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Perry Rhodan: Das Rote Imperium Band 1: Die Fossile Stadt

Autor: Michael Marcus Thurner

Inhalt

Die übermächtige und mit militärischen Mitteln nicht zu besiegende Terminale Kolonne TRAITOR schickt sich an, die Galaxien der Lokalen Gruppe zu erobern, um ihre Ressourcen für die Entstehung einer Negasphäre in Hangay auszubeuten. Zum Schutz dieser Negasphäre sollen die Hauptwelten der raumfahrenden Völker in Kabinette für den Chaotender VULTAPHER umgewandelt werden. Die Terraner leisten noch Widerstand, während die meisten anderen Völker bereits bezwungen wurden. Das Solsystem ist im Schutz des vom Nukleus verstärkten TERRANOVA-Schirms vorerst sicher. Dennoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese letzte Verteidigungslinie fallen wird - außerdem hat Perry Rhodan natürlich kein Interesse daran, das Heimatsystem der Terraner zur letzten isolierten Enklave einer entvölkerten Milchstraße werden zu lassen. Doch bis zum Ende des Jahres 1344 NGZ ist eine Lösung des Problems noch nicht in Sicht.

München im Jahr 1344 NGZ - ein Fenster zum Roten Universum öffnet sich

Perry Rhodan ist deshalb bereit, nach jedem Strohhalm zu greifen. Als sich 4. November 1344 NGZ im Münchner Isar-Museum eine Art Fenster in eine andere Dimension öffnet, begibt er sich schon am Folgetag in Begleitung des Teleporters Startac Schroeder dorthin. Bevor er sich näher mit dem merkwürdigen Phänomen beschäftigt, besucht er den Viktualienmarkt, mit dem er Kindheitserinnerungen verbindet. Die meisten Touristen, Händler und Sicherheitskräfte halten ihn für einen maskierten Wichtigtuer und nehmen kaum Notiz von ihm, aber der Buchmacher und Kleinganove Wiesel erkennt, dass es sich wirklich um den Residenten handelt. Er heftet sich auf Rhodans Fersen, wobei er seinerseits von den Schergen seines Gildenmeisters verfolgt wird, der noch einige Rechnungen mit ihm offen hat. Mit Hilfe seines High-Tech-Arsenals und seiner Ortskenntnis gelingt es Wiesel, seine Verfolger abzuschütteln und Rhodan bis ins Isar-Museum zu folgen.

Dort spricht Rhodan inzwischen mit dem "Fenster". Es bezeichnet sich selbst als Avatar, der auf Rhodans Vitalimpulse abgestimmt sei und ihm ein Angebot zu machen habe. Rhodan soll das Fenster mit einem Begleiter durchqueren, angeblich könne ihm auf der anderen Seite, im Roten Universum, ein Weg zur Bekämpfung der Terminalen Kolonne gezeigt werden. Rhodan lehnt zunächst ab, aber als das Fenster verkündet, Rhodan könne im Roten Universum Ernst Ellert wiedersehen, überlegt er es sich anders. Da er unter Zeitdruck steht (das Fenster droht zu erlöschen), durchquert er das Dimensionstor sofort. Startac Schroeder soll ihn begleiten. Dazu kommt es jedoch nicht, denn Wiesel ist inzwischen aufgeflogen und wird von den Sicherheitskräften in die Enge getrieben. Er sieht keinen anderen Ausweg, als Schroeder zur Seite zu stoßen und Rhodan anstelle des Teleporters zu folgen. Die beiden finden sich in einer bizarren Landschaft wieder, die keine Ähnlichkeit mit dem Universum der Druuf hat, welches die Terraner schon im Jahre 2040 kennen gelernt haben. Rhodan begreift schnell, dass es sich bei dieser irrealen Umgebung um etwas handelt, das nach dem Vorbild seiner Erinnerungen und Ängste erschaffen wurde. Später wird er erfahren, dass dieser Ort eine von mehreren Stationen ist, die er nach der Durchquerung des Fensters (eines Zeitankers) während der so genannten Transgenese durchlaufen muss. Es handelt sich um einen Anpassungsprozess, der es ihm ermöglicht, das Rote Universum zu erreichen, ohne dabei den Verstand zu verlieren. Natürlich ist er nicht begeistert darüber, einen unerwünschten Begleiter zu haben, schließlich rauft er sich aber im wahrsten Sinne des Wortes mit Wiesel zusammen, denn die beiden sind aufeinander angewiesen.

