Inquisitor am Leben. Es ist der Vierte Inquisitor, der in einem früheren, längst vergessenen Leben den Namen Jeremiah Hutkin getragen hat. Von diesem Jahrtausende zurückliegenden Leben und der Person, die Hutkin einmal war, ist dem Inquisitor nichts geblieben außer irritierenden Träumen, in denen immer wieder Erinnerungsfetzen aufblitzen und - viel wichtiger für ihn - einem prägenden Wesenszug des ehemaligen Bordlogistikers und Chefkochs der JOURNEE: Er ist ein Gourmet. Als Feinschmecker-Psychovampir verschlingt er nicht wahllos alle erreichbaren Seelen, sondern trifft seine Auswahl nach dem "Geschmack", den die Bewußtseinsinhalte von Wesen aus verschiedenen Völkern haben und die er dann langsam und genüßlich ausschlürft... Sein Zuständigkeitsbereich im Machtgefüge der Inquisition ist die Gentechnik. Er residiert auf dem Planeten Kaaf, wo das insektoide Genetikervolk beheimatet ist, dem er eigentlich seine Existenz verdankt. Hierher hat sich auch der Souverän der Vernunft mitsamt der Festung der Inquisition und einem riesigen Flottenaufgebot zurückgezogen. Es gilt, hier solange durchzuhalten, bis der Konquestor Trah Katree das Botenschiff SETA WAE gefunden hat, das er überall im Reich Tradom sucht. Mit diesem Botenschiff, so nimmt November an, müßte es möglich sein, auf herkömmlichem Wege in den PULS einzudringen. Hätte er dies erst einmal geschafft, müßte es nicht mehr schwierig sein, VAIAS Körper zu vernichten und die unbesiegbaren PULS-Forts zu übernehmen. Gegen diese Übermacht hätten dann auch die vereinigten Flotten der Galaktiker nicht mehr den Hauch einer Chance.

Der Angriff der Galaktiker läßt nicht lange auf sich warten, denn die haben längst herausgefunden, daß Kaaf eine der letzten wichtigen Welten der Inquisition ist. Als die Mobile Flotte Tradom den Valenterflotten bei Kaaf schwerste Verluste zufügt, können wir einmal mehr die "vernünftige" Prioritätensetzung des Souveräns miterleben: Er verheizt AGLAZARE und Valenterschiffe en Gros, ohne mit der Wimper zu zucken, denn ihm geht es nur um den Zeitgewinn. Was er und Hutkin natürlich nicht ahnen können: Mit Anguela haben die Galaktiker noch einen Trumpf im Ärmel. Ihm sind nämlich Überrangcodes für die Festung der Inquisition bekannt, die immer noch gelten. Es kommt nur darauf an, den Guyar nahe genug an einen Festungscomputer heranzubringen. Diesen Job übernehmen die Landetruppen von Reca Baretus, wobei sie von einem Massenaufgebot an TARA-V-UH - und Katsugo-Kampfrobotern unterstützt werden. Die LEIF ERIKSSON pirscht sich im Schlachtengetümmel mit Hilfe der von Antis verstärkten Schutzschirme in die Nähe der Festung, Anguela deaktiviert einen Teil ihrer Ortungssysteme und so gelingt es, einen Kreuzer auf der Festung landen zu lassen. Die Landungstruppen stoßen zwar auf heftigen Widerstand, letztlich erreichen sie aber doch noch eine Nebenzentrale, von der aus Anguela nach und nach Zugriff auf alle wichtigen Systeme der ehemaligen Calditischen Paläste nehmen kann. Das ist der Zeitpunkt, an dem Hutkin selbst in das Geschehen eingreift.

Der Vierte Inquisitor hat sich in den letzten Jahren nicht auf die Herstellung von Konquestoren und Rudimentsoldaten beschränkt. Zum einen hat er sich eine Art "Speisekammer" angelegt, die er für genußvolle Menüs mit besonders "wohlschmeckenden" Wesen füllt (egal ob diese intelligent sind oder nicht). Zum anderen hat er zwei Neuentwicklungen in Auftrag gegeben: Die Integralkrieger sind eine Weiterentwicklung der Rudimentsoldaten, die ganze Weltraumsektoren in chaotische Pararealitäten verwandeln können. Die X-Valenter können mit ihren PSI-Fähigkeiten jeden Schutzschirm zusammenbrechen und jedes Aggregat explodieren lassen. Mit Hilfe der Integralkrieger fliegt Hutkin unbehelligt mitten durch die Flotten der Galaktiker zur Festung, wo die X-Valenter die Landetruppen rasch dezimieren. Dann stößt er auf die Nebenzentrale, in der sich die letzten Terraner und Ertruser verschanzt haben. Hier saugt er erstmals die Mentalenergie eines Menschen auf - für ihn der ultimative Genuß. Die anderen Terraner und Terranerabkömmlinge will er deshalb in aller Ruhe nacheinander "verspeisen". Doch die Menschen widersetzen sich und werden dann auch noch durch einen von Anguela projizierten Paradimpanzer geschützt. Das ist ein für Hutkin so unerhörter Vorgang, daß er in Panik gerät und auf einen Schlag die Bewußtseinsinhalte aller anderen in der Festung lebenden Wesen in sich aufsaugt. Damit übernimmt er sich und wird restlos vernichtet. November dagegen entkommt wieder einmal in letzter Sekunde. Er hat nämlich die entscheidende Nachricht erhalten: Die SETA WAE wurde entdeckt! Die Terraner folgen ihm zwar unverzüglich, kommen aber zu spät. November hat das Botenschiff bereits in Besitz genommen.

