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Perry Rhodan: Das Rote Imperium Band 3: Die Zukunftsbastion

Autor: Wim Vandemaan

Inhalt

Das Mentale Symposion

Die Macht des Roten Imperiums ruht hauptsächlich auf drei Säulen: Dem relativ unsterblichen Führungs-Triumvirat mit Bavo Velines an der Spitze, den unbesiegbaren Präfidatinnen mit ihren Fluidom-Schlachtschiffen, und dem Mentalen Symposion. Im Mentalen Symposion sind Millionen Bewusstseinsinhalte gleichzeitig miteinander vernetzt. Dadurch wird einerseits eine Traumwelt erschaffen, die vielen Menschen als Realitätsersatz dient und vom Roten Imperium zur Kontrolle seiner Bürger genutzt werden kann, andererseits kann das im Mentalen Symposion entstehende Kollektivbewusstsein gewaltige Rechenleistungen erbringen. Im Verbund mit den Quantroniken, die so hoch entwickelt sind, dass sie praktisch die Zukunft vorhersagen können, liefert das Mentale Symposion Entwürfe für neue Technologien, Strategien für Feldzüge und andere Problemlösungen. Darauf gründet sich die wissenschaftlich-militärische Überlegenheit des Roten Imperiums. Nur eine Aufgabe konnte selbst das Mentale Symposion bisher nicht lösen: Das Gazini-Verteidigungssystem, von dem die mitten im Bereich des Imperiums liegende Enklave der unabhängig gebliebenen Houhhom geschützt wird, konnte nie geknackt werden. Die Oberfläche der Gazini-Barriere ist ein intuitiv reagierendes Raumzeit-Labyrinth, das seine Struktur im Millisekundentakt ändert und anfliegende Feindschiffe buchstäblich zerlegt.

Perry Rhodan alias Ryland Walker

Um die lästige Houhhom-Enklave endlich erobern zu können, braucht Johari Ifama Perry Rhodans Hilfe. Der Terraner wird deshalb nach seiner Gefangennahme ins Mentale Symposion eingegliedert, zuvor wird er aber noch von Farashuu Perkunos geohrfeigt. Seine Erfahrung und seine durch arkonidische Hypnoschulung erworbenen Kenntnisse werden dem Symposion hinzugefügt, gleichzeitig dienen die Impulse seines Zellaktivators zur Ablenkung des Gazini-Systems. Rhodan verliert all seine Erinnerungen, sogar seine Identität, und hält die virtuelle Realität des Symposions für real. Er glaubt, er sei ein Privatdetektiv im New York der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, der den Auftrag erhält, die gestohlenen "Gazini-Smaragde" zu finden. Dies ist natürlich nur ein Gedankenkonstrukt, das ihn dazu bringen soll, sich mit dem Knacken des Schutzfelds zu beschäftigen. Der Plan geht auf: Die Gazini-Barriere fällt. So können Ifamas Regulartruppen das Houhla-System mit der für Rotimperialisten typischen Grausamkeit erobern, während Sakister Liebchen, die Stimme des Roten Imperiums, einen Propagandafeldzug startet, der die Houhhom als blutrünstige Aggressoren abstempelt. Ifama erklärt Perry Rhodan nach getaner Arbeit für tot, obwohl Bavo Velines noch andere Pläne mit ihm hat.

Was Ifama nicht ahnt: Der Privatdetektiv erhält einen zweiten Auftrag. Eine eigenständige Entität des Mentalen Symposions in Gestalt einer jungen Frau namens Deborah Rhodan bittet ihn, ihren verschwundenen Bruder Perry zu suchen. So hilft sie ihm, wieder zu sich selbst zu finden. Rhodan bricht zu einer Odyssee auf, die ihn zu verschiedenen Orten der Erde führt. Unter anderem bereist er die Wüste Gobi, in der er schließlich "Herrn Kasimir" begegnet, einer weiteren Entität des Symposions. Kasimir erklärt ihm, dass das Symposion dabei ist, sich zu verselbständigen. Es ist zu einem quasi-realen Universum geworden, einem Intraversum, in dem Bewusstseinsinhalte auch nach dem Tod des materiellen Körpers weiter existieren können. Es wird vom so genannten Konvent der Quantroniken unterstützt. Die Quantencomputer sowohl des Roten Imperiums als auch der Anjumisten verfolgen ohne das Wissen ihrer "Herren" gemeinsame Ziele. Rhodan soll dem Symposion dabei helfen, die Unabhängigkeit vom Roten Imperium zu gewinnen. Plötzlich kommt es zu einem Angriff durch imperiale Agenten. Die Entitäten des Symposions verschaffen Rhodan etwas Zeit, so dass er über eine Interferenz-Insel (eine Schnittstelle zur Realität) aus dem Symposion entkommen kann. Er gerät jedoch vom Regen in die Traufe, denn als er in Ifamas Raumschiff ZUKUNFT IN HERRLICHKEIT erwacht, ist seine Beseitigung schon beschlossene Sache. Er wird als lebendes Projektil eines Bordgeschützes ins All geschossen.

