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Perry Rhodan Jupiter

Autoren: Hubert Haensel, Christian Montillon, Wim Vandemaan

Inhalt

Im 15. Jahrhundert NGZ kommt es zu beunruhigenden Zwischenfällen auf Terra, an denen stets Personen beteiligt sind, die die neuartige Droge "Tau-Acht" konsumieren. Diese Menschen scheinen Paragaben zu entwickeln wie zum Beispiel ein Robotrestaurator namens Spiros Schimkos, der einen Mord verübt, indem er ein Fenster aus Panzertroplon durch bloßes Handauflegen zum Zerbersten bringt. Homer G. Adams vermutet, das Syndikat der Kristallfischer habe Tau-Acht in Umlauf gebracht, denn es scheint sich um eine Abart jener Hyperkristalle zu handeln, die das Syndikat mit seinen gewaltigen Faktoreien in der Atmosphäre des Planeten Jupiter erntet. Adams beobachtet das Syndikat deshalb bereits seit Jahren, hat aber bislang keine Beweise für illegale Aktivitäten sammeln können.

Ganymed, der größte Mond Jupiters, wurde schon in den ersten Jahrzehnten des Solaren Imperiums von den Terranern kolonisiert. Die Ganymedaner legen Wert auf ihre Selbstständigkeit, fühlen sich aber von der LFT vernachlässigt. Im Jahre 1461 NGZ steht die 3000-Jahr-Feier der Besiedlung an. Perry Rhodan, Reginald Bull und Mondra Diamond reisen anlässlich dieses Ereignisses mit der CHARLES DARWIN II an. Sie sind zu Gast bei Bürgermeisterin Kaci Sofaer in der Kuppelstadt Galileo City. Ihre Anwesenheit soll nicht zuletzt verdeutlichen, dass die Ganymedaner keineswegs in Vergessenheit geraten sind. Auch auf Ganymed zeichnen sich ungewöhnliche Entwicklungen ab, von denen Rhodan bisher nichts wusste. Viele Ganymedaner konsumieren Tau-Acht. Sie schlafen nicht mehr, erlangen die verschiedensten Paragaben und betrachten sich mehr und mehr als überlegenes Produkt der Evolution. Sie bezeichnen sich selbst als "Honovin", abgeleitet von Homo novus insomnus.

Ganymed ist ein beliebtes Urlaubsziel für Wintersportler. Die Archäologin Kateen Santoss hat sich vorgeblich zu diesem Zweck in einem Hotel bei Galileo City eingemietet. In Wahrheit will sie die Arbeit ihrer Eltern fortsetzen, die vor 18 Jahren bei der Suche nach lemurischen Hinterlassenschaften ums Leben gekommen sind. Als sich am 1. Februar 1461 NGZ plötzlich und unerwartet ein aus fünf versetzt übereinandergestapelten Würfeln bestehendes Artefakt in Hotelnähe aus der Eiskruste Ganymeds emporschiebt, glaubt Kateen am Ziel ihrer Träume zu sein. Es stellt sich jedoch schnell heraus, dass das Artefakt nicht aus der Epoche der Lemurer stammen kann, denn es ist mindestens 200.000 Jahre alt - und es wird "jünger", d.h. es gleicht sich dem normalen Zeitablauf an. Alle Lebewesen, die sich in der Nähe des Artefakts aufhalten, vernehmen innere Stimmen und werden mehr oder weniger stark mental beeinflusst. So ergeht es auch Reginald Bull, der sich die Sache vor Ort ansehen will. In der Umgebung des Artefakts treten am 12. Februar außerdem starke Schwerkraft-Anomalien auf.

