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Perry Rhodan Neo Nr. 9: Rhodans Hoffnung

Autor: Frank Borsch

Inhalt

Während sich die Lage in Terrania City stabilisiert, brechen überall in der Welt Unruhen aus. Die Menschen revoltieren gegen ihre Regierungen, und es bleibt nicht bei friedlichen Demonstrationen. Bewaffnete Aufstände in den USA führen dazu, dass der Präsident den Ausnahmezustand ausruft. Viele Menschen halten Perry Rhodan für verantwortlich, sie sehen in ihm einen Terroristen und Verräter. In Terrania haben Reginald Bull und General Bai Jun das Kommando. Die Stadt wird aus Sicherheitsgründen abgeriegelt, neue "Pilger" werden abgewiesen. Julian Tifflor (genannt "Tiff") und dessen Freundin Mildred Orsons sind die letzten Menschen, denen Zutritt gewährt wird. Tifflor ist der Sohn des Staranwalts William Tifflor, der Crests Verteidigung übernommen hat. Der Anwalt ist seit Crests Befreiung spurlos verschwunden. Sein Sohn ist auf der Suche nach ihm. Tiff träumt von Reisen zu den Sternen und hofft, diesem Traum in Terrania ein Stück näher zu kommen.

Am 25. Juli 2036 reist Perry Rhodan inkognito in die USA. Noch immer liegt das abgestürzte arkonidische Kugelraumschiff TOSOMA IX in den Adirondacks. Das amerikanische Militär ist bereits dabei, das Raumschiff zu untersuchen. Rhodan muss verhindern, dass die außerirdische Supertechnik in die falschen Hände fällt und will die TOSOMA zurückerobern. Er maskiert sich als Stanley Drummond. Thora wird als Stabschefin ausgegeben, John Marshall spielt den Bodyguard des Präsidenten. Man fliegt mit einem Nachbau des Präsidenten-Hubschraubers zu den Überresten von Fort Sunrise. Sid González, Anne Sloane und Allan D. Mercant sind mit dabei. Vor Ort gibt es unerwartete Schwierigkeiten. Der bisherige Befehlshaber der US-Truppen wurde abberufen, neuer Kommandant ist General Joshua de Soto - ein enger Freund des echten Drummond. Ihn kann Rhodan nicht täuschen. Der General gewährt ihm, Thora und Marshall Zutritt zum Schiff, lässt dann jedoch einen Energieschutzschirm entstehen, der es Sid unmöglich macht, seine Freunde zu befreien. Der Teleporter bringt sich, Anne Sloane und Mercant in Sicherheit, bevor der Hubschrauber vernichtet wird. Rhodan und seine Begleiter müssen sich in der TOSOMA verstecken.

Thora kennt sich besser im Schiff aus als die amerikanischen Soldaten, die bereits die Hauptleitzentrale besetzt haben. Sie führt ihre Gefährten zu einer Nebenzentrale, von der aus sie das Schiff per Überrangbefehl steuern kann. Die Selbstreparatur der TOSOMA ist schon recht weit fortgeschritten; der Start gelingt. De Soto droht mit der Vernichtung der Triebwerke. Rhodan lehnt Thoras Vorschlag ab, die Soldaten mit Bordmitteln zu töten. Er ist bereit, sich zu ergeben. John Marshall liest jedoch de Sotos Gedanken und erfährt, dass der Mann seit einem traumatischen Kriegserlebnis panische Angst vor Wasser hat. Deshalb lenkt Thora das Schiff mit geöffneten Außenschleusen mitten in den Ozean. Sie macht dem General klar, dass sie lieber das Schiff opfern würde, als es in den Händen terranischer Barbaren zu sehen. Aus Angst vor dem Ertrinken gibt sich de Soto geschlagen. Der Flug Richtung Terrania kann weitergehen.

