PR Neo 3
© Pabel-Moewig
Verlag GmbH,
Rastatt



Perrypedia



Archiv-Startseite
PR - Übersicht
Neo - Übersicht
« PR Neo 2 «
» PR Neo 4 »
Perry Rhodan Neo Nr. 3: Der Teleporter

Autor: Leo Lukas

Inhalt

Als Polizeikräfte das Pain Shelter unter Feuer nehmen, bringt Sid González John Marshall und Sue Mirafiore per Teleportation in Sicherheit. Sie rematerialisieren in einem Hotelzimmer. Der bisherige Bewohner wird vertrieben, dann holt Sid eine Ärztin herbei, die Marshalls Schussverletzung behandelt. Als Polizisten das Zimmer stürmen wollen, geht die Flucht weiter zu einem leerstehenden Bungalow. Dort verbringt das Trio vier Tage. Als Sid von der Ankunft der Außerirdischen erfährt, will er diese Wesen unbedingt sehen. Er teleportiert mit seinen Gefährten zum Kontrollzentrum des Raumhafens Nevada Fields und dringt bis zu Lesly Pounder vor. Natürlich denkt Pounder gar nicht daran, dem durchgedrehten Jungen eine Reise zum Mond zu ermöglichen. Sid vollführt nun zahlreiche panische Teleportationen, bis die Gruppe endlich in einem Wald zur Ruhe kommt. Der psychisch labile Junge wird immer paranoider, außerdem zehren die unzähligen Teleportersprünge körperlich an ihm. Marshall erfährt endlich den Vornamen des Mannes, vor dem sich Sid schon immer gefürchtet hat: Es ist ein gewisser Clifford. Offenbar wurde Sid vor Jahren in einem Lager namens Camp Specter in "Narco County" - einem von Drogenbaronen kontrollierten Teil des mexikanischen Grenzgebiets - gefangen gehalten. Dorthin will Sid nun zurückkehren, um Clifford zu töten.

Marshall geht zum Schein auf Sids Forderungen ein und besorgt Waffen. Zuvor nutzt er jedoch seine telepathischen Fähigkeiten, die er allmählich immer besser beherrscht, um sich Zugang zum Internet-PC einer Schleuserbande zu verschaffen und Homer G. Adams zu kontaktieren. Am nächsten Tag teleportiert Sid sich und seine Gefährten zum Camp Specter. Der Ort ist verlassen, das Camp ist nur noch eine Ruine. Sid behauptet, Clifford könne ihn überall aufspüren und man müsse nur auf sein Eintreffen warten. Bis jetzt ist Sid unbewusst von Marshall vor Clifford abgeschirmt worden, aber dieser Schutz versagt jetzt, weil Sids Ängste überhand nehmen. Allerdings erscheint nicht etwa Clifford, stattdessen treffen Adams und Allan D. Mercant ein. Sid wird betäubt und abtransportiert. Clifford, ein Mutant mit den Kräften eines Suggestors und einer entstellten Gesichtshälfte, kommt zu spät.

In der Wüste Gobi sind die arkonidischen Roboter mit dem Aufbau der Stadt Terrania beschäftigt. Zwar sind viele Menschen Rhodans Aufruf gefolgt, aber sie können Terrania nicht erreichen, weil das Gebiet von den chinesischen Streitkräften abgeriegelt wird. Die Versorgungslage der in die Gobi gepilgerten Menschen ist miserabel. Crest hat sich eine Lungenentzündung zugezogen, sein Gesundheitszustand verschlechtert sich weiter. Mit den Mitteln, die Manoli vor Ort zur Verfügung stehen, ist dem Arkoniden nicht zu helfen. Thora ist nicht erreichbar, und ihr Stellvertreter Kemath da Ordsent beschäftigt sich lieber mit Fiktivspielen als mit den lästigen Barbaren von der Erde. Am 1. Juli 2036 verlassen Manoli und Flipper die Schutzschirmkuppel mit flugfähigen arkonidischen Kampfanzügen, um Crest zu einem Krankenhaus zu bringen. Die Anzüge sind bestens getarnt, aber Flipper lässt sich absichtlich orten. Er zieht die Aufmerksamkeit der Chinesen auf sich, so dass Manoli und Crest unbemerkt nach Bengaluru (Indien) weiterfliegen können. Dann hängt Flipper seine Verfolger ab und sucht im Himalaya nach der verschollenen Bergsteigergruppe. Er findet nur Leichen vor - auch Beth ist tot.