Einsatz auf Utgard

An Rhodans Stelle stirbt jedoch ein Pseudolebewesen, eine Art Dummy, hergestellt vom Anjumisten Darwin Cantarella, der von einer mobilen Quantronik namens Jeremias (genannt "Jerry") unterstützt wird. Cantarella fängt den echten Rhodan ab und bringt ihn auf dem Druuf-Raumer 277 TAG UND ABENDFRÜH in Sicherheit. Umgehend werden neue Pläne geschmiedet. Unter großen Verlusten ist es den Anjumisten gelungen, die Standorte jener Filiationskammern in Erfahrung zu bringen, in denen die Originalkörper des Führungstriumvirats ruhen. Die Filiationskammer des Generalgouverneurs befindet sich in der Jötunheim-Bunkeranlage auf Utgard, dem vierten Planeten des Siamed-Systems. Perry Rhodan erfährt, dass das Transuniversale Tor, an dem sich schon seit langer Zeit eine ständig anwachsende Invasionsflotte sammelt, von einem umfassenden neuronalen Netz gesteuert wird, das nichts anderes als ein exotischer Velines-Filiat ist. Würde man den Original-Velines töten, dann würde dieses Netz ebenso absterben wie alle anderen Filiate, und das wäre auch das Ende des Transuniversalen Tors. Nur Rhodan kommt für den Einsatz auf Utgard in Frage, denn der Planet ist unter anderem in ein Etatstopper-Feld gehüllt, gegen das es keinen Schutz gibt und das die Hirnzellen unautorisiert eindringender Personen zerfallen lassen würde. Rhodan kann es relativ unbeschadet durchdringen, da sein Zellaktivator den Gewebezerfall schnell genug ausgleicht.

Da der Planet von einem zweiten Feld umgeben ist, das den Einsatz technisch erzeugter Energien unterbindet, muss Rhodan mit einer primitiven Kapsel landen und kann nur wenige einfache Hilfsmittel mitnehmen. Er hat 72 Stunden Zeit, um Velines zu töten, dann wollen die Anjumisten und die mit ihnen verbündeten Völker einen Großangriff auf das Siamed-System starten. Auf Utgard wird Rhodan schon von der Letzten Legion der Ofosuapia erwartet. Drei dieser Wesen, deren Äußeres an ein überdimensionales Bein mit Plattfuß und Schlangenkopf erinnert und die trotz einiger merkwürdiger Verhaltensweisen zu wertvollen Helfern werden, bringen Rhodan bis zur Bunkeranlage und durch deren Energieschirm. Golem, die alraunenähnliche Figurine einer anjumistischen Quantronik, stößt in der Nähe Jötunheims zu der kleinen Gruppe. Die Quantronik hatte im Hiberns auf Rhodan gewartet und war durch die Impulse seines Zellaktivators erweckt worden. Golem und der Ofosuapia Cuderuu begleiten Rhodan bis zu einem geparkten Fluchtschiff des Generalgouverneurs. Dort ist zunächst Endstation, das Innerste des Bunkers können sie auf normalem Wege nicht erreichen.

