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Perry Rhodan Posbi-Krieg Band 1: Das gestrandete Imperium

Autor: Michael Marcus Thurner

Inhalt

Aufbruch nach Ambriador

Am 5. April 1343 NGZ fliegt Perry Rhodan in diplomatischer Mission mit der LEIF ERIKSSON II nach Rundron. Dieser Planet ist von den Posbis an den Rand der Milchstraße geschleppt und zu einer Werftwelt ausgebaut worden. Er dient außerdem als Botschaftsplanet für den Empfang von Lebewesen. Der Posbi Vhomeze führt Rhodan durch die Anlagen und verkündet, ein weiterer Besucher sei eingetroffen. Es handelt sich um Lotho Keraete, den Boten der immer noch anderswo gebundenen Superintelligenz ES. Keraete verfügt über ein Kontrollsystem, mit dem er die Galaxien der lokalen Gruppe beobachten kann. Auf diese Weise hat er festgestellt, dass in der 5,3 Millionen Lichtjare entfernten Galaxie IC 5152 (die, wie Rhodan später erfährt, den Namen Ambriador trägt) eine vergessene Kolonie von Terranern existiert. Die dort lebenden 29 Milliarden Menschen werden von Posbis angegriffen, die sich so verhalten, als sei ihre Hass-Schaltung noch aktiv. Keraete zeigt Rhodan diese Ereignisse und stellt ihn vor die Wahl: Entweder er ist bereit, sich sofort mit einer kleinen Begleiterschar zeitverlustfrei zum Brennpunkt der Geschehnisse transportieren zu lassen, oder er reist aus eigener Kraft dorthin - was aber wegen der erhöhten Hyperimpedanz Jahre dauern würde. Rhodan entscheidet sich für die schnellere Variante. Mondra Diamond und Startac Schroeder sollen ihn begleiten. Keraete stellt ihm die Posbis Nano Aluminiumgärtner (eine Spür- und Analyseeinheit mit Dichter-Allüren) und Drover (einen wortkargen Kampfrobot) sowie den Matten-Willy Mauerblum zur Seite. Er händigt ihm zwei querionische Silberkugeln aus und verabschiedet sich. Rhodan und seinem Team bleibt nur wenig Zeit, ein wenig Ausrüstung zusammenzustellen. Dann müssen sie die Reise mit der ersten Silberkugel antreten.

Kaum in Ambriador angekommen und auf dem von Terraner-Abkömmlingen besiedelten Planeten Altera gelandet, wird Rhodans Team entdeckt. Sie stören das Schäferstündchen Lester Donnings und seiner Geliebten Li Yuang. Die beiden schlagen Alarm, werden allerdings ebenso festgenommen wie Rhodan, Mondra, die Posbis und der Matten-Willy, denn der Geheimdienst will vermeiden, dass irgend etwas an die Öffentlichkeit dringt. Nur Startac Schroeder kann sich vorübergehend via Teleportation in Sicherheit bringen. Rhodan wird von Laertes Michou, dem Verteidigungsminister des Imperiums Altera und Chef des gefürchteten Geheimdienstes Legion Alter-X, persönlich verhört. Man flutet Rhodans Gefängniszelle mit tödlichem Giftgas, um herauszufinden, ob er wirklich ein Zellaktivatorträger ist. Rhodan überlebt diese Prozedur, so dass Michou seine Identität anerkennen muss. Rhodan wird Anton Ismael vorgeführt, dem Regierungschef des Imperiums. Endlich erfährt er die Geschichte der Terraner von Ambriador, die sich selbst als Alteraner bezeichnen.

