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2186: Der neue Souverän

Autor: Uwe Anton

Inhalt

Der Roman beginnt gleich mit einem Knalleffekt - aber was es damit auf sich hat, verrate ich erst später. Trotzdem enthält die Zusammenfassung dieses Schlüsselromans natürlich massive Spoiler. Also Vorsicht beim Lesen!

Durch den Absturz der POTTON fallen die neun letzten "Überlebenden" der JOURNEE (oder das, was von ihnen übrig ist) in die Hände der Genetiker von Kaaf, die sogleich mit ausgedehnten Experimenten beginnen. Der Maahk Grek 665- erweist sich als nutzlos für sie, deshalb entsorgen sie ihn kurzerhand: Da warens nur noch acht. Diese acht kaum noch als Lebewesen zu bezeichnenden Körper erweisen sich als wahre Goldgrube für die skrupellosen Gentechniker. Die nach dem Absturz vermutlich nicht mehr lebensfähigen Quasi-Leichen werden in Regenerationstanks buchstäblich mehrmals auseinandergenommen, und neu zusammengesetzt. Diese Rekonstruktionsversuche zeitigen unterschiedliche Ergebnisse. Am Beispiel von Zim November erfahren wir, daß die Terraner während der Experimente nicht nur ihre ursprüngliche Gestalt, sondern auch ihre Erinnerungen weitgehend verlieren und fürchterliche Qualen erleiden. Zim kann sich z.B. nur noch an einzelne Begriffe erinnern, die für ihn kaum noch eine Bedeutung haben, am stärksten sind Erinnerungen an seine Liebe zu Raye Corona und solche an seine Heimat "L'Erics" (gemeint ist die LEIF ERIKSSON). Die Genetiker von Kaaf entdecken Zims Para-Begabung als Emotionaut und kreuzen seine Gene mit denen von Raye Corona, die als Tefroderin ja über eine - wenn auch inaktive - Paradrüse verfügt. So entstehen die Rudimentsoldaten, mit deren Kräften die schädlichen Ausstrahlungen der AGLAZAR-Aggregate im Zaum gehalten werden können. Ein weiteres Produkt sind die Konquestoren.

Diese gentechnisch hergestellten Terraner-Abkömmlinge kommen den Führern der Inquisition der Vernunft als nützliche Werkzeuge gerade recht. Die Tonkihn haben Tradom mit brutaler Gewalt und mit Hilfe des Anguela-Klons vollständig unterworfen und das Reich Tradom gegründet. Die Herrschaftsstrukturen, die wir aus der Relativzukunft schon kennen, werden in dieser Zeit im wesentlichen etabliert. Anguela wird als Held stilisiert, eine mit seiner Person verbundene Religion soll als Opium für das Volk dienen, damit dieses die Unterdrückung durch die Tonkihn widerstandslos duldet. Die Glutzone mit dem PULS wird als Sitz des bald als Gott verehrten Leuchters angesehen - der echte Anguela ist allerdings spurlos verschwunden. Sickz Uknadi, der als Souverän der Vernunft der eigentliche Alleinherrscher in Tradom ist, findet in Anguelas Aufzeichnungen Hinweise darauf, was mit den Passanti eigentlich anzufangen ist. Er dringt über den Pilzdom auf Frieson I auf die Brücke in die Unendlichkeit vor, kann aber nichts ausrichten, denn der Zugang zum PULS ist weiterhin blockiert. Daß VAIA nicht wirklich tot ist, bedeutet eine Quelle ständiger Verunsicherung für die Tonkihn. Doch auch die aussterbenden Eltanen wissen davon. Sie starten ein Langzeitprojekt, durch das VAIA eines Tages wieder erweckt werden soll. Von der Station SAHINS STERN aus soll ein Jetstrahl auf die Glutzone gerichtet werden, über den psionische Impulse sich bis in den PULS ausbreiten können. Mit diesen Impulsen soll VAIAs Körper erweckt werden, damit dieser die in den Schmerzwechten aufgesplitterten Bewußtseinspotentiale wieder an sich ziehen und vereinigen kann. Irgendwann sterben allerdings die letzten Eltanen, die noch genaue Kenntnisse über diesen Plan haben. In der Letzten Stadt gibt es zwar eine weitere Eltanenkolonie, diese war jedoch über einen langen Zeitraum von den Geschehnissen in Tradom isoliert. Erst als ein Psi-begabter Eltane Kontakt mit der Schmerzwechte aufnehmen kann, die vor langer Zeit in der Halbraumblase materialisiert war, können sie wieder aus ihrem Versteck hervorkommen und Kontakt mit dem Trümmerimperium aufnehmen, welches in Tradom einen bis dahin aussichtslosen Widerstandskampf gegen das Reich Tradom führt.

