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Perry Rhodan Neo Nr. 2: Utopie Terrania

Autor: Christian Montillon

Inhalt

Allan D. Mercant wird auf der Flucht vor dem Geheimdienst Homeland Security von der Fernfahrerin Iga Tulodziecki (genannt "Wonderbra") aufgegabelt. Nachdem sich die beiden näher gekommen sind, erzählt er ihr seine wahre Geschichte. Iga nimmt Mercant mit nach New Orleans, wo er Geld und diverse Utensilien deponiert hat, mit deren Hilfe er eine neue Identität annehmen kann. Als er den Bericht über Perry Rhodans Rückkehr vom Mond im Fernsehen sieht, wird ihm klar, dass es für ihn nur ein Ziel geben kann: Er muss sich Rhodan anschließen.

Stanley Drummond, Präsident der USA, will sich die Technologie der Außerirdischen um jeden Preis aneignen. Ihm geht es nicht um die STARDUST, sondern um das viel wertvollere Raumschiff der Arkoniden, das immer noch auf dem Mond steht. Er beauftragt deshalb Lesly Pounder mit der Vorbereitung einer zweiten Mondmission.

Zur selben Zeit halten sich General Bai Jun und sein Adjutant He Jian-Dong in Macau auf, um die "Heimholung" Taiwans in die Volksrepublik China vorzubereiten. Am 27. Juni 2036 erhält Bai Jun eine Nachricht, die diese Aufgabe zur Nebensache degradiert: Das US-amerikanische Raumschiff STARDUST ist in der Wüste Gobi gelandet. Es hat den Außerirdischen Crest an Bord und wird durch eine Energiekuppel geschützt. Bai Jun soll den Oberbefehl über die an der Landestelle zusammengezogenen Truppen übernehmen. Vor Ort angekommen, befiehlt der General die Einstellung des sinnlosen Beschusses. Durch konventionelle Waffen ist der Energieschirm nicht zu durchdringen. Wenig später trifft Huang Hai-Jie ein, Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas. Dieser will den Außerirdischen in seinen Besitz bringen - die Leiche würde ihm genügen. Bai Jun hat jedoch nicht die Absicht, die Amerikaner zu Märtyrern zu machen, und verzichtet vorerst auf den Einsatz von Atomwaffen. Stattdessen installiert er Funk-Störsender und befiehlt den Bau eines Tunnels, der unter der Energiekuppel hindurchführen soll. Allerdings sollen auf diese Weise lediglich die Soldaten beschäftigt werden. Bai Jun will abwarten, wie sich die Situation weiterentwickelt.

Die Geschehnisse in der STARDUST geben ihm Recht; die Situation ist angespannt. Crests Gesundheitszustand hat sich verschlechtert, außerdem stellt Clark G. Flipper einen Unsicherheitsfaktor dar. Er macht sich Sorgen um seine im Himalaya verschollene Freundin und ist nicht glücklich über den Verrat, den Perry Rhodan begangen hat. Es kommt zu einer ersten Begegnung Rhodans mit dem chinesischen General. Bai Jun stellt den Amerikanern eine High-Tech-Krankenliege zur Verfügung, mit deren Hilfe Dr. Eric Manoli den Arkoniden genauer untersuchen und besser behandeln kann. Eine Heilung ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln aber immer noch nicht möglich. Am Tag nach der Landung dreht Flipper durch. Er sabotiert den Schutzschirmgenerator und versucht zu fliehen. Rhodan kann das Schlimmste verhindern. Die Kuppel entsteht neu, bevor die Chinesen reagieren können. Bai Jun hatte ohnehin nicht vor, die Situation auszunutzen. Rhodan nimmt per Hyperfunk, der durch die Störsender nicht unterdrückt werden kann, Kontakt mit Thora auf. Er macht ihr klar, dass Crest nur mit der Hilfe anderer Menschen gerettet werden kann. Die Arkonidin soll weitere Ausrüstung mit einem Beiboot der AETRON zur Erde bringen. Beim Anflug wird das 60 Meter durchmessende Kugelschiff entgegen Bai Juns Befehl beschossen. Thora demonstriert die maßlos überlegene Macht der arkonidischen Waffentechnik, indem sie Teile des chinesischen Heerlagers in Schutt und Asche legt, bevor sie in der Nähe der STARDUST landet.

Derweil hat sich Mercant schweren Herzens von Iga getrennt und sein Depot ausgeräumt. Er versucht einen Flug nach China zu buchen, doch jemand verfolgt ihn. Mercant wird betäubt und zu einem unbekannten Ort gebracht. Sein Entführer stellt sich als Homer G. Adams vor. Adams behauptet, der reichste Mann der Welt zu sein und besondere Fähigkeiten zu besitzen - genau wie Mercant. Adams kann zukünftige Ereignisse vorhersehen, Mercant kann die Gefühle anderer Menschen erkennen. Adams ist genau über Mercants Pläne im Bilde. Eine Reise zum Landeplatz der STARDUST hält er für Selbstmord. Er meint, Menschen wie Mercant und er selbst - Mutanten mit übersinnlichen Fähigkeiten - könnten Rhodan auf andere Weise helfen. Deshalb müssten sie John Marshall finden.

