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pr1000gold

Der Terraner (PR 1000 Gold Edition)
HJB-Verlag 2003
96 Seiten, Paperback
Autor: William Voltz
Mit einem Nachwort von Michael Thiesen

Inhalt

In ferner Vergangenheit: Ein Bote des Kosmokraten Tiryk stattet der jungen Superintelligenz ES einen Besuch ab. Der Bote ist Carfesch aus dem Volk der Sorgoren, ein ca. zwei Meter großer, sehr schlanker Humanoide mit einer strohfarbenen Haut aus achteckigen, schuppenartigen Plättchen. Sein Gesicht wird von zwei starren, weit vorgewölbten und tiefblau strahlenden Augen beherrscht. Anstelle einer Nase besitzt er eine Atemöffnung, die mit einem gazeähnlichen organischen Filter ausgestattet ist. Der Mund sitzt im breiten Kinn des Wesens. Carfesch hat siebenfingrige Hände, die in Krallen enden. Unter den Krallen leben winzige Symbionten, die den Krallenfingern eine hohe Sensibilität verleihen. ES empfängt Carfesch auf dem halbierten Planeten Ambur in der Stadt Ambur-Karbusch. Dort justiert der Beauftragte der Kosmokraten zwei lebensverlängernde Zellaktivatoren, die der Superintelligenz anvertraut worden waren dergestalt, daß sie nur von Wesen mit ganz bestimmten Individualdaten getragen werden können. ES nimmt Carfesch anschließend in sein Bewußtseinsreservoir auf und initiiert eine groß angelegte Suche nach den Individuen, für die die Zellaktivatoren bestimmt sind und die der Superintelligenz helfen sollen, ihre Mächtigkeitsballung zu stabilisieren. Nach einer langen Zeit erfolgloser Suche entdecken Hilfsvölker von ES den ersten vorbestimmten Aktivatorträger: Es ist der Arkonide Atlan, der gerade gegen die Druuf kämpft. Der Aktivator wird dem Arkoniden ausgehändigt. Erst zehntausend Jahre später wird auch der zweite Träger gefunden, es ist ein Mensch von der Erde mit dem Namen Perry Rhodan. Das Problem dabei ist nur, daß Rhodan noch ein Kind ist! Perry Rhodan lebt auf der Farm seines Onkels Karl in den Vereinigten Staaten von Amerika. Am Tag der Kapitulation Deutschlands, die den zweiten Weltkrieg beendet, holt ES den neunjährigen Jungen zu sich. ES gibt den Zellaktivator jetzt natürlich noch nicht heraus, öffnet in Rhodan aber ein "Fenster zum Kosmos", und dieses Erlebnis verändert das Bewußtsein des Jungen. ES manipuliert daraufhin die Vergangenheit und legt ein galaktisches Rätsel an, das der erwachsene Rhodan lösen muß, um zu beweisen, daß er würdig ist, den Zellaktivator und damit die relative Unsterblichkeit zu erhalten.

Die weiteren Geschehnisse sind (PR-)Geschichte: Nach der Begegnung der von Perry Rhodan geleiteten ersten bemannten Mondexpedition (vgl. Perry Rhodan Roman Nr. 1) mit den Arkoniden entsteht eine geeinte Menschheit, die sich anschickt, ein großes Sternenreich zu errichten. Rhodan erringt den auf ihn geeichten Zellaktivator und bestimmt fortan die Geschicke der Terraner. In Atlan, dem Träger des ersten Zellaktivators, findet Rhodan einen treuen Freund und Begleiter durch alle Schwierigkeiten und Gefahren, die sich der aufstrebenden Menschheit in den kommenden Jahrhunderten in den Weg stellen. Rhodan nimmt immer tieferen Einblick in die Geheimnisse des Kosmos und begreift allmählich, daß er - und mit ihm die gesamte Menschheit - nur eine Schachfigur in der Auseinandersetzung unbegreiflicher Mächte ist. Ihre bis dahin schwerste Krise erleben die Terraner, als die Milchstraße von den technisch weit überlegenen Laren quasi erobert und ins Konzil der Sieben Galaxien eingegliedert wird, was gleichbedeutend mit dem Ende des alten Solaren Imperiums der Menschheit ist. Als die Erde und der Erdmond durch einen Sonnentransmitter in Sicherheit gebracht werden sollen, verschlägt es die Heimat der Menschen stattdessen in den Mahlstrom der Sterne. Nach Jahrzehnten, in denen die Milchstraße vollständig unter die Herrschaft der Laren und ihrer Handlanger gerät, stürzt die Erde im Mahlstrom durch den Schlund und wird dabei entvölkert. ES nimmt in diesem Augenblick die Bewußtseine von 20 Milliarden Menschen in sich auf, um sie zu retten. Nach der Befreiung der Milchstraße von der Larenherrschaft und der Rückkehr von Erde und Erdmond an ihren angestammten Platz entsteht ein neues Regierungsgebilde aus Nachkommen der seinerzeit in der Milchstraße zurückgebliebenen Menschen: Die Liga Freier Terraner (LFT). Durch Kontakte mit anderen Superintelligenzen erfährt Rhodan, daß das Universum von zahlreichen Entitäten dieser Art "bevölkert" wird. Jede Superintelligenz herrscht über eine aus mehreren Galaxien bestehende Mächtigkeitsballung. Die Milchstraße gehört zur Mächtigkeitsballung der Superintelligenz ES. Noch über den Superintelligenzen stehen die Kosmokraten, die verschiedene Helfer beschäftigen, um die Ordnung im Universum aufrechtzuerhalten: Die Sieben Mächtigen haben mit ihren Sporenschiffen das Leben im Universum verbreitet, mit Hilfe der Sternenschwärme wurde die Entstehung intelligenter Lebewesen gefördert. Die Ritter der Tiefe greifen überall dort ein, wo die Ordnung gefährdet wird. Andere Diener der Kosmokraten sind hochentwickelte Roboter, Rhodan hat das Auge von einem dieser Roboter - sein Name ist Laire - erhalten.