Am 26. Juli werden die Überreste Ricos in Terrania untersucht. Der Roboter ist vermutlich kein arkonidisches Erzeugnis, sondern das Produkt einer noch weiter entwickelten Technik. Wenig später verschwindet der Roboter. Tatjana Michalowna, die nach Clifford Monternys Ende in Terrania aufgenommen worden ist, von Bull aber noch misstrauisch beobachtet wird, stellt Crest zur Rede. Sie hat den Arkoniden durchschaut und glaubt zu wissen, dass er und seinesgleichen auf eigene Faust mit der AETRON unterwegs waren, um die Welt des Ewigen Lebens zu finden. Tatjana ist leicht alkoholisiert. Sie setzt Crest unter Druck, doch als Bull eingreift, schweigen sich beide über den Vorfall aus. Bull hält Tatjana für verantwortlich am Verschwinden Ricos, sie streitet aber alles ab. Derweil richten sich Tiff und Mildred in Terrania ein. Die Stadt entspricht nicht ganz Tiffs romantischen Vorstellungen. Wasser und Nahrung sind knapp, man lebt unter einfachen Bedingungen und es gibt viel harte Arbeit auch für die beiden Neuankömmlinge. Sie lernen Timothy Harnahan kennen, einen Computerfreak, der beim leblosen, aber unversehrten Körper Ernst Ellerts wacht.

Tiff beobachtet einen Mann, der Lebensmittelrationen entwendet und etwas dabei hat, das verdächtig nach arkonidischer Technik aussieht - es ist Rico. Tiff und seine Freunde verfolgen den Dieb, doch der hat Komplizen. Harnahan ruft Bull zu Hilfe, der mit Tatjana Michalowna und einem Trupp chinesischer Soldaten erscheint. Die Diebe werden als Stepan Raskujan und Artjom Tomisenkow identifiziert, zwei ehemalige russische Kosmonauten. Die dritte im Bunde ist Ishy Matsu, nach Tatjanas Meinung eine Mutantin mit unbekannten Fähigkeiten. Die drei Diebe haben Rico allerdings nicht bei sich. Tatjana liest ihre Gedanken und führt Bull zu Ricos Versteck, aber es ist leer.

Die TOSOMA landet auf einer Plattform im Goshun-Salzsee bei Terrania. Mit einer Champagnerflasche tauft Rhodan das Schiff in GOOD HOPE um. Thora fängt mit der wieder in Betrieb genommenen Hyperfunkanlage einen Funkspruch aus dem ca. 27 Lichtjahre von der Erde entfernten Wega-System auf. Die Nachricht ist in einem Jahrtausende alten arkonidischen Flottenkode abgefasst. Ein gewisser Kerlon ruft um Hilfe, weil "Echsen" das System überrennen wollen. Rhodan gibt Thoras Drängen nach und startet mit der noch nicht vollständig reparierten GOOD HOPE. Mit an Bord sind Rod Nyssen, Conrad Deringhouse, Darja Morosowa, Alexander Baturin, Ras Tschubai, Tako Kakuta, Anne Sloane und Wuriu Sengu. Bull hat Bedenken, doch Rhodan will sich nur kurz im Wega-System umsehen und innerhalb von 24 Stunden zurückkehren. Die neun Terraner erleben ihre erste Transition - das Überwechseln des Schiffes in den Überlichtflug.

Am nächsten Tag nähert sich ein Raumschiff der Erde und landet in Terrania. Es ist jedoch nicht die GOOD HOPE, sondern ein fünfmal größeres Schiff mit Spindelform. Eine Unbekannte, die die Erde verlassen möchte, aber nur über einen unterlichtschnellen Aufklärer verfügt, beobachtet die Landung von der Wüste aus. Sie kennt Schiffe dieses Typs; sie werden von den Fantan benutzt. Außerdem ortet die Unbekannte einen fünfdimensionalen - also eindeutig nicht-terranischen - Impuls, dem sie folgt.

Kommentar:

Die zweite Staffel der Neo-Serie beginnt mit einigen Ungereimtheiten, versöhnt mich aber dennoch mit der unbefriedigenden zweiten Hälfte der ersten Staffel. Das liegt wahrscheinlich nicht zuletzt daran, dass meine Neugier auf zukünftige Ereignisse weiter angeheizt wurde. Endlich wird der Sprung ins All gewagt (Thoras Erkundung des Solsystems im vierten Roman und die paar Kapitel auf der Venus waren bei weitem nicht genug), mit Terrania geht es ein bisschen vorwärts, durch beiläufig eingeflochtene Informationen erhält man ein etwas besseres Gefühl für das Jahr 2036 als bisher, und Frank Borsch macht sich die Mühe, ein paar aus der ersten Staffel übrig gebliebene Lücken zu stopfen, wenn auch nicht alle.

