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2183: Mit den Augen der Cishaba

Autor: Ernst Vlcek

Inhalt

Sinjune (genannt June) Toria ist als TLD-Agentin im Dromp-System, einem ehemaligen Mitglied der Zentralgalaktischen Union, inkognito tätig und zu Gast auf der Party zum 70. Geburtstag des dortigen Lordkanzlers. Die Party findet in einer Orbitalstation statt und findet ein unsanftes Ende, als zahlreiche Gäste aus heiterem Himmel durchdrehen, gewalttätig werden und Zerstörungen anrichten - der Gastgeber droht sogar die ganze Station zu sprengen. June kann sich und einige andere mit einer Privatyacht des Kanzlers retten, hat aber zuvor noch eine seltsame Vision von insektoiden Wesen, deren Philosophie Alles was ist, muß enden lautet. Das Chaos greift bald auf den ganzen Planeten über und es wird June klar, daß die Amokläufer von einer fremden Geistesmacht übernommen worden sind. Sie selbst ist verschont geblieben, weil sie mentalstabilisiert ist. Mit ihrer TLD-Ausrüstung hat June am Vortag die Ankunft eines mindestens 1000 Kilometer durchmessenden Objekts im Dromp-System beobachtet. Das Objekt wirkt eher wie ein Schatten und bleibt seltsam immateriell. Ihre Erkenntnisse funkt June an die USO, in deren Zuständigkeitsbereich das Dromp-System fällt. Die USO soll die Meldung an den TLD-Tower weiterleiten.

In Quinto-Center mopst Roi Danton sich ein wenig, weil er es nicht geschafft hat, die 92 (bzw. 91 - kleine Anspielung auf das PR-Buch Die Sterne voller Haß) AGLAZARE aufzuspüren, die noch in der Milchstraße verblieben sind. Da kommt ihm Junes Meldung gerade recht, zumal er die Agentin mehr als nur attraktiv findet, und begibt sich mit der TRAJAN ins Dromp-System. Dort reißt die Kette unerklärlicher Amokläufe nicht ab. June wird an Bord genommen und prompt knistert es laut und vernehmlich zwischen ihr und Rhodans Sohn. Daher ist sie gern bereit, mit der USO zusammenzuarbeiten. Nach kurzer Zeit kommt es auch auf Dantons Schiff zu Übergriffen, allerdings gibt es nur wenige Amokläufer, da der größte Teil der Besatzung mentalstabilisiert ist. Schwerwiegende Verluste gibt es somit nicht. Dalia Argula, eine ferronische Ortungsspezialistin, ist zwar ebenfalls mentalstabilisiert, aber bei ihr kommt es zu einem ganz besonderen Phänomen. Sie ist die erste Person, deren Bewußtsein in den Körper eines der insektoiden Wesen versetzt wurde, welche für die Angriffe verantwortlich sind. Ihr eigener Körper hat in dieser Zeit im Koma gelegen. Der Bewußtseinstransfer wird in dem Moment beendet, als die Artgenossen des Fremden dessen Zustand entdecken und ihn töten. Roi und June wagen den Versuch, einen solchen Bewußtseinstransfer gezielt herbeizuführen, um mehr über die Fremden zu erfahren. Das Experiment gelingt und die beiden Terraner finden sich in den Körpern zweier Cishaba wieder.