Nachdem Thora die Störsender vernichtet hat, wendet sich Perry Rhodan mit einer Bildfunksendung an die Weltöffentlichkeit. Er spricht von seiner Vision einer geeinten Menschheit, die die Probleme des 21. Jahrhunderts überwinden und zu den Sternen aufbrechen kann. Rhodan lädt alle Menschen gleich welcher Nationalität, Hautfarbe und Religion ein, an der Verwirklichung dieses Traums mitzuwirken. Sie sollen zu ihm kommen, oder vielmehr in die Stadt Terrania, mit deren Aufbau die von Thora mitgebrachten Roboter soeben beginnen...

Kommentar:

Rhodans Aufruf ist ja gut gemeint, aber wie sollen die Menschen Terrania erreichen können? Schließlich hat Homer G. Adams gerade erst zu Recht festgestellt, dass der Versuch wegen der chinesischen Militärpräsenz zum Scheitern verurteilt wäre. Dieser Höhepunkt einer unglaublich geschwätzigen, vor Pathos nur so strotzenden Rede Perry Rhodans wirkt wenig überzeugend. Ein solches Geschwafel kann ich einfach nicht ertragen. Auch frage ich mich, warum Rhodan überhaupt mit der STARDUST in der Gobi gelandet ist, wenn klar ist, dass er ohne weitere Hilfe doch nicht bestehen kann. Da hätte er Thora auch gleich ein 60-Meter-Beiboot aus den Rippen - Pardon: Brustplatten - leiern können.

Ansonsten gefällt mir der zweite "Neo"-Roman ganz gut, denn inzwischen habe ich mich damit abgefunden, dass im Kern genau dieselbe Geschichte erzählt wird wie in den ersten Heften der klassischen Serie - auch diesmal wieder leicht aufgehübscht, modernisiert und mit diversen Nebenhandlungen (ohne die man heutzutage nicht auszukommen glaubt) unterfüttert, die von der klassischen Serie abweichen. Mal sehen, ob die Autoren den Mut haben, einen interessanten Ansatz dieses Romans weiterzuverfolgen: Der US-Präsident will die AETRON erobern. Das ist natürlich ein ziemlich ehrgeiziges Vorhaben, aber was wäre, wenn es gelänge? Das wäre wirklich mal eine ganz neue Entwicklung! Leider werden die Machthaber auch diesmal wieder zu klischeehaft böse dargestellt. General Bai Jun dagegen ist ein starker, gut aufgebauter Gegenspieler für Rhodan. Hoffentlich verschwindet er nicht gleich wieder, und hoffentlich degeneriert er nicht zum 08/15-Schurken. Flipper muss - genau wie in der klassischen Serie - den unverzichtbaren Unsicherheitsfaktor spielen. Warum wurde jemand mit einer derart labilen Persönlichkeit eigentlich für die Mondmission zugelassen?

Obwohl ich Mercants Reise mit der schönen Truckerin für viel zu konstruiert und an manchen Stellen recht kitschig halte, so bietet sie (zusammen mit einigen zwischen die Hauptkapitel eingefügten Seitenblicken auf aktuelle Ereignisse kurz vor der Mondlandung) doch einen Aspekt, der in den Romanen der klassischen Serie völlig außen vor geblieben ist: Wie reagieren die normalen Menschen auf die Ankunft von Außerirdischen? Wie ist das Lebensgefühl in einer Welt, die am Rande des Abgrunds balanciert? Offenbar sind die Menschen zumindest in den USA zutiefst desillusioniert, es herrscht eine gewisse Weltuntergangsstimmung. Rhodan gibt den Menschen neue Hoffnung, was allerdings dazu führen könnte, dass er zu einem Heilsbringer von übermenschlicher Größe hochstilisiert wird. Mal sehen, wie die Autoren diese Klippe umschiffen werden. Solange derartige Eindrücke von der "anderen Seite" vermittelt werden, ist Mercants Reise gut lesbar und sinnvoll für den Roman - wenn man mal ignoriert, dass sich Mercant für einen Top-Agenten extrem dämlich anstellt und am Ende auch noch glaubt, sich mit Perücke und falschem Bart tarnen zu können. Ein Teil dieser Handlung erweckt jedoch den Eindruck von Seitenschinderei, auch wirkt manches etwas zu dick aufgetragen.

Noch eine Bemerkung zu Rhodans Gequatsche am Ende des Romans: Er behauptet, die Arkoniden seien friedfertig. Das wirkt angesichts der Vernichtung der Mondbasis und des chinesischen Heerlagers wie reiner Hohn. Gut, diesmal kann man Thoras Überreaktion hinnehmen, schließlich hat das terranische Ungeziefer gewagt, sie anzugreifen. Rhodan belügt seine Zuhörer jedoch, wenn er behauptet, die Arkoniden seien Förderer der Menschheit. Er hat schließlich keine Ahnung, welche Ziele sie wirklich verfolgen, und wie Thora künftig reagieren wird.