Auf der Temporalen Landzunge - die Anjumisten greifen an

Von einem weißen Kaninchen erfährt Rhodan, dass er die Fossile Stadt erreichen muss. Als die beiden Terraner dort nach diversen seltsamen Abenteuern endlich ankommen, werden sie von den Chrononten Hojat Boyd und Arpinder Curebanas begrüßt. Es handelt sich nicht - wie man hätte erwarten können - um Druuf, sondern um Menschen. Die Chrononten "fischen" alle möglichen Objekte aus anderen Universen und transportieren sie auf die Fossil-Ebene, um sie dort zu erforschen. Die Ebene ist eine Art Raum zwischen den Universen, man bezeichnet sie auch als Temporale Landzunge. Was sich dorthin verirrt oder an diesen Ort gebracht wird, bringt entweder sein eigenes Temporalfeld mit oder erstarrt zu Stein. Selbst der Prozess der Transgenese, mit dem ein Übergang von einem Universum zum anderen ermöglicht wird, ist nicht ohne Gefahren, wie Rhodan feststellt, als er das Chronontische Büro erreicht, welches den Chrononten als Zufluchtsort dient: Er erlebt einen Zeitrausch und verliert vorübergehend die Kontrolle über seine Emotionen. Nachdem er wieder zur Besinnung gekommen ist, erfährt er, dass er sich keine Sorgen wegen einer längeren Abwesenheit machen muss, denn die Zeit vergeht im Roten Universum erheblich schneller als im Standarduniversum.

Im Chronontischen Büro werden Rhodan erste Informationen darüber vermittelt, was es mit dem Angebot des "Dimensionsfensters" auf sich hat. Am 7. März 1344 NGZ, also vor sechs Monaten nach Perry Rhodans Zeit - was 2000 Jahren im Roten Universum entspricht - haben die Kopernikaner bei Homer G. Adams um finanzielle Hilfe für ihr "Projekt Enklave" gebeten, sind aber abgewiesen worden. Der Plan der Kopernikaner sah vor, 380.000 Kolonisten mit 20 eigenen Ultraschlachtschiffen ins Rote Universum zu bringen. Sie hatten die Idee, den dortigen beschleunigten Zeitablauf zu nutzen, um genug Zeit zur Entwicklung wirksamer Waffen gegen TRAITOR zu haben. Dieser Plan scheint aufgegangen zu haben, denn während im Standarduniversum nur wenige Monate vergangen sind, ist im Universum der Druuf das Rote Imperium entstanden, das zahlreiche phantastische neue Technologien entwickelt hat. Dass in diesem Imperium aber nicht alles zum Besten steht, erfährt Rhodan bald am eigenen Leib. Einige fanatische Widerstandskämpfer, die zur Gruppe der so genannten Anjumisten gehören, haben sich zur Temporalen Landzunge durchgekämpft und greifen das Chronontische Büro an. Sie wollen Rhodan entführen und setzen zu diesem Zweck einen Kokon ein, der den Terraner ganz umhüllt und ihn dazu zwingt, bestimmte Bewegungen auszuführen. Im Kampf Mann gegen Mann hat Rhodan gegen die Anjumisten keine Chance, denn deren Körperkräfte werden durch ihre Kampfanzüge bis zur Selbstaufgabe stimuliert und vervielfacht.