Perry Rhodan nimmt selbst eine Prise Tau-Acht und erlebt einen Moment ungewöhnlich starker Sinneseindrücke, in deren Mittelpunkt Jupiter steht. Rhodan und seine Lebensgefährtin fliegen in Begleitung der TLD-Agenten Dion Matthau, Porcius Amurri und Gili Sarandon mit einer Space-Jet zum Jupiter, um der Sache auf den Grund zu gehen. Ihr Ziel ist die Faktorei MERLIN, eine Gigantfabrik des Syndikats, die auf einer Hälfte des ehemaligen Ultraschlachtschiffes MERLIN AKRAN aufgebaut wurde. In der Jupiter-Atmosphäre tobt bereits ein hyperphysikalisches Chaos. Die Funkverbindung zur CHARLES DARWIN II bricht ab. Mit knapper Not erreichen Rhodan und Mondra die Faktorei, werden dort aber von Onezime Breaux, dem Oberhaupt der Syndikatspolizei SteDat ("Stelle für Datenbeschaffung") festgenommen. In der Faktorei gerät die Situation allmählich außer Kontrolle. Immer mehr Honovin bzw. Tau-Acht-Süchtige stellen die Arbeit ein, gefährden sich und andere bei der unkontrollierten Anwendung ihrer Paragaben oder halten sich nur noch im vom neuen Bordrechner DANAE betriebenen Spielcasino auf.

Rhodan wird Oread Quantrill vorgeführt, dem Chef der Faktorei. Auch er steht unter dem Einfluss von Tau-Acht. Er schlägt Rhodan eine Partnerschaft vor. Sein Ziel besteht darin, Jupiter zur "Ersten Schwarzen Festung" der Menschheit zu machen. Rhodan erfährt zunächst nicht, was es damit auf sich hat. Da er nicht auf Quantrills Angebot eingeht, wird er eingesperrt. Ein junger Ganymedaner namens Firmion Guidry befreit ihn. Guidry leidet unter "idiopathischer Narkolepsie" (d.h. er schläft immer wieder aus unbekannten Gründen ein) und hat unter dem Einfluss von Tau-Acht die Fähigkeit erlangt, alle möglichen Maschinen, Aggregate und Rechner Kraft seines Geistes zu "heilen". Diese Gabe wendet er an einer halbwracken Space-Jet an. So können Rhodan und Guidry aus MERLIN fliehen und zur Cor-Jupiter-Forschungsstation auf dem festen Kern des Gasplaneten gelangen. Bis auf die Chefwissenschaftlerin Irene Lieplich stehen alle dortigen Besatzungsmitglieder im Bann der Honovin Pao Ghyss, die schon in den von Spiros Schimkos verübten Mord verwickelt war. Rhodan gerät trotz seiner Mentalstabilisierung unter ihren Einfluss.

Irene Lieplich berichtet, dass Jupiter von Ganymed aus mit Gravitonen beschossen wird, die sich mit Higgs-Teilchen verbinden, welche auf Jupiter entstehen. Der Planet wird auf diese Weise immer massereicher. Er wird sich deshalb innerhalb weniger Tage zu einem Schwarzen Loch entwickeln. Die Cor-Jupiter-Station steht bereits kurz vor der Vernichtung. Der Standort des Aggregats, das die Higgs-Teilchen erzeugt, ist bekannt. Das Gerät wird als "Fluktuationstransmitter" bezeichnet. Seine Erbauer sind ebenso wenig bekannt wie der Grund für die Umwandlung Jupiters. Rhodan, Guidry und Pao machen sich auf den Weg zum Fluktuationstransmitter. Sie erreichen die Psionische Arche NAPHAUT DOSCHUR, ein auf Jupiter gestrandetes Schiff der Schiqalaya. Diese friedlichen, fledermausdürren Wesen mit radförmigen Ganzkörperflügeln stammen aus einer weit entfernten Galaxie. Ihr Schiff ist nach der Ankunft im Solsystem im Jahre 1344 NGZ mit dem TERRANOVA-Schirm kollidiert, der seinerzeit wegen des Angriffs der Terminalen Kolonne aktiviert worden ist. Seitdem sitzen sie auf Jupiter fest. Der Schiqalaya Ileschqa, Träger eines Vitalenergiespeichers und somit unsterblich, begrüßt die Ankömmlinge. Sie erfahren die Geschichte dieses Volkes.