General Bai Jun spricht erneut mit Perry Rhodan und bietet ihm Asyl in China an. Er gibt dem Amerikaner 72 Stunden Bedenkzeit. Die Spannungen zwischen den chinesischen Truppen und den zum Teil bewaffneten Menschen, die zu Perry Rhodan gelangen wollen, nehmen zu. Bai Jun setzt auf Deeskalation. Er gibt seinen Männern sogar den Befehl, die Menschen mit allem Lebensnotwendigen zu versorgen, und verhindert somit eine humanitäre Katastrophe. Derweil quartieren sich Manoli und Crest in einer Privatklinik ein, in der Diskretion großgeschrieben wird. Zuvor hat Manoli ein altes Familienerbstück zu Geld gemacht, das er als Talisman mit sich herumgetragen hat: Ausgabe Nr. 1 des Magazins "Astounding Stories of Super Science" aus dem Jahre 1930. Manoli kann nun eine genauere Diagnose stellen. Crest leidet an einer virusbedingten Immunschwäche. Als Manoli feststellt, dass Unbekannte den Klinikcomputer zu hacken versuchen, brechen er und Crest nach Afrika auf. Manoli erhofft sich Hilfe von Dr. Frank M. Haggard, einem Nobelpreisträger und Spezialisten für Virologie, der in Äthiopien eine aus Containern zusammengesetzte Klinik betreibt. Dort werden sie bereits erwartet - Haggard hat sich aus den aktuellen Nachrichten einiges zusammengereimt und macht sich sofort an die Arbeit, als Manoli und Crest am 4. Juli ankommen. Haggard glaubt, Crest heilen zu können.

Inzwischen hat ein zweites amerikanisches Raumschiff den Mond erreicht. Major Michael Freyt, Chef des vierköpfigen Teams Beta und Kommandant der STARCHILD, hat vom Präsidenten der USA persönlich den Auftrag erhalten, das außerirdische Schiff entweder für sein Heimatland zu erobern oder zu zerstören. Erwartungsgemäß werden die Systeme der STARCHILD genauso gestört wie die der STARDUST, so dass es zu einer Notlandung kommt. Dabei kommt Freyts Freund und Copilot William Sheldon ums Leben. Die drei überlebenden Astronauten suchen Armstrong Base auf, deren gesamte Besatzung erstickt ist, nachdem die Arkoniden alle wichtigen Systeme zerstört haben. Drei russische Kosmonauten sind bereits vor Ort. Da sie denselben Auftrag haben wie das amerikanische Team, schließen Freyt und Oberstleutnant Gleb Jakunin ein Zweckbündnis. Die sechs Menschen fahren mit Mondmobilen zur AETRON. Jakunin behauptet, wichtige Informationen über Crest zu haben. Daraufhin werden er und Freyt von Thoras Stellvertreter eingelassen, aber eingesperrt. Sie können sich zwar befreien, haben den arkonidischen Kampfrobotern aber nichts entgegenzusetzen. Als feststeht, dass weder das Mutterschiff noch eines der Beiboote erobert werden kann, zündet Freyt die in seinem Raumanzug versteckte Atombombe. Die AETRON wird am 4. Juli in einer Kettenreaktion vernichtet.

Kommentar:

Hui, da geht's ja ganz schön zur Sache! Die AETRON wurde zwar auch in der Perry Rhodan - Heftromanserie zerstört, allerdings mit größerem Aufwand und ohne Freyts Tod. Außerdem war Thora zu diesem Zeitpunkt nicht mehr an Bord, sondern mit einem 60-Meter-Beiboot unterwegs zur Erde. Ich vermute mal, dass es in der Neo-Serie ähnlich ablaufen wird. Freyt - in der Heftromanserie einer von Rhodans wertvollsten Helfern - dürfte zwar wirklich tot sein, aber Thora war vermutlich nicht in der AETRON. Warum sollte sonst ein Stellvertreter eingesetzt worden sein, dessen Inkompetenz die ganze Aktion überhaupt erst möglich macht? Sicherlich wird Crest nicht, wie Manoli befürchtet, der letzte Arkonide im Solsystem sein, und bestimmt wird Perry Rhodan auf ein wenig mehr Arkonidentechnik zurückgreifen können als lediglich auf einen Schutzschirmgenerator, einen Kombistrahler und fünf Kampfanzüge. Sollte Thora wider Erwarten tot sein, dann wäre das gar nicht gut für Freyts Kameraden Deringhouse und Nyssen. Auch diese beiden haben in der Heftromanserie wichtige Rollen gespielt. Wenn sie nicht bald abgeholt werden, müssen sie wohl genauso ersticken wie die von den Arkoniden ermordete Besatzung von Armstrong Base. Die beiden überlebenden russischen Kosmonauten - Alexander Baturin und Darja Morosowa - kommen in der Heftromanserie aber nicht vor.