So nämlich nennen sich die Fremden, die mit dem KRO'GOM'ATHO in die Milchstraße eingedrungen sind. Dieses 1000 Kilometer durchmessende Objekt wurde auf der Basiszelle eines Sporenschiffs aufgebaut und enthält in seinem Zentrum einen Galaxienzünder. Die Cishaba, ein künstlich gezüchtetes Volk ohne Gesellschaftsstruktur und ohne persönliche Bindungen, pflegen einen Kult des Todes und leben nur für das Ziel, im Namen der Ordnungsmächte Leben und alles, was Leben fördert, zu vernichten. Normalerweise beschränken sie ihre Aktivitäten auf einzelne Sonnensysteme, die sie mit Hilfe des Bewußtseinstransfers entvölkern. Diesmal allerdings haben sie es auf die gesamte Milchstraße abgesehen. Ihr Schiff soll im hyperdimensionalen Gefüge der Galaxis verankert werden, so daß es vom Normalraum aus nicht mehr erreichbar ist. Dann muß es nur noch auf das Dekret der Vollstreckung warten. Trifft dieser Impuls ein, wird das KRO'GOM'ATHO sich ins zentrale Black Hole der Milchstraße stürzen. Der Galaxienzünder wird dann die Gravitationslinien der gesamten Galaxis beeinflussen und sie zu einem einzigen Plasmaklumpen zusammenschmelzen. Der Herr oder Gott der Cishaba ist Zattokura - es bleibt zunächst unklar, ob es sich bei ihm ebenfalls um einen Cishaba handelt oder z.B. um einen Kosmokratenroboter wie Laire.

Das alles erfahren Roi und June (die schnell wieder zueinander finden) von ihren Wirten, die sie völlig beherrschen. Über die Hintergründe des Auftrags erfahren sie jedoch nichts, denn darüber ist den Cishaba nicht das Geringste bekannt. Die Insektoiden reden übrigens in einer verstümmelten Version der Sprache der Mächtigen. Roi und June geben sich dem Obersten Vollstrecker der Cishaba zu erkennen. Dieser Zeremonienmeister des Todes macht ihnen klar, daß die Verbindung zu ihren wirklichen Körpern bald abreißen wird. Dann nämlich, wenn das KRO'GOM'ATHO vollständig im Hyperraum verankert sein wird. Die beiden verlieren keine Zeit und machen sich auf den Weg zum Zentrum des Sporenschiffs, um zu versuchen, das Kro Gom - den Galaxienzünder - zu zerstören oder zumindest zu beschädigen. Sie schaffen es zwar, in den Zentrumsbereich zu gelangen (die Cishaba sind den Umgang mit Eindringlingen nicht gewohnt), aber dort stoßen sie auf eine unüberwindliche Mauer an Wächtern und Robotern, an der sie nicht vorbeikommen können. Das Kro Gom, eine gigantische rotierende Kugel, deren Oberflächenstruktur sich ständig verändert und die aus einem völlig unbekannten, undefinierbaren Stoff besteht, ist unerreichbar. Ebenso unerreichbar sind leider Rois und Junes echte Körper - es gelingt den beiden nicht, den Bewußtseinstransfer willentlich rückgängig zu machen. Sie sehen nur einen Weg: Sie lassen sich bzw. ihre Cishaba-Körper, von den Robotern erschießen. Roi schafft die Rückkehr in seinen Körper, vermutlich hat der Zellaktivator ihm dabei geholfen. June hat weniger Glück - sie ist tot. Roi, der in ihr mehr gesehen hat als nur eine Kameradin, übergibt ihren Sarg dem Weltraum...

Am Schluß noch eine Fußnote: Die verschwundenen Katamare werden im Hayok-Sternenarchipel geortet und können vollständig vernichtet werden, ohne daß es zu Verlusten auf Seiten der Terraner kommt. Wahrscheinlich waren die Besatzungen schon zu lange der Strahlung der AGLAZAR-Aggregate ausgesetzt und mehr oder weniger handlungsunfähig.

Kurz notiert:

Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein Galaxienzünder in der Milchstraße auftauchen würde. Jetzt ist er zunächst einmal unerreichbar für die Galaktiker - es bleibt abzuwarten, ob die im PULS befindlichen Superintelligenzen auf diese Gefahr, die ja auch ihre Existenz unmittelbar bedroht, reagieren werden.

Unsere Unsterblichen haben einfach kein Glück mit den Frauen. Kiriaade, Li da Zoltral, jetzt June. Gönnt man den Jungs denn gar nichts mehr?

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