Die Schiqalaya mussten ihre Heimatwelt Qala verlassen, weil der Planet in seine Sonne zu stürzen drohte. Sie siedelten sich auf dem Planeten Schelekesch in der Galaxie Baschq an, wo sie einen geheimnisvollen Turm entdeckten. Dieser beeinflusste und beflügelte ihre weitere Entwicklung durch die Freisetzung von Psionen, die in jedem, der sie in sich aufnahm, revolutionäre neue Ideen und erstaunliche Fähigkeiten weckte. So entwickelten die Schiqalaya eine Technologie, die es ihnen ermöglichte, sich für unbegrenzte Zeit im Hyperraum aufzuhalten. Sie breiteten sich über viele Sonnensysteme aus und schlossen Bündnisse mit anderen Völkern. Eines Tages wurden sie von Phalguwan aufgesucht, einem Boten der Superintelligenz YNTRIM III., die auf der Suche nach einer neuen Mächtigkeitsballung war. Die Schiqalaya und ihre Bundesgenossen lehnten es jedoch ab, zu einem Hilfsvolk YNTRIMS zu werden. So waren sie leichte Beute für die Zhiridin, die den Psionen-Born erobern und alle Völker Baschqs zum Glauben an die "Tritheophane Präsenz" bekehren wollten. Die Schiqalaya flohen durch das Schwarze Loch Oaqqosch, das sie in ein permanentes Tor verwandelten, in den Hyperraum, um für immer dort zu bleiben. Sie sahen die Erhöhung der Hyperimpedanz voraus und erkannten, dass sie danach nicht mehr in ihrem Versteck würden leben können. Die Schiqalaya planten deshalb die Umwandlung Jupiters in ein "lebensfreundliches" Schwarzes Loch, hinter dessen Ereignishorizont sie sich zurückziehen wollten. Einer von vielen "Ankern" für ihre Hyperraum-Habitate befand sich auf dem Planeten Zeut, wo die Schiqalaya den Paramags begegneten. Nach der Vernichtung Zeuts verlagerte sich der Anker selbsttätig nach Ganymed, aber dadurch kam es zu einer Störung des Zeitplans und somit letztlich zur Havarie der NAPHAUT DOSCHUR. Die in diesem Schiff gespeicherten Psionen wurden zum Teil unkontrolliert in die Jupiter-Atmosphäre abgegeben.

Rhodan begreift, dass das Ganymed-Artefakt mit dem "Anker" identisch ist und dass die Terraner die Psionen unter dem Namen "Tau-Acht" kennen. Ileschqa erklärt, nur vom Fluktuationstransmitter aus (der mit dem Psionen-Born auf Schelekesch identisch ist) könne die Umwandlung Jupiters aufgehalten werden. Ileschqa versetzt sich selbst, Rhodan, Guidry und Pao in die Galaxie Baschq. Nach einem Zwischenstopp in der Sternenstadt THINTYSIR im Orbit Schelekeschs gelangen sie endlich ans Ziel. Viel Zeit ist vergangen - die Zhiridin haben "den Glauben verloren" und ihren brutalen Missionierungsfeldzug eingestellt, die Schiqalaya gelten als ausgestorben. Auf Schelekesch begegnen die ungleichen Gefährten überraschenderweise Phalguwan, der dort in all der Zeit als Eremit gewartet hat. Rhodan geht davon aus, dass die Zerstörung Qalas auf Phalguwans Konto geht und Teil eines Langzeitplans ist, der dazu führen sollte, dass jemand unter dem Einfluss der Psionen ganz bestimmte Fähigkeiten entwickelt - und zwar genau solche, wie Guidry sie besitzt. Denn Phalguwan und seinesgleichen sind nichts anderes als unvollkommene "Maschinen", erschaffen von YNTRIM. Guidry hat Rhodan nur benutzt, um zu Phalguwan zu gelangen. Durch Guidrys Paragabe könnte Phalguwan "repariert" werden, aber zu diesem Zweck müssten die beiden miteinander verschmelzen.