Währenddessen werden die aus den kläglichen Überresten der Terraner gezüchteten Wesen für die Inquisitoren immer wichtiger, denn die Tonkihn sterben allmählich aus (wir erinnern uns: Auch das ist auf Machenschaften der Genetiker von Kaaf zurückzuführen). Letztes und bestes Produkt sind acht humanoide Wesen, deren Körper zwar einem ständigen Zellverfall unterliegen, die aber dennoch quasi unsterblich sind. Sie sind nämlich in der Lage, die Vitalenergie lebender Wesen in sich aufzunehmen und sich damit am Leben zu erhalten. Sie gieren daher ständig nach Vitalenergie und entvölkern so mitunter ganze Landstriche auf beliebigen Planeten. Dabei bleiben stets Bruchteile der aufgesaugten Bewußtseine übrig, die sie an die mit Parastaub durchsetzten Wände der Tributkastelle und der Festung der Inquisition abgeben müssen, um nicht von ihnen beeinträchtigt zu werden. Man kann sagen, daß es sich bei den acht Humanoiden um die wiederauferstandenen Terraner (deren Erinnerung noch immer nicht zurückgekehrt ist) handelt, allerdings haben sie nichts menschliches mehr an sich. Sie sind mißgestaltet und extrem mager, können sich nur ruckhaft bewegen und haben eine graue, wie verbrannt wirkende Haut, die von pulsierenden Adern überzogen und sehr lichtempfindlich ist. Sie haben ein Raubtiergebiß und tief in den Höhlen liegende, rot glühende Augen. Als die Tonkihn von der galaktischen Bühne verschwinden, übernehmen diese acht Wesen als neue Inquisitoren die Macht - mit Zim November als neuem Souverän der Vernunft an ihrer Spitze! Die führenden Genetiker von Kaaf, die sich am Ziel ihrer langfristigen Pläne wähnen, als die Tonkihn abtreten, werden von den neuen Inquisitoren kurzerhand getötet. Während die früheren Führer der Inquisition ihre Aktivitäten auf Tradom beschränkt haben, weiten die neuen Inquisitoren ihren Einfluß mit Hilfe der Sternenfenster und der Brücke in die Unendlichkeit auf andere Galaxien aus. Kundschafter auf der Brücke und in den als Eroberungsziel in Betracht kommenden Galaxien sind die Kreaturen von Quintatha. Diese können mit Hilfe der Rudimentsoldaten ohne Passantum durch die Pilzdome gehen, lediglich der Mega-Dom im PULS bleibt auch ihnen verschlossen. Die Inquisitoren greifen nur Thoregon-Galaxien an, denn bei einem Treffen mit Cairol erhält der neue Souverän sozusagen von den Kosmokraten die Legitimation für solche Raubzüge.

Als eine Quitatha-Kreatur mit Informationen über die Milchstraße zurückkommt, sind die Inquisitoren und insbesondere November wie elektrisiert - einen Erinnerungsschub oder so erhalten sie dabei aber noch immer nicht. November treibt die Eroberung dieser Galaxis mit allen Mitteln voran, obwohl das Reich Tradom eigentlich für einen solchen Feldzug nicht ausreichend gerüstet ist. Als dann die ersten Mißerfolge eintreten, glaubt November darin das Wirken eines unbekannten Widersachers zu erkennen, der seine Pläne schon früher zu sabotieren versucht hat. Dabei kann es sich nur um einen anderen Inquisitor handeln. Er findet schließlich heraus, daß niemand anderes als Corona (an ihren Vornamen kann er sich nicht mehr erinnern) sein Gegenspieler ist. November stellt Corona zur Rede und erfährt ihre Motivation, ohne diese wirklich zu verstehen: Rayes Erinnerungen waren ausgeprägter als die der anderen Inquisitoren und bei der Entdeckung der Milchstraße hat sie sich an die Zeitreise erinnert. Sie hat deshalb versucht, die Terraner unbemerkt zu unterstützen, indem sie die Invasion sabotierte. Übrigens hat sie auch das Thoregon-Botenschiff der VAIA-Verkünder gefunden und versteckt. November, dessen Gier nach Lebensenergie die ohnehin schwachen Gefühle, die er vielleicht noch für Raye hat, bei weitem übersteigt, tötet seine ehemalige große Liebe und saugt ihre Vitalenergie auf.

Kommentar:

Eine weitere Zeitschleife: Zim November und seine Gefährten mußten in die Vergangenheit gelangen, damit das Reich Tradom zu dem werden konnte, was wir aus der Handlungsgegenwart kennen und damit die JOURNEE infolge der Kämpfe mit der Milchstraße in die Vergangenheit gelangen konnte... Alle Ähnlichkeiten, die es im Reich Tradom mit Terra und der Milchstraße gibt (z.B. auch die alphabetische Klassifizierung der Valenter) sind auf das Wirken der neuen Inquisitoren und ihre Erinnerungsfragmente zurückzuführen. Alle Rudimentsoldaten und Konquestoren stammen letztlich von nur sieben Terranern und einer Tefroderin ab. Komisch übrigens, daß man nie tefrodische Erbmerkmale bei der Untersuchung der Rudimentsoldaten gefunden hat, aber das könnte man auch mit den tiefgreifenden Veränderungen erklären, denen die Gene durch die Experimente der Kaaf-Insektioden unterworfen waren.

Jetzt wissen wir auch, was mit den 10 Terranern passiert ist, die mit der GOOD HOPE verschwunden sind: Diese sind auf Linckx gelandet und haben eine Kolonie gegründet, die jedoch nicht lange existiert hat. Von diesen 10 Menschen und ihren Nachkommen stammen die Skelette, die man in Tradom gefunden hat.

Die nicht nachvollziehbaren Fehlentscheidungen des Inquisitors in PR 2162, die zu der katastrophalen Niederlage der Reichstruppen geführt haben, finden in diesem Roman ebenfalls eine Erklärung: Hier war Raye Corona am Werk - die Niederlage der Tradomer war von ihr beabsichtigt.

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