Farashuu Perkunos spielt ein tödliches Spiel

Doch da greift Farashuu Perkunos ein. Dieses 14-jährige Mädchen ist eine Präfigurierte Soldatin - eine Kindersoldatin, die aufgrund eines gnadenlosen Trainings, einer perfekten Verschmelzung mit einem biomechanischen Kampfanzug und durch Zufuhr spezieller Drogen zu einer unbesiegbaren Kämpferin geworden ist, der auch die aufgeputschten Anjumisten nichts entgegenzusetzen haben. Ihre Aufgabe besteht darin, Rhodan zu schützen. Für sie kommt es einem amüsanten Spiel gleich, die Widerständler der Reihe nach niederzumetzeln. Rhodan versetzt sich mit einem Vibratormesser selbst eine tödliche Wunde, um Farashuu dazu zu zwingen, sich nur noch um ihn zu kümmern und den Kampf abzubrechen. Damit ermöglicht er Tomoko Amaya Yo und Judas Schreyver, den letzten überlebenden (aber schwer verletzten) Widerständlern, die Flucht durch einen Transmitter. Bevor sie verschwindet, ruft Yo Rhodan noch zu, er solle die Knochenstadt aufsuchen. Farashuu vernichtet den Kokon, so dass Rhodan nicht gezwungen ist, Yo zu folgen. Sie versteht zwar etwas vom Kämpfen, aber nichts von Krankenpflege. Rhodan hat es deshalb nur Wiesel zu verdanken, dass er nicht stirbt. Er kommt in Farashuus Raumschiff ENGEL DER EINTRACHT wieder zu sich, welches von der Kindersoldatin ebenso als Spielzeug betrachtet wird wie die schrecklichen Waffen, die sie nie ablegt. Das Schiff befindet sich bereits im Anflug auf Druufon, den ehemaligen Heimatplaneten der Druuf und jetzige Hauptwelt des Roten Imperiums. Dort soll Rhodan Generalgouverneur Bavo Velines treffen, den Regierungschef des Imperiums.

In Leyden City - das Vermächtnis der Kopernikaner

Perry Rhodan sieht sich ein wenig in dem Schiff um und ist erneut beeindruckt von den technischen Errungenschaften der ehemaligen Kopernikaner. Andere Aspekte erfreuen ihn weniger. So ist er entsetzt über das Schicksal Farashuus, deren kindliche Seele geradezu vergewaltigt worden ist, damit sie zu einer selbst unter ihresgleichen gefürchteten Superkämpferin werden konnte. Er erfährt, dass sich die Überlappungsfront zum Standarduniversum noch immer in der Nähe des Siamed-Systems befindet. In Leyden City, der imperialen Hauptstadt Druufons, wird Rhodan ein triumphaler Empfang bereitet. Der Jubel wirkt jedoch kalt und einstudiert, die Menschen (selbst die Pressevertreter) verhalten sich allzu diszipliniert, und nirgendwo sind Druuf zu sehen. Bei einer kurzen Stadtführung erklärt Farashuu, die Druuf würden gern unter sich in ihren "Intropolen" bleiben. Allerdings werden diese Stadtviertel von riesigen patrouillierenden Kampfrobotern bewacht. Für Rhodan und Wiesel ist klar, dass hier einiges nicht so ist, wie es zu sein scheint, und sie bleiben auf der Hut. Die Lebensbedingungen der Menschen scheinen jedoch gut zu sein; alles Lebensnotwendige erhält man gratis, für (gute) Leistungen werden höhere Dotierungen verliehen, d.h. man hat dann Zugang zu Waren besserer Qualität. Die Stadt ist riesig, 6,5 Millionen Einwohner leben in schwebenden Habitaten und anderen gewaltigen Bauten.

Während Perry Rhodan in den Regierungssitz namens Ovum Alpha gebracht wird, sieht Wiesel sich in der Stadt um. Farashuu gewährt ihm hierfür Zugriff auf ihr hoch dotiertes DNA-Konto. Der Resident wird nun endlich von Bavo Velines empfangen. Rhodan fühlt sich beim Anblick des Generalgouverneurs zwar an Crest erinnert, aber angesichts des Grauens, das er im Roten Imperium schon erlebt hat, fällt es ihm schwer, dem Mann zu vertrauen. In einem Vieraugengespräch erhält Rhodan einen Überblick über die Geschichte des Roten Imperiums, aber ihm bleibt unklar, ob es sich dabei um die Wahrheit oder um Propaganda handelt. Velines überlässt Rhodan einen Datenträger mit Detailinformationen - aber auch die könnten natürlich manipuliert sein.

Die Geschichte des Roten Imperiums (offizielle Version)