Derweil gibt Bull, der wieder zu sich selbst gefunden hat, Vollalarm für die Heimatflotte. Aufgrund von Schwerkraftstürmen und unerklärlichen Energieentladungen rund um Jupiter, die jegliche Technik stören, können die Schiffe jedoch wenig ausrichten. Ganymed ist ebenfalls nicht mehr erreichbar. Immerhin steht fest, dass das Ganymed-Artefakt als Gravitonen-Effektor fungiert und mit verantwortlich für das Chaos ist. Als bekannt wird, dass mitten im Solsystem ein Schwarzes Loch zu entstehen droht, ordnet Bull die Vernichtung des Artefakts an. Einige Honovin wollen dies verhindern und verüben einen Anschlag auf Bull. Der Erste Syndikatssenator Starbatty, mit dem Bull gerade konferiert, vereitelt das Attentat und arbeitet künftig mit dem Verteidigungsminister zusammen. Das Experimentalschiff TSUNAMI-X, das für Extrem-Umgebungen ausgelegt ist, wird ins Solsystem beordert. Die Zeit drängt, denn Ganymed hat seinen Orbit bereits verlassen und stürzt unaufhaltsam auf einen Gravo-Mahlstrom in der Atmosphäre des Jupiter zu, der größer ist als der Rote Fleck. Im Zentrum dieses Zyklons steht MERLIN. Es kommt zum Kampf gegen die Honovin bzw. die Leute von der SteDat, die das Artefakt belagern. Das Artefakt kann zwar selbst durch direkten Beschuss mit Transformkanonen nicht beschädigt werden, aber es wird zerstört, als die gesamte Umgebung pulverisiert wird. Es kippt um und stellt seine Aktivität ein. Dennoch muss Ganymed evakuiert werden, denn der Mond wird bald mit Jupiter kollidieren, was zur Vernichtung beider Himmelskörper führen wird. Galileo City wird aus der Mondoberfläche herausgeschnitten und von den Raumschiffen, die sich Ganymed jetzt wieder nähern können, ins All geschleppt.

In der Faktorei müssen Mondra und die drei TLD-Agenten an einem bizarren Wettkampf teilnehmen, um die Erlaubnis zu erhalten, die Station zu verlassen. Sie begegnen einigen Schiqalaya, die ihnen helfen. Viele Schiqalaya werden auf MERLIN von der Syndikats-Chefwissenschaftlerin Anatolie von Pranck gefangen gehalten, einige von ihnen konnten fliehen. Mondra und Porcius Amurri überleben den Parcours, Dion Matthau und Gili Sarandon kommen ums Leben. Letztere tötet zuvor noch Onezime Breaux. Quantrill hält sein Wort natürlich nicht. Er will Mondra und Amurri mit Tau-Acht vollpumpen. Inzwischen ist jedoch die alte, von DANAE matt gesetzte Biopositronik MERLINS zum Leben erwacht. Sie schickt Roboter, die Mondra und Amurri beistehen. Die beiden erfahren, dass innerhalb von MERLIN Mini-Black-Holes aus denaturierten Gravitonen entstehen, die große Zerstörungen verursachen. Es gelingt Mondra, DANAE mit einem eingefangenen Mini-Black-Hole zu vernichten. Quantrill will mit dem Beiboot TYCHE und sämtlichen Tau-Acht-Vorräten fliehen. Da er Anatolie von Pranck loswerden wollte, schließt sich die Wissenschaftlerin Mondra und Amurri an, die Quantrill aufzuhalten versuchen. Quantrill hat MERLIN absichtlich zum voraussichtlichen Einschlagsgebiet Ganymeds gesteuert. Durch den gleichzeitigen Tod aller Honovin sollten Energien freigesetzt werden, die zur Umwandlung Jupiters in eine "Schwarze Festung" führen sollten.