So wird Ernst Ellert endlich wieder in die Handlung eingebunden. Er wird von Timothy Harnahan betreut - in der klassischen PR-Serie findet dieser Mann ein merkwürdiges Wesen namens Harno, das in verschiedene geheimnisvolle Geschehnisse verwickelt ist. Namedropping oder Ausblick auf weitere Entwicklungen des Neoversums? Allerdings weiß ich nicht, ob ich dieses "kosmische" Wesen gern in der Neo-Serie sehen möchte. Walt und KaHe (Ellerts Freunde) werden erwähnt; sie haben den Angriff der Chinesen im Tunnel offenbar überlebt. Iwan Goratschin wird ebenfalls nicht vergessen. Der Zündermutant ist anscheinend untergetaucht. Er hat sich bemerkenswert schnell von seinem jahrzehntelangen Koma erholt! Gut, in PR Neo 5 heißt es, sein Körper werde durch irgendwelche Maschinen fit gehalten, aber das halte ich für eine gewagte Behauptung. John Marshall denkt wenigstens mal kurz an sein Pain Shelter; das ist in der ersten Staffel ja völlig untergegangen. Und zu guter Letzt wird geklärt, was mit Quiniu Soptor geschehen ist, denn zweifellos ist sie es, die die Landung des Fantan-Schiffes beobachtet (Tamika dürfte noch im Heiltank liegen, außerdem ist ihr Aufklärer nur noch Schrott). Die von Quiniu georteten 5D-Impulse stammen vermutlich von Rico - oder von jemandem, der den kaputten Roboter aus dem Versteck der Diebe geholt hat. Atlan womöglich? Vielleicht hat Rico einen automatischen Notruf ausgesandt, der nicht nur von Atlan, sondern auch von den Fantan-Leuten aufgefangen wurde und diese zur Erde gelockt hat?

Die Rico-Diebe und andere neu eingeführte Personen sind übrigens keine Unbekannten. Tomisenkow und Raskujan sind in der klassischen Serie zwei Anführer einer Venus-Expedition des Ostblocks, Ishy Matsu ist ein Mitglied des Mutantenkorps. Julian Tifflor ist eine der absoluten Hauptfiguren der klassischen Serie. Mal sehen, wie es mit ihm in der Neo-Serie weitergeht. Die Fantan-Leute sind in der klassischen Serie nur am Rande vorgekommen. Vielleicht werden sie in der Neo-Serie eine größere Rolle zu spielen haben. Im Wega-System leben bekanntlich die Ferronen, humanoide Wesen, die zu den ersten Verbündeten der Terraner werden. Sie werden von den echsenartigen Topsidern angegriffen, und Rhodans Einmischung in diesen Konflikt führt schließlich dazu, dass die Terraner den Weg zur Welt des Ewigen Lebens finden, jener Welt also, zu der auch die Arkoniden der Neo-Serie unterwegs waren. Man sieht: Der Handlungsverlauf der Neo-Serie folgt noch immer in groben Zügen der klassischen Serie, schlägt aber durchaus eigene Wege ein. Das gilt besonders für die Charakterzeichnung. Leute wie Tatjana Michalowna, in der klassischen Serie bloßes Beiwerk, werden hier zu wirklich interessanten Charakteren aufgebaut.

Das alles gefällt mir gut und ich bin schon gespannt auf die nächsten Romane. Ein Gefühl, das sich in der Erstauflage kaum noch einstellt.