Den Kopernikanern war es gelungen, ins Rote Universum vorzudringen. Angeblich war ihr Erstkontakt mit den Druuf friedlich verlaufen. Die Bewohner des Siamed-Systems hatten den Menschen gestattet, sich auf dem 12. Planeten (Cortis) anzusiedeln. Den Kopernikanern war bewusst, dass sie das Rote Universum als neue Heimat betrachten mussten, denn eine Rückkehr ins Standarduniversum war nicht möglich. Nach drei Jahren war es aus heiterem Himmel zu einem Angriff der Druuf gekommen. Diese hatten ein Massaker unter den Menschen angerichtet - nur zwei Schiffen mit insgesamt 500 Überlebenden war die Flucht aus dem von den Druuf beherrschten Gebiet gelungen. Sie hatten sich auf drei Planeten angesiedelt und mit der gezielten Menschenzucht begonnen, denn der Genpool wäre sonst zu klein für den Aufbau einer neuen Zivilisation gewesen. Sie handelten nach dem Vorbild Perry Rhodans in den Anfangstagen des Solaren Imperiums und hielten die Existenz ihres kleinen Reichs geheim. Nach 200 Jahren waren die Siedler stark genug, um mit einer strategischen Expansion zu beginnen. Im jahrzehntelangen grausamen und verlustreichen Kampf gegen das aggressive Volk der Trauppec entwickelte sich ein neues Selbstverständnis der ehemaligen Kopernikaner. Sie bezeichneten ihr Sternenreich künftig als "Rotes Imperium".

Durch die Entwicklung der Quantroniken (Supercomputer, deren Rechenprozesse auf subelektronischer Ebene quasi "außerhalb der Zeit" ablaufen), und der Züchtung der Kindersoldatinnen konnte eine Wende in diesem schrecklichen Krieg herbeigeführt werden. Mit Hilfe der Präfidatinnen und der von ihnen befehligten Fluidom-Schlachtschiffe konnten danach auch die Druuf bezwungen werden. Diese akzeptierten die Menschen letzten Endes als Herrscher. Velines behauptet, dass es jedoch auch in der Gegenwart noch Völker gibt, die das Rote Imperium bedrohen, unter anderem Reste der Trauppec. Angeblich beabsichtigen die Menschen des Roten Imperiums nicht, ins Einsteinuniversum zurückzukehren. Sie streben lediglich einen Austausch mit der LFT an und wollen den Terranern gegen TRAITOR helfen - allerdings nicht ohne Gegenleistung. Worin genau die Bezahlung bestehen soll, verrät Velines nicht. Er geht auch nicht weiter darauf ein, warum Ernst Ellert nicht zugegen ist, und spricht nur von einer Fehlfunktion des Zeitankers.

Rhodan bezweifelt inzwischen, dass ein Bündnis mit dem Roten Imperium eine gute Idee wäre, denn die Moral dieser Menschen weicht stark von Rhodans ethischer Grundeinstellung ab. Wenigstens kann Velines ihn insoweit beruhigen, als er ihm versichert, dass Rhodan und Wiesel jederzeit in ihr Universum zurückkehren können. Den Bewohnern des Roten Universums ist die Transgenese zwar noch nicht ohne weiteres möglich (die Wissenschaftler arbeiten an diesem Problem), aber der auf die beiden Terraner "geeichte" Zeitanker ist noch aktiv. Er würde sie in Nullzeit zurückversetzen, d.h. bei ihrer Rückkehr wäre im Einsteinuniversum keine Zeit vergangen. Nach der Audienz wird Rhodan von Farashuu zu einer weiteren wichtigen Einrichtung geführt. In den so genannten "Kiosken" werden täglich Hunderte oder Tausende Menschen unter Kontrolle einer Quantronik mental vernetzt. Auf diese Weise können ihre Gedanken angezapft und vermutlich auch manipuliert werden. Die Menschen träumen hier gemeinsam und nutzen ihre kollektive geistige Kapazität, um neue Technologien zu entwickeln, besondere Rechenleistungen zu erbringen und dergleichen.

In der Knochenstadt - das Rote Imperium zeigt sein wahres Gesicht

Wiesel deckt sich derweil auf Farashuus Kosten mit neuer High-Tech-Ausrüstung ein und beobachtet die Menschen. Er glaubt zu erkennen, dass das Volk manipuliert wird und keineswegs so begeistert ist, wie es Rhodans Empfang vermuten lassen konnte. Er besucht die Kathedrale des Gottes Pum. Im Gespräch mit dem Erzbischof, der eine Geschlechtsumwandlung hinter sich hat und sich nun Suleima Laurentia III. nennt, erhält er ein etwas anderes Bild von den Verhältnissen im Roten Imperium, als Bavo Velines es vermitteln möchte. Die möglicherweise nicht ganz zurechnungsfähige Erzbischöfin ist auskunftsfreudig, da sie Perry Rhodan als Messias betrachtet. Sie bezeichnet den Generalgouverneur als Lügner und Verbrecher. Ihrer Meinung nach wollen die Anjumisten lediglich den gnadenlosen Vormarsch des Imperiums aufhalten, und angeblich plant Velines die Eroberung der Milchstraße. Sie verrät ihm auch, dass die von Amaya Yo erwähnte Knochenstadt auf dem Kleinkontinent Pja Potoo zu finden ist. Dieser Ort gilt als tabu und wird auch nicht bei dem von Yo verwendeten Namen genannt. Im offiziellen Sprachgebrauch verwendet man den Namen Jejoon.