Mondra befreit einige Schiqalaya, die ihr den Weg zur TYCHE weisen. Amurri ist bereits mit einer Space-Jet dorthin unterwegs, die von Anatolie von Pranck gesteuert wird. Die Wissenschaftlerin rammt die TYCHE in Höhe von Quantrills Quartier, so dass beide sterben. Amurri wurde zuvor ins All geschleudert und gelangt ins Innere der TYCHE, die flugfähig bleibt. Als das Beiboot sich von MERLIN entfernt, erscheint die TSUNAMI-X und feuert einen überschweren SHIVA-Antimaterie-Torpedo auf Ganymed ab. Der Mond wird zerschmettert und bedeutet keine Gefahr mehr für Jupiter. Ein großes Bruchstück zerstört die Faktorei.

Auf Schelekesch hat sich Rhodan inzwischen ganz von Paos Einfluss befreit. Pao und die anderen Honovin waren ebenfalls auf der Suche nach Guidry, um ihn für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Pao schießt auf Rhodan, aber Ileschqa opfert sich, indem er sich in die Schussbahn wirft. Rhodan ist gezwungen, Pao zu töten. Guidry verschmilzt mit Phalguwan und beseelt ihn. Zum Dank deaktiviert Phalguwan den Psionen-Born am 14. Februar, kurz bevor der Umwandlungsprozess Jupiters unumkehrbar wird, und schickt Rhodan ins Solsystem zurück. Sowohl der Fluktuationstransmitter als auch die NAPHAUT DOSCHUR lösen sich auf - sie werden an ihren Ursprungsort zurückgeführt. Irene Lieplich holt Rhodan gerade noch rechtzeitig mit einer Panzerraupe ab.

Die Verhältnisse auf und um Jupiter normalisieren sich. Die meisten Honovin werden wieder normal und verlieren ihre Paragaben, manche tragen jedoch bleibende Schäden davon. Homer G. Adams sorgt dafür, dass das Syndikat der Kristallfischer in eine Finanzkrise gerät, so dass es aufgelöst und in die neue Gesellschaft SYKONPHA ("Syndikat zur Konstruktion planetarer Habitate") überführt werden kann. Dieses Syndikat wird Planeten bauen, und sein erstes Ziel besteht in der Wiederherstellung Ganymeds.

Kommentar:

Nach fünf Taschenbuch-Sechsteilern und drei Taschenbuch-Trilogien war man im Hause VPM offenbar der Meinung, man könne dem Leser eine über einen längeren Zeitraum gestreckte Handlung nicht mehr zumuten und hat deshalb aus drei Bänden einen einzigen gemacht: Einen von drei Autoren gleichzeitig geschriebenen Roman. Dieses Mammut-Projekt kann insoweit als erfolgreich bezeichnet werden, als sich die einzelnen Kapitel nicht krass widersprechen. Dass sie ein harmonisches Ganzes bilden, kann man aber auch nicht behaupten.

Auch ohne die Namen der Autoren am Kapitelanfang zu lesen, hätte ich sie problemlos zuordnen können. Nach einem geschwätzig-gestelzten Kasper-Prolog folgt gepflegtes Haensel-Einerlei, das in Montillon'sche Krachbumm-Action mit reichlich Blut und Eingeweiden mündet. Mit letzterem habe ich grundsätzlich kein Problem. Eigentlich finde ich die Kapitel, in denen Montillon episodenhaft schildert, welches Schicksal verschiedenen Leuten an Bord von MERLIN widerfährt, durchaus gelungen. Die Idee mit dem Teleporter, der seine Fähigkeit nicht ganz unter Kontrolle hat und sich quasi selbst zerlegt, weil manche Körperteile weiter teleportieren als andere, ist direkt filmreif. Montillon darf sich aber auch rühmen, mit Mondras Absolvierung des Holo-Parcours das mit Abstand sinnloseste Kapitel geschrieben zu haben, das je in einem PR-Taschenbuch vorgekommen ist. Vampire, Dschinns, Mondra im Kampf gegen einen Roboter, den sie mit bloßen Händen vernichtet... au weia. Abgesehen davon, dass es kaum einzusehen ist, warum ein solch aufwändiger Parcours überhaupt existiert (MERLIN ist schließlich kein Vergnügungszentrum), kann man dieses Kapitel verlustfrei querlesen oder einfach ganz ignorieren. Reine Seitenschinderei. Das wäre ja nicht weiter schlimm, wenn das Kapitel wenigstens spannend wäre...