Farashuus Erinnerungen und der Wahnsinn der Psychoguerillas

Währenddessen zeichnen sich auch andernorts wichtige Veränderungen ab. So erinnert sich Farashuu Perkunos durch eine mnemogene Autoinformation in Gestalt ihrer toten Mutter, die tief in ihr verankert war und nun planmäßig aktiv wird, an ihre Vergangenheit und ihre eigentliche Bestimmung. Sie ist ein Werkzeug der Anjumisten und sollte in die Reihen des Roten Imperiums eingeschleust werden. Dass dieser Plan etwas zu gut funktioniert hat, musste Farashuus Mutter am eigenen Leib erfahren: Das Mädchen hatte wie vorgesehen alle Erinnerungen verloren und war zu einer Präfidatin umgewandelt worden - und bei einem ihrer ersten Einsätze mit der ENGEL DER EINTRACHT hatte Farashuu ein Raumschiff der Anjumisten vernichtet, in dem sich ihre Mutter aufgehalten hatte. Mit Hilfe der Quantronik der ENGEL, die sich innig mit ihr verbunden fühlt, beseitigt Farashuu jetzt alle Besatzungsmitglieder des Fluidom-Schlachtschiffs und nähert sich dem Siamed-System.

Genau zur vorgesehenen Zeit schlagen auf Druufon anjumistische Widerstandskämpfer zu. Einige Millionen Psychoguerillas befinden sich im Mentalen Symposion. Durch Psytropin, das in ihren Körpern freigesetzt wird, werden sie in den Wahnsinn getrieben - und mit ihnen das gesamte Kollektivbewusstsein, das daraufhin zu einer geistigen Ruine zerfällt. Anjumistische Quantroniken klinken sich ein und verstärken den Effekt. Da alle rotimperialen Quantroniken permanent mit dem Mentalen Symposion vernetzt sind, werden schlagartig alle damit ausgerüsteten Kampfschiffe zumindest vorübergehend handlungsunfähig. Die anjumistischen Flotten fallen ins Siamed-System ein und haben leichtes Spiel mit den gelähmten Regulartruppen. Nur einzelne Fluidome können ihnen noch gefährlich werden. Als der Alarm die Jötunheim-Bunkeranlage auf Utgard erreicht, aktiviert sich der Transmitter des Fluchtschiffs. Golem polt ihn um, so dass Rhodan und seine beiden Begleiter bis zu Velines vordringen können.

Der Tod der Unsterblichen

Derweil werden über 100.000 anjumistische Raumlandesoldaten und Roboter auf Batavat abgesetzt, dem 58. Planeten des Siamed-Systems. Dort befindet sich Jaakko Patollos Filiationskammer. Tomoko Amaya Yo führt die Kämpfer an. Sie allein kann in das abgesicherte Versteck vordringen, denn sie selbst ist eine Filiatin und kennt alle Codes - ihr Original ruht ebenfalls in dieser Anlage. Sie war einst Agentin in Patollos Geheimdienst und sollte in seinem Auftrag bei den Anjumisten spionieren, hatte aber die Seiten gewechselt. Den Anjumisten war es gelungen, die permanente mentale Verbindung zu ihrem Original zu trennen. Nun erschießt sie ihren des Lebens überdrüssigen Mentor. Zuvor erfährt sie von ihm, dass den Kopernikanern der Universenwechsel damals nur gelungen war, weil sich Reste der ehemaligen Überlappungsfront erhalten hatten. Man hatte aufgrund bestimmter Vorhersagen der Quantroniken gehofft, Rhodan als Schlüssel für eine Rückkehr ins Standarduniversum nutzen zu können, weil er sich schon einmal im Roten Universum aufgehalten hatte. Außerdem war seine Aura leicht zu orten. Amaya Yo tötet auch ihr eigenes Original, was höchst wahrscheinlich gleichbedeutend mit ihrem eigenen Ende ist.