Ich wundere mich über das Fassungsvermögen amerikanischer Raumanzüge. Was man da drin alles verstecken kann! C4-Sprengstoff, Atombomben, Pulp-Magazine... Auch finde ich es ganz erstaunlich, dass man mit irdischem Sprengstoff Arkonstahl zerstören kann (sofern die Zelle, in der Freyt und Jakunin eingesperrt werden, entsprechend gesichert ist), und das auch noch ohne schädliche Nebenwirkungen für die im Inneren des Raumes, in dem die Explosion stattfindet, eingeschlossenen Personen! Und es mutet etwas seltsam an, dass Perry Rhodan erst eine Woche nach seiner Landung daran denkt, wirklich etwas für den todkranken Crest zu tun. Überhaupt spielt Rhodan erneut eher eine Nebenrolle. Aber das muss ja nichts Schlimmes sein, solange es starke Figuren wie Bai Jun gibt (dass die Chinesen die Energiekuppel am Anfang des Romans doch wieder beschießen, will ich mal als Autorenfehler bezeichnen), und solange Leute wie Manoli und Flipper sinnvoll in die Handlung eingebunden werden. Sids Aktionen sind dagegen nicht nachvollziehbar, aber der arme Bursche ist ja offenbar nicht ganz zurechnungsfähig. Da kann man schon mal hinnehmen, dass er permanent nur Mist baut.

Mich würde übrigens mal interessieren, welchen Wert "Astounding" Nr. 1 heute bereits hat. Das Kapitel, in dem Manoli, gekleidet in einen arkonidischen Kampfanzug, das Heft bei einer in einem indischen Comic-Laden stattfindenden Alien-Party verkauft, mag (wie so manche andere Episode dieses Romans) ziemlich "over the top" sein, lustig ist es allemal. Crest findet es faszinierend, wie sich Nerds über Comicfiguren unterhalten - man muss nicht von Arkon kommen, um derartige Erörterungen befremdlich zu finden! Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer köstlicher Beispiele für den typischen Leo Lukas - Humor. So fahren Freyt und Jakunin zu den Klängen der Leningrad Cowboys über den Mond… Manchmal schießt Leo Lukas aber auch weit über das Ziel hinaus, etwa wenn die Empfangsdame des Raumhafens Nevada Fields im Kugelhagel der Securitykräfte stirbt, weil Sid, den sie eigentlich treffen wollten, im selben Moment wegteleportiert. Ich weiß ja nicht, welches Bild der nahen Zukunft in der Neo-Serie eigentlich vermittelt werden soll, aber die Schießwütigkeit vor allem der durchweg als böse dargestellten US-Amerikaner kommt mir ein wenig arg übertrieben vor. Als i-Tüpfelchen läuft in diesem Roman schon wieder jemand mit falschem Bart herum. Das wirkt im Handlungsjahr 2036 wie ein Anachronismus. Leider enthält auch dieser Roman wieder etwas Seitenschinderei. Die Geschichte mit Marshall und den illegalen Einwanderern ist viel zu lang.

Wie dem auch sei: Die Neo-Romane reißen mich zwar nicht unbedingt zu Begeisterungsstürmen hin, gefallen mir aber von Mal zu Mal besser. Eine revolutionär neue, von der Heftromanserie abweichende Handlung erwarte ich gar nicht (mehr). Man kann davon ausgehen, dass sich weiterhin alles in relativ bekannten Bahnen bewegen wird. Mit "Clifford" ist sicherlich Clifford Monterny gemeint, der "Overhead". Das war in der Heftromanserie ein Telepath/Hypno/Suggestor, der sich eine ganze Gruppe von Mutanten hörig gemacht hatte, um die Weltherrschaft zu erringen. Er wurde zu einem von Rhodans Haupt-Gegenspielern. Crest deutet erstmals an, worin das Expeditionsziel der AETRON bestanden hat. Die Arkoniden suchen nach der "Heilung von der Krankheit des Alterns". In der Heftromanserie hat diese Suche zur Entdeckung der Entität ES geführt - hoffentlich bleibt uns das diesmal erspart. Nichts gegen den kosmischen Überbau der Heftromanserie, aber es wäre schön, wenn die Neo-Serie ohne allmächtige Superwesen auskommen würde und "geerdeter" bliebe. Obwohl der Verlauf der Rahmenhandlung mehr oder weniger vorhersehbar bleibt, bin ich doch gespannt, mit welchen Überraschungen in Detailfragen die nächsten Neo-Romane noch aufwarten werden, und wie sich die neuen Handlungselemente weiterentwickeln mögen.