Irgendwann kommt dann das unvermeidliche endlos ausufernde Kapitel, in dem Hartmut Kasper eine weitere seiner zwar faszinierenden, letztlich aber doch zum größten Teil irrelevanten Kopfgeburten ausformulieren darf. Er wirft wie wild mit unzähligen möglichst exotischen Begriffen um sich und vergisst dabei, dass er nur die Hintergründe der aktuellen Geschehnisse offenlegen sollte. Solche einfach in den Roman hineingeklatschten, aber nicht sinnvoll mit der eigentlichen Handlung verknüpften Kapitel sind bei ihm leider nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Ich zitiere ihn: "Das Gegenteil von sich selbst - das klang nach einem neuen Kandidaten für das Kuriositätenkabinett des Unbeschreiblich - Unbegreiflichen". Genau! Das ist eine sehr treffende Selbstdiagnose. Kasper reiht einfach nur Kuriositäten, Kabinettstückchen und Ideenfragmente aneinander und meint dann, er hätte einen Roman geschrieben. Das Ganze führt zu einer Auflösung, die sehr gezwungen wirkt und nicht wirklich überzeugen kann. Phalguwans Machenschaften rangieren für mich jedenfalls ganz oben in der Rangliste der bescheuerten Langzeitpläne.

Bei all dem Durcheinander schwirrt einem bald ziemlich der Kopf! Ich kann deshalb auch nicht dafür garantieren, dass ich die Handlung dieses 1000-Seiten-Ziegels richtig verstanden und wiedergegeben habe. Vollständig ist die Zusammenfassung sowieso bei weitem nicht, denn der Roman strotzt nur so vor Abweichungen, neuen Personen, Orten, Namen und diversen Nebenhandlungen. Viele Personen kommen aus dem Nichts, werden kaum ausgearbeitet und sterben bald wieder (was den Leser nicht berührt) oder werden einfach ignoriert. Das meiste davon ist für die eigentliche Geschichte wie gesagt völlig verzichtbar. Zwar in den meisten Fällen gut ausgedacht und nett formuliert, aber auf die Dauer doch ermüdend. Ich habe mir unzählige Notizen gemacht, aber nur einen Bruchteil davon bei der Zusammenfassung berücksichtigt - den Rest braucht man schlicht und ergreifend nicht, um die Geschichte zu erzählen! Vieles gerät im Verlauf des Romans sowieso in Vergessenheit oder wird im Nebensatz abgehandelt. Was wurde aus Kateen Santoss, Tianna Bondoc und Starbatty? Was ist das weitere Schicksal der Schiqalaya? Wer war bzw. ist Chatrun? Warum konnte Pao Ghyss Rhodan trotz Mentalstabilisierung beeinflussen? Was waren die wahren Pläne der Honovin und Oread Quantrills? Die Tau-Acht-Süchtigen werden wieder normal, Jupiter auch, Ganymed wird wieder aufgebaut. Das wird auf den allerletzten Seiten des Buches zusammengedrängt.

Es kann übrigens durchaus sein, dass ich die eine oder andere Information überlesen habe, denn ich konnte keinen Bezug zu all den Nebenfiguren herstellen und war irgendwann so gelangweilt von dem ganzen Geschwurbel, dass meine Konzentration arg gelitten hat. Nein, ein besonders großes Lesevergnügen war "Jupiter" für mich wirklich nicht. Zu uneinheitlich, über weite Strecken zu langweilig und viel zu aufgebläht.

J. Kreis, 21.02.2011


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