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2181: Die Liebenden der Zeit

Autor: Hubert Haensel

Inhalt

Als die Kristallsärge sich endgültig auflösen und die beiden Algorrian an Bord der SOL erwachen, gibt es auf Anhieb Ärger. Erst glauben die beiden, es mit feindlichen Kattixu zu tun zu haben. Dann nehmen sie Atlans Ritteraura wahr - und mit Kosmokraten und deren Dienern stehen sie generell auf Kriegsfuß! Le Anyante, die weibliche Algorrian, kann ihren leicht erregbaren Partner nur mit Mühe davon abhalten, wild um sich zu schießen. Als die beiden Langschläfer eine holografische Darstellung der SOL zu sehen bekommen, erkennen sie das Schiff wieder: Sie sind ihm in tiefster Vergangenheit in der Galaxis Segafrendo schon einmal begegnet! Sie wollen allerdings nicht verraten, was sie seinerzeit dort verloren hatten. Die Galaktiker haben ihrerseits Probleme mit den recht intensiven Körperausdünstungen der Zentauren. Atlan muß wieder einmal klarstellen, daß er mit den Kosmokraten nichts mehr zu schaffen hat. Dann berichten die Algorrian aus ihrer bewegten Vergangenheit.

Das Volk der Algorrian entstammt der Galaxis Xantharaan und nimmt dort aufgrund seiner extrem hoch entwickelten Technologie eine führende Stellung ein. Ihre Hauptwelt ist der Planet Tulacame. In der Nähe der Galaxis Xantharaan zieht das Kosmonukleotid XANRIICLE 1 seine Bahn und auf dem Planeten Xanth gibt es eine Station der Ritter der Tiefe, den Dom Xanthar. Vom Körperbau her erinnern die Algorrian an gedrungene, etwa mannsgroße Zentauren, haben jedoch nicht nur vier Beine, sondern auch vier Arme. Die Köpfe wirken raubkatzenartig, an der Schnauze entspringen zwei kurze Tentakel. Ein Algorrian hat eine Lebenserwartung von bis zu drei Jahrtausenden. Viele Algorrian haben einen recht aufbrausenden Charakter - ihr Jähzorn ist ein Überbleibsel aus einer Zeit, als die Algorrian ihre Galaxis mit eiserner Faust beherrschten. Die Geschichte von Le Anyante und Curcaryen Varantir beginnt ca. 20 Millionen Jahre vor der Handlungsgegenwart. In dieser Zeit sind die Algorrian die wichtigsten Konstrukteure der Kosmokraten in der Nachfolge der Raum-Zeit-Ingenieure. Ihre Aufgabe ist es, Zeitbrunnen für die Schwärme zu konstruieren, die von Xantharaan aus auf ihre ewige Reise geschickt werden. Curcaryen ist als sogenannter Potenzial-Architekt maßgeblich an der Entwicklung der Zeitbrunnen-Technologie beteiligt. Le Anyante hat eine schwache PSI-Begabung und erhält die Aufgabe, als Fundament-Stabilisatorin ausgleichend und beruhigend auf Curcaryen einzuwirken, dessen aggressiver Charakter ihm bei seiner Arbeit oft im Wege steht. Die beiden sind in einer Art Haßliebe verbunden. Doch damit nicht genug: Als es bei der ersten Inbetriebnahme eines Zeitbrunnens zu einem Unfall (vermutlich durch Sabotage) kommt, werden Curcaryen und Le Anyante zwar getötet, sie werden jedoch im Körper anderer Algorrian wiedergeboren - und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder (und zwar stets ungefähr zur gleichen Zeit), wobei zwischen den Wiedergeburten teilweise mehrere Jahrtausende liegen. So werden die beiden zu Liebenden der Zeit, die sich immer wieder begegnen. Man weiß nicht so recht, wie es zu diesem Phänomen kommt, möglicherweise wurde es durch die Energien verursacht, die bei der Explosion des Zeitbrunnens freigesetzt worden sind.