Als Wiesel und Rhodan später in der gemeinsamen Unterkunft ihre Erfahrungen austauschen, beschließen sie, sich die geheimnisvolle Knochenstadt einmal anzusehen. Wiesel hat bereits einen nicht registrierten Gleiter besorgt, mit dem die beiden losfliegen. Ihr Alleingang bleibt nicht unbeobachtet: Farashuu folgt ihnen und meldet Velines den Vorfall. Dieser setzt sogar die Flotte in Marsch, um Rhodan festzusetzen. Als die Terraner sich Pja Potoo nähern, sehen sie zunächst eine ganz normale, friedliche Stadt. Dies ist jedoch nur ein von einer Art Abwehrschirm erzeugtes Trugbild. Rhodan muss ein Gewaltmanöver einleiten, um den Abwehrschirm durchdringen zu können. Dann erblicken Rhodan und Wiesel ein Bild des Grauens. Die Knochenstadt trägt ihren Namen zu Recht, denn ihre riesigen Gebäude wurden tatsächlich aus menschlichen Knochen errichtet. Offenbar hat das Rote Imperium hier die Überreste seiner Gegner zum Bau eines makabren Mahnmals missbraucht, und es sind auch Knochen von Kleinkindern zu sehen...

Hier begegnen die Terraner den geflohenen Anjumisten wieder. Yo und Schreyver werden zwar fast nur noch durch die Exoskelette ihrer Anzüge auf den Beinen gehalten, sind aber noch handlungsfähig. Yo kündigt die Ankunft des Anjumistenschiffes PAUKE ZUR MITTERNACHT an, das sie abholen soll. Rhodan hat endgültig erkannt, dass das Rote Imperium als Gegner betrachtet werden muss, und ist bereit, sich den Anjumisten anzuschließen. Dass die Widerständler in der Wahl ihrer Mittel auch nicht zimperlich sind, hat Rhodan schon am eigenen Leib erfahren, und jetzt wird ihm ein weiteres Beispiel für den Fanatismus dieser Menschen präsentiert: 60 als Perry Rhodan maskierte Männer verteilen sich in der Knochenstadt, um die herannahenden Imperiumstruppen abzulenken. Das Anjumistenschiff nimmt Rhodan und seine Begleiter auf. Ziel ist der Stützpunkt Silap Inua. Rhodan begegnet an Bord dem Anführer der Anjumisten, der als "Genus" bezeichnet wird. Sein Name ist Finan Perkunos - er ist Farashuus Vater...

München im Jahr 1971 - Ernst Ellert hat eine denkwürdige Begegnung

7. Juni 1971, wenige Tage vor Perry Rhodans Start zum Mond: Ernst Ellert, der in Schwabing als Feuilletonist für die Münchner Abendpost arbeitet, hat nach einem der legendären Treffen mit seinen Künstlerfreunden noch einen etwas dicken Kopf und sucht Entspannung im Englischen Garten. Dort erweckt eine seltsame Bretterhütte, die am Vortag noch nicht dort gestanden hat, seine Neugier. Als er das Gebäude betritt, wird er von einer rötlichen, schleimigen Substanz eingehüllt. Eine Stimme erklingt in seinem Geist und versucht ihn zu beruhigen - er macht eine Transgenese durch, die Hütte ist ein Zeitanker und die Substanz (das Tempit) soll ihm den Übergang erleichtern. Ellert durchquert eine verwirrende Landschaft und begegnet dort einem in eine seltsame blaugrüne Rüstung gekleideten Mann, dessen Gesicht durch ein Energiefeld unkenntlich gemacht wird. Dieser gibt Ellert eine goldfarbene Sanduhr, die er aufbewahren, aber niemandem zeigen soll. Außerdem soll Ellert sich mit der Theorie der Zeitreisen beschäftigen. Ellert verliert nach diesem Gespräch das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kommt, ist die Hütte verschwunden und er hält sein Erlebnis zunächst für einen Traum. Doch es muss real gewesen sein, denn die goldene Sanduhr ist noch da - außerdem bringt allein der Gedanke an Zeitreisen etwas in Ellert zum Schwingen...

