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Perry Rhodan Neo Nr. 4: Ellerts Visionen

Autor: Wim Vandemaan

Inhalt

Der Münchner Journalist Ernst Ellert hat im Traum immer wieder Visionen zukünftiger Geschehnisse. Was Ellert in seinen "Weißen Träumen" sieht, wird nur dann nicht Wirklichkeit, wenn er entsprechend handelt. Selbst dann gelingt es ihm manchmal nicht, den Lauf der Dinge zu beeinflussen. Ende Juni 2036 weiht Ellert seine Freunde Walt und KaHe ein. Ellert hatte eine positive und eine negative Vision der Zukunft: Eine friedlich geeinte Menschheit auf der einen, und das Ende allen Lebens auf der anderen Seite. Für Ellert steht fest, dass Perry Rhodans Schicksal entscheidend für den weiteren Verlauf der Ereignisse ist. Er will deshalb zur Landestelle der STARDUST in der Wüste Gobi gelangen. Ellert meint, er könne Rhodan von Nutzen sein. Walt und KaHe begleiten ihn. Am 1. Juli erreichen sie eine der Zeltstädte, die sich rings um den von General Bai Jun abgeriegelten Bereich gebildet haben.

Angewidert von der Lethargie ihrer Untergebenen verlässt Thora die AETRON mit einem Aufklärer. Das 16 Meter durchmessende Diskusschiff ist unbewaffnet, aber schnell und wendig. Thora erkundet damit die Planeten des Sonnensystems. Sie wird von der jungen Arkonidin Tamika begleitet, sowie von Quiniu Soptor, einer Halbarkonidin mit schwarzer Haut und flaumartigem Kopfgefieder. Die Arkonidinnen stellen fest, dass Jupiter älter als die Sonne ist. Auf dem Saturnmond Titan orten sie eine Energiesignatur, die darauf schließen lässt, dass sich dort eine mindestens 10.000 Jahre alte, aber immer noch funktionsfähige arkonidische Einrichtung befindet. Thora fordert einen zweiten Aufklärer an, in den Soptor überwechselt. Beide Schiffe fliegen weiter zur Venus. Dort wird Thoras Aufklärer am 4. Juli von Unbekannten abgeschossen.

Am 5. Juli trifft Generalsekretär Huang Hai-Jie zu einem weiteren Inspektionsbesuch beim chinesischen Heerlager ein. Er macht Bai Jun klar, dass die arkonidische Technik unter allen Umständen für China gesichert werden muss, und schlägt den Einsatz von Atomwaffen vor. Der General handelt eine Wartefrist aus, nimmt aber an, dass der Generalsekretär bereits insgeheim die Deponierung einer Atombombe in dem Stollen veranlasst hat, den seine Männer in Richtung Energiekuppel vorangetrieben haben. Er befiehlt seinem Adjutanten He Jian-Dong, nach der Bombe zu suchen. Der hält das für Verrat und will seine Waffe ziehen, doch da greift Bai Juns Fahrer, der Sino-Tibeter Yi Khedrub ein. Der Mann ist parabegabt und richtet seinen Zeremonialdolch telekinetisch auf He. Dieser lenkt schließlich ein.

In der Zwischenzeit haben Ernst Ellert und seine Begleiter Freundschaft mit einigen Menschen in der Zeltstadt geschlossen. Dort kampieren nicht etwa Spinner und Aussteiger, sondern viele Wissenschaftler und Ingenieure. Die Niederländerin Renette Khokhobaia interessiert sich besonders für Ellert. Durch einen weiteren Traum erkennt er, wie er zu Rhodan gelangen kann. Seine Freunde besorgen einen Tunnelbohrer, der sich innerhalb weniger Tage bis zum auch unterirdisch wirksamen Energieschutzschirm vorarbeitet. Rhodan hatte vor Tagen bereits ähnliche Träume wie Ellert - möglicherweise bestand auch mentaler Kontakt zwischen den beiden - und hat seinerseits den Bau eines Tunnels befohlen. Beide Stollen treffen exakt aufeinander. Perry Rhodan lässt eine Strukturlücke schalten und tritt Ellert am 6. Juli gegenüber. Im selben Moment wird Ellerts Tunnel von chinesischen Soldaten gestürmt. Automatisch baut sich der Schirm wieder auf. Ellert wird von den Energien getroffen. Sein lebloser, aber unverletzter Körper wird auf Rhodans Seite geschleudert.

