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Perry Rhodan Neo Nr. 13: Schatten über Ferrol

Autor: Hermann Ritter

Inhalt

Die Planeten des Wega-Systems wurden von den Topsidern besetzt, aber die Ferronen leisten weiterhin Widerstand. Ein Gefangenenaufstand auf dem Mond Ferrolia wird niedergeschlagen. Nur dem Weisen Trker-Hon ist es zu verdanken, dass nicht alle Beteiligten hingerichtet werden. Die Hoffnungen der Ferronen ruhen auf ihrem Herrscher, dem Thort. Er hat den Nimbus eines allessehenden, allgegenwärtigen Heilsbringers. Noch wird sein Regierungssitz, der Rote Palast, durch einen Energieschirm geschützt, doch die Topsider sind bereits dabei, ihn durch permanentes Bombardement zu überlasten. Perry Rhodan, Ras Tschubai, Wuriu Sengu und Chaktor nutzen das Flackern des Schirms aus, um in den Palast - eigentlich eine ausgedehnte Stadt innerhalb der planetaren Hauptstadt - einzudringen. Sie kommen gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie sich der Thort durch einen Transmitter in Sicherheit bringt. Der Thort-Wächter Lossoshér bleibt zurück. Wie Chaktor hält auch er die Terraner für Lichtbringer und flieht mit ihnen vor den angreifenden Topsidern durch den Transmitter. Ziel ist ein altes Fort auf Rofus, dem neunten Planeten der Wega. Das Fort wurde bereits von den Topsidern eingenommen, doch im Transmitterraum sind Rhodan und seine Begleiter vorerst in Sicherheit.

Von Lossoshér erfährt Perry Rhodan, wie der Mythos des Thort und der Lichtbringer entstanden ist. Demnach ist es einem Ferronen vor langer Zeit gelungen, einen Atomkrieg verfeindeter Stämme zu beenden und das Volk zu einen. Dies war ihm nur mit der Hilfe eines aus einem anderen Sonnensystem stammenden Mannes namens Ke-lon möglich. Ke-lon hat mit seinem überlegenen Raumschiff in die Kämpfe eingegriffen und dem Thort mehrere Transmitter zur Verfügung gestellt. So konnte der Thort scheinbar an vielen Stellen gleichzeitig zugegen sein. Der Thort wurde nach dem Ende des Krieges zum Oberhaupt aller Ferronen. Die Transmitter stehen heute noch auf verschiedenen Planeten des Wega-Systems. Sie können zwar von den Thort-Wächtern bedient, aber nicht gewartet oder gar nachgebaut werden.

Der Name "Ke-lon" lässt Rhodan aufhorchen, denn der Funkspruch, dem er ins Wega-System gefolgt ist, wurde von einem gewissen "Kerlon" abgesandt. Wie sich herausstellt, steht der Sender dieses Notrufs auf Lannol, dem 16. Planeten. Dort befindet sich ebenfalls ein Transmitter. Um diese Gegenstation erreichen zu können, müssen Rhodan und seine Gefährten zunächst das Gerät in der Rofus-Basis mit Energie versorgen. Der Teleporter Tschubai übernimmt diese Aufgabe, während sich Sengu mit seiner besonderen Parafähigkeit genauer umsieht. Dabei entdeckt er Thora. Sie sitzt in einer Gefängniszelle des Forts.

Thora hat den Absturz der GOOD HOPE überlebt und ist den Topsidern in die Hände gefallen. Trker-Hon, der nach Rofus abkommandiert wurde, ist überrascht, eine Arkonidin im Wega-System anzutreffen. Er unterhält sich mit ihr über die Welt des ewigen Lebens, um herauszufinden, ob Thoras Anwesenheit denselben Hintergrund hat wie der topsidische Angriff. Das Gespräch wird unterbrochen, denn Rhodans Leute zünden zur Ablenkung einige Bomben, brechen in das Gefängnis ein, befreien Thora und fliehen durch den Transmitter nach Lannol. Dort werden sie bereits von einem quicklebendigen Ernst Ellert erwartet.

Derweil auf Terra: Die Tiefseekuppel wurde von den Terranern eingenommen. Julian Tifflor, Mildred Orsons und Timothy Harnahan machen dort Inventur. Zu dieser langweiligen Tätigkeit wurden sie von Allan D. Mercant eingeteilt, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen. Zuvor haben sie Mercant darüber unterrichtet, dass Quiniu Soptors Aufklärer in Funkverbindung mit dem Saturnmond Titan steht. Dort muss es also eine arkonidische Basis geben. Um ihre Sehnsucht nach den Sternen zu befriedigen, kapern die drei jungen Leute Quinius Aufklärer. Sie werden nicht aufgehalten und erreichen den freien Weltraum.