Die Geschichte der Alteraner

Die heutigen Alteraner sind die Nachkommen eines aus 12 Schiffen bestehenden Siedlerkonvois, der im Jahre 2409 alter Zeitrechnung in einen Hypersturm gerät und von einem Tryortan-Schlund nach Ambriador versetzt wird. Ein Schiff geht dabei verloren, die anderen werden schwer beschädigt und müssen auf dem erdähnlichen Planeten Altera notlanden. Etwas mehr als zwei Drittel der Siedler und Besatzungsmitglieder (insgesamt mehr als 500.000 Terraner) überleben und müssen sich auf Altera einrichten. Viele technische Einrichtungen sind irreparabel beschädigt oder fallen mit der Zeit aus. Die Menschen sitzen auf Altera fest und haben keine Möglichkeit, Kontakt mit der Milchstraße aufzunehmen, denn in Ambriador behindern hyperenergetische Besonderheiten die Verwendung jeglicher 5D-Technik. Transmitter, Transitionstriebwerke und Transformkanonen funktionieren in dieser Galaxie nicht. In den folgenden Jahrhunderten durchleben die Siedler eine bewegte Geschichte. Es kommt zu Kämpfen zwischen den vorwiegend asiatischen Besatzungsmitgliedern der Schiffe, die sich zu einer Elite (Han) entwickeln, und den vorwiegend aus Europa und Afrika stammenden Siedlern, von denen manche sich nicht mit dem Führungsanspruch der Han abfinden wollen. Es ist der Integrationsfähigkeit der ersten auf Altera geborenen Generation zu verdanken, dass diese Konflikte wenigstens teilweise beigelegt werden können.

Auf den im Planetenboden verankerten untersten Schalensegmenten der ausgeschlachteten Raumschiffe entsteht Neo-Tera, die erste Stadt Alteras. Die Alteraner behaupten sich, erobern zuerst ihre neue Heimatwelt und gründen dann einige Kolonien im All. Sie vergessen jedoch nie ihre Herkunft und behalten sogar die terranische Zeitrechnung bei. Perry Rhodan wird in ihren Überlieferungen zu einer Erlösergestalt, die bei fast allen Alteranern beinahe religiöse Verehrung genießt. Die Alteraner erkunden ihre neue Sterneninsel und finden heraus, dass es auch andere Völker aus allen Bereichen der Lokalen Gruppe dorthin verschlagen hat. Offenbar wirkt Ambriador wie ein "Magnet" auf Materie, die anderswo von Tryortan-Schlünden aufgesaugt wird. So leben in Ambriador neben den Alteranern auch Laren, mit denen es immer wieder Reibereien wegen der Hyperkristall-Vorkommen gibt, sowie Maahks, Kartanin und Posbis. Mit letzteren, die schon vor 11.000 Jahren nach Ambriador gelangt sind, hat es nie Probleme gegeben, aber vor ca. 36 Jahren muss irgend etwas vorgefallen sein, denn seitdem greifen die Posbis die Alteraner gnadenlos an. Unter diesem Druck droht die demokratische Gesellschaftsform des Imperiums Altera sich zu einem repressiven Militärstaat zu entwickeln. Der Militarist Laertes Michou, zweitmächtigster Mann im Staat, gewinnt wegen der Posbi-Gefahr immer mehr Einfluss. Er ist für den totalen Krieg, wird aber noch von Anton Ismael in Schach gehalten, der für eine defensive Haltung eintritt.

Angriff der Posbis

Perry Rhodan erhält die Erlaubnis, vor dem Parlament zu sprechen. Inzwischen zweifelt niemand mehr seine Identität an. Die Verehrung, die man ihm entgegenbringt, öffnet ihm viele Türen, aber sie belastet ihn auch. Allerdings bleiben seine beiden posbischen Begleiter in Haft, denn die Alteraner sehen in ihnen immer noch den gefürchteten und zutiefst gehassten Feind. Rhodan ahnt nicht, dass Startac Schroeder dem gewissenlosen Laertes Michou in die Hände gefallen ist, als er die zweite Silberkugel bergen wollte (Rhodan hatte sie im Sumpf versteckt): Michous Leute haben die Silberkugel längst entdeckt und mit Paralysefallen präpariert. Michou lässt Schroeder foltern, um seinen Willen zu brechen. Der gewissenlose Verteidigungsminister will den Mutanten zur Kooperation zwingen. Natürlich hält er dies alles streng geheim.

Rhodan und Mondra Diamond begleiten derweil den Regierungschef ins von Alteranern besiedelte Kanton-System, dessen Heimatflotte gerade einen Angriff der Posbis unter hohen Verlusten abgewehrt hat. Wenig später trifft die zweite Angriffswelle der Posbis ein. Rhodan versucht, Kontakt mit ihnen aufzunehmen, doch sie reagieren auf jeden seiner Funkrufe nur mit der stereotypen Frage: "Seid ihr wahres Leben?" und konzentrieren ihr Feuer auf das Schiff, in dem Rhodan sich befindet. Dabei wird Anton Ismael schwer verletzt. Das Kanton-System, eine wichtige Hyperkristall-Fundstätte, fällt an die Posbis. Die Reste der alteranischen Flotte müssen sich nach Altera zurückziehen.