Derweil ist Reginald Bull mit der STARDUST zum Mond geflogen, um in den Trümmern der AETRON nach verwertbaren Überresten zu suchen. Die Überlebenden der STARCHILD und der russischen Mondexpedition beobachten die Landung der STARDUST. Sie bitten Bull um Hilfe. Nachdem er einige Gegenstände geborgen hat, nimmt Bull Rod Nyssen, Conrad Deringhouse, Darja Morosowa und Alexander Baturin mit zur Erde. Letzterer hat vom Zaren Alischer Wekselberg denselben Auftrag erhalten, den auch Michael Freyt hatte. In seinem Raumanzug ist eine Atombombe versteckt. Gleb Jakunin und Darja Morosowa waren nicht informiert, aber Bull durchschaut den Russen und bringt ihn dazu, ihm die Bombe zu übergeben. Nyssen und Deringhouse, die Bull und Rhodan für Verräter halten, wollen in Europa abgesetzt werden. Bull geht nicht auf ihre Forderung ein und fliegt Richtung Gobi. Die STARDUST wird mit Raketen beschossen. Sie stürzt am 8. Juli ab.

Am selben Tag wird Crest von Clifford Monterny entführt. Die Viruserkrankung des Arkoniden wurde bereits geheilt, die Leukämie aber noch nicht. Crest hatte sich mit dem äthiopischen AIDS-Patienten Asaria Gezahegne angefreundet. Dieser wollte ihn in Sicherheit bringen, hatte Monternys Parafähigkeiten aber nichts entgegenzusetzen. Auch Crest unterliegt zumindest teilweise dem hypnosuggestiven Einfluss Monternys.

Kommentar:

Erwartungsgemäß liefert Hartmut Kasper einen schönen Roman ab, der vor eloquenten Formulierungen, geschliffenen Dialogen, prägnanten Beschreibungen (nicht zuletzt die Erde des Jahres 2036 betreffend) und interessanten Andeutungen nur so strotzt. Ich finde es ganz erstaunlich, was man in knapp 160 Seiten alles hineinpacken kann! Aufgrund der begrenzten Seitenzahl ist Kasper gezwungen, sein Faible für mäandrierende Abweichungen etwas mehr im Zaum zu halten als sonst, und so darf man sich über eine mal temporeiche, mal nachdenkliche, stets aber stringent durcherzählte, bodenständige Handlung freuen, in der tatsächlich etwas geschieht - ganz anders als derzeit in der Erstauflage. Ellerts Visionen sind natürlich ein gefundenes Fressen für Kasper, aber sie nehmen sehr viel weniger Raum ein, als ich befürchtet hatte, und sie sind sinnvoll in die Story eingebunden. Mit "Walt" und "KaHe" sind natürlich die Urväter der Perry Rhodan-Serie gemeint. Wer die Biografien der beiden kennt und sie mal "live" erlebt hat, hätte auch ohne die allzu auffällige Namensgebung sofort Bescheid gewusst. Täusche ich mich, oder ist Ernst Ellert quasi eine Reinkarnation von Willi Voltz? Stichworte "Schnauzbart" und "Legendärer Bauchklatscher"?

Leider wirkt der Roman episodenhaft, weil fast jedes der fünf Kapitel aus einem eigenen Handlungsstrang besteht, der kaum oder gar keine Berührungspunkte mit allen anderen hat. Die John Marshall-Handlungsebene bleibt in diesem Roman komplett außen vor. Man könnte fast meinen, einige thematisch miteinander verknüpfte Kurzgeschichten zu lesen, aber keinen Roman. Warum so viele verschiedene Handlungsebenen? Rhodan geht da ziemlich unter, irgendwie degeneriert er allmählich zu einer fast schon verzichtbaren Randfigur. Nicht genug damit: Es gibt nicht nur einen, sondern gleich mehrere Cliffhanger. Wird Thora den Absturz überleben? Ist Ernst Ellert tot oder nicht? Was wird aus seinen Freunden? Wurde die STARDUST vernichtet? Wird sich Crest aus Monternys Bann befreien können? Befindet sich eine Bombe im chinesischen Tunnel? Da die Handlung der Neo-Serie aber spätestens seit Freyts Tod keineswegs mehr so vorhersehbar verläuft, wie ich ursprünglich angenommen habe, funktionieren diese Cliffhanger erstaunlicherweise sogar. In der Neo-Serie kann man (noch) nicht sicher sein, ob es nicht vielleicht eine der Hauptfiguren erwischt, auch sonst schlägt die Handlung erfreulicherweise nach und nach ganz andere Wege ein. Die Erklärungen für einige Cliffhanger bleibt Kasper uns aber schuldig. Woher wusste Monterny, wo er nach Crest suchen musste? Wer greift die STARDUST an? Wer oder was ist auf der Venus aktiv? Zumindest letzteres wissen wir aus der klassischen PR-Serie. Da gab's eine alte computergesteuerte Venusbasis der Arkoniden. Ob es auch auf dem Titan eine solche Station gibt? Oder wurde Atlans Tiefseekuppel für die Neo-Serie aus dem atlantischen Ozean auf den Saturnmond verlegt?