Mercant ist mit dem U-Boot DELLING unterwegs zu dem auf dem Meeresgrund liegenden arkonidischen Kugelraumschiff. He Jian-Dong leitet die Erkundung als Kommandant eines zweiten Bootes. Auf der Hülle des 800-Meter-Raumers prangt der Name TOSOMA. Das Schiff ist offensichtlich funktionsfähig, denn als He Jian-Dongs Leute versuchen, ein Schott manuell zu öffnen, fährt ein Energieaggregat der TOSOMA hoch - es handelt sich allerdings nicht um die Schottsteuerung, sondern um ein Waffensystem. He Jian-Dongs U-Boot wird vernichtet.

Inzwischen hat sich der scheinbar vernichtete Transmitter im Inneren der Tiefseekuppel selbst repariert und wartet nur darauf, benutzt zu werden. Dies bleibt Crest nicht verborgen. Der alte Arkonide schickt sich an, den Transmitter zu durchschreiten (Tatjana Michalowna soll ihn begleiten), überlegt es sich dann aber doch anders.

Kommentar:

Zu Anfang hat mir der Roman gut gefallen. Hermann Ritter erzählt eine angenehm lesbare Geschichte, es wird ein plastisches Bild der Verhältnisse auf Ferrol gezeichnet, die Topsider werden etwas mehr in den Mittelpunkt gerückt (obwohl ich immer noch nicht verstehe, welchen Sinn die "sozialen Weisungen" haben), der Humor kommt nicht zu kurz, Rhodan benimmt sich nicht die ganze Zeit wie ein Weichei und es werden neue Informationen vermittelt. Fest steht, dass Rico und die Torbogentransmitter nicht arkonidischen Ursprungs sind. Ihre "Selbstheilungskräfte" lassen vermuten, dass sowohl der Roboter als auch die Transmitter derselben Technik entstammen. Der erste Thort wurde von jemandem unterstützt, der ihm die Transmitter zur Verfügung gestellt hat. Dieser Jemand hat den Namen "Ke-lon" oder "Kerlon" benutzt und ist zweifellos identisch mit Ricos Meister, dem Herrn der Tiefseekuppel. Die TOSOMA ist wahrscheinlich das Schiff, mit dem er damals im Wega-System unterwegs war. Die GOOD HOPE (ehem. TOSOMA IX) ist ein Beiboot dieses Schiffes. Kerlon ist jetzt wohl per Transmitter ins Wega-System gereist - aber warum ruft er nach denjenigen, die "das Licht bringen", wenn er selbst derjenige ist...?

Der Spaß an der Lektüre wurde mir schon sehr bald durch einige Ungereimtheiten vergällt. Der Stil der Tifflor-Kapitel hat dazu nicht unerheblich beigetragen. Diese Abschnitte würden eher in ein Kinderbuch passen, so wie die vielen Lautmalereien ("Hmpf", "Pfft", "Aaah", "Sooo") vielleicht in einer Comic-Sprechblase gut aufgehoben wären, aber nicht in einem Roman.

Jetzt zu den Ungereimtheiten. Die Terraner sind weiterhin ungehindert in den Weltmeeren unterwegs - wahrscheinlich haben sich die USA und China inzwischen gegenseitig vernichtet, sonst würden sie das sicher nicht zulassen - und können jetzt auch in der Tiefseekuppel nach Belieben schalten und walten. Die durchaus zu eigenständigem Handeln fähige Kuppelpositronik scheint sich nicht daran zu stören, dass die Menschen alle Räume durchstöbern und sich häuslich einrichten - und das, obwohl der Positronik das Feuergefecht mit Rico wohl kaum entgangen sein kann. Ich könnte noch akzeptieren, dass der Positronik weder Roboter noch andere Verteidigungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Aber warum blockiert sie nicht einfach sämtliche Kontrollgeräte, die Energieversorgung und die Lebenserhaltungssysteme?

Außerdem kann plötzlich alle Welt arkonidische Technik bedienen. Selbst wenn ich davon ausgehe, dass die Steuerung von Raumschiffen idiotensicher ist (schließlich beschäftigen sich die Arkoniden lieber mit Fiktivspielen als mit Navigationssystemen usw.), so kann ich doch nicht glauben, dass es drei jungen Leuten, die bis jetzt noch kaum Umgang mit dieser Technik gehabt haben können, problemlos gelingt, mit dem Aufklärer zum Saturn zu fliegen. Harnahan hackt sogar eine arkonidische Positronik, um eine Schleuse in der Tiefseekuppel zu öffnen. Mir fehlen die Superlative, um zu beschreiben, wie lächerlich das ist.