Anguela übernimmt die Festung der Inquisition und läßt über ihr das Symbol des Trümmerimperiums erstrahlen. Als die Valenterflotten das sehen, geben sie jeglichen Widerstand auf. Von der Festung aus hält Anguela seine erste Rede an die Völker Tradoms, die überall im Reich empfangen werden kann. Er erklärt die Schreckensherrschaft der Inquisition für beendet. Wie die Verhältnisse sich in den Galaxien des ehemaligen Reichs des Glücks entwickeln werden, soll die Zukunft zeigen. Mit besonderem Blick auf die Valenter plädiert Anguela jedenfalls dafür, daß die jetzt wieder freien Völker Tradoms keinen Rachefeldzug gegen ihre Unterdrücker führen, sondern jedem einzelnen ein faires Gerichtsverfahren gewähren sollen. Er selbst will vergeben, wo er nur kann. Zu dieser versöhnlichen Einsicht ist er durch den Kampf in der Festung gelangt. Während dieser Aktion war er nämlich gefährlich nahe daran, die dort stationierten Valenter gnadenlos auszulöschen und sich so für den Genozid am Volk der Guyaam zu rächen. Als die Vertreter der Minullu-Allianz ihn nach dieser Rede zu ihrem Anführer bestimmen, steht wohl fest, daß Anguela künftig die Geschicke Tradoms und der anderen Galaxien des zerbrochenen Reichs bestimmen wird.

Kommentar:

Auf Romane von Leo Lukas freue ich mich immer wieder. Und wenn er dann ein Werk abliefert wie dieses, dann wünsche ich mir, er würde viel mehr PR-Romane verfassen als bisher! Flott und spannend geschrieben, gewürzt mit typischen "Lukazismen" wie verrückten Namen (nur ein Beispiel: "Trah Dinetum" heißt in diesem Roman ein Konquestor), und ausgefallenen Ideen. So ist dieser Roman wie ein Menü aus mehreren Gängen aufgebaut. Dann gibt es da noch einen verliebten Ertruser, der seiner Angebeteten ein verunglücktes Ständchen nach der Melodie von "Marmor, Stein und Eisen bricht" bringt, wobei er von den Jankaron begleitet wird, die allerdings eine ganz andere Melodie spielen... einfach köstlich, aber nicht mehr so übertrieben wie noch in früheren Romanen von Leo Lukas. Im Gegensatz zum früher manchmal überwiegenden Holzhammer-Humor bringt er jetzt viel mehr Szenen, die man sich einfach mal bildlich vorstellen muß, etwa wenn die Ertruser nach alten Plänen von Anguela durch die Festung marschieren - und zwar mitten hinein in eine Valenter-Kaserne! Begrüße das, wie Roxo Quatron sagen würde.

Ich hätte mir übrigens gewünscht, daß das totalitäre Unterdrückungssystem des Reichs Tradom, welches Leo Lukas in diesem Roman mit wenigen Sätzen eindrucksvoll skizziert, schon wesentlich früher im Zyklus und ausführlicher in dieser Art ausgearbeitet worden wäre. Ein Beispiel für die Verhältnisse im Reich ist die von Lukas eindrucksvoll beschriebene Geringschätzung, die der Inquisitor Hutkin allen lebenden Wesen um ihn herum entgegenbringt - solange sie keinen besonderen "kulinarischen" Genuß verheißen... In diesem Zusammenhang muß ich meinen einzigen Kritikpunkt anbringen: Ich finde es unglaubwürdig, daß sich Reca Baretus und ihre Leute dem Inquisitor und seiner Seelensaugerei widersetzen können. Das hat schließlich nicht einmal die Erste Inquisitorin geschafft, als November sie "verspeisen" wollte. Auch das Ende des Reichs Tradom ging mir zu schnell (Übrigens: Mit den Prozessen gegen die ehemaligen Unterdrücker dürfte Anguela für die nächsten Jahrzehnte ausgelastet sein). Wir reden hier immerhin von einem System, das acht Galaxien umfaßt hat! Es dürfte ein wenig unrealistisch sein anzunehmen, daß es da überhaupt keinen Widerstand mehr geben wird.


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