Das ist eine der interessanten Andeutungen, die ich eingangs erwähnte. Dazu gehört auch, dass das AIDS-Virus einer Sage der Äthiopier zufolge von Menschen in die Welt gesetzt wurde, die "weißer als weiß" sind. Damit könnten die Aras - die so genannten Galaktischen Mediziner - gemeint sein. Die haben im Gegensatz zu den Arkoniden sehr helle Haut. Es wäre geradezu typisch für dieses Volk, irgendwo eine Seuche zu verursachen, um später das Heilmittel für viel Geld zu verkaufen. Das wäre doch mal ein ganz anderer Start der PR-Serie gewesen! Rhodan findet auf dem Mond nicht die Arkoniden, sondern die Aras, und deckt ihre Machenschaften auf! Interessant auch, dass Bai Jun auf die Unterstützung eines Mutanten zurückgreifen kann. Wie viele Parabegabte es wohl insgesamt gibt? Übrigens: Reginald Bull möchte nicht "Bully" genannt werden...

Einiges gefällt mir nicht so gut. Dass Thora nur mit einem unbewaffneten Aufklärer unterwegs ist, und nicht mit einem der viel leistungsfähigeren 60-Meter-Kugelbeiboote, bezeichne ich mal als "plotdriven". He Jian-Dong kommt zu wankelmütig rüber. Mal ist er seinem General treu ergeben, dann hält er ihn für einen Verräter, dann unterstützt er ihn doch. Bai Jun selbst kann sich offenbar nicht so recht entscheiden, wie er Rhodan denn nun mürbe machen will. In Band 2 hieß es noch, der General wolle einfach nur abwarten, seit Band 3 wird die Energiekuppel doch wieder beschossen. Und letztlich finde ich die Behauptung wenig überzeugend, nur hochintelligente Akademiker - um es mal übertrieben zu formulieren - seien Rhodans Aufruf gefolgt. Warum sollten sich denn nicht auch Spinner, Esoterikfreaks usw. auf den Weg in die Gobi gemacht haben? Oder aufrechte Amerikaner, die den Verräter Rhodan zur Rechenschaft ziehen wollen? Oder Religionsfanatiker, die in ihm den Antichristen sehen? Da macht Kasper es sich zu einfach.

Egal. Der 4. Neo-Roman steigert das Niveau dieser Serie noch weiter und macht trotz aller Schwächen einfach Spaß. Hätten nur auch die Hefte der Erstauflage diese Qualität!

J. Kreis, 14.11.2011


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Gastkommentare


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Gastkommentar von Joe (18.11.2011):

Wie J. Kreis weiter oben bereits sagt: Kleine inhaltliche Schwächen hat das Heft schon. Mir würden auch noch ein paar weitere als die genannten einfallen. Aber, wow!, was für ein Roman! Dieser Titel ist vermutlich das Beste, was ich unter dem PR-Label je lesen durfte, und zwar mit Abstand!

Zu Beginn die Szene mit Thora in der Zentrale ist ja unglaublich gut. Oder dann später der Dialog zwischen Bai Jun und dem Generalsekretär, der ist einfach umwerfend. Das ist kein Dialog, das ist ein Schachspiel voller heimlicher Pläne und unausgesprochener Drohungen. Eine Perle! Ach, was sage ich: ein funkelnder Diamant!

Lieber FB in der Neo-Expokratur, mach, dass Neo dieses Niveau nur annähernd halten kann, bitte! Und ich verspreche, dass ich auf ewig zwei Exemplare kaufen werde - eins als ebook, eins als Totholzversion...

Übrigens, zum Thema "plotdriven": Dass Thora mit so einer Art Mini-Space-Jet unterwegs ist, finde ich ganz normal. In diesem System werden keine Bedrohungen erwartet, warum sollte sie also etwas Größeres nehmen?

Sehr interessant übrigens, wie Dinge nebenbei eingewoben werden, die in der EA erst viel später eine Rolle spielen, etwa die Lashat-Pocken. Das sorgt mit für eine dichte Atmosphäre. Spannend die seltsame Station auf dem Titan. Offenbar altarkonidisch, also muss sie etwas mit Atlan oder zumindest im weitesten Sinne mit der Larsaf-Expedition zu tun haben. Vielleicht mit diesem Arkoniden (wie hieß er? Kerlon?), der damals schon auf der Spur des ewigen Lebens war?

Da wir mal davon ausgehen wollen, dass Thora überlebt und auch nicht an Alzheimer leidet, steht zu erwarten, dass sich dieses Rätsel relativ bald klären wird. Schließlich wird irgendwie noch ein überlichtschnelles Schiff benötigt, wenn im nächsten Achterblock die Wega-Abenteuer verhandelt werden sollen - und darauf deutet ja einiges hin. Vielleicht gibt es dort auf dem Titan eins. Oder vielleicht eins auf der Venus?

Sehr nett auch die beiden Arkonidinnen, die den Untergang der AETRON zusätzlich überleben. Von denen werden wir noch hören, nehme ich an. Und vielleicht bleibt uns jemand wie Bai Jun ja auch als Haupt-Nebenfigur erhalten? Mich würde es freuen.

Also, mein Zwischenfazit nach vier Folgen: Neo ist der Knaller!



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