Kommentar:

Einleitung und Hintergründe

Ein paar Bemerkungen vorab: Die Handlung dieser Taschenbuch-Trilogie spielt vier Jahre nach den Geschehnissen des letzten Taschenbuchzylus (Ara-Toxin) und drei Jahre vor der aktuellen Handlungszeit der Heftroman-Erstauflage. Sie ist also in den Hintergrund der bekannten Bedrohung durch TRAITOR eingebettet, aber es wird zu einem Schauplatz zurückgekehrt, der in den Anfangstagen der Serie eine Rolle gespielt hat, danach aber nicht wieder besucht worden ist: Das Rote Universum der Druuf. Die Terraner hatten es mit den Druuf schon im zweiten Zyklus der Heftromanserie (genauer gesagt ab Heft Nr. 58) zu tun. Man war nie so recht schlau aus den Motiven dieser seltsamen Wesen geworden, die Druuf waren immer fremdartig und unverständlich geblieben.

Auch Ernst Ellert ist ein Element aus der Serien-Frühzeit. Schon im vierten Heftroman hatte er seinen ersten Auftritt. Er hatte unter anderem die Paragabe der Teletemporation besessen, d.h. er konnte seinen Geist vom Körper lösen und frei durch Zeit und Raum schweifen lassen. Nach seinem körperlichen Tod ist er den Terranern immer wieder in verschiedenen Inkarnationen begegnet, zuletzt als Bote der Superintelligenz ES. Sein Geist war auch ins Rote Universum gelangt und hatte den Körper eines Druuf übernommen. In dessen Identität konnte er als Spion für die Terraner tätig werden. Wie Ellert eigentlich zu seiner faszinierenden Fähigkeit gelangt war, wurde (soweit ich weiß) nie geklärt.

Wo Licht ist...

Die Trilogie "Das Rote Imperium" greift diese Themen auf. Möglicherweise werden also einige offene Fragen aus der "Steinzeit" der Serie beantwortet. Ich müsste deshalb lügen, wenn ich behaupten wollte, ich hätte diesen Roman nicht interessant und unterhaltsam gefunden. Daher fange ich lieber mal mit dem Lob an, damit es hinterher nicht wieder heißt, ich würde nur nörgeln! Zunächst einmal haben mir die Kapitel gefallen, in denen Ernst Ellerts Vergangenheit geschildert wird. Damit meine ich nicht nur die Details aus seinem Leben, sondern auch seine Sicht der Weltlage des Jahres 1971. Ellert war für mich immer eine der interessantesten Figuren des Perryversums und es ist schön, wieder etwas über ihn zu lesen. Mal sehen, was aus der Geschichte mit der Sanduhr noch wird. Man beachte: Dieses Artefakt wird ihm von jemandem überreicht, dessen Gesicht zwar nicht genau zu erkennen ist, der aber blond oder brünett und grauäugig ist und eine hagere Statur hat. Was liegt näher, als bei dieser Beschreibung an Perry Rhodan zu denken, den Ellert zu diesem Zeitpunkt übrigens noch nicht persönlich kennt? Der von diesem Unbekannten in Ellert wachgerufene Gedanke an Zeitreisen könnte die Initialzündung zum Erwachen seiner Paragabe sein. Damit wäre Rhodan selbst verantwortlich dafür, dass aus Ellert der vermutlich einzige Teletemporarier des Perryversums wird...