Perry Rhodan ist nach all diesen Erlebnissen und Erkenntnissen an einem Punkt angelangt, an dem er sich fragen muß, wie es mit ihm und der Menschheit überhaupt weitergehen soll. Welche Aufgabe sollen die Menschen im großen Gefüge kosmischer Mächte spielen und was soll er, Rhodan, mit der ihm verliehenen Unsterblichkeit anfangen, die sowohl Segen als auch Fluch für ihn ist? Sollte er lieber danach streben, als körperlose Daseinsform im Bewußtseinsreservoir von ES aufzugehen? In dieser Zeit der Orientierungslosigkeit erscheint Carfesch als Materieprojektion auf der Erde und holt Rhodan zu ES. Die Superintelligenz weilt auf der Welt Eden II im geistigen Zentrum ihrer Mächtigkeitsballung. Sie gewährt Rhodan weitere Einblicke in kosmische Zusammenhänge. Man kann die Entwicklung des Lebens im Universum mit einem Zwiebelschalenmodell erklären: Mit jedem Evolutionssprung erreicht das Leben eine "höhere" Schale der Zwiebel, also eine andere Zustandsform. So kann eine Superintelligenz sich und ihre Mächtigkeitsballung in eine Materiequelle verwandeln, die das Universum dann mit einem Zustrom von Energie versorgt. Aus den Materiequellen entwickeln sich wiederum die Kosmokraten, die naturgemäß an der Bildung weiterer Materiequellen interessiert sind - nichts anderes war der eigentliche Grund z.B. für die Erschaffung des Wächterordens der Ritter der Tiefe. Wird eine Mächtigkeitsballung jedoch instabil und werden die negativen Kräfte innerhalb einer Superintelligenz zu stark, so kann sie zusammenbrechen und zu einer Materiesenke werden. Dieses Schicksal droht der Superintelligenz Seth-Apophis, mit der ES schon seit geraumer Zeit einen schweren Kampf austrägt. ES erteilt Rhodan deshalb den Auftrag, eine Organisation zu erschaffen, die vordergründig dem innergalaktischen Handel dienen soll. In Wirklichkeit soll diese Kosmische Hanse jedoch der Bedrohung durch die negative Superintelligenz entgegentreten, die schon eine Unzahl von Agenten in die Mächtigkeitsballung von ES geschleust hat. Mit dieser gewaltigen Aufgabe entläßt ES den Terraner wieder. Ihm stehen mächtige Hilfsmittel zur Verfügung: Die Flotte der Kosmischen Hanse wird aus den riesigen Orbiterflotten und den Sporenschiffen der Sieben Mächtigen bestehen, Rhodan selbst kann sich mit Laires Auge jederzeit wie ein Teleporter auf jedes beliebige Schiff und jeden beliebigen Planeten der Hanse begeben, egal wie weit entfernt dieser auch sein mag. ES kündigt an, daß die Terraner von jetzt an auf sich allein gestellt sein werden, denn die Auseinandersetzung mit Seth-Apophis fordert die ganze Kraft und Aufmerksamkeit von ES. Rhodan kehrt mit Carfesch, der der Menschheit fortan zur Seite stehen will, zur Erde zurück. Man schreibt das Jahr 3588 n.Chr., doch diese Zeitrechnung gilt jetzt nicht mehr. Es beginnt das erste Jahr einer neuen galaktischen Zeitrechnung - das Jahr 1 NGZ.