Mit der Zeit werden die Algorrian ihrer Rolle als Hilfsvolk der Kosmokraten überdrüssig. Sie stellen die Produktion der Zeitbrunnen ein und fangen an, ihre voll technisierte Heimatwelt wieder zu einem natürlicheren Planeten zu machen. Le Anyante und Curcaryen spielen eine wichtige Rolle in diesem Prozeß, aber irgendwann kommt es wie es kommen muß: Die Kosmokraten greifen ein und maßregeln ihre wichtigsten Konstrukteure. Die Algorrian werden mit Hilfe einer großen Flotte von Kosmokratendienern angegriffen, zu denen drei der unüberwindlichen blauen Walzenraumer gehören. Das komplette Volk der Algorrian wird versklavt, ihre Heimatwelt verwüstet und von Kosmokratentruppen besetzt. Dieser Schlag trifft die Zentauren so schwer, daß sie sich kaum noch fortpflanzen, ihr Volk droht auszusterben. In dieser Situation ziehen sich die Kosmokratentruppen wieder zurück. Daraufhin erholen die Algorrian sich wieder und fliehen unter der Führung von Le Anyante und Curcaryen mit dem 42 Kilometer langen, hohlröhrenförmigen Raumschiff TULA zur Galaxis Mahagoul im Mahlstrom, wo sie vor einer Entdeckung sicher zu sein glauben. Dort schaffen sie sich eine neue Heimat und erhalten nach einigen Jahrtausenden Kontakt zu den Helioten und zur Superintelligenz THOREGON. Diese ist aus den Raum-Zeit-Ingenieuren hervorgegangen, die seinerzeit nicht in die TIEFE übergesiedelt sind. Zentrum der SI ist das Doppelsternsystem Thoregon-Cencha. Ein Teil der RZI lebt auf einem der dazu gehörenden Planeten in einer Pararealität. Die SI selbst lebt in den Sonnen, deren Hyperstrahlung sie als Nahrung braucht. THOREGON hat sich im Lauf der Zeit über eine Viertelmillion Sonnen ausgebreitet, ihr Bewußtsein umfaßt somit einen ganzen Sternhaufen, der durch psionische Felder verbunden ist. Die grünen Helioten sind nichts anderes als die materiell gewordenen Gedankten der SI, geboren aus der Hyperstrahlung der Sonnen. Die silbernen Helioten tragen einen Splitter THOREGONS und haben deshalb ein eigenes Bewußtsein. Bei einigen Helioten hat dieser Seelentransfer nicht geklappt, diese roten Helioten sind gefährliche Wahnsinnige. THOREGON geht davon aus, daß sie demnächst von den Kosmokraten ausgelöscht werden soll (wir erinnern uns: Sporenschiffe und Schwärme fördern das Leben - das Leben nimmt überhand - es entstehen zu viele Superintelligenzen - nicht jede SI kann eine Mächtigkeitsballung so stabilisieren, daß eine Materiequelle entstehen kann - also muß der Bestand an Superintelligenzen ausgedünnt werden). Deshalb will sie sich in den PULS des Mahlstroms zurückziehen, wo sie vor dem Zugriff der Kosmokraten sicher wäre. Dazu braucht sie die Hilfe der Algorrian. Da diese befürchten, daß die benachbarte Superintelligenz früher oder später die Kosmokraten auf den Plan rufen wird, erklären sie sich dazu bereit, die THOREGON-Sonnen in den PULS zu schaffen. Über Jahrhunderte hinweg wird dieser Plan allmählich verwirklicht, droht aber doch noch zu scheitern, denn tatsächlich tauchen plötzlich gewaltige Flotten der Ordnungsmächte im Mahlstrom auf und greifen ohne Warnung an. In letzter Minute kann Thoregon-Cencha in den PULS versetzt werden. Das ganze überlebende Volk der Algorrian folgt, zu diesem Zweck wird auch ihr Heimatsystem (dessen Sonnen nicht zu THOREGONS Bewußtsein gehören) mit dem Planeten Tulacame 2 in den PULS transportiert.

Kurz notiert:

THOREGON ist eine Superintelligenz, die in den Sonnen lebt, d.h. die Sonnen sind nicht der "Körper" der Superintelligenz. Sie ist vielmehr ein Geisteswesen wie ES, das keinen eigentlichen Körper hat.

Die Algorrian haben also die Zeitbrunnen erfunden - wieder wurde eines der großen Geheimnisse des PR-Kosmos entmystifiziert.

Damit will ich jetzt aber nicht diesen Roman schlechtmachen, denn er hat mir wirklich gut gefallen. Die beiden ruppigen Algorrian haben das Zeug, um zu den stärksten und interessantesten Charakteren in der Endphase dieses Zyklus zu werden. Wie sie mit den in ihren Augen unterentwickelten und häßlichen Galaktikern der SOL und erst recht mit den Mochichi umspringen (Curcaryen meint, die handwerklichen Fähigkeiten der Mochichi wären gerade gut genug für eine Fußpflege, die er nötig hätte), sind kultig. Hoffentlich wird das nicht in den nächsten Heften verwässert, wenn andere Autoren als Hubert Haensel an der Reihe sind! Die gelungene Schilderung tröstet mich auch darüber hinweg, daß der Roman wieder mal "nur" eine Rückblenden-Geschichte ist.

Daß THOREGON sich als Superintelligenz entpuppen würde, war absehbar. Wie sich der ganze Komplex mit den Pilzdomen, den verschiedenen Thoregon-Völkern und den anderen Superintelligenzen daraus entwickeln konnte, erfahren wir hoffentlich in der nächsten Woche...


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