Ebenfalls toll finde ich Thurners Ideenvielfalt. Manchmal wird es sogar fast zu viel oder zu merkwürdig, aber das stört den Lesegenuss nicht - nur der Gedanke, das Ganze für Perrypedia-Artikel aufarbeiten zu müssen (na ja, ein Zwang ist das ja eigentlich nicht) lässt mir den Angstschweiß auf die Stirn treten… Egal: Was hier an teilweise ziemlich abgedrehten neuen Technologien, bizarren Visionen und vor Details strotzenden Schauplätzen aufgefahren wird, macht den Roman an sich schon lesenswert. Irgendwie bilde ich mir ein, die Handschrift Hartmut Kaspers wiederzuerkennen, d.h. möglicherweise ist einiges von dem Ideenfeuerwerk Kaspers Hirn entsprungen. Was die eigenwilligen Supercomputer des Roten Imperiums und die eigenartigen Raumschiffsnamen angeht, würde ich mal behaupten, dass Thurner sich Inspirationen aus dem KULTUR-Zyklus von Iain Banks geholt hat. Auch dort gibt es KIs, die als echte Persönlichkeiten mit eigenem Bewusstsein und eigenen Zielen betrachtet werden müssen, und die ihren Raumschiffen ähnlich lustige Namen geben. Der Roman hätte wegen der Einführung all dieser neuen Personen, Schauplätze und Technologien leicht zu einer Ansammlung von Beschreibungen ohne viel Handlung werden können, aber Thurner umschifft diese Klippe ganz gut, die Mischung stimmt gerade noch.

Wie üblich streut Thurner diverse explizit geschilderte Gewaltszenen ein. Ich bewerte das nicht als negativ, frage mich aber doch, ob es in dieser Form und in diesem Ausmaß wirklich hätte sein müssen. Immerhin kann man zugestehen, dass der Roman auf diese Weise die erforderliche Härte erhält - will sagen: Es wird klar, dass Rhodan sich im Roten Universum vermutlich zwischen Teufel und Beelzebub entscheiden muss: Auf der einen Seite das Unterdrückungsregime des Roten Imperiums, auf der anderen die fanatischen Anjumisten - allesamt schrecken sie nicht vor brutalster Gewalt und der Opferung von "Menschenmaterial" zurück. Mit wem also soll er sich verbünden? Wem kann er vertrauen? Wie will Velines die Milchstraße eigentlich erobern? Soll er es doch versuchen - TRAITOR würde ihn wohl schnell zurechtstutzen!

...dort ist auch Schatten: Allgemeine Betrachtungen

Soviel zu den positiven Aspekten. Es gibt auch negative, aber ich betone nochmals, dass sie den Lesegenuss nicht entscheidend schmälern, vor allem dann nicht, wenn man den Roman isoliert betrachtet - d.h. wenn man ihn als eigenständigen SF-Roman und nicht unbedingt als Bestandteil des Perryversums sieht. Auf Kleinigkeiten wie die für Thurner so typischen Austriazismen und unschöne Dinge wie fehlende Worte sowie überdurchschnittlich viele Rechtschreib- und Grammatikfehler gehe ich gar nicht näher ein - an solche Schlampigkeiten hat man sich inzwischen bei Produkten aus den Häusern Heyne und VPM ja leider fast schon gewöhnt.

Nein, mir geht's um andere Aspekte. Zunächst mal fällt auf, dass schon wieder das ewig gleiche Handlungsschema bemüht wird: Rhodan wird mehr oder weniger unerwartet und ohne große Vorbereitungszeit mit wenigen Begleitern (bzw. diesmal nur einem einzigen) an einen fernen und weitgehend unbekannten Ort versetzt, wo er a) sofort in Gefahr gerät, b) nicht auf Unterstützung durch den von ihm beherrschten Machtapparat hoffen darf und c) erstmal ohne technische Hilfsmittel dasteht. Und natürlich geht es erneut um nichts weniger als die Existenz der Menschheit oder einen Konflikt, der ganze Galaxien oder Universen umfasst. Dieses "Schema F" lag allen bisher erschienenen Taschenbuchreihen zugrunde. So allmählich könnten die Autoren sich mal was anderes ausdenken. Vielleicht könnte man die Versuche der Autoren, immer neue "Ausreden" dafür zu erfinden, warum Rhodan ständig in solche Situationen gerät, als Running Gag bezeichnen. Vielleicht hat Thurner ja ähnlich gedacht und wollte diesen Gag auf die Spitze treiben - warum also nicht ein in der Luft schwebendes Fenster mit einem riesigen Mund, von dem Rhodan im wahrsten Sinne des Wortes vernascht wird?