Es gibt aber recht viele Schnitzer, die den Lesespaß trüben. Das geht schon mit der Eroberung der TOSOMA los. Mal ganz abgesehen davon, dass ich die ganze Aktion mit Masken und falschen Pässen für völlig lächerlich halte: Sie ist vor allem absolut überflüssig. Es hätte völlig ausgereicht, wenn sich Thora, Rhodan und Sid in die Nähe des Schiffes geschlichen hätten. Sid hätte die beiden dann ins Innere des Schiffes teleportieren können, wo sie sofort in die Nebenzentrale hätten gehen können. Niemand hätte etwas davon bemerkt. Sid mag schwach sein, aber als der Hubschrauber vernichtet wird, ist er in der Lage, Anne und Mercant innerhalb kürzester Zeit in Sicherheit zu bringen. Ganz entkräftet ist er also offensichtlich nicht.

Als die Aktion zu scheitern droht, kriegt Rhodan einen moralischen Durchhänger und will sich mal wieder ergeben. Mir scheint, die Autoren wissen nicht so recht, was sie mit Rhodan anfangen sollen. Soll er ein tatkräftiger Visionär sein, der die Menschen begeistern und mitreißen kann? Oder ein butterweicher Zauderer, der beim ersten Hindernis aufgibt? Bis jetzt hat sich Rhodan nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Er hat die Welt ins Chaos gestürzt und sehr wenig (oder gar nichts?) aus eigener Kraft zustande gebracht. Thora muss die TOSOMA für ihn erobern - was ihr immerhin ein paar richtig starke Momente beschert - Bull und Bai Jun müssen Terrania für ihn aufbauen und so weiter. Was für ein Waschlappen!

Nagelneue arkonidische Roboter fallen nach ein paar Wochen Arbeit in der Gobi reihenweise aus, aber die Selbstreparatur der uralten TOSOMA ist so schnell abgeschlossen, dass man mit ihr einen überlichtschnellen Raumflug wagen kann. Nach gut einer Woche sind de Sotos Leute schon so vertraut mit der TOSOMA, dass sie einen Energieschirm aktivieren können und genau wissen, wo sie ansetzen müssen, um die Triebwerke zu vernichten. Diese wiederum lassen sich mit konventionellem Sprengstoff zerstören (wir reden hier von Terkonit - vgl. Neo 7!). Bully bastelt aus etwas Schrott einen funktionstüchtigen Hyperorter zusammen. Das passt für meinen Geschmack alles irgendwie nicht so richtig zusammen.

Tja, und dann die Sache mit Anne Sloane. Angeblich gehört sie zur Besatzung der GOOD HOPE, beobachtet aber am 28. Juli die Landung des Fantan-Schiffes von Terrania aus. Ich glaube nicht, dass das Absicht ist, d.h. dass sich eine Doppelgängerin in Terrania eingeschlichen hat. Noch ein Lapsus: Mal heißt die TOSOMA GOOD HOPE, dann wieder STARDUST. Solche Fehler sollte sich der Chefautor einer Serie nicht erlauben.

J. Kreis, 24.01.2012


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Gastkommentare

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Gastkommentar von Joe (29.01.2012):

Ach, wenn es doch einfacher wäre, diesen Roman zu kommentieren. Ich meine: Ja, FB schreibt wirklich schöne Geschichten, daran kann kein Zweifel bestehen. Aber kann er denn nicht mal schöne Geschichten schreiben, ohne dabei haarsträubenden Mist zu verzapfen? Nur einige Beispiele:

1) Diese ganze Rhodan/Drummond-Aktion ist kompletter Blödsinn. Gut, vielleicht eine notdürftige Tarnung, um nah heranzukommen. Dann mit Teleportern ins Schiff und ab durch die Mitte. Mehr wäre doch wirklich nicht nötig gewesen. Und während ich generell nichts dagegen habe, wenn Rhodan zurückhaltend agiert, ist es einfach nur albern, dass er den Moralischen kriegt, weil Thora, sorry, die Eier hatte, seinen, sorry, gutmenschigen Lahm-Arsch zu retten. Herrjeh!

2) Über das Heft verteilt wird darüber sinniert, ob arkonidische Schiffe nun eine Masse von Hunderten oder gar Tausenden von Tonnen haben - und das auch noch als "Expertenmeinung". Man weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll.