Kommentar:

Mit diesem Roman wurde sozusagen ein Schlußstrich unter die gesamte bisherige Perry Rhodan - Serie gezogen oder besser gesagt: Der Schlußstrich wurde vollendet und der Neubeginn wurde eingeleitet. In den ersten paar hundert Romanen der Serie war es hauptsächlich um die Ausbreitung der Menschheit im All gegangen, um die Abenteuer, die sie auf dem Weg zu den Sternen zu erleben hatte und um die vielfältigen äußeren und inneren Schwierigkeiten, die sie dabei überwinden mußte. Die Struktur, die dem PR-Kosmos zugrundeliegt, wurde dabei eher "nebenher" entwickelt, denn anfangs hatte man so etwas nicht gebraucht - Abenteuerromane konnte man vor jedem beliebigen Hintergrund ausfabulieren, eine Kosmologie war dazu nicht nötig. Es ging erst einmal nur darum, noch farbenprächtigere Szenarien zu entwickeln, die Helden vor noch größere Rätsel und Geheimnisse zu stellen, noch mächtigere Gegner und Verbündete einzuführen. Mit der Zeit wurden aber die Fragezeichen in den Köpfen der Leser und Autoren wohl immer größer. Was soll das alles, wozu der ganze Aufwand? Fragte man sich. Da tummeln sich die Superintelligenzen und die Kosmokraten mit all ihren Hilfsvölkern, Dienern und Beauftragten - aber was bezwecken sie eigentlich mit ihren undurchsichtigen Absichten, Plänen und Intrigen? Da mußte ein allgemeingültiger Überbau her, ein tieferer Sinn, der hinter allem steckt. Und so wurde das Zwiebelschalenmodell entwickelt, das in diesem Roman erstmals vorgestellt wird. Dies war allerdings nur einer der ersten von vielen Schritten, die in den folgenden 1000 Romanen zu noch ganz anderen Gedankengebilden geführt haben wie dem Moralischen Code des Universums, dem Dritten Weg und den Thoregons.

Breiten Raum nimmt in diesem Roman eine Zusammenfassung der "großen" Ereignisse von Beginn der Serie an ein. Da werden mehr als 1.600 Jahre Handlungsgeschichte auf knappe, aber gut verständliche Weise so zusammengefaßt, daß man versteht, wohin die ganze Entwicklung letztendlich führen mußte: Weg von der teils ziemlich rabiaten Expansionspolitik des Solaren Imperiums und hin zum neuen, "kosmischen" Bewußtsein einer Menschheit, die die tieferen Zusammenhänge versteht und eine wichtige Rolle in den Auseinandersetzungen der "Hohen Mächte" spielt. Diese Konzeption war letztlich nicht auf Dauer aufrechtzuerhalten. Allzu abgehoben und mystisch wurden die Handlungszyklen in den folgenden Jahren, die Gigantomanie uferte immer mehr aus. Man kann das Problem schon in diesem Roman erkennen, denn abgesehen von wenigen Szenen, in denen man die persönlichen Schicksale der Wesen miterlebt, die nach den vorherbestimmten Zellaktivatorträgern suchen und abgesehen von der kurzen Episode, in der ein zweifelnder, orientierungsloser Rhodan sich inkognito in eine scheinbar nicht ganz astreine Kneipe begibt, lassen einen die ganzen "kosmischen" Ereignisse relativ kalt. Man wird fast ein wenig erschlagen von all den großen Zusammenhängen, die hier enthüllt werden. So war es kein Wunder, daß schließlich mit PR-Roman Nr. 1400 eine radikale Abkehr von dem mit Band 1000 eingeschlagenen Weg genommen wurde und daß man danach immer wieder versuchte, "alte Werte" aus der Anfangszeit der PR-Serie wiederzubeleben.

Dennoch ist "Der Terraner" natürlich ein Meilenstein in der PR-Geschichte. Mit seiner pazifistischen und humanistischen Grundtendenz passte er auch genau in die Zeit seines erstmaligen Erscheinens - das war im Jahre 1980. Selten wurde die Person Perry Rhodan mit seinen Sorgen und seinem inneren Zwiespalt seither wieder so eindringlich geschildert wie in diesem Roman. Es ist deshalb kein Wunder, daß Perry Rhodan Nr. 1000 als zweiter Band der "Gold-Edition" erschienen ist.


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