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2169: Das Lichtvolk

Autor: Leo Lukas

Inhalt
Vor etwa 160.000 Jahren war die Thatrix-Zivilisation die beherrschende Macht in der Galaxis Tradom und einigen weiteren benachbarten Galaxien, die zum Einflußbereich einer Superintelligenz namens VAIA gehörten, Frieden und Freiheit und Toleranz herrschten. Die Galaxiengruppe, welche die Mächtigkeitsballung von VAIA darstellt, gehört zu einem Thoregon. Auch in diesem Thoregon hat es ein Stillhalteabkommen zwischen den Superintelligenzen und den Kosmokraten gegeben. Die meisten wichtigen Völker, die man aus dem Reich Tradom kennt (Pombaren, Quintanen, Pyrimbos, Eltanen, sogar Valenter) gab es damals auch schon, aber von der Inquisition der Vernunft oder vom Reich Tradom hatte niemand etwas gehört. Zu den bedeutendsten Völkern gehören die humanoiden Guyar (die Leuchter), die man auch Guyaam (das Lichtvolk) nennt und aus denen die Vaianischen Ingenieure hervorgehen, welche z.B. für Bau und Wartung der AGLAZAR-Raumschiffe zuständig sind. Nur die AGLAZAR-Aggregate entstammen einer Technik, die selbst für die Vaianischen Ingenieure unverständlich und unbeeinflußbar ist. Die Guyaam haben eine besondere Fähigkeit, das Hyperspüren. Diese haben sie vermutlich deshalb entwickelt, weil das Sonnensystem, in dem ihre Heimatwelt Caldera liegt, von einer Wolke aus Parastaub (die Calditische Sphäre) umhüllt ist, und bei den Vaianischen Ingenieuren ist diese Fähigkeit besonders stark ausgeprägt. Nur ein geringer Prozentsatz aller Guyaam wird zu Vaianischen Ingenieuren. Guyaam siedeln auch auf anderen Planeten, z.B. auf Sivkadam. Der uns als Folterwelt bekannte Planet ist zu dieser Zeit ein wichtiges Handelszentrum der Thatrix-Zivilisation, vielleicht mit Olymp zu vergleichen. Die Guyaam-Siedlung ist dort in goldenen Kuppeln untergebracht, unter denen die Parastaub-Atmosphäre, die sie von ihrer Heimatwelt gewöhnt sind, künstlich erzeugt werden muß.

Die Körper der Guyaam sind halbtransparent und leuchten von innen heraus, was z.T. darauf zurückzuführen ist, daß viele zelluläre Prozesse ihrer Körper eine Biolumineszenz produzieren, die auf der permanenten Fluktuation von Parastaub (Tymcal) zwischen dem verstofflichten und dem freien hyperenergetischen Zustand basiert. Zum anderen besitzen die Guyaam neben dem Gehirn ein sog. Tymcal-Geflecht, das sich in feinsten Verästelungen durch den ganzen Körper zieht und umso heller leuchtet, je stärker die körperliche oder geistige Aktivität eines Guyaam ist. Da sie auf diese Weise auch ihre Emotionen ausdrücken, verhüllen sie ihre Körper zur Wahrung der Privatsphäre ab einem bestimmten Alter mit Tüchern, wodurch ihr Aussehen ein wenig an ägyptische Mumien erinnert. Die Guyaam nutzen ihre körperlichen Besonderheiten, um mit ihnen die TYMDIT zu bedienen, welche uns als Optische Grüfte bekannt sind. Ein einziger Guyaam kann durch die von ihm kontrolliert ausgestrahlten Lichtimpulse mit Hilfe eines TYMDIT hochkomplexe Steuerungsvorgänge durchführen und auf diese Weise ein Raumschiff lenken (am ehesten könnte man das mit SERT-Steuerung vergleichen) oder einen ganzen Industriekomplex steuern. Allerdings sind nur Vaianische Ingenieure zu solchen Höchstleistungen fähig.