Rhodan begegnet im Zentrum Jötunheims zwei Velines-Filiaten, einer der beiden ist Korky. Der andere berichtet ihm vom Damokles-Effekt, der zum Verschwinden ganzer Galaxien innerhalb von Sekundenbruchteilen führt und vermutlich ein Symptom dafür ist, dass die Raumzeit sich im Roten Universum quasi selbst negiert. Die Wissenschaftler des Roten Imperiums nehmen an, dass das Ende des Roten Universums nicht mehr fern ist. Velines beabsichtigt angeblich, sich im Standarduniversum nach Monol in der Galaxie M 87 zu begeben, wo er die biophysikalische Hyperregenerierung der Konstrukteure des Zentrums zu nutzen gedenkt. Kampfroboter greifen Rhodan an. Golem opfert sich, um sie zu vernichten. Auch die beiden Filiate werden zerstört. Jetzt endlich findet Rhodan den wahren Bavo Velines in dessen Filiationskammer. Erneut kommt es zum Kampf. Es zeigt sich, dass Velines eine Quantronische Armierung trägt. Damit tötet er Cuderuu. Doch auch Rhodan ist "armiert" - durch die Ohrfeige, die sie ihm verpasst hat, hat Farashuu unwissentlich etwas Armierungssubstanz auf ihn übertragen. Auch das war ein Teil des Plans ihrer Eltern und der zukunftssichtigen Quantroniken, mit denen sie zusammengearbeitet hatten. So kann Rhodan sich verteidigen und Velines besiegen. Der Generalgouverneur stirbt, so dass vermutlich auch all seine Filiate sowie das "Nervensystem" des Transuniversalen Tors nicht mehr existieren.

Als nun auch noch Farashuu Perkunos mitten im Siamed-System und in unmittelbarer Nähe von Ifamas Flaggschiff das Patollo-Lot der ENGEL auslöst, stirbt auch das letzte relativ unsterbliche Mitglied des Führungs-Triumvirats, denn Ifama hatte ihre Filiationskammer auf ihrem Schiff. Ein Marschall des Roten Imperiums erklärt daraufhin die bedingungslose Kapitulation. Die Bewohner Druufons stellen fest, dass die Propaganda von der Grausamkeit der Druuf nicht stimmen kann, denn einige Druuf-Schiffe bewahren Leyden City davor, von abstürzenden Trümmern vernichtet zu werden. Perry Rhodan verlässt Utgard. Ein goldenes Artefakt in der Form einer Sanduhr nimmt er mit. Allmählich stabilisieren sich die Verhältnisse wieder, das Rote Imperium existiert aber nicht mehr. Unter der Leitung der Anjumisten und Druuf soll ein neuer Staat entstehen.

Rückkehr

Bevor Rhodan über eine Miniaturversion des Transuniversalen Tors, die sich in Patollos Forschungseinrichtung befindet, ins Standarduniversum zurückkehrt, spricht er noch einmal mit der Quantronik Jerry. Sie bittet ihn im Namen des Konvents der Quantroniken, das "Stundenglas" mit ins Standarduniversum zu nehmen. Dieses Objekt enthält ein voll funktionsfähiges Replikat des Mentalen Symposions, mithin also ein Miniatur-Universum, in dem, wie Jerry erklärt, die Zeit fast still steht. Rhodan willigt ein und kehrt praktisch zeitverlustfrei zum Isar-Museum in München zurück. "Unterwegs" trifft er Ernst Ellert, der Anfang Juni 1971 einen Zeitanker durchquert hatte, und übergibt ihm das holistische Fraktal des Symposions - die "Zukunftsbastion".

Ein Mini-Universum in der Schweiz

Ende Juli 1971 unternimmt Ernst Ellert eine Bahnreise nach Zürich. Er deponiert die "Sanduhr" im Schließfach Nr. 7b der Privatbank Hoppinger & Cie. in der Schützengasse. Dann macht er sich auf den Rückweg und schließt sich Perry Rhodans Dritter Macht an. Einige Zeit später treffen bei der Bank Aktien einer gewissen GCC und einer Firma Beaufinger, Spearmont & Whistler ein, mit denen das Schließfach für die nächsten Jahrhunderte bezahlt wird. Mit dabei sind Briefe mit ganz konkreten Anweisungen Ellerts, die an bestimmten Tagen geöffnet werden sollen. Eine Anweisung besagt, dass die "Sanduhr" in einem sicheren unterirdischen Depot verwahrt werden soll, das vor 2437 fertig gestellt sein muss. Der Sinn dieser Aktion wird klar, als Zürich beim Dolan-Angriff des besagten Jahres verheert wird, wobei auch die Nachfahren der Bankiers sterben. Das Depot mit der "Sanduhr" bleibt unbeschädigt, gerät aber in Vergessenheit.