Der Roman enthält zwar wieder einige der bei Montillon üblichen fragwürdigen Formulierungen, aber auch einen Satz, für den man ihn einfach lieben muss: "Zwei Brüste und eine Hand reckten sich ihm entgegen. Er demonstrierte Höflichkeit und ergriff die Letztere."

J. Kreis, 17.10.2011


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Gastkommentare


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Gastkommentar von Joe (30.10.2011):

Nein, Heft 2 kann den hohen Standard des ersten Hefts nicht halten - das war auch nicht zu erwarten gewesen. Überraschend ist aber, dass es streckenweise durchaus recht nahe an ihn herankommt. Das hier dürfte das Beste sein, was ich bisher von CM gelesen habe.

Wenn nur nicht dieser saublöde Patzer mit dem verkorksten Zeitablauf wäre: In Heft 1 erfährt Mercant bereits von Pounder, dass die STARDUST auf dem Rückweg ist, und bei CM erfährt er es unterwegs in der Trucker-Raststätte - vorher hatte er offensichtlich keine Ahnung davon. Die erste sich bietende Gelegenheit, und schon wird die Expo-Abstimmung der Hefte granatenmäßig verhunzt. Das muss doch wirklich nicht sein, also echt! Das ärgert mich wirklich sehr, sehr, sehr!


Gastkommentar von kidgforce (20.10.2011):

1 A Review, der etliche wichtige Punkte anspricht, die ich auch kritisiere (obwohl NEO insgesamt besser als erwartet geworden ist und mich mehr bei der Stange hält, als zur Zeit die Erstauflage).

1. Wenn Rhodan schon auf dem Mond erkennt, dass die Arkoniden-Technologie nicht in die Hände einer einzigen Nation fallen darf, dann muss er gleich ne 60m-Korvette besorgen, wie auch immer. Mit der kleinen Stardust ist die Landung in der Gobi eine Einladung an alle, es zumindest mal zu versuchen. So kennt man doch die Menschheit. Auch Rhodan, hoffe ich.
Er muss einfach mit einer vorzeigbar überlegenen Technologie zurückkommen und schnell seine Forderungen durchsetzen. Wäre ja noch dümmer, wenn der gute Crest vorzeitig sterben würde. Oder sich genügend Atombomben finden, um das Schutzschirm-Spielzeug, das Thora der Stardust verpasst hat, doch zu überlasten. Da darf er sich nicht in einer so entscheidenden Lage für die Menschheit auf sein Glück verlassen. Die einzige Erklärung für mich, die Rhodan als strategischen Denker noch gut wegkommen lässt: Er spielt auf Zeit, weil er weiß, dass er Thora nicht auf die Schnelle rumkriegt, alles herauszurücken. Zugleich gibt er der Menschheit Zeit, die Entwicklung zu verkraften. Als von Anfang an überlegene Macht (mit der 60er) hätte er automatisch alle als Gegner - so kann er sein Heilsbringer-Image langsam aufbauen und Anhänger gewinnen. Riskantes Spiel.

2. Tja, die Nebenhandlungen. Adams und Mercant und Marshall in der Zeit, bevor sie von Rhodan "entdeckt" wurden (in der EA). DIe planen schon jetzt an einer neuen Welt und sehen mit Rhodan ihre Chance. Vielleicht benutzen sie ihn auch nur? Das wäre interessant. Da gibt es offensichtlich eine Fraktion unter den Terranern, die sich schon jetzt als Terraner fühlen und darauf hinarbeiten. An dem Punkt wäre es spannend, mal zu erfahren, was sie an der bisherigen Welt so Scheiße finden. Im Prinzip ist ja NEO-2036 so wie heute geschildert. Politik, Geheimdienste, Umweltkatastrophen: Nix Neues. Müsste man als Autor mehr dramatisieren, damit das klar wird, warum Rhodan das alles abschaffen will und wird. Die winzig kleine Nebengeschichte vom von der Homeland Security ermordeten Dr. phil. ist da noch die, die mir am nähsten geht.

Literarisch gesehen ist das wohl eine Hommage an die Science-Fiction-Fans und ihre Macht, mit Visionen die Welt zu verändern, Die Frage ist, wohin die Serie mit dieser Geschichte sonst noch hin will. Vorauszusehen ist, dass Mutanten plus Arkoniden-Tech doch noch die Macht ergeben, um eine schnelle Behandlung für Crest herbeizuführen. Dass sich ne Menge Leute einfach mal gefühlsmäßig Perry Rhodan anschließen und Terrania doch noch bevölkert wird (Da ist es eigentlich irgendwie sarkastisch, dass es Rhodan durch eine idealistische Geschwafelrede besser gelingen wird, als durch konkrete Pläne und Ansagen - ein Abbild heutiger Politik? Und ich hoffe für Flipper, dass er doch noch mal schnell mit einer Space-Jet in den Himalaya fliegen und seine Geliebte retten kann. ;-)



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