J. Kreis, 31.10.2011


« PR Neo 2 «
» PR Neo 4 »







Gastkommentare


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Gastkommentar von Flo (14.11.2011):

Ich fand die Szene in dem Comicbuchladen eigentlich sehr nett, da ich sehr gerne die Serie "The Big Bang Theory" sehe, an die diese Szene eine ganz offensichtliche Hommage darstellt. Sogar die grüne Laterne und ein Kerl namens "Parsons" (Jim Parsons ist der Name des Schauspielers der Hauptrolle von BBT "Dr. Sheldon Cooper") tauchten auf. Allerdings war die Szene schon ein wenig länglich, nichtsdestotrotz witzig.

Schaut euch mal die 12. Episode der dritten Staffel an und ihr werdet einige Deja Vus erleben...


Gastkommentar von Joe (03.11.2011):

Es fällt mir schwer, diesen Roman zu kommentieren, denn an sich fand ich ihn über weite Strecken spannend und durchaus neowürdig, auch mit seinen storymäßigen Überraschungen (man denke an Freyt). Und ich schätze LL, eigentlich.

Aber es gibt doch etliche Punkte, die mir sauer aufstoßen. Diese sind (nicht unbedingt in der Reihenfolge der Wichtigkeit):

- Marshall, der völlig damit überfordert zu sein scheint, einem krätzigen und mehr als halbverrückten Halbwüchsigen wenigstens das Schießeisen abzunehmen, damit er nicht noch mehr Schaden damit anrichtet. Gut, Marshalls Rolle ist anscheinend die des Grüßaugust im Pain Shelter, aber bislang ist das nicht so schmerzhaft offensichtlich geworden. Insgesamt finde ich die Mutanten (jedenfalls die bisherigen) ziemlich unerfreulich. Die sind für mich ganz sicher keine Sympathieträger. Auch dann nicht, wenn sie wider Erwarten irgendwann erwachsen werden sollten.

- Die Szene im Comicladen war ja grundsätzlich von der Idee her ganz witzig, trägt aber keinesfalls so weit, dass man sie seitenweise auswalzen kann. Gags zu übertreiben ist der sicherste Weg, sie zu töten.

- Schließlich und endlich: LL bedient sich hier schamlos an den plattesten Stereotypen. Eins nach dem anderen wird ohne jeden Skrupel verhackstückt. Für mich persönlich am ärgerlichsten ist die völlig unreflektierte und ziemlich aufdringliche "Die da oben sind allesamt böse"-Haltung, die er ein ums andere Mal zelebriert. Gut, ich verstehe schon, dass und warum sich Verlag und Redaktion an dieses Hartz4ler-Sentiment anbiedern, aber derart penetrant muss es nicht sein (wie FB und CM ja bewiesen haben).

Aus allen diesen Gründen reicht es für dieses Heft leider nur zu einem "Ausreichend"...


Gastkommentar von D. Wolf (02.11.2011):

Weil ich zu faul bin nachzusehen, es aber trotzdem zu wissen glaube: fand der "Arkon-Stahl" überhaupt Erwähnung? Das mit den Stählen war doch sowieso so eine Scheer´sche Spinnerei. Strukturverdichtet durch Bestrahlung... und dann noch zigtausende Temperatur-Grade als Schmelzpunkt dazu endlose Festigkeit. Da ja das alleserschlagende Hypergedingsbumse da keine Rolle spielt, gelten doch bei Materialien normalwissenschaftliche Erkenntnisse.
Ansonsten: irgendwie finde ich die NEO-Romane hochinteressant. Nicht, weil sie so stilbildend sind, aber doch als Vergleich gegenüber dem Weltbild der Romane von 1961. Ich empfinde die Beschreibung des Jahres 2036 als irgendwie depressiv. Posttraumatische Postmoderne.

Ach ja - ich danke Dir für Deine tolle Homepage. Ich sehe sie mir immer wieder gerne an. Mag am ähnlichen Geschmack liegen.



Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)