3) Die Sache mit der doppelten Anne will ich gar nicht mehr groß breittreten, symptomatisch ist aber, dass die Damen und Herren es geschafft haben, den Sachverhalt sogar noch in der offiziellen Newsmeldung zum Thema falsch darzustellen: Das Problem ist nicht, dass sich Anne auf dem Weg nach Terrania befindet (das hätte man schon noch zeitlich irgendwie hinbiegen können), das Problem ist, dass sie sich NACH DEM START DER GOOD HOPE zur Wega immer noch in Terrania befindet - obwohl sie angeblich beim Start an Bord war.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir vergällt ein solcher Müll ernsthaft den Spaß beim Lesen - und das ist umso ärgerlicher, als es so schrecklich unnötig ist. Das einzige, was die Redaktion braucht, ist doch nur ein Korrektor, der die Augen aufhält statt zu schlafen!


Gastkommentar von Michael (25.01.2012):

Ich habe mit meinem ersten Kommentar zur PR-Neo Serie erst einmal abgewartet, bis die erste Staffel vorbei war. Mir scheint es nur fair zu sein, dass sich das Autorenkollektiv auf diese neue Aufgabe richtig einschwingt. Um es vorweg zu nehmen: Ich mag die Idee einer Neuinterpretation unter Beibehaltung der Rahmenhandlung der klassischen Serie. Es gab für mich durchaus spannende und gute Momente, doch war bis jetzt kein einziger Roman dabei, von dem ich restlos begeistert war und in dem mir nicht mehr oder weniger gravierende Mängel aufgestoßen wären.

Das fängt mit einer erheblichen Anzahl von großen und kleinen Schnitzern an, wie zum Beispiel sich wiederholende Sätze, falsche Angabe der Lichtgeschwindigkeit, bis zu der schon von Jo Kreis festgestelltem Anne-Sloane-Schlampigkeit (oder doch ein IV?) und Stardust-Good Hope-Namensverwechslung im vorliegenden Band von Frank Borsch. Mir scheint, als ob der Verlag keinen geeigneten Korrekturleser eingestellt hat. Ich mag die Autoren hier nicht aus der Verantwortung nehmen, doch Fehler schleichen sich nun mal ein- trotz Rechtschreibekorrektur. Ich schlage vor, Autoren und Verlag sollten sich einen etwas geänderten Workflow überlegen, bei dem wenigstens eine oder mehrere Personen Korrektur lesen, bevor der Roman veröffentlicht wird. Auch stößt mir ab und zu die etwas eigenartig anmutende Vermeidung von Anglizismen auf (mir ist aus einem der ersten Bände noch die Redewendung „... das sind doch Erdnüsse“ statt „... das sind doch Peanuts“ in Erinnerung geblieben, usw.).

Was die Erzählweise von mehreren parallel laufenden Handlungssträngen angeht, so fand ich diese im ersten Band (ver)störend: Marshalls Erlebnisse im Pain Shelter als Parallelhandlung zum Kontakt mit Außerirdischen auf dem Mond? Das finde ich nach wie vor - ich will es mal positiv formulieren - gewagt. Zudem waren in einigen der Romane der ersten Bände einzelne Kapitel zeitlich tageweise versetzt, was ein ständiges gedankliches Hin- und Herspringen im Zeitablauf nötig machte. Teilweise wurde im daruffolgenden Romanen auch wieder im Zeitablauf zurück gesprungen. Ich für meinen Teil konnte die Handlung der einzelnen Handlungsstränge chronologisch auf Anhieb nicht richtig einordnen, wer merkt sich schon zu jedem Kapitel die genaue Zeitangabe.

Die detaillierte Charakterisierung einzelner Personen dagegen finde ich sehr positiv, auch wenn diese nicht so ganz stringent ist und sich von Autor zu Autor verändert (Beispiel Bai Jun oder Clifford Monterny). Einige Personen mag ich lieber (eben diesen Bai Jun, vor allem aber auch Bully – tschuldigung – Reg), andere mag ich weniger (z. B. Perry Rhodan, der im übrigen mit der gleichnamigen Figur aus den Anfangstagen der klassischen Serie soviel Gemeinsamkeiten hat wie ein Pudel mit einem Bullterrier).