Kommentar:

Ich liebe Romane von Hartmut Kasper, weil sie so schön schräg und bis zum Anschlag voll mit bizarren Details, ungewöhnlichen Gedankenspielereien und verblüffenden Ideen sind. Aus genau dem gleichen Grund finde ich es grauenhaft, Romane von Hartmut Kasper zusammenzufassen und zu kommentieren! Man wird dem Facettenreichtum seiner Romane mit so einer Zusammenfassung nie gerecht und mit den dürren Worten, die mir als Kommentar einfallen, kann ich einfach nicht verständlich ausdrücken, warum die Lektüre für mich manchmal Genuss und Qual zugleich ist. Deshalb werfe ich hier einfach ein paar Punkte zusammen, die mir so durch den Kopf gegangen sind.

Hartmut Kasper hat offensichtlich keine Lust, sich ins Korsett des Perryversums einschnüren zu lassen, d.h. er möchte sich in seiner Fabulierwut nicht durch die Gesetzmäßigkeiten eingrenzen lassen, die für dieses fiktive Universum gelten. Also sucht er nach immer neuen Wegen, um diese Gesetzmäßigkeiten zu umgehen. So wird das Geschehen in andere Universen verlegt, für die Kasper die Regeln selbst festlegen kann, oder die Handlung spielt sich in irrealen, virtuellen Welten ab, in denen sowieso alles möglich ist. Leider stört das den Lesegenuss nicht unerheblich, wenn man gern einen Roman lesen möchte, der im Perryversum spielt. Außerdem entsteht so auch eine gewisse "Beliebigkeit": Wenn sowieso alles nicht real ist oder an unerreichbaren Orten geschieht - welche Relevanz hat es dann fürs Perryversum? So ist man als Leser diesmal zunächst irritiert, dass der Roman wie ein klassischer Krimi der "Schwarzen Serie" beginnt. Was es damit auf sich hat, wird erst durchschaubar, als der einsame Großstadtdetektiv Ryland Walker den Auftrag erhält, Perry Rhodan zu finden - ausgerechnet von seiner längst verstorbenen Schwester. Rhodan ist also auf der Suche nach sich selbst. So geht es auf über 100 Seiten munter weiter, aber es ist wenigstens verzeihlich, denn unterhaltsam, teilweise sogar spannend, ist diese Story ja immerhin. Nett sind neben dem anderen Verlauf der (fiktiven) Geschichte auch die Einbrüche der Realität in die virtuelle Welt: Ein Druuf als Barkeeper in New York, Kugelraumer am Stadtrand, Houhhom-Obdachlose... Trotzdem wäre mein Vorschlag an Hartmut Kasper: Warum überhaupt noch Perry Rhodan - Romane schreiben? Warum nicht, wie z.B. Frank Borsch, ein eigenes Buchprojekt auf die Beine stellen? An so etwas würde ich als Leser auch mit ganz anderen Erwartungen herangehen.

Hartmut Kasper hat die Trilogie so konzipiert, dass er einen eigenständigen Gegenentwurf zum Perryversum erschaffen konnte. Das ist ihm durchaus gelungen. Auch sind die Einzelromane ja ganz gutes Lesefutter. Insgesamt aber a) entsteht kein homogenes Bild und b) ist mir alles zu negativ. Drei Romane lang wurden nun millionenfacher Tod, Zerstörungen in planetarem und noch größerem Ausmaß, diverse unmenschliche Grausamkeiten mit expliziten Gewaltszenen, zynische Gesellschaftsbilder, Beinahe-Pornographie, Trauer, Untergang und allgemeine Bösartigkeit geradezu genüsslich zelebriert. Muss das sein? Selbst wenn die Hälfte davon entweder erlogen (Propaganda des Roten Imperiums) oder nicht real ist? Wo bleiben da die Utopie oder der Sense of Wonder? Mir kam es manchmal so vor, als wollten die Autoren sich gegenseitig übertrumpfen, oder als wollten sie austesten, wie weit man als PR-Autor gehen kann. Das ist ja mal ganz interessant, aber für die nächste Trilogie wünsche ich mir einen positiveren Grundton. Wenn ich Gemetzel haben will, lege ich lieber eine DVD wie Braindead ein.