Auch dort kommt es in der Zwischenzeit zu einem probeweisen Angriff der Posbis. Im entstehenden Durcheinander kann Startac Schroeder fliehen.

Machtwechsel auf Altera

Da der Regierungschef im Koma liegt und nicht mehr in der Lage ist, sein Amt auszuüben, übernimmt Laertes Michou als sein Stellvertreter die Macht. Er nutzt Rhodans unglaubliche Popularität beim alteranischen Volk zu seinem eigenen Vorteil aus. Rhodan ist machtlos, denn er steht faktisch unter Hausarrest. Er hätte ohnehin keine Möglichkeit, irgend etwas auszurichten. Außerdem hat Michou die zweite Silberkugel in seiner Gewalt, ohne die Rhodan nicht in die Milchstraße zurückkehren kann. Doch es naht Hilfe von unerwarteter Seite: Lester Donning, dem Rhodan seine Gefangennahme verdankt, sucht ihn zusammen mit seiner Freundin Li Yuang heimlich auf. Sie bringen ihm die Chronik der Familie Donning, der Rhodan weitere Einzelheiten über die alteranische Geschichte entnehmen kann. Die Donnings waren immer an wichtigen Geschehnissen beteiligt, Lester selbst sympathisiert mit Anton Ismael und will Rhodan helfen. Auch Startac gelingt es, zu Rhodan und Mondra zurückzukehren.

Da kommt es zu einem weiteren Angriff der Posbis. Erneut ist Altera das Ziel. Diesmal bieten die Posbis 3500 Fragmentraumer auf - dieser Übermacht ist die alteranische Heimatflotte nicht gewachsen. Michou setzt zwar die Geheimwaffe TIGER ein (neu entwickelte, auf dem KNK-Prinzip basierende Thermokanonen), aber die wenigen Raumforts, die damit bestückt sind, werden schnell vernichtet. Das Ende des alteranischen Imperiums scheint unmittelbar bevorzustehen, doch da stellen die Posbis plötzlich das Feuer ein oder beschießen sich gegenseitig. Jetzt haben die Alteraner leichtes Spiel mit ihnen. Die Rettung ist einem Plan Perry Rhodans zu verdanken: In einer Kommandoaktion haben Mondra Diamond, Startac Schroeder, Lester Donning und Li Yuang es geschafft, Rhodans posbische Begleiter zu befreien und zu einer Funkstation zu bringen. Nano, der auch Posbi-Historiker ist, hat einige uralte Befehlscodes gesendet, durch die die angreifenden Posbis verwirrt und gelähmt worden sind.

Patt

Den Machthabern Alteras ist klar, wem sie ihre Rettung zu verdanken haben. Auch Laertes Michou kann sich nicht länger weigern, einige Zugeständnisse zu machen. So dürfen Nano, Drover und Mauerblum sich künftig ebenso frei bewegen, wie es Rhodan, Mondra und Startac jetzt erlaubt ist. Lester Donning und Li Yuang haben keine Repressalien zu befürchten, sie werden stattdessen geehrt und befördert. Doch Michou gibt nicht alle Fäden aus der Hand. Vor allem behält er Rhodans Silberkugel unter Verschluss...

Kommentar:

Dieser Zyklusauftakt gefällt mir richtig gut. Das hat mehrere Gründe, die die Schwächen des Romans (auf die ich später noch eingehe) mehr als ausgleichen. Ambriador ist mit dem Völkergemisch aus Laren, Kartanin, Maahks, Terranern und Posbis zum Beispiel ein ungewöhnlicher Schauplatz - der Titel des nächsten Bandes lässt auch vermuten, dass die Laren nach langer Zeit mal wieder eine Rolle spielen werden. Das weckt in mir die Hoffnung auf interessante Begegnungen. Was der Grund dafür ist, dass Ambriador sich zu einer "Magnet-Galaxie" entwickelt hat, also zu einer Art Schuttabladeplatz für Tryortan-Schlünde, wird in diesem Zyklus vermutlich nicht geklärt werden. Ich nehme eher an, dass es sich dabei um die Art von Gegebenheiten handelt, die man einfach akzeptieren muss. Aber die Gründe für die Aggressivität der Posbis werden sicher aufgeklärt werden. Eine normale Invasionsgeschichte scheint es jedenfalls nicht zu sein. Und bei den Alteranern handelt es sich endlich mal um ein Splittervolk der Terraner, die nicht in die Primitivität zurückgefallen sind und ihre Herkunft nicht vergessen haben.