Auf Caldera lebt der oberste Repräsentant der Superintelligenz VAIA, ein männlicher Guyaam (dieses Volk wurde von VAIA besonders auserwählt) Namens Ijotha Hyndalin. Er residiert in den Calditischen Palästen und nach der Beschreibung dieses Bauwerks müssen wir davon ausgehen, daß genau diese Paläste später zur Festung der Inquisition umfunktioniert worden sind. Konventionelle Raumfahrt ist im All rings um Caldera wegen der Hyperstrahlung des Parastaubs nicht möglich. Man reist von riesigen Raumstationen aus, die in den äußersten Ausläufern der Calditischen Sphäre verankert sind, mit Staubseglern durch den Parastaub. Die Staubsegler nutzen den Hyperenergetischen Wind des Parastaubs als Antriebsquelle und erreichen so ungefähr siebzigprozentige Lichtgeschwindigkeit.

Wir erfahren all das aus den Erzählungen eines Guyaam (vermutlich berichtet er das jemandem, den wir kennen, etwa Perry selbst, obwohl niemand in Erscheinung tritt), der bei seiner Geburt zum Entsetzen seiner Eltern dunkel war, deshalb den Namen Anguela (was soviel heißt wie der Lichtlose heißt) erhält, jedoch wenig später heller strahlen kann als jeder Artgenosse. Seine Sensibilität ist so extrem stark ausgeprägt, daß er ständig quälenden Sinneseindrücken ausgesetzt ist. Gerüche, die für andere kaum wahrnehmbar sind, kommen ihm wie fürchterlicher Gestank vor - vor allem aber kann er Hyperstrahlung besser wahrnehmen als jeder andere Guyaam. Somit ist er eigentlich prädestiniert, ein Vaianischer Ingenieur zu werden. Bis er dieses Ziel erreicht, werden ihm jedoch viele Steine in den Weg gelegt, denn er lebt in der matriarchalisch ausgerichteten Kolonie auf Sivkadam und hat es als männlicher Guyaam alles andere als leicht. Da seine Eltern aber zu ihm stehen und er durch hervorragende Leistungen überzeugen kann, erhält er bald auch die Erlaubnis, eine Ausbildung zum Vaianischen Ingenieur zu beginnen. Als der Prüfungstermin ansteht, gibt es allerdings einen leichten Knick in der Karriere, denn eine seiner Widersacherinnen hat eine eilige Nachricht zurückgehalten, die für Anguelas Mutter bestimmt war: Sie und ihre Familie (also auch Anguela, der deshalb nicht an der Prüfung teilnehmen kann) sollen umgehend nach Caldera kommen, um dort an einem wichtigen Projekt mitzuarbeiten. Anguelas Familie siedelt also recht überhastet zur Heimatwelt der Guyaam um.

Kurz notiert
Die wohl millionste Rückblick-Lebensgeschichte, anhand derer wir die Hintergründe über vieles erfahren, was bisher unklar war. Das ist bei PR schon sowas wie eine Tradition. Leo Lukas feuert da eine solche Menge an Informationen auf uns ab, daß die Lebensgeschichte Anguelas dagegen beinahe zur Nebensächlichkeit verkommt, obwohl sie gewohnt witzig erzählt wird und vor verrückten Ideen nur so sprüht. Der Fun-Faktor wird diesmal auch durch bessere Stilmittel erzielt als die sonst bei Lukas übliche Wortverdreherei; es sind einfach die amüsanten Details und die bizarren Situationen, die den Roman ausmachen. Leider schleichen sich immer wieder ein paar zu sehr aus der Umgangssprache stammenden Formulierungen ein, aber das scheint ja in letzter Zeit generell in der PR-Serie Einzug zu halten...

Am meisten würde mich jetzt erstmal interessieren, wie aus dem jungen Guyaam Anguela etwas werden konnte, was von den heutigen Tradomern als gütige spirituelle Macht verstanden wird, die sich um alle Lebewesen kümmert und in die man nach dem Tod eingeht - wo doch VAIA die Superintelligenz war, die früher in Tradom das Sagen hatte!? Da dies der erste Roman eines Doppelbands ist, dürften die Antworten nicht lange auf sich warten lassen. Sparen wir uns also weitere Spekulationen und Kommentare bis zur nächsten Woche!

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