Einen zweiten Kritikpunkt, nämlich die total unglaubwürdige Beibehaltung von Bräuchen und Traditionen unserer Zeit durch Menschen des 14. Jahrhunderts NGZ, die wegen der inzwischen verstrichenen Jahrtausende und diverser unvorstellbarer Katastrophen (der in diesem Roman erwähnte Dolan-Angriff, die völlige Entvölkerung der Erde mit nachfolgender Neubesiedlung durch Menschen, die zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Generationen lang auf einem anderen Planeten gelebt haben, Jahrhunderte des Simusense usw.) einen völlig anderen kulturellen und historischen Background haben als wir, habe ich schon bei diversen anderen Romanen angesprochen. In diesem Buch begegnen wir Epsalern in Bayern-Kluft, die 25-Liter-Maßkrüge kippen, fingerhakelnden Ertrusern und dergleichen. Thurner relativiert das diesmal aber zum Glück selbst. Er stellt es so dar, dass man es gerade noch akzeptieren kann: Das ganze Bayern-Gehabe ist nur Touristengaudi, rekonstruiert aus Archivunterlagen und Erzählungen Atlans...

Logik-Bugs?

Der Plan der Kopernikaner, die Terminale Kolonne quasi mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, kommt mir nicht so ganz durchdacht vor. Sie wollen genau das gleiche tun, was die Chaosdiener mit den manipulierbaren Zeitabläufen im Inneren eines Chaotenders verwirklichen. Das ist im Grunde eine nette Idee, aber kann sie auch funktionieren? Anscheinend ist das Rote Universum nicht von der Hyperimpedanz-Erhöhung betroffen. Anders kann ich mir nicht erklären, warum dort Formenergie, Transmitter und Quantroniken verwendet werden können. Zumindest würde ich es für sehr unglaubwürdig halten, dass all diese Dinge auch unter den Bedingungen der erhöhten Hyperimpedanz funktionieren. Wenn diese Technik aber nicht unter den Bedingungen des erhöhten Hyperwiderstands entwickelt wurde: Wie können die Kopernikaner sicher sein, dass ihre High-Tech auch im Standarduniversum funktionieren wird?

Und überhaupt: Wie kommen die Kopernikaner zu 20 Ultraschlachtschiffen? Dass die Kopernikaner die Ultrariesen selbst gebaut haben, muss man wohl annehmen. Sie werden die Dinger wohl kaum bei eBay ersteigert oder von Perry Rhodan zu Weihnachten geschenkt bekommen haben. Wenn die Kopernikaner aber über alles Nötige zum Bau solcher Pötte verfügen (Know-how, Infrastruktur, leistungsfähige Volkswirtschaft, Rohstoffe, Hyperkristalle usw.) - warum können sie dann auch nach dem Angriff TRAITORS noch ungehindert agieren? Normalerweise müsste ein so wichtiges Sonnensystem längst annektiert worden sein! Schließlich sind alle hoch technisierten Welten schon lange vor dem Anschlag auf die Aufbaukonferenz der Völker als Primärziele der Terminalen Kolonne ausgemacht worden. Eigentlich hätte Kopernikus genauso durch ein Kolonnen-Fort blockiert sein müssen wie Terra, Arkon, Drorah und so weiter.

Der erhobene moralische Zeigefinger

Ein bisschen merkwürdig mutet auch Perry Rhodans moralische Empörung über diverse Eigenheiten des Roten Imperiums an. Als Großadministrator des Solaren Imperiums dürfte er mindestens ebenso viele Schlachten geschlagen und Menschen verheizt haben wie die ehemaligen Kopernikaner. Über die "Kioske" dürfte er sich erst recht nicht aufregen, schließlich ist die LFT ja gerade dabei, ESCHER zu bauen, und dieser unberechenbare Rechenknecht ist mindestens genauso übel. Die Knochenstadt und die Präfidatinnen sind ein anderes Thema. Darüber ist Rhodan zu Recht entsetzt. Rhodan weiß aber gar nicht, was es mit dieser Stadt wirklich auf sich hat. Vielleicht wurden die Menschen, deren Knochen dort verbaut wurden, ja gar nicht vom Roten Imperium ermordet. Vielleicht handelt es sich ja um ein zwar bizarres, aber nach den Wertvorstellungen der Kopernikaner nicht pietätloses Mausoleum, mit dem an den Überfall der Druuf erinnert werden soll?

Fazit

Genug gemosert - ich fand den Roman insgesamt in Ordnung. Die Ideenflut entschädigt für das zum wiederholten Mal aufgewärmte Handlungsschema und ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Roman. Das Buch enthält als Anhang übrigens lediglich ein Glossar - leider sind in dieser Trilogie offenbar keine ergänzenden Artikel enthalten, wie es bei den früheren Taschenbuchserien immer der Fall war.

J. Kreis, 16.10.2008


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