Was die Beschreibung der Welt des Jahres 2036 inklusive Außerirdische angeht- nun ja. Ohne in Details zu gehen erscheinen mir einige Ideen ganz gut umgesetzt (z. B. arkonidische Technik), anderes ist weniger realistisch (z. B. mehrere Mondstationen), einiges wirkt idiotisch (z. B. Mercants falscher Bart, mehr als 25 Jahre nach Einführung von Augenscannern und Fingerabdruck-Kontrollen), manches liest sich wie konfuser Brei (politische Weltsituation). Doch manchmal finde ich eine Idee so richtig klasse, z. B. Rhodan und Bull auf einem Scheiterhaufen oder ein Ballon im Aussehen eines 60-Meter-Kugelraumschiffs der Arkoniden. Auch wenn die Handlung dazu oftmals an den Haaren herbeigezogen ist und vor Logikfehlern nur so wimmelt, auf diese Ideen muss man erst mal kommen!

In jedem Fall freue ich mich alle zwei Wochen auf einen neuen Band. Aber es könnte deutlich besser werden...


Gastkommentar von Joerg (25.01.2012):

Die Verwendung von Terkonit ist ebenfalls ein Schnitzer oder Fehler. Zumindest in der Erstausgabe ist Terkonit die terranische Weiterentwicklung von Arkonit. Ich vermute, dass Ter für Terra und Ar für Arkon steht. Daher ist es komisch, dass die Arkoniden ihren wichtigsten Bausstoff nach Terra benannt haben und nicht nach Arkon. Selbst wenn Neo nicht zu 100 Prozent der Erstausgabe folgt, passt dies irgendwie nicht.

Im übrigen finde ich auch, dass der vorläufige Höhepunkte der Reihe Band 4 war und erst wieder Band 9 aufholt. Die Handlung in den Bänden 5 - 8 erinnerte mich zu sehr an eine immer länger gezogene Umsetzung der TV Serie Heroes in den PR Kosmos. Herumeiern führte trotz starken Starts auch Heroes nicht zum Erfolg.

Rhodans Entscheidungsschwäche gefällt mir auch nicht. Ich finde zwar gut, dass er in Band 9 die US Soldaten schonen will, aber aus seinem eigenen Selbsterhaltungsinteresse halte ich es für unwahrscheinlich, dass er jeden Lösungsvorschlag von Thora ablehnt ohne eigene Lösungsvorschläge zu machen. Die Vorgehensweise erinnert mich aber an Managementmethoden in dem einen oder anderen Großkonzern. Insoweit ist er mit seinem Verhalten nicht gerade ein Sofortumschalter wie im Band 1 beschrieben.


Gastkommentar von Frank (23.01.2012):

Ich habe die 8 Neo-Romane gelesen. Am Anfang alles - später nur noch quer, da mich die romanlangen Kampf-, Verfolgungs-, und Fluchtszenen endlos gelangweilt haben.

Große Hoffnung habe ich auf Heft 9 gelegt: endlich Science Fiction statt tumbe Action...
Heute schlage ich das Heft nun auf: und was sehe ich beim Querlesen: wieder nur seitenweise plumpe Action.
Ich war so frustriert, dass ich den Roman weggelegt habe und schauen wollte was im Internet an Kommentaren darüber existiert. So bin ich auf deine Seite gestoßen.

Was mir auch den Schauer des kalten Grausens über die Schulter rieseln ließ, waren die öfters lesbaren Kommentare, dass manche dieser Neo-Romane besser als aktuelle Erstauflagen-Hefte sind!

Ich habe die meisten Hefte von 1 - bis zum Cantaro-Zyklus gelesen. Dann habe ich aufgehört, weil mir die Hefte nicht mehr gefielen. (Höfliche Umschreibung!)

Mit NEO wollte ich wieder einsteigen, aber lieber Pabel-Verlag und lieber Klaus N. PUNK Frick: - mit Verlaub verzeiht mir die harten Worte - mit so einem Bullshit wird das nichts!

Ich erwarte von einem Heft-Roman sicher keine hochgeistige Literatur, aber doch Science Fiction: fremdartige Außerirdische, geheimnisvolle andere Planeten, Raumschiffe, Artefakte usw. und nicht seitenfüllende Darstellung von Action- und Gewaltszenen.



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