Aber nicht genug damit: Man lässt die Kids gewähren! Niemand hält sie auf! Irgendwer in der terranischen Führungsebene (wer wem was zu sagen hat, ist bei den Typen ja sowieso völlig unklar) hält es also für eine gute Idee, drei dahergelaufenen Jugendlichen die Erkundung einer der wichtigsten Entdeckungen in der Geschichte der Menschheit zu überlassen. Man nimmt außerdem in Kauf, dass sich die Fantan auf die Spur des Aufklärers setzen, um ihn und das eine oder andere Besun aus der Titan-Basis mitgehen zu lassen. Und man gibt ein ganz leicht zu bedienendes Stück Supertechnik einfach so aus der Hand - normalerweise müsste der Aufklärer irgendwo in einem Geheimlabor verschwinden und Stück für Stück analysiert werden. Weil das natürlich nicht besonders spannend wäre, dürfen ein paar abenteuerlustige Kids damit durch die Gegend schippern. Allmählich tut's wirklich weh!

Als hätte er mit alldem noch nicht genügend Böcke geschossen, behauptet Ritter auch noch, Chaktors Körperkräfte seien infolge der niedrigeren Schwerkraft auf Rofus größer als die eines Menschen. Deshalb kann der Ferrone eine Tür eintreten. Na klar, Neil Armstrong konnte auf dem Mond ja auch zehn Zentimeter dicke Stahlstangen mit bloßen Händen verbiegen.

Schön, dass Thora den Absturz der GOOD HOPE überlebt hat. Aber wie hat sie das geschafft? Ich nehme an, dass das nur eines der vielen Details der Neo-Serie ist, die man nicht hinterfragen darf...

J. Kreis, 19.03.2012


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Gastkommentare

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Gastkommentar von Joe (29.03.2012):

Gut, für den Neo-Erstling eines neuen Autoren (ich denke, man kann HR noch immer so bezeichnen) ist das Heft achtbar. Man spürt den Versuch, die Geschichte zu durchdenken und ohne Löcher und Widersprüche zu erzählen, auch wenn das nicht immer gelungen ist - und das ist mehr, als man von manch einem Kollegen HRs in den letzten Wochen sagen kann. Und dass Rhodan eine aktivere Rolle spielt, ist ebenfalls begrüßenswert, wenn er auch eine Neigung hat, moralischen Unsinn zur falschen Zeit diskutieren zu wollen. Trker-Hon gefällt mir ebenfalls immer besser.

Dennoch: Achtbar, aber nicht mehr. Denn immer noch passt zu viel nicht zusammen. Der Anfang beispielsweise ging völlig in die Hose und passt gar nicht zum Ende von Neo 11. Tifflors Eskapaden sind leider komplett unglaubwürdig. Oder die lustige Art und Weise, wie er durch Beinahe-Rammen des Mondes den Fantans entkommt: Ich weiß nicht, ob HR hier versucht, ein Swing-by-Manöver zu beschreiben, aber es handelt sich jedenfalls nicht um eins. In der beschriebenen Form spottet es allen Gesetzen der Himmelsmechanik.

Die Aktion "Rofus" kann man so wohl auch nicht wirklich durchgehen lassen (jahrtausendealter Schrott funktioniert noch ganz klasse - die Arkoniden kennen immerhin automatische Reparaturroutinen, aber die Ferronen wohl kaum), und die Topsider sind eigentlich überhaupt keine Echsen, sondern ganz normale Menschen. Die Fantans sind immerhin wirklich anders, wenngleich ich noch nicht überzeugt bin, dass ihre Gesellschaft wirklich schlüssig ist. Aber die Topsider? Könnten hier ebensogut beliebige US-Marines sein. Da sind die Ferronen mit ihrer eigenartigen Kultur ja weiter von uns entfernt als die Echsen.

Zwei Punkte, die mich schon länger umtreiben:
1) Es sieht wohl beinahe so aus, als würde das Thema ES/Unsterblichkeit in dieser Staffel nicht mehr stattfinden. Demnach wird sich die nächste dann wohl auch noch nicht mit den Springern befassen...
2) Wieso sind eigentlich die Fantans überhaupt aufgetaucht? Ich kann mich nicht erinnern, dass das je geklärt wurde. Sollte es aber, denn ein bloßer Zufall würde mir doch extremes Kopfweh verursachen.



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