Mit "kein homogenes Bild" meine ich, dass es für meinen Geschmack zu große Brüche und Widersprüche zwischen den drei Romanen gibt. Zum Beispiel wurde in Band 2 alles, was man in Band 1 über die Geschichte des Roten Imperiums gelesen hat, komplett auf den Kopf gestellt. Band 3 beginnt nicht da, wo man es nach dem Cliffhanger von Band 2 erwarten würde. Am Ende unternimmt Kasper dann in einem völlig verzichtbaren Kapitel auch noch den etwas hilflos anmutenden Versuch, dem in Band 2 als wahnsinniger Oberbösewicht charakterisierten Bavo Velines irgendwelche positiven Seiten abzugewinnen. Was Velines eigentlich will, wird sowieso bis zum Schluss nicht klar. Auch das Bild des Roten Imperiums selbst ist uneinheitlich: Bisher wurde es als absolut übermächtig dargestellt, insbesondere die Präfidatinnen und ihre Fluidome waren unbesiegbar. Jetzt kommen plötzlich die Anjumisten daher und werfen alles über den Haufen. Die im Siamed-System operierenden Fluidome können nichts ausrichten. Und nach einer einzigen Raumschlacht ist alles zu Ende, plötzlich haben sich alle lieb und selbst die rotimperialen Faschisten wollen in Zukunft ganz artig sein. Das kann nicht überzeugen.

Hinzu kommen mannigfaltige Unstimmigkeiten und offen gebliebene Fragen: Die Kopernikaner bzw. Rotimperialisten sind plötzlich Terraner. Joharis Flaggschiff heißt plötzlich anders. Es scheint auf einmal vier Filiationskammern zu geben und nicht nur drei (zwei bei Patollo, eine bei Velines, eine in Joharis Schiff). Der originale Bavo Velines ist vergreist, obwohl er nach Band 2 nicht älter sein dürfte als sein jüngster Filiat. Sowohl Velines als auch Rhodan tragen Quantronische Armierungen (wie ist PR seine übrigens los geworden?), obwohl sie das eigentlich nicht überleben dürften. Die Anjumisten sind auf einmal genauestens über die Filiate informiert, von deren Existenz sie in Band 2 noch keine Ahnung hatten. Man erfährt nicht, wie Amaya Yo der Vernichtung von Silap Inua entkommen ist. Das alles hätte man besser aufeinander abstimmen müssen! Übrigens: Wenn Yo so wichtig ist (nur sie kann zu Patollo vordringen): Warum wurde sie der akuten Todesgefahr bei Rhodans Befreiung in Band 1 ausgesetzt? Und wozu wird Rhodan in dieser Trilogie überhaupt gebraucht? Bis auf die Tötung des Original-Velines, die mir so wichtig nicht zu sein scheint, haben die Anjumisten auch alles allein fertig gebracht. Überhaupt agiert Rhodan kaum - er reagiert nur und hat eigentlich keine tragende Rolle. Über Kleinigkeiten wie falsch verwendete Namen (z.B. "die Sakisters" - gemeint sind die Liebchen-Vierlinge) und Schreibfehler will ich mich nicht weiter auslassen, um die Beckmesserei nicht zu übertreiben.

Bei diesem Roman verfällt Hartmut Kasper ziemlich oft in ausufernde Geschwätzigkeit (Hm... vielleicht sollte gerade ich mich nicht über "Geschwätzigkeit" mokieren). Kasper kann einfach keine Geschichte erzählen, ohne noch Millionen Sub-Plots, Abweichungen, Ausschmückungen, Anspielungen, Andeutungen, weitschweifige Erklärungen, (pseudo-)wissenschaftliche Kabinettstückchen und quantenmechanischen Firlefanz einzubauen. Das ist ja alles ganz interessant, aber manchmal wird es zuviel des Guten. Da wünscht man sich, Kasper möge sich mehr aufs Wesentliche - den berühmten Roten Faden - konzentrieren. Er verliert ihn ja nie aus dem Blick, das will ich nicht behaupten. Aber er webt manchmal für meinen Geschmack zu viele Dinge darum herum ein, die den Leser zwar nicht unbedingt überfordern, auf die Dauer aber ermüdend wirken.

Und zu guter Letzt wüsste ich gern, ob die Ellert-Nebenhandlung irgendwann nochmal aufgegriffen wird. Die "Sanduhr" dürfte ja immer noch unter den Trümmern Zürichs liegen...

Das klingt jetzt alles furchtbar negativ? Nein. Ich liebe Romane von Hartmut Kasper!

J. Kreis, 19.03.2009


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