Weiterhin gefällt mir Perry Rhodans Auftreten. Er hat zwar immer noch seine Prinzipien und wird von manchen Zeitgenossen deshalb für zu weich gehalten, aber diese Leute unterschätzen ihn und müssen das auch bald einsehen - wie Laertes Michou in diesem Roman. Natürlich begibt Rhodan sich wieder einmal entgegen jeglicher Vernunft persönlich in Gefahr. Und natürlich muss er dieser Gefahr mit nur wenigen Helfern ins Auge sehen. Wäre es nicht so, d.h. könnte er mit einer großen Kampfflotte erscheinen, wäre der Posbikrieg wahrscheinlich auch schnell vorbei. Aber Michael Marcus Thurner scheint das zu wissen, denn er spielt ein wenig mit diesem altbekannten Manko: PR ist stellvertretend für den Leser von Keraetes nebulösen Worten genervt...

Außerdem kann man die Ausgangssituation so, wie sie hier dargestellt wird, durchaus akzeptieren. Nur Rhodan wird in Ambriador gebraucht (ich hoffe ja, dass es für Keraetes Behauptung, nur Rhodan könne in Ambriador etwas ausrichten, noch einen überzeugenden Beweis geben wird), Keraete hat weder genug Zeit noch die Mittel, um ihm größere Unterstützung zu gewähren. Denn ES ist ja immer noch verschwunden. Es wäre übrigens interessant zu wissen, wo Keraete sich eigentlich die ganze Zeit herumgetrieben hat. Und was er - nebenbei bemerkt - so wichtiges zu tun hatte, dass er den seit immerhin 36 Jahren tobenden Posbi-Krieg jetzt erst bemerkt hat!

Darüber hinaus ist der Roman einfach spannend und gut geschrieben. Man erfährt die Geschichte der Alteraner teils aus Andeutungen, vor allem aber aus der in Rückblicken erzählten Chronik der Familie Donning. Eigentlich hätte man aus dem Überlebenskampf der Siedler sogar einen viel längeren Roman machen können - aber vielleicht kommt in den nächsten Bänden ja auch noch mehr. Alle Akteure haben sinnvolle Aufgaben, auch Mondra macht wieder eine gute Figur. Laertes Michou und Anton Ismael werden bei aller Kürze der Schilderungen ebenso gut mit Leben gefüllt wie die Gesellschaftsform der Alteraner.

Soviel zum Positiven. Ein paar Kleinigkeiten gefallen mir weniger gut. Warum zum Beispiel wundert Rhodan sich, dass man ihn auf Altera anfangs für einen Feind hält? Schließlich hat er zwei Posbis dabei und Keraete hat ihm doch gerade erst gezeigt, was deren "Artgenossen" bei den Alteranern anrichten. Ihm hätte also klar sein müssen, dass man ihn mit diesen beiden Kerlchen nicht gerade mit offenen Armen empfangen würde. Die Art und Weise, wie die Posbis am Ende ausgeschaltet werden, erinnert doch ein wenig gar zu sehr an die Sache mit Dr. Gregorian und den Techniten in PR 2314.

Michael Marcus Thurner meint es für meinen Geschmack ein wenig zu gut mit der Skurrilität der posbischen Begleiter Rhodans. Vor allem Nano, der Möchtegern-Dichter, nervt ein wenig. Warum stottert er eigentlich? Thurner nutzt auch ein wenig zu oft den Kunstgriff, Worte zu betonen, indem er sie durch Pünktchen vom Rest des Satzes trennt. Wenigstens hält er sich mit Austriazismen zurück...

Der Roman enthält einen Anhang von Hartmut Kasper. In "Das Whistler-Museum von Terrania" wird die Geschichte der Whistler-Company und ihrer Roboter in Form einer Führung durch besagtes Museum angerissen. Außerdem geht es um künstliche Wesen in der Dichtung, angefangen bei den mechanischen Helferinnen des Gottes Hephaistos in der Ilias über den Homunkulus in Goethes "Faust" bis hin zu Homunk, dem Perry Rhodan auf Wanderer begegnet ist.

Insgesamt wie gesagt ein toller Zyklus-Auftakt, der auf jeden Fall Lust auf mehr macht.

J. Kreis, 09.10.06


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